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Die BASF bloggt jetzt weltweit? Ob die Chemie stimmt?

Erfahrene Schüler wissen: Chemie ist, wenn’s stinkt und kracht.

Die schlaue FAZ wusste auch am 21. Juli anno domini 2007:

Die BASF (weltweit 95 000 Mitarbeiter) habe angeblich* vor wenigen Wochen ihr Onlinetagebuch gestartet, aber mit ihrem superneuen Corporate Blog keine noch ein bisschen Angst vor Krach und Gestank davor, sich durchsichtig zu machen. Daher sollen die Themen nur erfahrene Blogger setzen, die Mitarbeiter dürften dann ihren Senf dazu geben kommentieren. Das dürfe alles sein, was sie bewege: auch Kinder, Katzen… Wetten, die reden vor lauter Angst nur übers Wetter.

Moment mal. Katzen, Kinder. Heißt das, dass die Mitarbeiter auf einen hochwissenschaftlich aufregenden Themenbeitrag über sagen wir mal Transluzente Schäume

nur mit Banalitäten wie Anekdötchen und Erlebnisse von zu Hause antworten dürfen? Wer hat sich denn diesen Blödsinn ausgedacht. Auf diese Dialoge von oben herab bin ich denn mal gespannt.

Ich habe ja Verständnis, dass Sie als professionelle Kommunikatoren fürchten, Ihr Corporate Blog, das zum Austausch über Projekte gedacht ist, entgleite Ihnen, wenn es nicht stramm von oben geführt wird. Leider ist das aber nicht der Geist des authentischen Bloggens. Der Bloggeist sagt mir gerade deutlich, dass er in so einem Fall sich erst fad machen und dann transluzent entschwinden wolle. Falls es ihn überhaupt gibt.

Dann setzt lieber ein Lotus Notes Dickschiff auf und unterhaltet euch intravenösintranettig. Das hattet ihr eh vor, euch transparent zu verstecken, gebt es zu, denn ich finde euer neues Blog im Google nicht. Oder die FAZ ist im intellektuellen Zeit-Raum-Kontinuum steckengeblieben und empfindet Monate als wenige Wochen (traue ich ihr locker zu)*.

Wenn Sie BASF wirklich Offenheit und Dialog pflegen wollen, wie Sie beabsichtigen (ich weiß ja, dass ein Firmenblog oft unfreiwillige Steilvorlagen zaubert, doch viel schlimmer ist PR-Honigschleim), dann müssen Sie auch kontroverse Dinge Hundekontent zulassen können. Das werden Sie schon schaffen, selbst meine Kunden bloggen hier mit. (Neiiiin, die sind kein Hundekontent!!!…Mist, Fettnapf elendiger…)

Ihre den erfrischenden Dialog Tiere liebende
und sich seit über einem Jahr
um Kopf und Kragen bloggende
Miss Link.

____________________________________________________
Interessantes und hochinformative Vorgeschichte zum Einlesen: http://kurpfalznotizen.de/die-basf-bloggt-die-rheinpfalz.html
http://www.basicthinking.de/blog/2007/01/18/basf-regional-blog-fuer-lokale-pr/

* Ich habe nur das da http://blog.rheinneckarweb.de/ gefunden. Dies gibt’s aber bereits seit 2006. Typisch old school: die online FAZ hat nicht das Mindeste geschafft: auf das Blog zu verlinken, das sie meinte.

 

4 Kommentare

  1. Beachnobo

    Habe den Artikel nur überflogen, aber das klang nach einem internen Blog. Wenn da Projektdaten ausgetauscht werden, dann hängt der hinter der firewall. Ich nehme mal an, dass deswegen bei der FAZ kein link dabei war.
    Danke für den Hinweis auf den Artikel!

  2. mikel/kurpfalznotizen

    Ich habe nachgelegt. In dem Posting siehe Link.. sind die Originallinks zu dem Web 2.0-Buch der Hochschule Darmstadt enthalten, aus der wohl auch der FAZ-Artikel schöpft. Alles sehr interessant. Alles Eck oder was? lol

  3. Vroni

    Thanx!
    Das Web-2.0-Buch, damit ist dieses hier gemeint?
    http://www.image-ev.com/downloads/Konferenz_2006/Scheuermann_BASF.pdf
    Da sind ja alle pro-und-con-Argumente zum Unternehmensbloggen schön auf einem Haufen zusammengeschrieben. Klar wird auch damit (wenn es einem nicht schon vorher klar war…), dass logischerweise die meisten Unternehmen nicht fürs Bloggen geeignet sind. Wo Intrablogging schon als bedenklich eingestuft wird, konterkariert öffentliches Bloggen die top down Kommunikation nur noch aufs Hässlichste und haut daher wirklich vom Denkansatz her nicht hin^^. Schön finde ich auch den Satz “Bloggen zahlt nicht auf die Marke ein”. Bei von oben durchgemodelten Marken stimmt er voll und ganz^^.
    Wenn ich Branding- und Markentheorien aber so durchgehe, gibt es da sehr gute Definitionen, was Marke ist: Eine Marke ist das, was sie gelebt wird. Von innen, von außen. Und “von außen” means: die Öffentlichkeit. Und die ist nur bedingt steuerbar (PR Wars hin oder her), und das war schon vor den Blogzeiten so. Schee. Sollten Brand Directors aber wissen.
    In meinem nächsten Leben werde ich mal Branddirektor.

  4. mikel/kurpfalznotizen

    das ist ziemlich alt, nein es gibt ein Buch von Fallstudien auszugsweise hier über BASF
    http://www.pr-fundsachen.de/wp-content/uploads/2007/09/basf-weblog-fallstudie.pdf
    (mit Zahlen, pruust)
    mit Interview Scheuermann hier
    http://www.pr-fundsachen.de/?cat=16

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