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Die Kunst des Weglassens

Ein mir sehr liebes Menschenkind hat Stress. Es kann nicht zu einer Party gehen, weil es zu diesem Datum ein Zeitmanagementseminar hat :-)

Ich halte nichts von solchen Seminaren. Die Zeit als physikalische Erscheinung lässt sich objektiv nicht dehnen, nur biegen. Zeit ist gekrümmt. Wer will, dass sich seine Zeit subjektiv dehnt, sollte sich mal ordentlich langweilen. Ich empfehle dazu Marcel Proust, Fontane (Wanderungen durch die Mark Brandenburg) oder eine alte Ausgabe des Handelsblatts. Es wirkt. Und einfach Dinge weglassen. Die Flaschen nicht noch schnell zum Glascontainer bringen, nicht noch rasch die E-Mails abrufen und nicht mal eben schnell eine Quiche backen. Und die Worte "mal", "eben" und "schnell" streichen.

Nur eine Sache machen, nur die. Gutes Design entsteht durch Reduktion. Beim Schreiben ist es ähnlich. Macho Hemingway hatte den klugen Gedanken

"Wenn ein Prosaschriftsteller genug davon versteht, worüber er
schreibt, so soll er aussparen, was ihm klar ist. Wenn der
Schriftsteller nur aufrichtig genug schreibt, wird der Leser das
Ausgelassene genauso stark empfinden, als hätte der Autor es zu Papier
gebracht. Ein Eisberg bewegt sich darum so anmutig, da sich nur ein
Achtel von ihm über Wasser befindet."

Inspiriert vom Ostblog http://ostblog.wordpress.com/

1 Kommentar

  1. Titi Laflora

    … wahrlich, eine Kunst die Reduktion, das Einfache. Auch in der Küche: “Spaghetti al pomodoro” ist das einfachste, aber schwierigste Gericht, wenn es ausgezeichnet sein soll.

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