Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Rettet bedrohte Wörter!

Oder: bedrohte… Worte?

Jedenfalls gibt es eine Reihe von Worten, die am Aussterben sind. Wann haben Sie zum letzten Mal "Kleinod" gesagt zu einem Ihnen lieben Gegenstand, einem kugelrunden weißen Stein aus Griechenland oder einem alten Ring Ihrer Großtante. Oder zu Ihrer Katze? "Mein kleiner Augapfel" ist das Mindeste, was Sie zu Ihrem niedlichen Kind (nicht nur "wo ist denn das liebe Niederwild?" ) oder zu einer solch liebenswerten Kreatur aus der Gattung Felide sagen können, die einem beide das Leben mit tausend niedlichen Minnie-aturen versüßen.

Wann haben Sie zum letzten Mal "Labsal" gesagt oder "Fisimatenten", wenn das Callcenter rumzickt.

Lassen Sie uns doch mal wieder schwelgen in schönen alten Worten, die einem auf wundersame Weise den Kopf klar machen.

Noch eins?

Kaltmamsell.

Das war meine Oma in Alexandersbad und Marienbad. Und sie war eine dermaßen pflichtbewusste und perfekt temperaturbewusste Kaltmamsell, dass sie einmal rausstürmte zu einem Kurgast, der sich über die zu heiß servierte Suppe beklagte. In weißer Montur mantelte sich die zierliche Rothaarige vor dem Gast auf und fuhr ihn an: "Das kalt Kochen ist noch nicht erfunden, mein Herr!!"

Das muss die Vorlage gewesen sein zu "Bella Martha", als Martina Gedeck als Sterne-Köchin sich mit dem Gast anlegte, ob das Parfait zu roh sei, und ihm dann die weiße Tischdecke samt Burgunder auf den Schoß räumte.

Herrlich altmodisch. Ich liebe solche alten Worte und solche göttlichen Furien.

Mehr auf http://www.bedrohte-woerter.de/wettbewerb/ und dem Wortmuseum.
Der etwas andere Wettbewerb, wenn Sie zwischendurch von Design- und Grimme-Ähword-Klüngeln die Nase voll haben. Andere nennen es Arbeit, wir nennen es Schabbes*, ähm, Schabernack.

* Ruhepause, Sabbat

 

1 Kommentar

  1. Wolf

    Erschrocken bin ich ja, als ich meinen halben aktiven Wortschatz im sage und schreibe Wortmuseum wiedergefunden hab…
    “Zwar wenn keyn anderer nutz an der sprachen were, sollt doch uns das billich erfrewen und anzuenden, das es so eyn edle feyne gabe Gottis ist, da mit uns deutschen Got itzt so reichlich fast uber alle lender heymsucht und begnadet.”
    Sagt wer? Sagt Luther, yo man!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2020 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑