Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Unternehmergeist (Für mich auch noch einen!)

"Schau, was ich gefunden hab", sagt Moritz und zeigt mir auf seinem katzenfähigen Notebook:

Im Bewusstsein, dass der freie Markt eine gefährliche Wildnis sei, warnen doppelt so viele befragte Deutsche wie Amerikaner davor, ein Geschäft zu eröffnen, wenn man erwartet, dass es scheitern wird.

Foreign Policy January/February 2008: Europe’s Philosophy of Failure

"Und?"

"Na, ich stell mir gerade lauter dynamische Amerikaner vor, strotzend vor Bewusstsein, dass der freie Markt ein Supermarkt ist, und lauter Geschäfte eröffnen, über die ihnen klar ist, dass sie scheitern."

"Jahaa, das ist der Geist des freien wilden Westens!"

"Etwas in der Art muss es wohl sein…"

"Moritz, mein Moritz, hast du schon mal versucht, in Deutschland ein Geschäft zu eröffnen?"

"Ja. Auf dem Kreisverwaltungsreferat wollten sie eine Gewinnkalkulation bis zwotausendzwanzig, weil der Sachbearbeiter noch nie was von Mausefallenwartung gehört hat."

"Siehst du? Mit solchen Unwägbarkeiten geht’s los. Geschäftserfolge hängen von der Tagesform eines lustlosen Sachbearbeiters ab."

"Wie bist du eigentlich selbstständig geworden, o mein gnadenvoller Meister aller Dosenöffner?"

"Auf dem Kreisverwaltungsreferat haben sie schon mal was von Werbeagenturen gehört. Die werden in München jeden Tag eröffnet."

"Wow. Sind sie in München so risikofreudig, dass selbst der Ami nix einwenden könnte?"

"Nicht freiwillig. Die Leute machen sich ja nicht selbstständig, weil sie so tolle Unternehmernaturen sind, sondern weil sie nirgends angestellt werden."

"Und sind lieber selbstständig als arbeitslos?"

"Das hast du gesagt, Katze."

"Lieber pleite als verhungert?"

"Moritz!"

"Ist ja gut. Schau, was ich noch gefunden hab."

"Wieder eine von deinen Geschäftsideen?"

"Keine Angst. Mit dem Kreisverwaltungsreferat bin ich durch. Viel besser: eine politische Aussage der Ersten Allgemeinen Verunsicherung.

Es wird das Proletariat
ohne Kohle rabiat.

Auf sowas stehst du doch."

"Das kenn ich. Der Ökonom Karl D-Marx. Das war auf dem Konzert zur Geld oder Leben, mein erstes großes Rockkonzert. Da hatte ich frisch meinen Führerschein und durfte mit Mutters Laubfrosch hin. Hinterher bin ich auf dem Parkplatz gestanden, hab eine geraucht und bin mir sehr gebildet und fürchterlich erwachsen vorgekommen."

"Auch schon länger her, oder"

"1985 war das."

"Halb so schlimm, hüstel."

"Mein Katzenherz, da war dein Großvater noch ein Glitzern im Auge deines…"

"Schon gut, genauer brauchen wir’s nicht. Aber schau, da hab ich noch eins:

Ja i sog net a so
und aa net a so,
net dass irgendwer sogn kannt,
i sog so oder so.

Das werden unsere Leser außerhalb des Biermooses schon verstehen, wa?"

"Kenn ich auch. Die Biermösl Blosn auf der Tschüss Bayernland."

"Weißt du, von wann die ist?"

"Auch 1985…"

"Und welcher dieser Aussagen würdest du dich nun anschließen?"

"Der Aussage, dass du zu viel surfst, Miezekatze."

"Bei mir ist das was anderes. Aus meinungshaltigen Kommentaren halt ich mich raus. Ich bin eine gesunde Miezekatze, weil ich mit Engagement nicht politisiere. Bei mir ist das keine Feigheit, sondern eben: Engagement. Bei dir dagegen…"

"Moritz?"

"O mein Meister?"

"Geh Mausefallen warten."

"Mrr."

2 Kommentare

  1. cohu

    Den Satz “…twice as many Germans as Americans tell pollsters that you should not start a business if you think it might fail.”
    hat dein Kater leider fälschlicherweise mit “wenn man erwartet, dass es scheitern wird” übersetzt, richtiger wäre wohl “wenn man denkt, dass es eventuell scheitern könnte.” (“might” ist sogar noch schwächer als “could”). Aber damit ist es natürlich nicht halb so witzig. :-)

  2. Wolf

    “Eventuell scheitern könnte” war erste Überlegung, sagt Moritz, aber zu viele Wörter, die alle mit Abschwächen beschäftigt sind. Alles für den Effekt .ò)

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