Freitag! Logbuch

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Urlaub für immer: Eine Anleitung in 3 Schritten

Schritt 1: Studieren Sie, was Ihnen Freude bereitet! In Zeiten des umfassenden Zusammenbruchs kann sich ohnehin niemand eine Ausbildung leisten, die seinen Neigungen zuwiderläuft. Germanistik, Sinologie, Soziologie, Theaterwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Töpfern und Ikebana, irgendsowas, und dann am besten auf Magister. Faustregel: Die DFG schmeißt den Forschungsprojekten nicht ungebeten die Millionen hinterher, sondern lässt sich von ihnen die Radiergummis einzeln beantragen; Ihre Mutter kriegt bei der Nennung des Studienfachs in Ihrer Gegenwart sofort ihren weinerlich-ratlosen Blick.

Schritt 2: Bloggen Sie darüber! Richten Sie ein YouTube-Konto ein, um die Videos leichter zu bookmarken, mit denen Sie Ihre Einträge irgendwann mal garnieren wollen. Die meisten davon sind sowieso nach drei Wochen “für dein Land” gesperrt, vor allem wenn Musik drin vorkommt, wodurch Sie trotz unermüdlichen Sammeleifers stets die Übersicht behalten. Bekommen Sie den ewigen Langnese-Spot Like Ice in the Sunshine auf der Startseite empfohlen, der Sie schon anno 1986 den Mitternachtsvorstellungen verrufener Programmkinos, in denen Zigaretten und Schlimmeres geraucht werden durften, und dem Mitbewerber Schöller in die Arme getrieben hat.

Schritt 3: Lernen Sie leben mit dem Stigma, dass Sie an Ihrer Consumer History eine Target Ability zu Langnese-Spots erkennen lassen. Fortgeschrittene kaufen sich in der Steampunk-Shopkette für Studienräte noch den Columbus Großglobus Glas, da kommt es eben drauf an, ob Sie mit den Studienfächern aus Schritt 1 in der Essigfabrik den Schaum von den Bottichen schöpfen, vor Ihrer Manufactum-Filiale mit einem verbeulten Kornett Ihr Hartz IV aufstocken oder gar auf Werbetextaufträge angewiesen sind, und genießen Sie das Urlaubsfeeling.

Eiskonfekt! Happy Kirsch!: Beagle Music Ltd., 1986.

1 Kommentar

  1. Tyler Durden Volland

    12. Februar 2013 at 01:48

    Schritt 1 beschreibt meine Vergangenheit recht gut. Was fehlt ist die bei solchem Lebenswandel immer wieder zu hörende Frage, wie und von was man denn in der Zukunft, oder gar “im Alter” mal leben wolle…
    Heute, mit 64, hat das nachgelassen, vielleicht hat sich ja auch nur mein Umgang geändert. Wenn ich mein Leben so anschaue, das ja diesen ersten Schritt voraussetzt, würde ich mir wünschen Nietzsche hätte mit seiner “ewigen Wiederkehr” recht. Ich hätte nichts dagegen dies alles bis in alle Ewigkeit wieder-zu-leben.

    Grüsse aus Tokyo, wo die Menschen freundlicher sind…..

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