Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Fröhliche Weihnacht

Keine Frage, es geht nah.

Und solche Partybilder kennt man auch.

Richard Sennet behauptet, es läge am schlechten Handwerk, dass die Jungs den Erdball so reingeritten hätten. "The Craftsman names a basic human impulse: the desire to do a job well for its own sake."

Ich behaupte, es liegt an deren Unreife und miesen Einstellung. Die miese unverantwortliche Einstellung und bodenloser Narzissmus ist die Ursache dafür, dass sie sich mit sauberem, kenntnisreichem Handwerk gar nicht erst lange aufhalten. Das ist bei ihnen was für Doofe. Schmerzlich: auffällige Parallelen zu Medienberufen/PR oder Werbung.

Zur Weihnachtslektüre empfohlen: The Bonfire of the Vanities von Tom Wolfe

"Börsenmakler Sherman McCoy hat den amerikanischen Traum von Erfolg und
Reichtum verwirklicht – ein Millionen-Dollar-Jahresgehalt, eine
Luxuswohnung in der schicksten Gegend New Yorks, ein nettes
Töchterchen, eine Dame der Gesellschaft als Ehefrau und eine
sexhungrige Freundin. Doch eines Tages begeht Sherman einen fatalen
Fehler."

Aus einer Leserrezension:

Wolfe entfaltet die Dekonstruktion des Wall Street Brokers und
Yale-Mannes Sherman McCoy als New Yorker Intrigenstadl. Es gibt
niemanden hier, nicht bis ins kleinste Detail, der unschuldig ist. Vom
Staatsanwalt und seinen Assistenten über einen schwarzen
«Bürgerrechtler» Reverend Bacon, Sherman, seine Frau Judy, seine
Geliebte Maria, seinen Anwalt Killian, Yellow-Press-Schreiberlin
Fallow, bis hin zu kleinsten Nebenfiguren,  ausnahmslos jede Figur in
diesem Buch ist eitel, hat den Blick auf den eigenen Vorteil, ist
manipulativ, gierig und dabei bemitleidenswert und verzweifelt. Sherman
wird auf diesem «Freudenfeuer» (nicht Fegefeuer, wie der deutsche
Buchtitel fälschlicherweise nahelegt) der Eitelkeiten fröhlich geopfert
und ist doch keine tragische Figur, sondern selbst ein hohler Fatzke,
bei dem selbst dessen Wendung zum professionellen Angeklagten am Ende
des Buches keine echte Katharsis zu sein scheint, sondern nur eine
weitere eitle Facette seiner Persönlichkeit. McCoy ist auf fast
hilflos-kindische Art gefallsüchtig, so daß er selbst befürchtet, seine
Zellennachbarn nicht ausreichend zu beeindrucken und aus seiner
Fahrerflucht kurzerhand Totschlag macht, um genau aus dieser Episode
später auf einer Party wieder Kapital zu schlagen, als er plötzlich
genießt was er vorher noch so verabscheut: Im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit zu stehen. Der Master of the Universe, wie er sich als
Broker selbst definiert, verliert im Grunde nie seine Hybris, seine
Großmannssucht, letztlich seine überkompensierten
Minderwertigkeitskomplexe. Auch als Opfer inszeniert er sich noch. Wie
ein Papierschiff driftet McCoy durch die Machenschaften seiner Umwelt,
die Wolfe kühl zynisch entblättert. Fast ohne realen Spannungsbogen,
journalistisch, geht es dem Buch eher um die Betrachtung von NY als
Mikrokosmos der Oberflächlichkeiten, des Grellen, der Moderne im
Niedergang. Es gibt keine einzige Figur, die in diesem System, in dem
Oberschicht wie Unterschicht, Park Avenue wie Bronx, gleichermaßen
abstoßend serviert werden, die wiedergutmachenden Charakter hätte, die
Hoffnung zuläßt. Sie alle sind kaputt, sie alle sind gierig und genau
deshalb vielleicht bemitleidens- oder sogar liebenswert. Aus diesem
seltsamen Misachung zwischen Tragödie und Gegenwartssatire schöpft das
Buch seine Kraft, ohne dabei jemals aufdringlich oder unentspannt zu
werden, im Gegenteil, nur einmal durchbricht Wolfe die Pose des
lässigen Raconteurs, wenn auf einer Dinnerparty der AIDS-Kranke
Schriftsteller Aubrey die versammelte Gesellschaft der Schönen und
Gelangweilten mit den Figuren in Poes The Masque of the Red Death
vergleicht und damit für einen kurzen Moment den summenden Bienenstock
der High Society zum Schweigen bringt.

6 Kommentare

  1. Wolf

    Wozu muss man sich eigentlich jährlich von den ganzen Charles-Dickens-Verfilmungen zuscheißen lassen? Ham die Leute in hundertfünfundfuckingsechzig Jahren nix vom Geist der Zukünftigen Weihnachten gelernt, außer dass man Mädels, die sich versehentlich unter einen Mistelzweig stellen, abbusseln darf?
    Season’s Greetings beiläufig und happy birthday to Mr. Reason for the Season Jesus Walking on the Water.

  2. vroni und wolf gräbel

    Verstehe jetzt nicht ganz.
    Wo ist hier von Charles-Dickens-Verfilmungen die Rede?

  3. vroni und wolf gräbel

    Nö :-)
    Wer ist “man”? Weihnachten ist für viele hier einfach nur: Gans, Glühwein, Dessous im Baum, Nervkram wie BILD/ratgeber/gesund-fit/2008/12/12/die-zehn-/nervigsten-frauen-saetze-an-weihnachten-und-was-sie-wirklich-bedeuten.html und der Coca Cola Truck in Leuchtrot.

  4. Wolf

    Die waren ganz alleine meine Idee. Kann man wirklich nicht ans Christmas Carol in Prose denken, wenn von Weihnachten die Rede ist? .ò)

  5. Wolf

    Hah – ich habm gefunden: Die Disney-Verfilmung ist traditionell der Vorfilm zu “Schneewittchen” und der erste Auftritt von Dagobert. Deswegen heißt der nämlich überhaupt im Original Scrooge McDuck.
    Steht bloß leider nicht mehr online, irgendwas ist ja immer.
    Si-hilent Niiight!

  6. Vroni

    Bei aller Freude an Literatur und Film. Diese sind leider den Entwicklungen hinterher:
    Der Unterschied zwischen der Figur Ebenezer Scrooge von Charles Dickens oder gar Dagobert Duck und den verantwortungslosen Jungs ist der, dass Scrooge/Duck gebeten wird, von seinem Vermögen zu geben und nichts geben will (“lediglich” Geiz). Die Jungs aber genau wissen, wem sie mit Tricks noch mehr und noch mehr aus der Tasche ziehen. Der Unterschied ist einfach: Sie sind im Grunde bösartige, systematische Taschendiebe, die es von allen NEHMEN, gerade auch von den einfachen Leuten. Das hat eine neue Qualität, das ist new school. Sie sind damit schlimmer als Scrooge, der lediglich vom Gewinn seines halbwegs normal erarbeiteten “old school” Gewinns nix HER_geben will. Scrooge/Duck hat zumindest die Leute nicht aktiv bestohlen. Er war kein Krimineller.
    Oder wie es ein Kommentator als Lob an die Macher dieses Youtube-Clips treffend sagt: “Excellent – the world’s about transferring money from the stupid to the clever, and you’ve done that in spades!”
    Auf Deutsch: “Großartig – sie transferieren das Geld von den Dummen zu den Schlauen, und Sie haben es auf den Punkt gebracht!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2020 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑