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Der Papst und der Islam

Wer weiß, dass Jesus für Mohammedaner ein Prophet ist, wer weiss, dass der Koran Jesus in mehreren Stellen als gottgesandten Propheten und auch als
"Wort" Gottes mit nicht näher erklärter Bedeutung anerkennt, "erschaffen wie Adam" (Suren 2, 3,
5,…), kricht die Motten, wenn er sieht, was für eine künstliche Welle gegen einen Redeausschnitt von Papst Benedikt XVI., geschürt wird.

Einem Freidenker könnte das dennoch egal sein, er sieht keinen allzugroßen Unterschied zwischen den Religionen: hier heimliches Mittelalter (die katholische Kirche bis heute) und da Voll-Mittelalter (islamische Gesellschaften und ihre Verwobenheit mit den islamischen Regierungen). Abgehakt.

Oder doch nicht?

Benedikts Äußerungen waren ein Zitat eines byzantinisch-christlichen Kaisers, der sich in einer schriftlich überlieferten gepflegten Streitkultur mit dem persischen Vertreter des Korans befand. Was sich der Konservative natürlich nicht ohne Grund ausgesucht hat. Ich nehme auch immer lieber die Zitate, die mir in den Kram passen. Was in der illustren Runde seine unbestrittene Gelehrsamkeit und Ausrichtung elegant unterstreichen sollte, hat sich gegen ihn gewandt. Wer ihm zuhörte, waren eben nicht nur Theologen, sondern Menschen, die hinter der Verwendung eines bestimmten Zitates etwas wittern, oder nicht genau zuhörten oder deren Wissen enger ist.

Oder auch Menschen, die lieber die Welle machen wollen. Was meine Erfahrungen bestätigt, dass der Empfänger letztlich die Botschaft bestimmt, und nicht der Sender. Niemand ist davor gefeit.

Ich bin weiß Gott kein Fan von Ratze, der für die Verfestigung einer rechtskonservativen und gewissen rückständigen, frauenfeindlichen Richtung steht und ein Rethoriker seiner konservativen Hardliner-Gesinnung vor dem Herrn ist. Diesmal war er im Zentrum der Irrwitze des Mediengeschäfts, voran die tagesschau.de, die ihm in einem Kommentar nahelegen will, "empfindliche Ohren zu bedenken". Nun, meine empfindlichen Weiber-Ohren hat er auch nie bedacht, ich habe jedoch auch keine Fathwa gegen ihn ausgesprochen und die blaue Fahne des Vatikan verbrannt, nur weil mir seine Meinung nicht passt.

Seit der Cartoon-Sache einer rechtslastigen neocon-Zeitung in Dänemark weiß aber wirklich jeder, dass wieder einmal führende islamische Feuerschürer begeistert Öl ins Feuer gießen wollen und diese günstige Gelegenheit ergriffen. Es hätte auch eine andere sein können. Man wollte. Daher regt mich diesmal… nicht Ratze auf, sondern der Kommentar der Tagesschau. Er bedeutet in letzter Konsequenz, es dürfe keiner mehr, der in der Öffentlichkeit steht, auch nur irgendwas zu Islam und zu Gewalt sagen. Und am besten nix kompliziert-gelehrtes, weil das ein paar nicht verstehen.

Der letztendgültige Maulkorb, dann haben wir es geschafft. Was ist DAS DENN für eine feige Haltung. Unsere Öffentlich-Rechtlichen mit ihren unglaublichen Kommentatoren, GEZ noch? Dann regiert der islamische Fundamentalismus komplett die Medien im Westen mit und durch Angst vor Ausschreitungen. Es darf jedoch nicht passieren, dass aus Angst durch die Wolldecke gesprochen wird, wenn eigentlich Klartext und Diskussionskultur zwischen den Religionen nötig ist.

Sonst kommt einer Freidenkerin wie mir Oriana Fallaci doch nicht mehr so radikal und fremd vor, als sie behauptete, der europäische Kontinent sei zur Provinz des islamischen Fundamentalismus geworden. Die Medien könnten es werden.

Der Papst und die Vertreter der islamischen Religion sollten – genauso wie es der byzantinische Kaiser mit dem persischen Vertreter gemacht hat – zusammensetzen und ihre Themen gelehrt ausdiskutieren. Da wir heute aber die Medien haben, werden mittels der Medien die Wellen betrieben.


Man muss begreifen, dass dieses System der modernen öffentlichen Medien keine Lösungen bietet, sondern selber das Problem ist.


1 Kommentar

  1. Wolf

    Rotkäppchen – von hinten – in vollem Ratzefummel. Ich hätt ja über so ein Motiv viel sinnlicher improvisiert; gut, dass wenigstens einem in der Familie noch ein paar Politika dazu einfallen.

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