Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Die typische Handbewegung eines Grafikdesigners im Aufzug

Oder: Warum Elevator-Pitches krachdumm sind.

Ketzerey: Ich glaube nicht, dass man bei Übungen für Elevator-Pitsch-Veranstaltungen fürs echte Leben trainieren kann. Man kann versuchen, Investoren damit zu beeindrucken.

Im
echten Leben wird man meist das "Und was machen Sie so?" als
rhetorische Frage gefragt, die keine tiefschürfende superschlaue
Antwort innert der Laufzeit eines Adidas-Spots erwartet. Man fragt das nur als soziale Übersprungshandlung, aus lauer Neugierde, wenn keinem im Smalltalk was Gescheites
einfällt^^. Jeder kennt das auf gnadenlosen Visitenkarten-Parties, beim
gemeinsamen Essen nach Vorträgen oder im Hotel-Foyer. Das Gegenüber
erwartet eigentlich nicht wirklich einen perfekten 30 sec. Maschinengewehr-Vortrag. Es ist eher
wie beim amerikanischen "How do you do?". Es wird lediglich ein "Oh,
I'm fine!" erwartet. Liefert man den tiefschürfenden Supah-Vortrag mit
in rascher Sprache trainierter Zunge dennoch ab, entpuppt man sich
meist dem Fragenden als naiver Business-Langweiler, der brav aufnimmt, was alle so sagen, was man tun und sein müsse. Voll uncool.

Da ich von Natur aus ein sehr faules Zirkuspferd bin, überlege ich sehr genau, ob sich für meine Geschäftserwartung so eine Zirkusvorführung lohnt. :-)

Wenn mich jemand fragt: Und was machen Sie so?
mache ich einfach lächelnd eine typische Handbewegung…
Ist das "Opfer" immer noch interessiert, wird es weiterfragen…
Wenn es eh nur eine rhetorische Frage war (was es meist ist),
ist es zumindest amüsiert.
Also Schritt für Schritt, und abwarten, was passiert: Ob sich echtes Interesse einstellt.
Aber keinesfalls sofort zum Voll-Vortrag ausholen. Max. 1 Satz.

In
der klassischen Werbung ist AIDA fast tot, aber damit kann das faule Zirkuspferd im echten Leben noch etwas damit anfangen:
Attention…., …. interest…

[Weitere
Ketzerey, da ich Elevator-Pitches eh nicht leiden kann: Wenn man bedenkt, dass der Ursprung des Elevator-Pitches
angeblich darin lag, dass Angestellte versuchten, im
Aufzug den Entscheidern, die in den 7. Stock fuhren, ihre Superideen
zwecks Beförderung aufzuschwatzen – höhere Tiere residieren immer im 7.Stock und exakt so
viel Zeit zu reden hat man… Wenn man das bedenkt und man sicher weiß, dass Vorstände ihnen unbekannte Firmenmitarbeiter  im Aufzug keinesfalls fragen:"Und was machen Sie so?"
kann man sich ausmalen, wie wenig realitätsbezogen die Kunstform
Elavator-Pitch ist. Sie hilft maximal dabei, sich zu zwingen, sich
Gedanken zu machen, wieviel und wie interessant – und wie sozial
angemessen – man seine Sachen preisgeben könnte. Der Lastwagenfahrer in
der lustigen Eckkneipe will da anders "unterhalten" werden als der
FAZ-Journalist, der einem im ICE gegenübersitzt und nett fragt, was man denn "so mache". Also
sollte man eigentlich besser seinen situativen EQ trainieren als in
jeder Lebenslage starr zu versuchen, ein Assessment-Center-Perfekti zu sein.]

Dazu themennahe Begleit-Musik, beginnend mit "basement". Bob Dylans Version des Elevator-Pitch. Er ist der Beste. Das ist sein Text dazu:  http://www.lyricsfreak.com/b/bob+dylan/subterranean+homesick+blues_20021303.html  So einen Pitch würde ich machen (I'll play the harmonica, the friendly wolf plays the banjo or the steel guitar…) – alle anderen nur unter Protest, da sie unter das Langeweileverbot seit 1611 fallen:

2 Kommentare

  1. Nicole

    Herrlich – lieben Dank!
    Habe geschmunzelt, bin erfrischt und denke intensiv über meine persönliche Handbewegung (Grafiker, Marketing, PL, Kommunikationsirtin für blablabla) für diese doch häufig gestellte Frage nach.
    Ich will nicht eins zu eins kopieren, bin nur enorm neugierig. Könntest du nicht ein kleines Video deiner Bewegung einfügen?

  2. Vroni

    Eigentlich ist die typische Handbewegung eines Grafikdesigners gaaaanz einfach:
    *Hände ring!*
    und an einigen Tagen auch:
    *an den Haaren rauf’!*
    :-)
    (Bei einem Texter: *am Stift kau!*
    Werd mal sehen ob ich dazu ein Video auftreiben kann^^. Das muss jedoch passen. Nicht, dass ich auf das Video hin dann Kontaktanfragen von Friseuren bekommen, um mich wieder hinzubügeln…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2020 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑