Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Frauen, die sich von schwulen Designern gängeln lassen.

"Man kann Geschmäcker und Farben nicht reglementieren." (Didier Grumbach, Präsident des französischen Verbandes der Modeindustrie). Arrogantes Rückzugsgefecht einer Modeindustrie, die wirtschaftlich schon bessere Tage gesehen hat.

Dass jeder Designer das selbst entscheiden dürfe. Keiner wird einen Künstler gängeln wollen, wir leben nicht mehr in einer Diktatur, die Kreativen vorschreibt, was sie zu denken hätten. Mehr
aber als retro-Verwurstung der Kleidungsstile der 60er, 70er, 80er und 90er,
mehr als das erneute Inszenieren des Elfen-Looks der Britin "Twiggy" Lesley Hornby fällt diesen sich für innovativ haltenden Männern jedoch im 3. Jahrtausend nicht ein.

Es geht heute – anders als in den experimentierfreudigen 60ern – nicht mehr um die spielerische Selbst-Inszenierung oder Protest durch Kleidung, es geht um die Inszenierung des beherrschten halb-nackten Körpers der Frau.

Halbnackt, da die Défilées statt Kleidung nur das Nötigste bedeckende Stoffstreifen zeigen, die auf unerklärliche Art zusammengehalten sind. In Wirklichkeit das Inszenieren eines allen Blicken ausgesetzten und schwächlichen unreifen Körpers, der sich nicht vernünftig – sondern nur gehemmt – bewegen kann, ohne dass ihm diverse Gaze-Stoffstreifen abfallen.

Der backlash, die Hemmung der sich ihrer Weiblichkeit bewussten starken, erwachsenen Frau, die männlichen Designern einfällt statt lustvoller Kreativität? Oder einfach nur hirnlos? Selber nur unreife Buben? Denn sie wissen nicht, was sie tun? Oder letzte Arroganz einer eh sterbenden Mode-Industrie?

Die immer dünnere Silhouette, die immer männlich-schmaleren Hüften, die von Designern skizziert werden (gerne im Uniform-Look), sind das Ergebnis eines zum kindlich-schwachen verzerrten Frauenbilds der, gerne homoerotischen, auf jeden Fall männlich geprägten Modedesignerwelt, die sich selber malt. Im ersten Fall keine Ahnung, was wirklich echte Weiblichkeit ausmacht (die schwulen Designer), denen kann ich nur raten, solche Hungerentwürfe mal für den Kerl zu machen.

Tun sie aber nicht. Gaultier lässt den schwulen oder metrosexuellen Mann nicht schwächeln. Was diese Abbildung beweist. Deren Männer-Knie erscheinen nicht riesig-knubbelig, durch deren Oberschenkel kann man keinen Fußball durchschießen.

Bei der dünnen Kate Moss, dem in Mailand ausgeschlossenen Model, und Amber Valetta geht das. Weil das des männlichen Designers Geschmack und Wille und Vorstellung ist.

Im letzten Fall das Bestreben des Alpha-Männchens, als Mann der Alpha zu bleiben. Das geht nur mit einer Frau, die so zart ist, dass sie von einer Brise weggeweht wird. Böse Zungen sagen Kleiderständer dazu, Tom Wolfe nennt solche Trophy Wifes, die kräftemäßig einem Mann sicher nicht gefährlich werden können, in seinem  "Fegefeuer der Eitelkeiten" "Society-Röntgenbilder".

Der Zusammenhang mit immer gestörterem Essverhalten wird klar. 15jährige Models (älter sind sie nicht in Mailand und Paris) tun es, Schülerinnen ab 13 tun es: dünn sein wollen, Diäten machen. Ausgerechnet in einem Alter, wo sie verunsichert, verletzbar sind, werden sie so geprägt, dass sie der Außenwelt zu gefallen haben, statt sich selbst. Niemand kann sich konsequent dem Einfluss der Gazetten und Filme entziehen, außer er lebte im Wald. Insofern haben Modemacher, Werber, Journalisten und Medienleute Verantwortung. Ich sehe sie nur nicht, sie wird nicht gelebt.

Die will in einer aktuellen Studie 2006 belegt haben, dass die Magersucht ("anorexia nervosa") genetisch bedingt ist. Das entlastet auf den ersten Blick den Modemacher und die Arroganz aus Paris.

Für mich ist er nicht entlastet, denn die Genforschung sagt auch eindeutig, dass genetische Veränderungen mit aktuellen zivilisatorischen, auch aktuellen neurologischen Veränderungen einhergehen. Das heißt, das, was ich jetzt lebe, verändert bereits meine jetzige Gendisposition: meinen erworbenen plus im jetzigen Leben veränderten Genhaushalt. Beides gebe ich an meine Nachkommen weiter. Neben der erblichen Anorexia sind die Bulimie (Fressen & Kotzen) und weitere Ess-Störungen psychisch bedingt und eine wahre Endemie.

Keine Entlastung, euer Ehren Designer.
Und mein geballtes Unverständnis nach Paris, dem sterbenden Mode-Imperium mit seinen Rückzugsgefechten.

Der neokon-Zeitgeist ist ein Skelett und weht wieder rückwärts. Kernfrage: Haben Männer Angst vor starken Frauen? Ich denke, ja.

Fragt sich nur, warum aufgeklärte Frauen sich in ihrem Selbstbild so fremdgesteuert gängeln lassen. Weiss jemand eine Antwort?

6 Kommentare

  1. Liebe Vroni!
    Dass die dünnen, langbeinigen so ein Plus haben, liegt daran, dass entwicklungsgeschichtlich der Mensch erstmal sein Futter am Meeresstrand gesammelt haben soll, und die mit den langen Beinen waren da erfolgreicher als die andern. Zwischen langen dünnen Beinen kann das Wasser schneller durchfliessen und ausserdem können sie auch ins tiefere Wasser besser waten als die mit den kürzeren Beinen. Und wenn sie dann noch mager sind, dann signalisieren sie dadurch, dass sie im Unterhalt recht billig sind – zumindest was Essensmengen betrifft – wobei das auf Bulimie wieder nicht passt … ähem … Gruss von Urs

  2. Ich glaub ja, der Blick stellt sich um. Was Peter Lindbergh vor zehnfuchzehn Jahren als “Supermodels” in wirklich alle Zeitungen gepusht hat, Cindy Crawford, Nadja Auermann und wie die alle geheißen haben, kommt einem heute vor wie die letzten Speckbacken; historisches Paradebeispiel ist die ach so legendäre Frau Monroe.
    Wenn die Mädels neuerdings aussehen wie die Hauptrolle im Dokumentarfilm “Das letzte Gnu”, werd ich auch misstrauisch. So mitleiderregend mager sein, das durfte nur die frühe Kate Moss, und der hat das groteskerweise auch gestanden.
    Bedeuten die luziden Ausführungen meiner Vorrednerin, dass die Evolution zurück ins Meer geht? Ich begrüße das: Als der Mensch einen auf Steppenbewohner machte, waren die meisten Fehler schon begangen.

  3. Wenigstens in Madrid dürfen zukünftig die Models Marke Sahelzone nicht mehr über den Laufsteg klappern.
    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/nachrichten/madrid-modewoche/74244.asp

  4. sollen ja schon models vom laufsteg gefallen sein
    grausiger fund im publikum

  5. Silke,
    Klappern gehört zum Handwerk.

  6. Klar ist doch auch: als Katapult für diese Mode(un)kultur wirkt der eindimensionale Schlankheitskult. Da wird das Zählen von irgendwelchen Punkten als Allheilmittel zum Abnehmen hochstilisiert. Da kommt manch ein Blättchen nicht ohne die titelseitige Anpreisung irgendeiner “Diät-Wunder-Tüte” aus – dies potenziert hier manch Hoffnung auf das so genannte “Idealgewicht” erneut und schafft dadurch eine “kalorienfiltrierte” Körperhinwendung im Sinne eines “den Körper beherrschen wollen”. Vollkommen körperformunwürdig bemessene Klamottenformate (Kindergrößen für Erwachsene) stellen eine Art der Körperabwendung dar, für die manch Mensch (fast) alles zu opfern bereit ist. Die zu Recht angeprangerte nicht gelebte Verantwortung der Modewelt, darf uns aber nicht aus der Verantwortung gegenüber uns SELBST entlassen. Schließlich entscheiden WIR, was wir unserem Körper antun und zumuten wollen/können. Hier ist es an der Zeit nicht nur auf die Gefahren des “Dick-sein” einzugehen, sondern auch gesundheitsgefährdende Schlankheitsapostel sind zu entlarven, die mit Sachen à la “in 8 Wochen 20 kg weniger” werben. Im Übrigen: “Schlank” kommt vom mittelhochdeutschen “slanc”, was wo viel heißt wie mager bzw. dünn. Und das ist ja eigentlich was anderes als das so genannte “Normalgewicht”…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑