Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Unterirdisches

Sage mir, welche Lieferanten du hast und ich sage dir, wie ernst du es mit Kundenservice meinst.

In der letzten Zeit erreichen mich Angebote, mir meine Bilder freistellen zu lassen ab 1,95 € die Stunde. Heute wieder einer: ab 2,65 € das Bild.

Leute, das ist Akkord-Dumping. Wenn man den sehr schlichten und unterst-einfachen Billig-Marktpreis von 30,00 € für sehr einfache DTP- und Satzarbeiten zugrunde legt, den es schon 1999 gab :-), dann muss der freistellende Mensch, der bei diesem Unternehmen beschäftigt ist, in etwa 1 Minute fertig sein und sofort das neue Bild beginnen, damit er auf diesen Stundensatz kommt. Er hat weder die Zeit, sauber zu archivieren, auch fehlt ihm oder Vorarbeiter die Zeit zum Prüfen. Nada.

Wie gesagt, der angenommene, eh schon subsub-fragwürdige, Marktpreis von 30,00 € (Disclaimer: mit dem wir nicht arbeiten) ist ein Netto-Preis, der dem Werbekunden nach außen verrechnet wird.

Rechenaufgabe für kleine REFA-Freaks, Controller und rechnenkönnende BWLer (die meisten BWLer können entgegen weiter landläufiger Annahmen nicht rechnen):

Was verdient ein sich dort verdingter Freisteller-Arbeiter wirklich im Monat nach Abzug von Unternehmergewinn des Dumping-Betriebsleiters (der wird ja nicht den nach außen verrechneten Preis an den Mitarbeiter zahlen, is ja nicht Mutter Teresa, der Süße :-) ), nach Sozialabgaben, Krankenkasse.
??? Was bleibt zum Leben?

Meine grobe Schätzung: Er wird maximalst 30 Cent an einem Bildchen verdienen und maximalst 15-20 Bildchen die Stunde schaffen. Das macht ca. 6 € die Stunde, eher drunter. Das macht in einem Monat bei Vollzeit-Arbeitszeit von 160 Stunden 960 € . Soviel verdient der, Brutto, und das als Akkord! Da habe ich als Student schon dunnemals für deutlich mehr Akkord-Geld Elektro-Schaltkästen zusammengeschraubt.

Das heißt, wir sind in der Grafikbranche bei Preisen angelangt von Spargelstechern.

Über die Qualität der Freisteller haben wir noch gar nicht gesprochen. Ich ziehe es vor, es lieber nicht zu tun. Aus Höflichkeit. Die Firmen sind ausnahmslos entweder Limiteds, kommen aus Holland (kann man mit http://www.iks-jena.de/cgi-bin/whois abfragen) oder haben chinesische Geschäftsführer, und alle haben keine deutschen Impressi. Sie arbeiten mit unverlangt eingesendetem E-Mail-Spam (wobei ich kürzlich zwei Herrschaften davon schon sauber abgewatscht habe und ihnen Abmahnung androhte, seitdem ist Ruhe), oder per Callcenter.

Leider, leider geht das im B2B, dass man von solchen Spackos angerufen wird, wenn sie ein "Geschäftsinteresse" vermuten dürfen. Zur Kenntnis an euch Billigheimer-und-damit-noch-Gewinneinstreifer: Von mir als Designer und Einkäufer von Design- und Zuliefererleistungen gibt es kein derartiges Geschäftsinteresse an euren Billig-Sklavenlöhnen und derartigem Gewinsel und jeder Anruf ist somit illegal. Verstanden?

Sonst schicke ich den Wallraff zu euch widerwärtigen Schleimern. Der ist nämlich wieder undercover unterwegs, Zeit wirds! Zu lesen in der ZEIT: http://www.zeit.de/2007/22/Guenter-Wallraff
"Unterwegs in der schönen, neuen Arbeitswelt."

2 Kommentare

  1. Horst

    ich kenne das sehr gut…mindestens einmal die woche rufen leute an die meine bilder super gut finden…sie möchten gerne dieses und dieses und jenes noch haben..klar gerne, davon lebe ich ja das ich bilder verkaufe….wie, die kosten was….ach ne, da suchen wir mal weiter….tschüssssie.
    gruß horst

  2. vroni

    Horst,
    ich ver_kaufe ja keine solche billigen Freistellungen oder Compositings, man will mir solche an_drehen. Und zwar zu solchen 0-Preisen aus der Hölle, die ich nicht akzeptiere. Davon kann man nicht leben und ich möchte aber, dass Lieferanten (Sch***wort) wie du auch leben können:
    “Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
    Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.”
    John Ruskin (1819 – 1900)

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