Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Autor: Vroni Grabel (Seite 2 von 12)

Neuer Geschäftsauftritt

Nach 2 Monaten – immer schön während des Tagesgeschäfts – ist unser neuer Geschäftsauftritt fertig:
http://www.the-missinglink.de/
http://www.the-missinglink.de/antwort.html

Ich finde, er ist uns gut gelungen. Den Spagat zwischen Eigenlobhudel und verlässlicher Information hingekriegt (hoffentlich). Vor allem haben wir es geschafft, unsere Hausfarbe beizubehalten^^. Die Referenzen werden ab morgen Stück für Stück reingeladen.

Neu: Ein grafischer E-Shop – reine Downloadsachen –  ist jetzt von uns in Vorbereitung. Stand: 70% fertig, mit Visa Card und PayPal, all das; mit Fremdsprachen Englisch und Französisch . Mehr wird nicht verraten.

Please, talk language to me!

Gedanken zum Sonntag: Wir sind auf alle Fälle dagegen.


Wir zwei Gestalter sind gegen Werbisch.

Jeder, die Wirtin zum “Gleis 25” des Eintracht Frankfurt genauso wie Lehrer und Schüler der Geretsrieder Abiturklasse, sind täglich in der Alltagssprache trainiert und verstehen sie auf Anhieb. Wer für die Öffentlichkeit textet, tut also gut daran statt zu nerven, in der Erzählsprache des Alltags zu bleiben: Talk language to me!

Typo-interoffice

Font: Interoffice

Werbewelsch oder Fachchinesisch müssen beim Zuhören oder Lesen noch einmal in normale Sprache übersetzt werden. Das ist den Leuten zu anstrengend.

Fachsprache filtert. Und das kann ganz in Ordnung sein. Wir tun es ebenfalls. Ein Zuviel des Guten ist auch bei Fachpublikum schädlich. Die typische Werbesprache jedoch ist hundertprozentig vorbei: Der Geschäftsmann, der Verbraucher, der Endkunde sind übersättigt und fliehen sie: die sogenannten aufgepeppten “pfiffigen Texte”. Die machen wir nicht.

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Kunst ist, wenn man über die Bilder nachdenken muss.

Deswegen gibt es Häppchen und Sekt auf Vernissagen, um den Künstler  und uns von der Merkwürdigkeit abzulenken, dass jeder etwas anderes hineininterpretiert.

Typo-bombe

Fonts: Wingdings und Wingdings2

Daher sind wir bei Auftragskommunikation nicht nur gegen Werbisch, sondern auch gegen: Kunst.

Das Bild in der Werbung und in der Unternehmenskommunikation ist anders. Was macht die Levi’s cooler als andere Jeans? Schmeckt Coca-Cola wirklich besser als Pepsi? Wie bringt uns die Werbung eigentlich dazu, manche Marken stärker zu akzeptieren als andere? Mit ganz bestimmten Bildern. Sie setzen starke gezielte Reize, ohne einen rätseln zu lassen. Im Idealfall sagen sie noch nicht mal das Gleiche^^ wie der Text in der Headline drüber oder in der Bildunterschrift, sondern sie ergänzen sich: Hohe Schule, das Gegenteil von Redundanz.

Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. und sein neues Logo

Ein ernstes Wort an die Leser, die diesen Artikel hier aufrufen:

Das Problem, das zu diesem Logo unten geführt hat, ist ein tiefes Kommunikationsproblem, das die Designer haben in der “normalen” Wirtschaft und in Kommunen:

Auftraggeber sind immer mehr esoterisch unterwegs und können
zielgerichtetes Design, das kommuniziert, nicht von freier Kunst
unterscheiden. Sie kennen den Punkt nicht, auf den es ankommt.

Und Designer vermitteln es nicht.

Können es nicht oder verstehen nicht, wo es hakt.

Statt dessen lecken sie sich wahlweise beleidigt ihre Wunden (ist ja auch
wirklich ein Desaster) oder werden spöttisch bis zur Satire (was sehr
unterhaltsam ist, ich liebe es ja selbst).,

Nur bringt es niemanden weiter.

Der Kracher.

Cottbus_Logo

Wer hat die Verantwortlichen beraten? Wer war da in der Jury?

Diskussionen verfolgen auf:
http://www.fontblog.de/ist-cottbus-noch-zu-helfen
http://www.fontblog.de/cottbus-sucht-wort-bildmarke

Aufklärung

Das haben die Erdenker des Logos sich gedacht:
http://www.cga-verlag.de/2009/090118logo_cottbus.pdf
Quelle: http://www.cga-verlag.de/

Zitat/Anreißer: Wer wars?

” Heute ist der Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. gegründet worden. Die Idee: Es gibt viele kreative und aktive Gestalter in der Stadt – es
wird mehr erreicht, wenn sie nicht gegeneinander oder aneinander
vorbei, sondern miteinander arbeiten. Die Wort-Bild-Marke: Die Wahl der Jury fiel unter mehr als 60
Teilnehmern am bürgeroffenen Wettbewerb um ein treffendes Marken-Logo
auf den von Antje Weise und Heiko Selka. Beide Begriffe hatte eine AG
Stadtmarketing als die für die Stadt wichtigsten
Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet. Die beiden Erdenker des Logos erklären es so: [folgt Link zum oberen PDF, d. S.]“

Meiner Meinung nach sind die Entwerfer voll in die Esoterikfalle und in die Falle der typischen Sicht von Innen getappt: Kein außenstehender Mensch erahnt, dass mit dem Grünverläufen ausgerechnet der berühmte Park von Fürst Pückler versymbolisiert werden soll. Dass wissen tief in ihrem Inneren nur die Ersteller, denn es kann sonstwas sein: eine Wiese, oder der Kopf von E. T., wenn es ihm schlecht wird. Das ist der Kasus Knacktus: Ein Logo muss außen kommunizieren, zu Leuten, die das Grün verständlicherweise nicht sofort mit dem Fürst Pückler Park in Verbindung bringen, nicht innen zu "Insidern", die sich das so zusammengesponnen haben.

Ein Logo ist eines nicht: Kunst. Sondern muss auf den Punkt kommen. Jeder Anflug Nichtverstehen oder von negativer Assoziation des frisch dazu gekommenen Betrachters ist ein Grund für den professionellen Gestalter und professionellen Marketer, ein Logo – zum Beispiel dieses – sofort auszusortieren.

Das Internet, die nächste große Arbeitsplatzlüge.

Muss man schauen, was für Arbeitsplätze das sind, die für die wegbrechenden Arbeitsplätze in den herkömmlichen und jetzt siechenden Verlagen/Medien/Agenturen geschaffen worden sind.

Im Internet sind es
1. prekäre Arbeitsplätze (prekär = ungesicherte Arbeitsverhältnisse),
2. sind es im Vergleich zur alten Economy äußerst schlecht bezahlte Arbeitsplätze.

Test: Frage einen Medienmenschen, was vor wenigen Jahren ein Redakteur in einer Printzeitung bekommen hat und was heute ein Online-Redakteur/Online-Editor bei einem Online-Medium verdient.
Das ist ein Bruchteil der alten Gehälter oder Honorare (bei Agenturen ähnlich).
Auch der Verdienst der IT-ler geht zurück.

 

Das sagt Don Alfonse, ein Jounalist und Blogger"-Papst" (nur Lustblogger, kein Kommerzblogger) dazu, der die Verlage, klassische Firmen und das Internet gut kennt:

"Medien haben sehr lange sehr gute Renditen eingefahren, von denen die allermeisten Internetfirmen nur träumen können. Deren Versagen [das der Internetfirmen, d. S.] wird als normal hingenommen, Hauptsache, sie hatten einen tollen Exit oder eine hohe Bewertung [für den Weiterverkauf, d. S.]. Würden Medien durchweg so miese Arbeitsbedingungen wie Internetfirmen bieten, sähe es bei deren Erträgen [den Erträgen der alten Medien, d. S.] nochmal anders aus. Ich sehe da bei den Internetjüngern [= Befürwortern, d. S.] eine Reihe von blinden Punkten, und über die sollte man vielleicht auch mal nachdenken: besonders vor dem Hintergrund, dass das Netz in den westlichen Ländern in ein paar Jahren ausgereizt ist und die kommerziellen Entwicklungen weit, weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind."

Genau so ist es und wird es sein.

Oder anders gesagt:
Das Internet, die nächste große Arbeitsplatzlüge.

(Nach der Einführung von Hartz4 und 1-Euro-Jobs sagte man auch stolz, die Arbeitslosenzahlen wären zurückgegangen. Nein, es sind nur
a) Leute wg. Lebenspartnerschaften aus Hartz 4 rausgeflogen und
b) der Rest ( vor allem ALG1) steckte  – anders als Hartz4-ler, in die man kaum investiert -  in Coachings oder Maßnahmen. Dann zählen sie nämlich auch nicht als Arbeitslose…]

Bestätigt wird der Gedanke, dass das Internet nicht das bringt, was man sich vorgestellt hat, indirekt durch das langsame Siechen großer Blogs, die ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind (Basic, Werbeblogger).

Oder ich denke an die zig Portale für alles mögliche (Autos, Gadgets, noch'n KMU-TricksundTipps-Portal und noch'n KMU-Branchenportal, die alle eh doppelt und zwölffach existieren.)


Das wird alles nix, Leute. Geht nach Hause, der Tanz ist vorbei.

Macht euren Kindern einen Kessel Buntes und denkt bitte mal mindestens eine stille Minute nach, wieso ihr geglaubt habt, dass man genau in dem Medienkanal tolles Geld verdienen kann, der dafür groß geworden ist, dass er nix kostet. Der einzige, der wirklich und effektiv am Netz verdient (und keine billigere Massen-Altauflage aus den Offline-Leben ist wie Ebay oder Amazon), ist Google mit seinen Adwords. Wo ich übrigens etwas besonders Grässliches gefunden habe. Auf bild.de neben dem Artikel über den durch vermutlich Selbstmord getöteten Unternehmer Merckle war das Adword: 

Anzeige

Der Notausgang:
Wie Sie schnell und schmerzlos Selbstmord begehen.
amazon.de

Buchwerbung von amazon.de. Habe tatsächlich auf den geschmacklosen Link geklickt: vergriffen, nicht auf Lager, nicht lieferbar. Auch das noch. Oder Gottseidank.

Das ultimative Sinnbild nutzlosester, verblödester und zugleich geschmacklosester Werbung, die eine Maschine schaltet.

An Google, welches auch für derartige fehlgeleitete "kontextrelevante" Adwords zuständig ist, ist nichts Zauberisches, es ist sowas ähnliches Ödes, Seelenloses wie früher der Telefonbuchverlag für die Gelben Seiten. Ist das Internet was anderes als die Gelben Seiten? Wer was anderes weiß, kriegt ne Mark. Und dem Telefonbuchverlag konnte man an den Kragen, wenn er so einen pietätlosen Mist geschaltet hat. Google nie. War ja alles die Maschine.

Ja, man Geld verdienen. Wie ist nochmal der CpC? Gesunken? Achso.

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Kommentare geschlossen

Vroni und Wolfster von the missinglink sind altmodisch und stehen auch noch dazu. Ach ja: und wünschen guten Rutsch gehabt zu haben!

 

Grantig-Ehrliches zum neuen Jahr

 

Er sagt, was ich schon länger denke. Daher ein ausführliches Zitat (ich hoffe, ich darf das) aus dem Rebellmarkt von Don (http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1301923/)

 

“In fact gibt es eigentlich nichts Langweiligeres, Dümmeres und Spiessigeres als asoziales Benehmen. Das kann jeder Depp.

Der Spiesser von heute trägt nicht Loden, sondern Baseballkappe, Kapuzenshirt und ipod. Des Neuen Spiessers Eiche Rustikal heisst Billy, der Moselwein Coffee2go und der Schweinebraten Maxidöner zum auf der Strasse fressen.

Der Spiesser von heute hat einen billigen Job mit beschissenen Arbeitszeiten und erwartet, dass die Läden für ihn bis Mitternacht aufhaben.

Der Spiesser von heute fordert WLAN überall und beschwert sich über die deutsche Dienstnichtleistungsmentalität.

Der Spiesser will alles, er gibt nichts und bescheisst bei der Fahrtkostenabrechnung. Der moderne Spiesser kann mit jeder Form asozialen Lebens prima leben, solange sein Macbook Pro keine Schramme bekommt.

Der moderne Spiesser schaut weg, wenn jemand randaliert, solange es nicht seine Lebensideale stört. Der moderne Spiesser hat seinen reinen, selbstbezogenen Egoismus an die Stelle des alten spiessigen Egoismus gesetzt, der alles kontrollieren wollte. Der moderne Spiesser hat deshalb nicht mehr mal ein Herz für einen Pudel.

Man kann darüber reden, ob der neue Spiesser mit seiner Leckmich-Haltung ein widerlicheres Arschloch als der alte Kontroletti-Spiesser ist, und unter wem man besser leben würde, wenn man nicht das Glück hat, täglich auf dieses Pack spucken zu können. Was fraglos die beste Art des Umgangs mit diesen Problemen ist.”

 

Was ich nicht tun würde ist, sie Pack zu nennen. Irgendwie tun solche Spießer mir nur leid. Aber das war es auch schon. Wenn sie einem nicht fast täglich über den Weg laufen würden, manchmal leider auch als Kunden (traurig), wären sie es auch fast nicht wert, das man über sie schreibt. Aber sie tun es: einem fast jeden Tag über den Weg laufen.

Damit für Sie, den Leser unseres Blogs das neue Jahr trotz aller Medien-Unkenrufe ein gutes wird (was wir sehr wünschen): einfach sein Ding machen. Das hilft garantiert.

Ein gutes Neues!

Trotz oder wegen des Spießers neben und in uns.

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Der Mann mit Hut, Audi, Klorolle hinten, Jägerzaun und Schäferhund hat weitere Gefährten:
Auch das waren Spießer, gar noch nicht so lange her. Der sexuell befreite Spießer: http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-revolte-und-liebe-die-68er/artikel/1/sexuell-befreite-spiesser/?src=SZ&cHash=b02c4c91dd

Panikzahlen der “Experten” in der Presse und ihr wirkliches Verhältnis zum Ganzen

Grafikdesign (oder: “Malen nach Zahlen”), wenn man es einmal wirklich brauchen kann:

Wirtschaftskraft

“Experten erwarten 2009 einen kräftigen Konjunktureinbruch. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet damit, dass die deutsche
Wirtschaft im kommenden Jahr um 2,7 Prozent schrumpft.”
(Quelle: SPIEGEL Online, 23.12.2008)

Konsumrueckgang

“Wir erwarten für 2009 einen Rückgang um 0,5 Prozent”, sagte Analyst
Sebastian Wanke von der Deka-Bank. “Die Rezession ist unglaublich
scharf, das ist bei vielen Verbrauchern noch gar nicht angekommen.” (Quelle: SPIEGEL Online, 23.12.2008)

Fröhliche Weihnacht

Keine Frage, es geht nah.

Und solche Partybilder kennt man auch.

Richard Sennet behauptet, es läge am schlechten Handwerk, dass die Jungs den Erdball so reingeritten hätten. "The Craftsman names a basic human impulse: the desire to do a job well for its own sake."

Ich behaupte, es liegt an deren Unreife und miesen Einstellung. Die miese unverantwortliche Einstellung und bodenloser Narzissmus ist die Ursache dafür, dass sie sich mit sauberem, kenntnisreichem Handwerk gar nicht erst lange aufhalten. Das ist bei ihnen was für Doofe. Schmerzlich: auffällige Parallelen zu Medienberufen/PR oder Werbung.

Zur Weihnachtslektüre empfohlen: The Bonfire of the Vanities von Tom Wolfe

"Börsenmakler Sherman McCoy hat den amerikanischen Traum von Erfolg und
Reichtum verwirklicht – ein Millionen-Dollar-Jahresgehalt, eine
Luxuswohnung in der schicksten Gegend New Yorks, ein nettes
Töchterchen, eine Dame der Gesellschaft als Ehefrau und eine
sexhungrige Freundin. Doch eines Tages begeht Sherman einen fatalen
Fehler."

Aus einer Leserrezension:

Wolfe entfaltet die Dekonstruktion des Wall Street Brokers und
Yale-Mannes Sherman McCoy als New Yorker Intrigenstadl. Es gibt
niemanden hier, nicht bis ins kleinste Detail, der unschuldig ist. Vom
Staatsanwalt und seinen Assistenten über einen schwarzen
«Bürgerrechtler» Reverend Bacon, Sherman, seine Frau Judy, seine
Geliebte Maria, seinen Anwalt Killian, Yellow-Press-Schreiberlin
Fallow, bis hin zu kleinsten Nebenfiguren,  ausnahmslos jede Figur in
diesem Buch ist eitel, hat den Blick auf den eigenen Vorteil, ist
manipulativ, gierig und dabei bemitleidenswert und verzweifelt. Sherman
wird auf diesem «Freudenfeuer» (nicht Fegefeuer, wie der deutsche
Buchtitel fälschlicherweise nahelegt) der Eitelkeiten fröhlich geopfert
und ist doch keine tragische Figur, sondern selbst ein hohler Fatzke,
bei dem selbst dessen Wendung zum professionellen Angeklagten am Ende
des Buches keine echte Katharsis zu sein scheint, sondern nur eine
weitere eitle Facette seiner Persönlichkeit. McCoy ist auf fast
hilflos-kindische Art gefallsüchtig, so daß er selbst befürchtet, seine
Zellennachbarn nicht ausreichend zu beeindrucken und aus seiner
Fahrerflucht kurzerhand Totschlag macht, um genau aus dieser Episode
später auf einer Party wieder Kapital zu schlagen, als er plötzlich
genießt was er vorher noch so verabscheut: Im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit zu stehen. Der Master of the Universe, wie er sich als
Broker selbst definiert, verliert im Grunde nie seine Hybris, seine
Großmannssucht, letztlich seine überkompensierten
Minderwertigkeitskomplexe. Auch als Opfer inszeniert er sich noch. Wie
ein Papierschiff driftet McCoy durch die Machenschaften seiner Umwelt,
die Wolfe kühl zynisch entblättert. Fast ohne realen Spannungsbogen,
journalistisch, geht es dem Buch eher um die Betrachtung von NY als
Mikrokosmos der Oberflächlichkeiten, des Grellen, der Moderne im
Niedergang. Es gibt keine einzige Figur, die in diesem System, in dem
Oberschicht wie Unterschicht, Park Avenue wie Bronx, gleichermaßen
abstoßend serviert werden, die wiedergutmachenden Charakter hätte, die
Hoffnung zuläßt. Sie alle sind kaputt, sie alle sind gierig und genau
deshalb vielleicht bemitleidens- oder sogar liebenswert. Aus diesem
seltsamen Misachung zwischen Tragödie und Gegenwartssatire schöpft das
Buch seine Kraft, ohne dabei jemals aufdringlich oder unentspannt zu
werden, im Gegenteil, nur einmal durchbricht Wolfe die Pose des
lässigen Raconteurs, wenn auf einer Dinnerparty der AIDS-Kranke
Schriftsteller Aubrey die versammelte Gesellschaft der Schönen und
Gelangweilten mit den Figuren in Poes The Masque of the Red Death
vergleicht und damit für einen kurzen Moment den summenden Bienenstock
der High Society zum Schweigen bringt.

3 kreative Ideen, E-Shops nicht zum Laufen zu bringen

Einer der besten Ideen, die zum Kaufabbruch führen:

Der Nutzer hat einen Artikel gesehen, will ihn kaufen, muss aber mühsam zurückrobben, um sich einzuloggen und als Mensch auszuweisen; das ganze Procedere nochmal von vorn. Jaa! Und er darf erst dann wieder her, der Knilch. Der Artikel ist natürlich verschwunden auf dem Radar und er muss ihn neu ausgraben. Sehr unterhaltsam.

Professionelle und gut laufende E-Shops machen das anders: Sie bilden den Kaufprozess aus der Sicht des Nutzers nach: Er sieht seine Ware und will die. Jetzt. Er will jetzt nicht gehindert werden. Daher erhält man ihm seine Bestellung im Cache und macht ihm das Einloggen/Registrieren so leicht wie möglich. Und nachdem er seine Bestellung fast vollständig ausgeführt hat. So geht das. Aber ist natürlich voll langweilig.

Gib dem Kaufwilligen unbedingt miese Produktbeschreibungen, auf gar keinen Fall Angaben über die Lieferzeit und zu kleine, unscharfe Fotos.

Dazu brauche ich, glaube ich nichts zu erklären. Funktioniert immer wieder.

Verstecke deinen Shop vor dem Käufer.

Doch, das gibt's. So ein edles, vornehmes Lädchen darf so gut wie keine Verlinkungen haben, die auf es verweisen. (Nennt man Backlinks, wer braucht das schon.) Der E-Shop wird auch anderweitig kaum beworben, istnurpeinlicheWerbung.

So findet man ihn ebenfalls nicht als Nutzer: Der Shop bekommt keine vernünftigen Title-Tags und keinen klaren Kontent, der potenzielle Suchworte enthält. Das Ding muss unbedingt ein cooler Laden in der Wüste sein ohne irgendwelche Zufahrtswege. Pro Tag kommen nur ein Leguan und eine Wüstenrennmaus vorbei, das ist romantisch.

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Es gibt natürlich noch mehr kreative Möglichkeiten in der Krise, den Nutzer nicht kaufen zu lassen. :-) (Stichwort umständliche Bezahlsysteme, z. B. wird PayPal in Deutschland schlechter angenommen als anderswo…, muss man wissen…) Aber das sind erst mal die ersten 3. Wenn die erfolgreich nicht klappen, brauche ich auch über Bezahlsysteme nicht großartig herumschwatzen… :-) Reicht doch schon so.

Kunde kommt von kundig

Immer wieder werde ich gefragt, was SEO ist, wie aufwendig es ist, was es kostet und ob ich jemanden empfehlen könnte. Gleich 3 Fragen.

Ja, das ist recht zeitaufwendig.

Und kommt darauf an, was man genau unter Suchmaschinenoptimierung versteht und davon weiß. Und was man davon wirklich braucht und dann will. Kommt darauf an, welches Ziel man formuliert (wieviel Zugriffe, wieviel Reichweite, welche Konversionsrate). Ich mag Kunden, die sich vorher schon etwas kundig gemacht haben und gezielter fragen.

Grob gesagt gibt es zwei (drei) Aufgabenfelder:

1. Die Onpage-Optimierung (alles, was man direkt auf der Site selbst "schraubt" vom Marketingkonzept, Sitekonzept selber bis zur Zielgruppenuntersuchung und ihren Bedürfnissen bis zum Keyword-Konzept, von den Tags bis zu Keywords, bis zu den Anchor-Links bis zu den optimierten Texten, die nicht nach Psychiatrie klingen dürfen, aber alle Begriffe nennen müssen, nach den der User sucht). Dann dieses tunen, immer wieder kontrollieren, Begriffe austauschen, probieren, Entwicklungen beobachten.

Zeitaufwand je nach Site (ob sie groß oder klein ist, ist nicht egal): ein Monat bis ein halbes Jahr plus Pflege. Der "Haken" ist das Kontinuierliche. Es reicht nicht, einmal was zu machen, dann is gut.

2. Die Off-Page-Optimierung. Das ist der (Back-)Linkaufbau. Linkbuilding, auch als Konzept. Das Wort Aufbau sagt es schon: Es muss kontinuierlich sein und stetig anwachsen. Plötzlich viele Links und egal welche zusammenkaufen, das geht schief. Es müssen relevante Links sein, die zum Unternehmen passen. Es muss stetig sein. Der "Haken" ist das Kontinuierliche. Es reicht nicht, einmal was zu machen und dann is gut.

(3. Standbein: eingekauftes Suchmaschinenmarketing/Adwords. Ein MUST, wenn die Suchbegriffe überlaufen sind und man trotz gezieltem SEO nicht mehr auf die ersten Seiten kommt.)

Hintergrund meines Beitrags

50% meiner Kunden wollen meist "nur" eine Site. Schön soll sie ausschauen, fertig. Dann hat sich's meist bei ihnen. Das ist falsch, auch wenn man sich "nur" als Visitenkarte oder Archiv sieht, um sie bei Coldcalls zu nutzen. Ich mache ihnen immer auch ihre Site fahrbereit. Which means Basis-SEO (leider ohne Pflege s.o., denn die wird mir in der Regel von KMU nicht bezahlt). Dass ich denen dann dennoch rudimentäres Basis-SEO mache (genau wie ich auch grafische Konzeption mache) ist auch mehr aus echter fachlicher Verzweiflung meinerseits, weil ich nicht verstehe, wie man ein Auto mit schöner Karosserie aber ohne Räder kaufen kann. Da gehe ich mich genieren^^, sowas verkauft zu haben.

Basis-SEO

Ein Beispiel: Basis-SEO für eine Kundschaft. Vorher pro Monat 200-400 Zugriffe, nach Hochfahren der neuen validen Site mit nur wenigem Schrauben an den Title-Descriptions und den restlichen Metatags 5500 Zugriffe, das Zehnfache. Also rudimentärstes ON-Page. Zeitaufwand fürs Keywordaussuchen und Tag-Schrauben damit: um die 5-10 Stunden.

Mehr hilft mehr

Wenn ich mehr hätte tun dürfen, auch textlich auf der Site selber (auch für die Konversion mehr Interaktives und Linkaufbau vor allem), wäre es noch wesentlich mehr Zugriffe geworden. Der Kunde "wollte" das jedoch nicht, alles Reden hat nix genutzt. Er wollte sogar am Anfang gar kein Basis-SEO. Sagte ich tut mir leid, ich stelle kein Hotel in eine Wüste ohne Wege dahin. Zumindest Trampelpfade müssen sein. Der "ROI" (=das sich Amortisieren): Denn Kunden, die von selbst zu einem finden, sind meist angenehmere und kooperativere Kunden als die, die man mühsam "aufreißen" hat müssen. Man merkt es im Tagesgeschäft.

Meine eigene Haustür, an der ich kehre

Zweites Beispiel, meine eigene Geschäftssite: Bevor ich an ihr SEO gemacht habe: am Tag 8-30 Zugriffe, im Monat also 240- 900, lausigst. Das war vor 3-4 Jahren. Jetzt habe ich pro Monat 20000. Das mag wenig sein für SPIEGEL-Online (die haben Millionen Zugriffe) ist aber ganz anständig für einen Designer und Web-Konzepter. Und deutlich mehr Anfragen und Aufträge (Konversion). Zeitaufwand, immer wieder nebenbei, mit neuen Artikeln einstellen, Stats-Kontrolle, Keyword-Kontrolle, Backlink-Check: ca. 10 Stunden im Monat. Anfangsaufwand, bis das alles stand: 50 Stunden (inkl. Positionierungs- und Keywordkonzept).

Kosten

In Wirklichkeit zahlt einem das alles im KMU kein Mensch. Was gezahlt wird ist höchstens: Linktrickserey und schnell eingekaufte Linkfarmen und Linkbaiting. Technisches Getrickse. Ich weiß, wie das geht, mach's aber nicht, denn das ist nicht nachhaltig, innerhalb weniger Wochen sinkt der Stern der Site wieder (hab das gesehen, als eine Webdesign-Kollegin für einen Escort-Betrieb (in Berlin, mit Standorten in weiteren großen Städten) SEO machte. Supererfolgreich, Seite 1 oben, aber hielt nicht lange, zuviel Trickserei. Als dann der Kunde selber rumtrickste, war es endgültig vorbei, vermutlich downgrading durch Google oder Konkurrenten, die anschwärzten. Ist aber auch eine komische Branche, um ehrlich zu sein, mach für solche nix…:-).

Wen man nicht beauftragen sollte

Vorsicht vor selbsternannten SEO-Experten, die alles vom Himmel versprechen, vor allem schnelle Erfolge (alles und jedes auf die erste Seite, das SERP von Google zu bringen). Innerhalb von 4 Wochen. Das ist Murks. Mit einem Ego wie Superman, steckt nix dahinter. An ihren Sprüchen erkennt man sie. Ich kenn da welche, werde ich nicht nennen, vor allem weil ich das selber mache :-)

Deutliches

Zur Klarstellung und um einen Anker zu setzen: In der Branche unter halbwegs seriösen SEOs* sind Preise für SEO üblich ab 4000,00 aufwärts (für die kleinsten Sites). 8000,00 bis zu 20000,00 und drüber sind völlig normal für Verlage, Makler-Portale, IT-Firmen oder Handy-Dienstleister. Da funktioniert das so, dass die SEOs von Textern komplett neue Seiten (mit anderen URLs) schreiben lassen, die voller Text und Kewordstuffing sind und nur dazu dienen, zur "richtigen" Site per Javascript-Trickse umzuleiten, ohne dass der User das merkt. Daher schreiben viele Texter für SEOs direkt. Google mag das gar nicht und unterscheidet da zwischen normalen redirections und unseriösen oder gar malicious redirections, downgraded solche Seiten oft fix. Wird aber gemacht von vielen SEOs, manche Seiten stehen sogar ein Jahr oder länger so. Ständiger redirection-Wechsel ist also fällig, ständiges Neuschreiben von reinen Text-Hilfsseiten ist fällig, Doubletten gehen nicht. Anders geht das auch nimmer in dem Geschäft.

Viele Kunden wissen das gar nicht, dass von Profis so gearbeitet wird

Daher ist das auch so teuer, obwohl diese SEOs von Textern billigst versuchen, einzukaufen. Reines White-Hat-SEO geht bei den hohen Ansprüchen vieler Kunden und deren klammem Geldbeutel (immer Seite 1 und maximale Reichweite) auch gar nicht mehr, das muss man sich klarmachen. Solche SEO-"Profis" beschäftigen ganze Textermyriaden (die nicht die echte Site selber betexten, sondern die hingeleiteten Hilfssites füllen, bis der Arzt kommt, für sehr wenig Honorar). Zur Abgrenzung: mache ich nicht, pastabasta :-). Grusel.

Jetzt höre ich aber auf, sonst krichisch Ärscher mit diversen SEO-Trupps… Meine Seite ist schon mal von Script Kiddies gehackt worden, seitdem ist mein FTP-Passwort nicht mehr "mama":-)

Und Grüße

mal wieder

*Da scheiden sich auch die Geister. Ich persönlich bin der Meinung, dass man Websitekonzeption und SEO fachlich nicht trennen sollte, wenn man den Erfolg der Site im Auge hat. Bei Interesse und auf persönliche Anfrage erläutere ich jedem gern, warum.

Bashing und Jammern nix gutt

Ein Beitrag von mir an die Textguerilleros http://textguerilla.wordpress.com

Hallo ihrs,
ihr setzt euch für gute Texte ein. Das ist eine tolle Sache.
Aber wo sind die.

Ich hab da selber genügend Erlebnisse, die einem das Gefühl, in einem Kulturvolk zu leben, ordentlich austreiben. Neulich seltsame Diskussion gehabt mit einem (vorgeblich altgedienten,
sic! = “erfahrenen”) Journalisten, der die Kritik an den Texten des
Scienceblogs als pure Kritik an Kommata abtat.

Entweder war er dumm oder er verstand absichtlich falsch, denn der
Haupteintrag war klar und unmissverständlich gegen die unverständliche,
dürre, dünkelhafte und unlebendige, “unsexy” Schreibe der dortigen
wissenschaftlichen Blogger gerichtet. Schreibe, nicht Kommafehler,
hrrgs. Man hat sogar aufgezeigt, wer und wie es ein recht berühmter
Jemand besser macht/bloggt.

Und wenn die sogenannten Schreibprofis wie dieser auf diese
konstruktive Kritik hin kommentierende Journalist sich da trotzdem auf
sehr ärgerliche Weise dummstellen, wie sieht es dann mit dem
umworbenen KMU-Normalovolk aus. Das ist bitter. Ich verstehe von daher jede
Unmutsregung und jede Heftigkeit.

Auch wenn die textguerilleros sich nicht als Textverkäufer sehen
(Ausrede! Ausrede! Denn sie haben immerhin eine Petition gestartet und
die will “verkauft” sein, also von den Leuten angenommen werden),
möchte ich ihnen dennoch zurufen:

Nur festzuhalten, wieviel und welche schlechte Texte es gibt, ist
eine seltsame Archäologie, wenn man es als Kulturauftrag sieht. Denn
sie zwingt auch euch Textguerilleros selbst allmählich in negative
Denk- und Vorstellungsschleifen hinein. Mir kommt das so vor, wie wenn
ein Kunstsammler anfinge, aus Protest miese Bilder zu sammeln, den
Zigeunerin-Ramsch und die Sonnenuntergänge in den Kaufhäusern.
Irgendwann weiß er nicht mehr vor lauter hämischer Negativität, wie ein
gutes Bild geht. Das Sein bestimmt das Denken, er wird sein Stilgefühl
verlieren.

Viel besser ist es, gute neben schlechte Texte zu stellen. Nur so
sieht der interessierte Leser (bei anderen ist es sowieso sinnlos…),
was man meint. Selbst der mäßigste Grundschullehrer würde nie und im
größten Frust nicht sich über seine Schar lustig machen, sie nur mit Spott
zusammenstauchen und stehenlassen, wenn sie etwas falsch gemacht hat.
Denn so lernen sie es nicht. Er zeigt ihnen, wie es besser wird. Und
warum es besser sein sollte (Motivation aktivieren). Und lässt sie
selber draufkommen.

Leider haben wir eine sehr fehlervermeidende, ängstliche,
autoritative Kultur. In der Familie, im Sport und im Geschäft. Wir
haben keine Kultur, die aus Fehlern erfrischende Erkenntnisse zieht
oder in ihnen im Vergleich neue Dinge entdeckt. Fehler sind negativ,
basta. Und gehören an den Pranger, you idiots! Das ist aber leider
nicht sehr kreativ, Leuts, wenn man denn… etwas mehr ereichen will als
seelisches Trostblog für verärgerte Texter zu sein.

Ein reines Prangerblog wirkt immer selbstreferentiell oder wie ein
verbitterter Lehrer. Es dient vielleicht der Treib- und Frustabfuhr der
Textergemeinde. Das ist sicher notwendige Seelenhygiene und
Seelenmülleimer zur Bestätigung für gestresste Texter oder für Texter
mit zu wenig Aufträgen, die grade wieder am Verzweifeln sind.

Ausschließlich Beiträge aus der Richtung Gruselkammer und
Haftrichter und eine Petition rein GEGEN schlechte Texte führen
nirgendwohin.

Wer wirklich zum Denken anregen will, muss seine Leser zum Vergleichen anregen.
Oder wie Rathenau sagte: Denken heißt vergleichen.

Emsig (Phrasen) gedroschen – aber schlecht verkauft

Inhalte

Eigentlich tolle Produkte und
Leistungen werden durch völlig falsche oder miserable Argumente zu Flops. Deutlich sichtbare Beispiele
für Phrasendreschen statt die relevanten Vorteile herauszuarbeiten, findet man oft in den von sich selbst besoffenen (sorry)  "Mission Statements" dynamischer Neugründungen von
Software-Unternehmen, aber auch Biotech-Unternehmen.

Einfach danach googlen.
"mission statement", oder das berühmte "wir über uns" oder "philosophie" eingeben, staunen. Und dann  – entsetzt – für sich selbst einen besseren Texter beauftragen. Einen, der sich wirklich mit dem Geschäftsmodell, der Zielgruppe und ihren Bedürfnissen befasst. Und sie zu formulieren weiß, verbales Verkaufsgeschick inkluded.

Sprachfarbe

Ähnlich abschreckend wie das von zuviel Eigen-Endorphin ausgelöste Pseudowerbegeschwafel ist auch, wenn die Argumente strohtrocken und wie ein autoritärer Schalteraushang daherkommen. Einfach mal überprüfen, ob in der eigenen Website Wörter und Adverbien wie "hinsichtlich", "bezüglich" und "maßgebend" vorkommen. Wenn Sie es nicht selber schaffen, diese pickelhaubigen Wörter aus der Bismarck-Zeit auszumerzen und in einen flüssigen, angenehmen Satz hinüberzuführen: Ask your friendly copywriter. Natürlich müssen Sie nicht über Ihre Website Kunden bekommen, ganz wie Sie wollen. Aber aktiv abschrecken sollten Sie sie auch nicht.

Warum Grafikdesign entstand

 

Schreiber_und_illustrator

(Der Illuminator Rufillus; Selbstbildnis in der Initiale R. Miniatur in der Handschrift Genf, Bibliotheca Bodmeriana, Ms. 127, fol. 244r, um 1170/1200; entnommen aus Alexander, Medieval Illuminators, 17. Quelle: https://uni-salzburg.elsevierpure.com/de/publications/schreiben-und-abschreiben-von-der-kl%C3%B6sterlichen-schreibstube-zum-  “Schreiben und Abschreiben – Von der klösterlichen Schreibstube zum studentischen Nebenjob”)

Die Kenntnis der Schrift und die Fähigkeit zu lesen war früher nur den gebildeten Ständen zugänglich. Schreiber und Kopisten schrieben in unendlicher Mühsal ab. Um das Lesen dem Nutzer angenehmer, sicher auch das Schreiben dem Schreiber heiterer zu machen, illustrierte der Mönch die Majuskeln (Großbuchstaben) in bunter Pracht. Einem großen Publikum bekannt sind die zum Teil sehr frechen, ungehörigen oder erotisch angehauchten Illustrationen des irischen Book of Kells:

Lions_spouting_wine

(In this detail from the
Book of Kells, showing the heads of lions and chalices
spouting vines
, we can more clearly see the zoomorphic aspects of the
interlace. Author: https://lisnews.org/node/18386 “Manuscripts, Books, and Maps: The Printing Press and a Changing World” ).

 

Wahr ist: Um die Heilige Schrift zur Unterweisung der Novizen und Scholaren anzupassen, gab man sie ab ca. 1350 fast nur in Bildern aus, mit wenigen Texthäppchen: die Biblia Pauperum, die Armenbibel. http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_1107.html

Armenbibel_431pxcpg438

(Wikipedia, gemeinfrei)

Vermutlich unwahr ist: dass sie für die Ungebildeten, die “Armen im Geiste” sei.

Ganz sicher heute ist: dass mich das mit den Texthäppchen schwer an Comics und das Internet erinnert. Denn mehr als 4-5 Zeilen wird auch heute nicht am Stück gelesen.

QED, XXIX.IX.MMVIII

Neue Kunden mit exzellentem Service gewinnen?

Ein Beitrag von mir in einem Business-Forum

Excellentservice-Versprechen als Kundengewinnungsinstrument? Eine Denkfalle.

Funktioniert nicht. Es ist höchstens ein Aufmerksamkeitsgewinnungsinstrument.
Welches in der leider oft verwaschenen Sprache des Marketing pour le
marketing gerne fälschlich und undurchdachterweise als echtes und
schnelles Kundengewinnungsinstrument deklariert wird.

Konkreter: Ich kann mit diesem Soft-USP (der eigentlich kein echter
ist) vielleicht Interesse, tamtam, Traffic und Aufmerksamkeit auslösen
– ob wirklich gleich gekauft wird (conversion), also ob das in die
rasche Tat umgewandelt wird, hängt von allerlei sichtbareren Vorteilen
ab.

 

                                          
Das Ding ist so

Es muss erst bewiesen sein. Dann wird gekauft.

Kann man den versprochenen Topservice beweisen? Doch erst hinterher. Logisch. Topservice ist ein Punkt, den man erst erfahren haben muss, um ihn zu glauben. Bis dahin bleibt er: Behauptung.

Taugt also nicht. Warum? Der Beweis (und die Tat, das
wirklich in Anspruch zu nehmen) und damit das Vertrauen darin ist ja
erst erfolgt, wenn ich als Kunde diesen excellenten Service, der mir
versprochen wird bereits in Anspruch genommen habe

                                            Circulus vitiosus

Prospects sofort zum Kauf bringen und als Kunde zu gewinnen geht nur mit knallharten und einklagbaren Facts, die bereits vor dem Kauf klar und beweisbar da
sind und ansehbar, tastbar sind. Daher funktiort der Verkauf von echten
Produkten auch zigmal besser als der Verkauf von Dienstleistungen, die
erst in der Zukunft erfolgen können.

Was also in die Zukunft hinein versprochen wird als soft fact, der dann
eintreten soll, wenn man gekauft hat, ist ein nicht hinreichendes
Versprechen, das vom Prospect misstrauisch (und mit Grund misstrauisch)
geprüft und hin- und her gewendet wird. Von dem ich als Kunde nie weiß,
ob es nur ein hohles Versprechen und damit Marketingblabla ist oder ob
es wirklich und zuverlässig eintreten wird.

Daher taugt es als echtes Kundengewinnungsinstrument, das sofort in
Kauf wandelt, nicht. Besonders nicht bei Dienstleistungen, die sowieso
in sich, also von ihrer Natur her, bereits und sowieso servicelastig
sind.

Daher haben in die Zukunft gerichtete Grafik- und
Strategiedienstleistungen, aber auch Coachings es hochschwer, sich
gleich zu verkaufen. Ein neues Yamaha-Motorad hat es wesentlich
leichter, denn seine Features (höher PS-/Hubraumzahl, Umdrehungen,
etc.) kann man abfragen, seine Tests kann man in Userberichten lesen,
TÜV-Berichten oder ADAC-Heft entnehmen.

Das Problem also, im Vorfeld nie hinreichend beweisen zu können, ob Sie und ihr Topservice wirklich gut sind.

                               Der Käufer weiß es erst hinterher.

Daher
habe ich mir beispielsweise angewöhnt, vor allem im Internetauftritt
keine Top-Serviceversprechen oder "Wir sind die Besten"-Versprechen zu
verkünden, was erst hinterher erfahrbar sein wird. Es bringt einfach
nichts, außer – wenn man Pech hat – das Misstrauen noch eher zu
schüren, weil zuviel marketinggeblablaht.

                                                   Lösung

Kundenrezensionen von wirklich zufriedenen Kunden über diesen
Topservice reinsetzen in die Marketingbemühungen. Denn dann ist es
bereits erfahren
worden und damit halbwegs glaubhaft. Allerdings, wenn da steht: Frau H.
aus Z. habe das und das lobend gesagt, klingt das leider wie vom
Anbieter erfundene Wundertüte und wenig glaubhaft. Die Menschen, die
etwas sagen über einen, über eine Dienstleistung, müssen nachprüfbar
echte Menschen/Firmen mit echtem Namen und echter Adresse sein. Pech,
wenn man eine Dienstleistung hat, die stark von Diskretion lebt, dann
kann man das nicht machen. Dann besser ganz weglassen und auf
begeisterte Empfehlungen unter der Hand setzen.

                        Immer aus der Sicht des Kunden denken.

Da wir immer auch selber anderswo Kunde sind, müsste uns das ja
leichtfallen. Tut es aber nicht, weil wir, was das eigene Geschäft
betrifft, schnell in der Ichfalle sind. Daher ist das over the
shoulder, und die Sicht von außen so wichtig. Wenn es nur öfter
eingesehen würde… (das war jetzt ein allgemeiner und dezenter
Eigenkunden-Seufzer, den ich mir an dieser Stelle mal erlaube…)

Die Rettung des Krokodils

Präsentation. Der neue Werbeleiter der mittelständischen Halb-/Großbrauerei und mein damaliger Agenturchef, kantige Meinung des Werbeleiters:

"Das Krokodil da geht gar nicht!" 

Der Agenturchef fassungslos. Ein No-go in seiner fortgeschrittenen frankfurterisch geschulten Marketingwelt, ein mäßig-erfolgreiches Branding zu kippen. Und auch noch einfach so! Das Krokodil war das eingeführte Diensttier der Brauerei.

Er fragte behutsam (es war nach dem Lunch und er war eins mit sich und der Welt, was er vor dem Lunch selten war) nach dem Grund. Der neue Werbeleiter knurrte etwas über das Grün des Viehs, das nicht gefällig wirke und auch seiner Frau nicht zusage.

Der damals-als-ich-noch-Testtrinker-bei-Martini-war-Agenturchef darauf trickreich-leutselig: Sachma, Grün ist doch diiieee geschmacksphysiologische Farbe für Pils!

Der Werbeleiter merkte, dass er bei diesem Rhetoriker nicht durchkam und sprach leise: Naja, es sei wegen des Urlaubs damals in Florida. Da war er acht, sie waren in den Everglades und er kann bis heute nicht vergessen, wie er sich vor diesem einen Alligator erschreckt hat. Das sei ihm nachgegangen, so dass er bis heute große Angst vor diesen lebenden Handtaschen habe. Und wir Grafiker hätten es auch noch groß als Hero/Comic-Tier in Stories mit Sprechblasen auf die zu präsentierenden Plakate gemalt und mit ihm Kino-Spots erfunden.

Mein Agenturchef sagte, dass Reptilienphobien unter Werbeleitern durchaus vorkämen, weil sie so sensibel seien (die Werbeleiter jetzt). Dass das aber keinesfalls den Erfolg der Brauerei trüben dürfe, da müsse er durch (der Werbeleiter wieder). Dann trank man eine Runde gutes, grünes Bier.

Das half. Das Reptil durfte bleiben, denn es war: eingeführt und einzigartig. Welche Brauerei hat ein Krokodil im Wappen und damals auf den Plakaten, bitte.

Grüne Krokodile sind…

keine Geschmackssache. Sie sind Storyteller, erzählen Geschichten. Sie sprechen. Haben eine große Klappe, regen an und auf.

Dem Irrglauben, dass Design persönliche Geschmackssache sei, hängen viele Unternehmen an. Noch mehr als diese: die Klein- und Einzelunternehmer. Man und vor allem frau meint, dass man mit seinem Gefühl und Geschmacksempfinden den eigenen Betrieb und sein Produkt sehr gut darstellen könne und für diese Kompetenz keine professionelle Unterstützung brauche.

Meist sind ihre Ideen und Geschmacksvorstellungen zu nah am Produkt. Das ist nicht ganz unrichtig, aber sehr langweilig. Wir haben Wettbewerb. Bei Bier ist es mit 100%iger Glaskugelvoraussage das sonnendurchflutete Bierglas, die sich im Wind wiegende Ähre und der Bergsee. Nur macht das bei ungefähr 20 mitkonkurrierenden Brauereien keinen Punkt, die ebenfalls sich wiegende Gläser, flutende Wälder und sonnige Bergseen haben. Austauschbar.

Aus der Erinnerung nacherzählt.
15 Jahre her.

Und es lebt noch.
Und hier auch.

__________________________
UPDATE

Wie man diese unsere Geschichte sonst noch sieht (Zitat, Quelle: http://meatjuice.tumblr.com/post/52924983/another-designers-lament)

                        

another "designers lament"

                        

which is actually quite the funny story.

“I don’t like crocodiles, therefore they are unsuitable for the use as a logo.”

ha. wrong. crocodiles are awesome."

                   

Der Kunde ist König

"Worin Sie sich aber von anderen unterscheiden können,
ist der persönliche, menschliche Umgang mit Ihren Kunden:
60% der im Rahmen der Spiegel-Studie befragten Verbraucher haben
schon einmal aus Ärger über schlechte Bedienung einen
Laden verlassen, ohne etwas gekauft zu haben. 52% verneinen ausdrücklich
den Satz "Der Kunde ist König"! Sie können
sich als Unternehmer oder Dienstleister vor allem über drei
Dinge profilieren: erstens Service, zweitens Service und drittens
Service." (Prof. Dr. Lothar J. Seiwert)

Wenn der hochverehrte Professor die Telekom meint oder das berühmte, dem Gast hingedonnerte "Draußen nur Kännchen!", oder den Grafiker, der tagelang nicht erreichbar ist, dann mag er Recht haben.

Ganz und gar nicht stimmt es für den Designkunden, der ein hochanspruchsvolles Design will für seinen Auftritt, dafür lediglich 300,00- 400,00 EUR zu zahlen bereit ist und dazu nicht einsieht, Handlingskosten zu honorieren. Und dem Grafiker für Tipps & Tricks bereits seit Stunden das Ohr abkaut. Dieses "Ohr abkauen" ist nicht das Service, Service, Service,  von dem der Professor redet. Ganrantiert nicht. Es ist Zeit- und Beratungsdiebstahl. Bei manchen Kunden als "Service" missverstanden.

Das kommt, weil es Professoren gibt, die sich branchenübergreifend und zu pauschal ausdrücken. Denn es gibt Branchen, die sind dermaßen service-orientiert, so dass man schon – ohne Abmahnungen befürchten zu müssen – von einem Overservice sprechen kann. Aber genau deren Kunden werden immer fordernder und wollen partout immer mehr Service!, der gar keiner ist, sondern echte, aber unhonorierte Dienstleistung.

Die Telekom hingegen kratzen Professorchens Sprüche gar nicht. Außer mit ein paar Werbesprüchen und Dienstleistungs-Offerten mit "Kundennnähe" auf dem Papier. Solange sie immer mehr Personal abbaut, nimmt ihnen Lieschen Müller auch gar nicht mehr ab, dass der Service auf irgendeine Art besser werden wird. Wie denn.

Für Grafikdesigner hingegen gilt:
Der Kunde ist König.
Nachsatz: Wenn er sich königlich benimmt.

So können Sie Ihren Designer zum Wahnsinn treiben.

10 einfache Regeln

1. Können Sie das bis morgen machen?

2. Wir sind schwer erreichbar, möchten aber,
dass Sie sich kommitten, das pünktlich fertig zu stellen.

3. Es muss pfiffig sein. Aber auch seriös.

4. Jeder soll angesprochen werden.

5. Das bisschen Wirkung kann doch nicht so teuer sein.

6. (Zu einem langjährigen Profi):
Beweisen Sie uns erst Ihr Können!

7. Für den Text/das Design haben wir leider nicht mehr viel Budget.

8. Das Installieren kann doch nicht so schwer sein.
Wir machen das selbst.

9. Auf der ersten Seite soll nur "Willkommen" stehen
oder ein schönes Flash-Intro.

10. Es soll Innovation und Tradition darin vorkommen
und "Im Mittelpunkt steht der Kunde".

Schon ein einziger Satz aus dieser Hitliste genügt, den Rücken mit Selbstbewusstsein zu füllen und den Auftrag begründet abzulehnen, falls kein tragfähigeres Briefing geliefert wird.

Über den Tisch gezogen

Wenn zwei Geschäftspartner an einem Tisch Platz nehmen, kann man beobachten, dass sie immer versuchen werden, dessen Fläche genau zu 50% zu "besetzen". Mit den Händen, mit der Körpersprache, mit den mitgebrachten Unterlagen. Das "über den Tisch ziehen" kommt vermutlich davon her, dass einer versucht, diese optisch gleichgewichtige Verhandlungsausgangslage zu seinen Gunsten zu verändern. Man denkt auch unwillkürlich an Fingerhakeln.

Wie sieht es bei den Dienstleistern des Grafikdesign aus? Sind sie über-den-Tisch-Zieher?

Ich lese da in einem Xing-Forum sowas (aus Copyrightgründen leicht verändert und reduziert), warum ein User über diverse Geschäftsangebote verschiedener Firmen (nicht unbedingt Grafikdesign) verärgert  ist:

1. Das ganze Angebot erschien mir nicht ehrlich!
2. Ich hatte das Gefühl, man zieht mich über den Tisch!
3. Ich hatte den Eindruck, dass ich woanders besser aufgehoben bin!
4. Mir gefiel das aggressive Gebaren des Anbieters nicht!
5. Der anbietende Dienstleister nervte mich mit seinen vielen Anrufen und Informationen.
6. Ich merkte, dass der Anbieter nicht interessiert war, mein Geschäftspartner zu werden, sondern einfach nur an mir/meiner Firma verdienen wollte.

Verstehe das sehr gut.
Kommunikationsdienstleister wie mein Mann und ich mögen das ebenfalls nicht, aggressiv von potenziellen Lieferanten angegraben zu werden. Dennoch ist uns auch schon passiert, dass unsere Auftraggeber misstrauisch unterwegs sind, lieber erst mal gar nichts glauben, und sich alles zweimal erklären lassen und an Kostenpositionen herumschrauben (seltsamerweise oft an den kleinen).

Oft hängt es in unserer Branche aber am Vorwissen des Kunden, was es überhaupt bedeutet, einen, und warum genau diesen Kommunikationsdesigner zu beauftragen. Wir beide beispielsweise achten sehr darauf, dass alles aus einem Guss ist. Zielgruppe, Idee, Kernbotschaft, Text, Bild, bunte Rähmchen, Technik. Und nicht nur Bild und bunte Rähmchen. Und sagen das auch deutlich auf unserer Website. Dass das, was wir erstellen, ein rundes Gesamtbild auf allen Ebenen abgibt. Inner Design. Wir sind sehr unglücklich und es wird uns unbehaglich im Dienst der Sache, wenn Teilbereiche beauftragt werden, wenn es woanders nötiger wäre, etwas zu tun.

Zum Beispiel kommen 70% der Aufträge so herein, dass man ein schickes Design will. Todwichtig. Ein nur kurzer Blick auf das Unternehmen und seinen Auftritt sagt uns Kommunikatoren rasch, dass ein schickes Design die Probleme des Kunden nicht oder nur teilweise lösen wird. Was tun?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Wir sagen dem Auftraggeber sofort beim Kennenlernen, wie wir das sehen und dass wir sein Problem anders lösen müssten und bei Auftrag anders lösen werden. Nämlich ganzheitlich (meist inkl. Konzept und Text, denn die meisten Probleme sind erfahrungsgemäß Positionierungsprobleme und in Folge Probleme ihrer gesamten Untenehmenskommunikation, die besser ausgerichtet und feingetunet werden muss.)

2. Wir lassen uns auf den Deal ein, uns nur um das Design zu kümmern, und schreiben so eine Kostenaufstellung. Lassen den Kunden texten undsoweiter. Und hoffen inständig, dass der Kunde im Laufe der Arbeiten merkt, dass er mehr/anderes braucht. Oder es sich behutsam beibringen lässt.

Ich bin bereits mit allen beiden Möglichkeiten bei manchen Auftraggebern böse reingefallen. Wähle ich die klare und sofortige Möglichkeit 1, dann wurde unterstellt, dass wir Geschäft generieren wollten. Wähle ich die behutsame Möglichkeit 2 mit Aha- und Lerneffekt, dann wurde mir unterstellt, dass wir Geschäft generieren wollten.

Es liegt einfach auch am Typus Kunde und was er "draußen" gelernt hat.
Er hat gelernt, dass man ihn nicht aus den Fängen lässt. Er hat gelernt, dass versucht wird, ihm Überflüssiges abzurechnen. Er hat die Tricks der Verkäufer gelernt, ihre Reden, ihre Posen und ihre nicht ganz unsmarten Versuche, das Vertrauen zu bekommen. Und ist ebenfalls seinerseits trickreich unterwegs. Und versucht seinerseits, sich arglos zu stellen und so viel Beratungsleistung im Vorfeld abzuziehen, wie es irgend geht. Der Verkäufer wird dann ebenfalls in Folge über den Tisch gezogen, der betrogene Betrüger wird mit seinen eigenen Tricks ausgetrickst. Schlaue Kunden.

Aber auch misstrauische Kunden.

Sie wittern Unrat, wenn die Kostenaufstellung in einer sehr nüchternen Kaufmann-Sprache abgefasst ist.

Sie wittern Unrat, wenn man versucht, ihnen vorsichtig die Nutzungsrechte darin zu erklären. Von denen sie verdammt nochmal sehr wohl etwas haben. Ich werde in Zukunft komplett darauf verzichten und lieber etwas höher gehen und das Nutzungsrecht behalten. Auch was Schönes.

Sie wittern Unrat, wenn man ihnen eine Positionierung im Briefing abverlangt. Und wenn man sagt, dass, wenn sie dies nicht machen mögen oder können, wir das übernehmen. Zu einem sehr moderaten Stundenhonorar.

Sie wittern Unrat, wenn man darauf besteht, dass ein Profi das CMS aufsetzen soll. Sie sagen, das kann doch nichts kosten, weil das nicht so schwer sein kann (dann viel Spaß mit ihrem Hotline-Chaos-Provider, den roots, der Datenbank und dem .htaccess).

Sie wittern Unrat, wenn man dann sagt: O.k. dann machen wir eben nur das Design und sind eben dann nur für das Design, aber nicht für die technische Umsetzung, verantwortlich.

Ich denke, es muss ein neues Kunden-Dienstleister-Verhältnis zu Grafikdesignern her. Wir sind keine ausgebufften Versicherungsfuzzis und auch keine Schleimseller.

Ich kann so nicht arbeiten.

Schadcode im echten Leben: If-Schleifen

Wer kennt das nicht als Anbieter, das Referenzen-Problem. Und wenn man was mit Bier gemacht hat, und das waren Plakate, reicht das nicht, denn man will sehen, ob man auch Prospekte zu Bier gemacht hat (Nein, wir haben leider "nur" Prospekte zu IT und Hightech, blöd aber auch…)

Wichtig ist wirklich, aus dieser if-Schleife auszubrechen:
if: keine Kunden/Arbeitgeber = true, dann keine Referenzen,
if: keine Referenzen = true, dann keine Kunden/Arbeitgeber.

Daher muss man was selber bauen. Man kann nicht: Warten, bis Auftraggeber freier werden in der Annahme, dass man schon Bierprospekte können wird, wenn man zwar Bierplakate kann, aber "lediglich" Hightech-Prospekte gemacht hat. (Komisch, als Agenturangestellte ging man mit uns aber so um: Wir mussten ständig Sachen machen, die wir vorher noch nie gemacht hatten. Es war Alltag. Die Agentur punktete nach draußen immer mit den Spezialisten, die sie angestellt hätte, aber in Wirklichkeit war das Agenturleben dauernde Generalprobe. Keine Aufgabe war der vorangegangenen ähnlich, wir angestellte Kreative aber haben das gewuppt. Und zwar sehr gut, sonst hätte es uns derbröselt und wir wären gefeuert worden. Das dazu.)

Das wird aber in diesem Jahrhundert nichts mehr bei vorsichtigen und zögerlichen Mittelstandskunden.

Die bei einer Agentur kaum hinterfragen, aber einem kleinen Designer gegenüber sehr wohl alles hinterfragen, der ohne Agentur im Hintergrund arbeitet, aber komischerweise aus einer solchen kommt und lange Jahr dort diente. Sie brauchen Beweise zu ihrer Absicherung bis zum Abwinken. Ich verstehe das nur bis zu einem gewissen Grad, manchmal wird mir übertrieben. Sie denken dazu auch nicht in Kreativität und Expertise, die sie gedenken zu bezahlen, sondern stur in Werbemitteln und ihrer technischen Beherrschung. Beispiel: Man braucht eine neue Website. Statt sich Gedanken zu machen, was sie geschickterweise kommunizieren soll, macht Kunde sich Kopfzerbrechen über den Navigator (der soll "ausklappen"; dabei können das nicht alle Browser gleich gut, mit der Validität ist das auch so eine Sache, aber nee. Dabei hat das dazu  die Wichtigkeitsrangliste wie Strähnchen vom Friseur, wenn der Schnitt rausgewachsen ist und nicht mehr passt. Nämlich ganz hintendran. Kriegste aber aus Kunden nimmer raus. Also mach ich ihm das. Ich mach mittlerweile alles, auch PHP-Kram, obwohl ich das gar nicht will: Dafür und für Datenbanksachen und Installationsarbeiten auf dem Server hole ich in der Regel Spezialisten, IT- und Scriptmenschen. Besser ist das, aber zahlen wollen viele Kunden es einem dann doch wieder nicht. Wenn ich das aber selber mache, ist das wohl dann kostenlos, nee, kann nicht sein, oder?)

History:

Ich kenne diese if-Schleife ebenfalls sehr gut, damals als ich mich
vor 8 Jahren selbständig gemacht habe.

Ich hatte zwar Referenzen (tolle klassische Kampagnen und TV), aber die interessier(t)en den Mittelstand, den ich addressieren musste, weil ich durch meine kleine Größe nicht mehr an große Unternehmen kam, einen Papp, nicht. Der wollte: Kleinkram, Prospektchen, Flyerchen, Websitechen. Bitter.

Und das hatte ich nicht. Und wenn, hatte ich das weggeschmissen, da es mir nicht relevant erschien, um Kreativität abzubilden. Das muss man sich mal vorstellen!

Musste ich also zum Teil alles erst mal selber erstellen ohne Auftraggeber. Scheiße und dämlich sowas. Ich habe geflucht. Der Gründermut ging da auch manchmal gefährlich in die Knie. Ein Unternehmensberater empfahl dazu allen Ernstes, wir müssten groß werden (das bedeutete mords große Bankkredite, alldas), sonst bekämen wir keine großen guten Auftraggeber.

Überzeugte mich nicht, denn ich wollte nicht mehr das, was ich bereits zu gut kannte: Projekte steuern, Kreative steuern, großes Satzstudio aufbauen, vor allem: den Bankkredit bedienen. Das sind mir zu viele Geld-Herren über mir und zu viele, möglichweise weniger Motivierte, unter mir. Hatte ich jahrelang und das wollte ich doch grade nicht, durch die Selbstständigkeit abbauen. Was ich wollte, war:

mein eigener Herr sein!

Und endlich gute Sachen machen, zu denen ich stehen kann. In Zeiten, in denen verzweifelt entfremdete Arbeit, Work-Life-Balance und Zeitmanagement unter gestressten Angestellten diskutiert wird, eine tolle Sache.

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