Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Woran ich einen guten Kunden erkenne

Gleich sagen Schnellmerker unter uns, ja klar *gngn*, dass er zahlt.

Das stimmt schon, auf den ersten Blick. Jeder, der Kunden hatte, die nicht oder nie zahlten, wird das leidgeprüft für das Hauptproblem halten. Schließlich muss er sich und die Seinen ernähren und die Büromiete zahlen. Heute will ich den Blick auf etwas anders als den Bankauszug lenken, was ich für genauso wichtig halte:

Was ist mit der Zeit und meiner Energie, die ich während des Auftrags mit meinen Kunden verbringe? Eine wichtige Frage.

Doch vorab:

Früher als wir, die Dienstleisterchen im Grafikdesign- und Textbereich, Angestellte waren, war unser gängiger Spruch in der Abteilung oft: "Wir sind täglich über 8 Stunden mit den Kollegen und Chefs zusammen und reden Statistiken zufolge nur ca. fünf Minuten am Tag mit unserem Partner und nur eine halbe Stunde mit unseren Kindern – den Rest, 8 Stunden (ein Drittel) schlafen wir. Geld verdienen da drin müssen wir eh, also lasst uns das Beste daraus machen und wenigstens eine gute Zeit mit den Kollegen verbringen!" Und das war eine wirklich gute Idee, die uns gleich viel kreativer arbeiten ließ und eventuelles Mobbing in der Abteilung im Zaum hielt.

Jetzt ist es so, dass wir als Freiberufler unsere Zeit komplett selbst bestimmen, mit wem wir sie verbringen wollen, auch mit welchen Kunden wir sie verbringen wollen. Seh’ ich den Schnellmerker wieder vorlugen? Der, der sagt: "Ähm, du kannst dir deine Kunden aussuchen und sie stehen Schlange? Ja ne, is klar man …" *vorlachenaufdembodenroll*

Doch, er darf sich vor Lachen auf dem Boden wälzen, ich habe nichts dagegen, wenn dieser Griesegram mal lacht, es wird ihm gut tun. Kommen wir aber zur Sache:

1. Ich erkenne einen guten Kunden daran, dass er Kreative nicht als bunte Zirkuspferdchen sieht, die man zur Gaudi tanzen lässt.

Er hat zwar Vergnügen an der Zusammenarbeit mit ihnen, denn oft sind seine eigenen Firmenmitarbeiter trockener unterwegs oder die tägliche Routine in seiner Firma langweilt ihn. Aber er hat dennoch Respekt vor dem Job, den die Kreativen machen, denn er ist nicht nur immer lustig. Wenn sie ihn gut machen, kommt Qualität von Qual. Zigmal einen Einleitungstext umtexten oder einem störrischen weißen Blatt Papier kreative Überideen einzuhauchen, das weiß er, das nicht immer witzig ist. Weil er es selbst nicht kann und es ihn schon in der Schule gequält hat, daher hat er sie ja geholt.

2. Ich erkenne einen guten Kunden daran, dass er von den Kreativen für sein Geld nur das Beste will.

Ja, ach ne, das soll was Neues sein? Das ist was Neues. Denn ein Kunde, der wirklich das Beste von ihnen will, tut was dafür. Er weiß, dass er sie, solange sie noch nicht der Telepathie fähig sind, ausreichend und darüber hinaus informieren wird. Er versorgt sie sortiert mit Wissen, Anhaltspunkten, Merkmalen, bis sie ihren Job gut machen können. Er sagt nicht: Wenn ihr "Bier könnt", dann muss ich euch ja wohl nix mehr sagen, macht mal was Pfiffiges.

3. Ich erkenne einen guten Kunden daran, dass er intelligent ist.

Er schätzt die offene Rede. Ein Herumgebuckel und eine Dauer-Jasagerei der Kreativen würde seine Intelligenz in seinen Augen beleidigen.

Fazit aus 1-3

Das Wichtigste aber ist: Mit solchen Kunden macht es nicht nur Freude zusammen zu arbeiten, sondern sie bringen… einen voran, alles voran. Der Auftrag wird rund, nein, er wird spitze. Der Kunde hat also selbst das meiste davon, und der beste Nebeneffekt der Welt: Mit ihnen wird man besser und besser. Mit schlechten Kunden aber wird man ebenfalls schlechter. Und das Fiese daran, man merkt es nicht gleich, es ist ein schleichender Prozess: Man kocht dauernd nur in der eigenen Suppe, die Anregungen und Forderungen der Kollegen fehlen ja, und die eigenen schlechten Kunden sind keine gute Inspiration, da sie einen nicht hart aber positiv fordern. Man wird ein fauler Sachbearbeiter, dann denkfaul und am Schluss eine frustrierte lame duck. So ungefähr das Gegenteil des Kreativen.

Dass man fit bleibt und besser wird, ist also der Grund, warum ich solche guten Kunden haben will.
Und solche zahlen auch in der Regel, merkwürdig nicht?

______EDIT:
Um ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen, bevor es entsteht: Mit

Er versorgt sie sortiert mit Wissen, Anhaltspunkten, Merkmalen, bis sie ihren Job gut machen können.

meine ich nicht, dass ein Kunde soweit gehen muss, dass er selber am Rechner gefertigte Templates oder Skizzen liefern soll. Lieber nicht, denn derart festgezurrte Vorstellungen sind meist zu früh entwickelt. Passiert auch oft der Designerzunft selber: Sie gehen zu häufig planlos, kopflos, auf jeden Fall zu früh an den Mac und führen aus Angst, nicht fertig zu werden in ihren kurzen Zeitfenstern, bereits Ausarbeitungen aus in schönste Druckqualität. Die schönste Execution bringt aber nichts, wenn die Idee fehlt oder der Plan nicht stimmig ist.

5 Kommentare

  1. frank

    JA, SCHON, ABER…
    Vielleicht doch nen bisschen viel verlangt?!

  2. Vroni

    Hm, zu viel verlangt, findest du? Nachdenk.
    Es wird ja nicht “verlangt”, also ohne Gegenleistung gefordert, es werden vielmehr die Zusammenhänge aufgezeigt des Gebens und Nehmens. Hoffte ich.
    Eine Zusammenarbeit mit einer Agentur ist nicht vergleichbar mit dem Engagieren eines anderen Dienstleisters (Gebäudereiniger, Hotelier). Ein Hotelier tut gut daran, seine Kunden/Gäste möglichst umfassend zu “pampern”, damit sie sich wohl fühlen und wiederkommen. Dazu gehört auch, Macken von Gästen bis zu einem bestimmten Grad hinzunehmen und eine absolute Servicekultur des Dienens zu etablieren.
    Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kreativen findet aber weniger auf der Pamper-Ebene statt, als mehr auf der partnerschaftlichen Ebene. Was Kreative da leisten, ist eine ganz andere Form von Service als in der der Gastronomie.
    Der Kunde gewinnt dadurch enorm.
    Er gewinnt einen kreativer oder/und besser gemachten Job. Vielleicht hätte ich das benefit- und wirkungsorientierter herausstellen sollen. Aber es ist hier ein Blog, auf dem lose erzählt wird und Gedanken locker festgehalten werden und keine perfekt durchgetextete Selling-Plattform^^.
    Es gab mal die Auszeichnung “Kunde des Jahres”, wenn ein Kunde sehr erfolgreich und sehr partnerschaftlich mit der Agentur zusammenarbeitete. An die Auszeichnung der FIAT-Marketingleitung kann ich mich noch erinnern, ab dann wird es dunkel in meiner Erinnerung :-) Man sollte so einen Preis wieder aufleben lassen, denn Kreative sind so viel besser, wenn man ihnen Freiraum lässt und sie aber gut informiert und gleichzeitig fordert.
    Ich glaube sehr daran, dass die Unternehmens-Kommunikation und die Werbung insgesamt davon deutlich unverkrampfter und damit kreativer und besser würden.
    Grüßlies

  3. frank

    He, sorry, ich geb dir ja recht, arbeite im Grunde sogar danach. Mein “Problem” ist halt nur: Ich werd nicht reich damit. ;-)
    Kunde des Jahres gibt es übrigens noch:
    http://www.marketing-blog.biz/blog/archives/1259-Cannes-kann-kommen-der-erste-Sieger-steht-fest.html#extended

  4. Vroni

    Also ich kenne eine Agentur, die verdient gutes Geld. Weil die das mit den Kunden so sieht: Sie müssen Partner sein. Pamperkunden sind denen zu anstrengend, was soll das mit denen werden.
    Bei Nachfrage maile ich dir den Namen dieser Agentur, sitzt im Norden.

  5. KMTO

    Zunächst Danke für die Aufnahme des Themas! (Oder war das sowieso geplant?)
    Ich sehe das sehr ähnlich. Als Kommunikationsdienstleister wird man zu einem wichtigen Teil des Unternehmens. Da sollte auch ein Verständnis für die Arbeit vorhanden sein. Wenn nicht, muss man es halt aufarbeiten. Das lohnt in jedem Fall.
    Das Schwierige ist wohl eher, an solche Kunden ranzukommen, oder die Kundenbeziehung so zu pflegen, daß es sich dahin entwickelt. Nichts kommt von selbst.
    Alle Kunden, die nicht in das Schema passen, haben sich jedenfalls immer als “Schlechtzahler” und “Zeitverschwender” rausgestellt. Es lohnt also.

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