Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Was der Mittelstand, KMUs über das Web 2.0 wirklich wissen sollten

Hessen-IT hat ein wirklich hilfreiches Werk über Web 2.0 für den Mittelstand verfasst, ein kostenloses PDF, zum runterladen.

Nicht alles, was kostenlos ist, ist schlecht. Dieses hier ist in seiner Zusammenfassung eine gute, saubere Arbeit (kein PR-Gesülze) und absolut lesenswert. Wissenswertes und How To über Podcasts, Social Bookmarking, Long Tail, kollektive Intelligenz, neue Vermarktungsmöglichkeiten. Am besten ausdrucken, denn das sind keine Info-Häppchen, die man mal schnell am Computer überfliegt.

Kleiner inhaltlicher Kritikpunkt von mir über den Artikel 3.4 “Nutzung durch KMU, Corporate Blogging” (Seite 24):

 

“kostengünstiger Betrieb”

 

Das stimmt nicht. Warum?

Corporate Blogging ist alles andere als nicht aufwändig, rechnet man die Zeit, die man damit verbringen wird und die Tatsache, dass man fundiert, überlegt und dennoch “sexy” und gut schreiben muss, sonst bleiben ganz brutal die Leser aus. Und: Time is Money, tempus fugit.

Nein, rechnen Sie Ihren ganz persönlichen Stundensatz aus, den Sie nach draußen verrechnen (wenn Sie ihn nicht schon wissen, das setze ich eigentlich voraus), den müssen Sie dafür ansetzen. Nicht weniger oder Null, das ist betriebswirtschaftlicher Dummfug.

Corporate Blogging ist nicht: Verlautbarungsjournalismus top down, ist nicht: Hineinstellen von technischen Features, die mal ein Werbetexter geschrieben hat, kein Abkopieren von PR-Artikeln, die schmissig verzapft wurden, nie, das ist kein Blogging. Auch die rasche Idee, einen günstigen Praktikanten (“er schreibt doch recht nett”) da hinzusetzen, macht die Idee nicht besser. Corporate Blogging braucht ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Ausdauer, am besten vom Boss und gut kommitteten Angestellten. Das sind mich derzeit beispielweise Kirstin Walther (Saftblog) hat und herwig danzer (der schreibt sich wirklich absichtlich klein, so isser) vom Möbelmacherblog “Nachhaltig”. Reinlesen!

Es ist grundfalsch und typisch technologisch-merkantil angehauchter Typus (Tschakkaaa!), als Betriebskosten nur die Serverkosten zu sehen, die sicher weniger kosten als eine 3stufige Dialog-Mailingkampagne – stattgegeben. Man muss die Arbeits-, liebevolle Recherche- und Schreibzeit sehen und auch die Zeit für die Pflege der Kommentare (id est: ihnen auch mal antworten, das ist ein ganz heißes Thema im feedbackfaulen Deutschland…). Dass muss alles, sonst halbherzig und wird nichts. Ich will Sie nicht abhalten, nur sollten Sie wissen: Es wird brutal unterschätzt im Aufwand. The missing link bloggt am 29. September 2007 genau seit 2 Jahren und weiß das. Oft gehen locker 2 Stunden pro Tag allein nur für Recherche und Verlinken drauf. Dann am Diskurs teilnehmen, in anderen Blogs ab und an präsent sein (nein, nicht Links spammen, sondern fundiert kommentieren), und neue Artikel ausdenken: nochmal 2 Stunden. Das ist die Realität.

Bei einem fiktiven Stundensatz von 150 € und bis jetzt 269 Beiträgen haben wir gemeinsam an Zeitaufwand fürs Bloggen bis jetzt eine Summe zwischen 80 700 € und 161 400 € ausgegeben. Kommen dazu noch die läppischen Sixapart’schen Server-/Hostingkosten von 14,95 € im Monat: nochmal insgesamt 358,80 € (Peanuts!!). Hab ich was vergessen?

Und wir sind zwei, immerhin, und teilen uns das. Seien Sie keine dieser Eintagsfliegen, die sinn- und hirnlos eine Blogpräsenz eröffnen und dann nach wenigen Wochen die Lust verlieren, weil nicht sofort Kunden heranstürmen. Das erst wird das Image beschädigen.

Apropos Kunden heranstürmen:

Ein Corporate Blog ist keine Hard-Selling-Kundengenerierungsmaschine, ein Corporate Blog ist ein Gesprächsangebot auf Augenhöhe. Wer da in seiner Web 2.0 Euphorie den raschen merkantilen ROI glaubt zu kriegen, weil er top down billig was verkünden will, wird keinen Erfolg haben. Nicht, weil die restliche Bloggergemeinde (“rumprollende Rüpel”) zu kritisch ist und als Dauerhaltung rummeckert, nein, weil der stinknormale Internetnutzer nichts langweiliger finden wird als top down und lustlose, oder von Billigkräften (willig, aber billig)  hingerotzte Texte. Er merkt das schnell – auch wenn er “nur Hauptschulausbildung” hat :-( und wird stante pede Fersengeld geben.

Oh, war ich jetzt zu sehr top down? Ich werde mich bessern.

 

1 Kommentar

  1. herwig

    Hallo Vroni, vielen Dank für die Blumen, die mich vor allem deshalb freuen, weil ich (aus Erfahrung) weiß, wie kompetent und kritisch Du an Websites und Blogs rangehst. Hoffentlich lesen meine Leute Deine leider realistische Kostenaufstellung nicht, die schalten mir glatt das Blog ab. Übrigens bin ich sogar noch schwieriger, als Du denkst: nur “herwig” schreib ich klein, “Danzer” wieder groß, den (durchaus banalen) historischen Hintergrund dazu gerne mal bei Gelegenheit.

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