Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Bei uns unterm Sofa (Seite 2 von 5)

Das erste Frühlingsgedicht 2018

Wie, wenn über diese Wiese
eine sachte Brise bliese?

Macbeth's Hillock, Wikimedia Commons

“Erster!” sag ich.

“Wieso eigentlich nicht: ‘fiese Brise bliese’?” sagt Vroni.

“Weil’s dann das erste Herbstgedicht 2018 wäre.”

“Das damit ich geschrieben hätte.”

“D’oh.”

Bild: Macbeth’s Hillock (2.5 km from Brodie Castle) (49 m), traditionally identified as the “blasted heath” where Macbeth and Banquo first met the “weird sisters”, lies between an area known as the Hardmuir and the A96 (Inverness to Aberdeen trunk road), about 2.5 km south-west of Brodie Castle and 250 m east of the Nairn(shire)-Moray(shire) boundary, 23. September 2006.

Zwitschern ohne Twittern

Als erstes hab ich gelernt: Auch 2018 — gesundes Neues noch, falls wir uns noch nicht gesehen haben — auch 2018 ist mein Default-Zustand: ruhend im Bett. Das mag sich etwas aufwändig im Unterhalt anhören, ist aber recht umkompliziert umschaltbar in eine Art Aktivitätsmodus. Während der Verweildauer im Bett bin ich auf möglichst lückenlose Zufuhr audiovisueller Eindrücke angewiesen, dann wird das auch was mit dem Aktivitätsmodus. Nahrungszufuhr zum Beispiel. Weiterlesen

Cave Brassicam

Und — was war? — Wieso, war was? — Ach so, Weihnachten.

Früher, liebe Kinder, als die Menschen sich noch auf Weihnachten freuten, statt es als Endspurt einer Etappe von etwas Ungeliebtem zu betrachten, früher, da bekamen die Menschen um Weihnachten herum — man wusste nie ganz genau, wann — Besuch von der autoexec.bat und der config.sys.

Natürlich waren die beiden das ganze Jahr über da und wirkten und woben im Verborgenen, wie das Christkind auch, nur eben um Weihnachten herum machten sie sich den Menschen bemerkbar und erschreckten die Kinder, die keinen Plan davon hatten, wie sie sich auf der MS-DOS-Ebene zu verhalten haben. Heute treten autoexec.bat und config.sys nicht mal mehr so häufig auf wie der Krampus, die Kinder erschreckt heute die svchost.exe.

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In diesem Sinne

Schon wahr: Ich werde auf dem Sterbebett nicht denken: Ach, wenn ich doch damals zwei, drei Stündchen länger an dem einen Blog-Eintrag rumrecherchiert hätte.

Leider bin ich ziemlich genau der drittlangweiligste Teigbatzen von ganz München. Zum Vergleich: Der zweitlangweiligste soll in Großhadern auf der Komastation liegen, der langweiligste soll mal bei Pro7 moderiert haben.

Was mir Angst macht, sind die Tage, an denen ich zufällig mal nicht auf dem Sterbebett liege.

Soundtrack. Bach: Solokantate Ich habe genug, BWV 82, Leipzig 1782.
Anspieltipp: Aria Nr. 5: Ich freue mich auf meinen Tod (in der Aufnahme mit dem stilechten Countertenor ab Minute 20:32:

Hasta la Windows 10, baby

Kulturhistoriker behaupten, manche Computer laufen heute — wir schreiben 2017 — noch mit Windows Vista. Allzu viele können es nicht mehr sein, wenn selbst ich seit vorgestern Windows 10 hab.

Eine einfache Geburt war das nicht, fragen Sie die angetraute IT. Es hat zwei Tage gedauert, die dem Gegenwert von etwa fünf Arbeitstagen entsprechen, das erzähl ich jetzt nicht schrittweise nach, weil Sie ja heute noch ins Wochenend wollen. Als konstruktiven Tipp kann ich aber sagen: Man muss Vista zuerst mit Windows 7 überschreiben, kurz wirken lassen (vulgo neustarten) und dann das Windows 7 mit Windows 10 überschreiben. Klingt komisch, ist aber einfacher als jeder andere Versuch. Draufkommen muss man halt, aller Dank und Anerkennung gehen an die IT und nicht an mich, der ich schon am ersten Tag das widerspenstige Waffeleisen (Acer, ca. 2010) zu einem freundlichen Hacker in der Bahnhofsgegend getragen hätte.

Wiederherstellungspunkt nicht vergessen, dann sieht der Computer nicht mehr aus wie ein eselsohriger Regionalkrimi aus dem “Zu verschenken!!!”-Karton, sondern wie die ersten Zuckungen eines Filmvorspanns.

Ist eigentlich schon raus, was nach Windows 10 kommt?

Friedensengel, Portrait

Buidl: Friedensengel, Prinzregent-Luitpold-Terrasse Bogenhausen, 12. Juli 2017.

Soundtrack: Buena Vista Social Club: Lost and Found, 2015:

Das Ende der Kunst

“Wieso spielst du eigentlich gar nicht mehr auf deiner Gitarre?”

“Meiner was?”

“G-i-t-a-r-r-e. Der Holzscheit unter der Staubschicht da an der Wand.”

“Wann denn?”

“In deiner Freizeit.”

“Meiner was?”

“F-r-e-i- … Ach komm. Ich hab einen Mann mit Gitarre geheiratet.”

“Das war sehr mitfühlend, aber nicht sehr umsichtig von dir.”

“Gedichte und so was alles schreibst du auch nicht mehr.”

“Vertonst du mir eins?”

“Machst keine Fotos mehr.”

“Ich bin nicht mal sicher, ob ich noch aufladbare Akkus hab, die in die Kamera passen.”

“Zeichnest nicht mehr.”

“Ich sauf ja auch nicht mehr.”

“Willst du sagen, dass du ohne Alkohol nicht fröhlich und kreativ sein kannst?”

“Doch, aber nicht besoffen.”

“Wieso eigentlich nicht? Du kannst doch auch beim Essen mehr schwitzen als beim Arbeiten.”

“Weil ich nicht mal das Wort kreativ nüchtern aushalt.”

“So wird das freilich nix mit einem kreativen Zustand.”

“Was aussagt, dass meine künstlerischen Bemühungen nichts sind, das in der Welt sein sollte, sondern etwas, das eine faule, besoffene Sau ausschwitzt.”

“Das hast du gesagt.”

“Einer muss es tun.”

“Das war sehr kreativ, aber nicht sehr umsichtig von dir.”

“Gern geschehen.”

Soundtrack: Keni Lee Burgess und Schwager: Sweet Home Chicago auf zwei Cigar-Box-Klampfen, 5. Dezember 2009:

With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus

Summoning his cosmic powers,
And glowing slightly from his clothes,
His psychic emanations flowed.

Pink Floyd, 1968.

Heute keine Bilder.

Ich wollte selber eins machen, mit zwei Büchern drauf, im Zusammenhang mit den zwei Brillen, die ich derzeit benutze. Es hätte aber draußen sein müssen, auf hellem Hintergrund bei Tageslicht, weil die zwei Bücher eher dunkel sind: Wieland, antiquarisch von A. D. 1853, die zwei von 18 Bänden mit dem Aristipp.

Leider ist mir typischerweise nicht nur die Sonne davon-, sondern die Bewölkung hinterhergelaufen, und der Idee einer verschwommenen Brille konnte ich seit der Cover-Art von Hipgnosis für die Nice Pair-Compilation von Pink Floyd 1973 nichts mehr hinzufügen:

Out-of-focus spectacles — With his spectacles off, the near-sighted photographer can’t focus.

Ich beklage mich nicht, es werden ja so viele Bilder gemacht, was soll da ein dermaßen stilles Motiv noch reißen. Grund zu klagen gibt’s erst, wenn ich’s nicht mehr selber kann.

Soundtrack ist natürlich Let There Be More Light aus: A Saucerful of Secrets, 1968:

Nicht genug Tumult

Angenommen, dass Post reinkommt von einer bedeutenden Anstalt des öffentlichen Rechts, etwa von einem großen bayerischen Rundfunk, nehmen wir an, des Wortlauts:

Sehr geehrter Herr Wolfster [Name geändert],

für einen Radiobeitrag über Luther und die Alltagsprache suchen wir einen Werbetexter als Interviewpartner, der ausprobieren möchte, ob typische Lutherzitate (“Hier stehe ich, ich kann nicht anders!”) auch heute als Werbetext funktionieren.

Falls Sie Interesse haben, können Sie mich gerne kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,
[Name]
[Firma]
Religion und Orientierung

Angenommen, sagte ich, dass solche Post reinkommt, was sagt man da bloß? — Zum Beispiel wird man irgendwas zwischen dienstlich, freundlich und satirisch und sagt:

Sehr geehrte Frau [Name],

das ehrt mich, dass Sie da auf mich kommen.

Leider bin ich als Werbetexter eine zu kleine Nummer, um zu entscheiden, ob ein Werbetext funktioniert oder nicht. Was Werbezielkontrolle ist, wissen Sie besstimmt besser als ich; ich arbeite ja nur kreativ.

Das bedeutet, ich liefere nur Texte, die bestellt werden, und möglichst genau so, wie es vom Kunden gesagt wird, genau das wird bezahlt. Für mich hat ein Werbetext dann funktioniert, wenn ich ihn an einen Kunden verkaufen konnte, mit fachlichen Erwägungen, gar der Hoffnung, dass der bezahlte Werbetext dem Werbekunden (nicht zu verwechseln mit der Zielgruppe “Endverbraucher“) nützen könnte, hat das nicht zwingend etwas zu tun.

Ehrlicherweise wird Ihnen da kein Werbetexter etwas anderes erzählen können. Ich selbst kann Ihnen recht zuverlässig voraussagen, dass ein Werbetext, der Lutherzitate verwendet, an keinen Werbekunden zu vermitteln ist (außer für die letzten freien Fremdenzimmer in Eisleben, Wittenberg und Eisenach o. ä., und das nur noch bis ca. Ende August, wg. Druckvorlaufzeiten). Wenn schon Zitate, dann muss die Idee dazu vom Werbekunden stammen und typischerweise die bewährten Bonmots von Oscar Wilde und Coco Chanel verwenden.

Damit will ich nichts gegen den Dr. theol. Luther gesagt haben, der es als hoffentlich einziger ausgewiesener und praktizierender Antisemit zu unseren privaten Hausheiligen gebracht hat (o Gott, wenn er das wüsste…). Für die Nachprüfung meiner 8. Klasse Gymnasium musste ich die Bedeutung der Lutherschen Bibelübersetzung nachweisen, um nicht Bayerns einziger Schüler zu werden, der wegen Geschichte sitzen bleibt. Das hat funktioniert, allein deswegen bin ich dem Manne zu Dank verpflichtet.

Angeblich soll sich die 2017er Bearbeitung der Lutherbibel wieder Luther angenähert haben, bei Hugendubel geprüft habe ich das noch nicht. Es wäre ihm aber zu wünschen, weil alle Bearbeitungen seit 1912 nur noch ein Graus waren, was sich auf Wunsch belegen lässt. Wo immer es geht, verwende ich Letzte Hand 1545, wo es jemand verstehen soll, meine alte Senfkornbibel, die eine 1984er Revision ist. Hilft ja nix.

“Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst?” Das soll von Luther sein, ist aber zur Zeit nur von Günter Scholz, C.H. Beck 2016 nachweisbar. Soviel zu Lutherzitaten.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Suche und würde durchaus gern erfahren, wann ein Ergebnis gesendet wird: Radio rockt.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfster [Name geändert]
Bayern-2-Kunde, Werbetexter, Bibelschmökerant et al. pp.

Zu wenig dienstlich? Dann war’s schon richtig, ist ja ein privater Weblog. Trotzdem enttäuschend:

Sehr geehrter Herr Wolfster [Name geändert],

vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir werden den Beitrag wahrscheinlich an Pfingsten senden. Vorausgesetzt vorher passiert nicht irgendein Luther-Sprachboom. Uns ging es jetzt in erster Linie um Begriffe wie “Sündenbock”, “Machtwort” und ähnliches, die wir benutzen ohne zu wissen woher sie kommen.

Bestimmte Zitate zum Beispiel “Hier stehe ich, ich kann nicht anders” waren (auf Kondomen aufgedruckt) in diesem Jahr aber schon mal Teil einer Werbekampagne der evangelischen Jungkirche. Leider wurde die Aktion umgehend von der eigentlichen Kirche verboten. Sie hätte vielleicht ganz gut funktioniert.

Schade, dass ich Sie nicht Interviewpartner gewinnen konnte. Ihre Hinweise warum es funktioniert oder nicht wären auch sehr gut als O-Ton.

Mit freundlichen Grüßen,
[Name]
[Firma]
Religion und Orientierung

Ich als O-Ton. Vielleicht besser so, dass die freundliche Dame mich noch nie reden gehört hat.

Soundtrack ist natürlich was Evangelisches: die Entdeckung des Monats: Konzert für vier Cembali von Bach, BWV 1065 mit pädagogischem Schlussteil und vor allem einer rothaarigen Bassistin:

https://youtu.be/CSbXcYfUGzM

Anbetung und Worship

Also, ich erfinde da nix. Nicht dass es heißt, ich erfinde da was. Letzthin in der Heilig-Geist-Kirche aufgelesen:

Charismatischer Gottesdienst

JEDEN 1. SAMSTAG IM MONAT

Heilig Geist Kirche am Viktualienmarkt

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HOPECITY.ERNEUERUNG.DE

18 UHR POWERPRAISE UND ZEUGNIS, BEICHTGELEGENHEIT

19 UHR HEILIGE MESSE MIT PREACH

20.15 UHR ANBETUNG UND WORSHIP

21 UHR SEGEN UND ABSCHLUSS

TERMINE 2017 — ERSTES HALBJAHR

4. FEBRUAR · 4. MÄRZ · 1. APRIL · 6. MAI · 3. JUNI · 1. JULI

Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche

“Anbetung und Worship? Wow”, staunt Vroni.

“Ja, der Schießler gibt wieder alles.”

“Wie der eine Laden in Nürnberg. ‘Sex und Erotik’ hat der geheißen.”

“Warst du so kinky vor meiner Zeit?”

“War auf meinem Arbeitsweg.”

“Hätt ich jetzt auch gesagt.”

“Als ob du vor meiner Zeit nirgends in Forschung und Lehre gegangen wärst.”

“Meine Eltern haben sogar ein Buch gehabt, das hat ‘Liebe und Sex in Wort und Bild’ geheißen.”

“Deine Eltern? O ja — das ist kinky.”

“Und ob — eine katholisch-evangelische Mischehe.”

“Pikant, pikant. Wieso bist du dann Einzelkind?”

“Keine Ahnung. Vielleicht weil überm Kapitel ‘Laute der Lust’ immer die Nachbarn mit dem Besen gewummert haben?”

“Laute und Lust. Was man halt so macht jeden 1. Samstag im Monat.”

Außer August und Dezember.”

Powerpraise-Soundtrack: aus Ladykillers. Natürlich nicht dem historisch zu würdigenden Gaunerkomödchen mit Alec Guinness 1955, in dem nur The Last Rose of Summer vorkommt, sondern dem der Gebrüder Coen 2004:
Abbot Kinney Lighthouse Choir: Shine on Me + Trouble of This World:

Die Top 2 Tipps für eine glückliche Ehe

Mehr ist da nicht, und mehr könnte sich sowieso kein Mensch merken. Die Formulierungen richten sich an Frauen, aber umgekehrt und in gleichgeschlechtlichen Beziehungen kann da kein großer Unterschied sein.

  1. Dein Mann ist auf deiner Seite.
  2. Auch der Versuch ist zu respektieren.

Oder was dachten Sie jetzt, worum es gehen kann? “Wie Sie Ihr Sexleben aufpeppen”? Es muss reichen, auf der Liste mit den Leuten zu stehen, für die Ihre Frau 112 anrufen würde, wenn Sie mal mit Herzklabaster im Eck liegen.

Soundtrack: John Prine & Iris DeMent: In Spite of Ourselves, live 1999, mit dem Zeug zum Lieblingslied. Der Beste ist der am Kontrabass:

(Für die Buchführug: Das war unser 800. Beitrag.)

Kalenderspruch

“Auftakt” ist ja gut, in der dritten Kalenderwoche, wo man schon wieder von den heurigen Dissonanzen gelangweilt ist. Das Imposante ist aber immer wieder, dass so ein literarischer Katzenkalender schon Mitte 2016 fertig sein muss, wenn das Titelbild von 2018 drinstehen soll. Das Gedicht verbreitet dagegen eine angenehme Ruhe. Schönes Wochenend.

Katz im Kalender

——— Walle Sayer:

Auftakt

aus: Cool Pains, 20. November 2013,
in: Julia Bachstein (Hrsg.): Der literarische Katzenkalender 2017,
Schöffling, Frankfurt am Main 2016, Kalenderwoche 03/2017:

Ohne Lehrerlaubnis
fällt draußen Schnee.

Dass du stehst neben dir
am Fenster deiner Dachkammer.

Hinausschaust als wie jemand,
der auf nichts wartet.

Bis schwarz eine Katze
den Garten durchquert.

Schnee fällt draußen
und bedeckt das Weiß.

Katz im Kalender: Schöffling in der Küche.

Ein Tag mit Glenn Gould

Unterschied zwischen Glenn Gould und Maria Callas? — Bei Glenn Gould hat’s nicht so gestört, wenn er mitsingt.

Haben Sie schon gekannt? Macht nix, ungefähr einmal pro Jahr erzählt den irgend jemand, der sich für den einzigen humorbegabten Kenner klassischer Musik auf Gottes Erdboden hält, und weil man ihn in solchen Abständen regelmäßig wieder vergessen hat, ist der seit mehreren Jahrzehnten für ein wiederkehrendes Grinsen gut. Heuer muss man sich noch öfter drauf gefasst machen, da hat Glenn Gould kurz hintereinander 85. Geburtstag und 35. Todestag.

Wie oft und wie lange Glenn Gould beim Mitsingen ertappt wird, kann man jetzt endlich mitvergleichen, ohne andauernd mühselig die CD zu wechseln (oder gar, wie noch früher, doppelt so oft die Platte umzudrehen): War der einzige Erfolg der weiland Google Videos, die nicht mal mehr einen deutschen Wiki-Artikel haben, dass die Videos dort länger als zehn Minuten sein durften, hat am 27. Juni 2016 ein engagierter Musikfreund mal kurz ein Video mit allen Bach-Aufnahmen von Glenn Gould (oder sollte es heißen: allen Gould-Aufnahmen von Bach…?) auf YouTube gepumpt. Es dauert über siebzehneinhalb Stunden.

Allein die jeden Höreindrucks entkleidete Zahl macht einen erschauern. “Glenn Gould spielt Bach” ist ja geradezu eine eigene Musikrichtung, die jedenfalls mehr Regalmeter auffüllen kann als manche Unterkategorien der Leicht- und Schwermetalle. Wenn da oben “Ein Tag mit Glenn Gould” steht, meine ich auch einen Tag. Einschließlich der Nacht. Die verbleibenden viereinhalb Stunden sind für einen kurzen Nachtschlaf und Stoffwechsel. Oder um weitere engagierte Musikfreunde zur Nachforschung anzuhalten, wie lange es dauert, wenn Glenn Gould mal nicht Bach spielt.

Der Eintritt in die erste Veranstaltung der Elbphilharmonie, für die man überhaupt irgendwelche Eintrittskarten kaufen durfte, hätte übrigens zwischen 19,80 und 91,30 Euro gekostet, “ggf. wenige Restkarten am Veranstaltungstag vor Ort“.

Das Wochenend sollte jedenfalls gerettet sein. Ansprechbar bin ich hinterher wieder. Aber fest versprechen kann ich’s nicht.

https://youtu.be/GokEz4bbZP4

Der Rückblick

Die schlechte Nachricht ist … Ach lass gut sein, die schlechte Nachricht entfällt, wir wollen ja heuer noch fertig werden. Die gute Nachricht ist: Keith Richards lebt noch. (Nächstes Jahr wird er ganz-arg-vielleicht den Nobelpreis kriegen. Für Chemie.)

Schloss Nymphenburg

Wir sehen uns dann nächste Woche. Oder nächstes Jahr. Oder beides. Prost.

Schloss Nymphenburg

Buidln: Champagne Hubert de Gertale & Robby Bubble Apple-Cherry auf Schloss Nymphenburg, alles vom 29. Dezember 2016 und von mir. Können Sie brauchen? Schenk ich Ihnen.

These Schlappen are made for Öl und Fett standhalting (I knew all the rules but the rules did not know me)

Noch gar nicht erzählt: Dieser Wochen hab ich mir ein neues Paar Birkenstocks gekauft.

Das Besondere daran: Es war in einem Laden. Einem Geschäft. Einem Schuhgeschäft. Einem Birkenstock-Schuhfachgeschäft oder wie solche Bauten sonst noch heißen. Ich musste hingehen, Grüß Gott sagen, mich überzeugen, ob das Warenlager tatsächlich bis Größe 47 geht, und Bargeld aus einem Geldbeutel abzählen. Nix da wischwisch, Glückwunsch-Sie-haben-erfolgreich-in-Kürze-erhalten-Sie und zwei Wochen warten, bis sich ein DHL-Inder erbarmt, einen neuen, noch missmutigeren “Wunschnachbarn” zwei Hausnummern weiter ausfindig zu machen, bei dem er das Paket mit irgendeiner Kindergröße verstecken kann.

Noch besonderer: Es war mein erstes Paar neuer Birkenstocks seit dreißig Jahren. So lange halten die nämlich. Wenn man sie regelmäßig putzt, jedenfalls die ersten zwei, drei Jahre, hüstel.

Birkenstocks are back, Wantering BlogBei meinem ersten Paar war ich 18. Was seitdem nicht alles passiert ist! Heidi Klum durfte Glitzerkram auf bis dahin einwandfreie Birkenstockschuhe kleben, um sich mal wie eine richtige Designerin zu fühlen. Kate Moss durfte ganz ordentlich darin aussehen, auch wenn sie das vollkommen unbrauchbare, weil offenzehige Modell Arizona benutzte, aber die darf eh alles. 1993, lange nach meinem Kauf, trat zutage, dass die damalige Führung des Hauses Birkenstock, offenbar widerwärtige Klischeekapitalisten mit Zylinder und Zigarre allesamt, dem Konzept des Betriebsrates mit Unverständnis begegnete. Noch später wurde das Internet erfunden, sonst hätte man das vorher googeln und dann womöglich von einer weiteren Bereicherung der Kapitalistenbande absehen müssen. Zweimal musste ich mein eigenes Paar immer noch einwandfreie, weil fast regelmäßig geputzte Birkenstockschuhe aus einem Müllcontainer befreien, wohin es das erste Mal meine Mutter und das zweite Mal meine Frau heimlich versteckt hatte.

Noch später wurde, diesmal vom Hause Birkenstock selbst, das Modell Professional Kay SL erfunden, denn “wer in einem anspruchsvollen Umfeld arbeitet, ist auf zuverlässiges Schuhwerk angewiesen. Das gibt es von BIRKENSTOCK: Die Professional Linie überzeugt mit rutschhemmenden Sohlen, die Öl und Fett standhalten, und vielen weiteren Details wie z.B. Schutzkappen [und rundumlaufenden roten Rallyestreifen! Und vor allem: ungelogen zuschaltbaren Fersenriemen! Anm. d. Red.]. Alle Modelle sind TÜV – geprüft und sind teilweise mit einem auswechselbaren Fußbett ausgestattet – das perfekte Schuhwerk für den professionellen Einsatz.” Cit. a. a. O. Im Laden hieß es: für OP-Krankenschwestern, Bauarbeiter, Köche und alle, die lange stehen und weite Strecken zurücklegen müssen. Ich möchte ergänzen: Und Stubenhocker, die höchstens mal zum Rauchen vor die Tür kommen, weil solche ohne zuverlässig bereitstehendes anständiges Schuhwerk überhaupt keinen Arschbacken mehr aus dem Bett heben.

Wenn die Dinger wieder dreißig Jahre halten, womit ich fest rechne, brauch ich mein nächstes Paar, wenn ich 78 bin. Da kann ich jeden Tag für 0,82 Cent Birkenstockschlappen anhaben — gar nicht so teuer eigentlich. So gegen 2031 müsste meine Frau meine hoffentlich regelmäßig geputzten Professional Kay SL zum ersten Mal heimlich im Müllcontainer versenken, das zweite Mal gegen 2041 meine Zugehkrankenschwester. Aber die kann was erleben.

Selbstlaufendes Bild: Wantering Blog, zu cool für ein Datum;
Soundtrack: Eddie Vedder: Guaranteed, aus: Into the Wild, 2007.

With your feet in the air and your head on the ground

Waun’st Vertraun host in di selber,
daun brauchst ka Versicherung,
weu wann du wüst,
bleibst immer jung.

Wolfgang Ambros: Für immer jung, 1983.

Dass einem das auch mal auffällt: Wir verfügen über zwei Haftpflichtversicherungen.

Über ein Jahrzehnt lang ist das unbemerkt geblieben, weil die einen immer am Jahresanfang abbuchen, wenn man froh ist, dass von den Überresten der Weihnachtsausgaben überhaupt noch ein paar Kröten für Wasser und Brot übrig sind, und die anderen um die Jahresmitte, wenn man mit keinen jährlich fälligen Abbuchungen mehr rechnet.

Cool. Heißt das jetzt, dass ich meine Schadensmeldungen immer gleich bei zwei Haftpflichtversicherungen einreichen kann, und ich krieg sie dann doppelt ersetzt? Außer mit den zwei Versicherungen sind wir ja auch mit zwei lebenslustigen, sprungkräftigen Katern mit scharfen Krallen und einer laxen Einstellung zu Eigentumsfragen gesegnet, da ist so ein Schadensfall ruckzuck eingetreten.

Die Kater sollen sowieso mehr raus. Ein kurzer Ausflug mit einem Kater und einem Laserpointer in die Glas- und Porzellanabteilung vom Kustermann, und wir sind gemachte Leute.

Soundtrack: Pixies: Where Is My Mind? aus: Surfer Rosa, 1988, für: Fight Club, 1999.

Cross gesellt ‒ aus dem Marketing-Zyklus “Heiter durch den Tag”

Wer als hoffnungsloser Katzenidiot (ich) seinen Katzen Bananen-Bandanas kauft (weil sie in einer Bananenkiste vor die Türe gelegt wurden …), kauft seinem Mann auch das:

Latz

 

Und seinem Kunden das da  …  oder umgekehrt … flickr.com

Eulen-Rassel, gehäkelt

(Eulen)Rassel; Baby; Kleinkind; Spielzeug.

 

Und das  …  der Hahn auf dem Mist … für Gockel egal welchen Alters … etsy.com

Hahnenmütze, gehäkelt

 

Und das  …etsy.com

Raubtierpfoten-Schuhe häkeln

Raubtier-Pfoten häkeln

Das Letzte ist Hammer. Ob ich dem Daniel welche häkeln soll?

 

Kommt ein Germanist in den Baumarkt.

Update zu Kommt ein Germanist in den Musikladen:

Seit 16 Jahren sind wir jetzt in dieser Wohnung, die Fensterrahmen wahscheinlich schon seit 160.

“Wann bauen wir neue Fenster ein?” fragt Vroni.

“Was für Fenster?” frag ich.

“Neue”, sagt sie, “aber alte. Hölzerne. Mit den Leisten im rechten Winkel aufeinander, nicht den Erdölschrott auf 45 Grad.”

Fachmännisch untersuche ich die Fensterrahmen in ihrer Beziehung zum Mauerwerk (Germanisten können alles) und trete vor Vroni, um mein Resultat zu verkünden.

“Geht nicht,” sag ich.

“Gibt’s nicht”, sagt sie.

Fortan mailt sie mir in stündlichen Abständen Münchner Angebote zu Heimwerkerkursen für Einsteiger. Die meisten davon äußern sich im Tonfall von Ernährungsberatern, die zu vermitteln suchen, dass veggie total lecker schmecken kann, wenn man nur etc., und Trockengelegten, die sich und anderen einreden müssen, dass sie auch ohne Alkohol Spaß haben können.

Leider bin ich aus Franken, da darf Arbeit keinen Spaß machen. Arbeit muss so scheiße wie möglich sein, sonst hilft sie nichts. Umso erstaunter bin ich, wie fundamental unbekannt das Angebot von Obi ist: Die halten tatsächlich in ihren paar verbliebenen Filialen Praxiskurse ab (“Eines der angenehmen Dinge am Heimwerken rund um Haus, Garten und Hobby ist doch, dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt und dass sich die eigenen Fertigkeiten immer noch weiter entwickeln lassen. Auf diese Weise wird es nicht nur niemals langweilig, die Steigerung des eigenen Know-hows erhöht auch das Einsatzpotenzial stetig.” etc.).

So fundamental unbekannt sind die OBI Praxiskurse (nur echt ohne Bindestrich), dass ihr Ruhm noch nicht einmal bis zum Informationsstand der Filiale tief im Westend gedrungen ist. Die fast motivierte Mitarbeiterin lernt sogar langwierig ihre Vorgesetzten telefonisch kennen, bis sie mir sagen kann: “Ja, da zahlen Sie halt zehn Euro und dann kommen Sie halt dann vorbei.”

Mein Praxiskurs für Einsteiger heißt: Türen- und Fenstereinbau. Ich bin der einzige Teilnehmer. Der Dozent (sagt man bei Praxiskursen “Dozent”?) ist ein sonniger Ossi und bedankt sich, dass ich so zahlreich erschienen bin. Er hat schon mal angefangen, weil ihm keiner gesagt hat, dass jemand teilnimmt. Zum Beweis zeige ich ihm meinen kopierten Kassenzettel vom Informationsstand.

“Normalerweise kommen so zehn, zwölf”, lügt mein Dozent marktwirtschaftlich orientiert. “Wir hatten hier sogar schon Kurse, da waren dreißig.”

Er ist ein ganz Netter, daher glaube ich ihm. “Um Gottes willen”, sag ich, “bei welchem Thema kommen denn dreißig?”

“Och, das war …” Eigentlich wollte ich ihn nicht in die Verlegenheit bringen, sich von einer Sekunde auf die nächste die erfolgreichen Themen auszudenken, auf die eine bestimmt irgendwo existierende Marketingabteilung in Jahren nicht kommt. “Das war Heimwerken für Anfänger. Mehr so allgemein.”

Der Mann ist richtig gut. Nur ganz kurz doziere ich meinerseits darüber, dass es eigentlich viel einfacher ist, vom Besonderen auf das Allgemeine zu schließen (Induktion) als umgekehrt (Deduktion), wenngleich nach Aristoteles wissenschaftlich nicht ganz so zulässig, darum hab ich mich extra für das Nischenthema angemeldet. “Außerdem”, schließe ich, “hab ich erstens ein Germanistikstudium und zweitens eine Eigentumswohnung.”

“Das ist natürlich eine ungünstige Mischung”, grinst er immer noch sonnig. Der Mann wird immer besser, jedem Germanisten wurde schon mal aus weit geringerem Anlass übers Maul gefahren.

Im weiteren Verlauf bauen wir zu zweit eine Plastiktür in eine Art Galgengestell ein, das mein Dozent zuvor auf eine Palette gezimmert hat. Ich lerne, wie herum man sich vor eine Tür stellen muss, um zu benennen, ob sie gemäß der Deutschen Industrienorm links- oder rechtsanschlagend ist, dass man die Spreizdinger, deren man drei braucht, bei Obi kaufen und nach dem dreiviertelstündigen Gebrauch gleich wieder bei Ebay verkaufen soll, ja nicht andersrum, und dass der Fugenschaum bei Obi im absperrbaren Glasschrank steht, weil er krebserregender sein soll als eine Zigarette, aber nicht ganz so krebserregend wie zwei Jahre Urlaub in Tschernobyl, und wenn er getrocknet ist, gar nicht mehr.

In der Dreiviertelstunde, die der Fugenschaum trocknen muss, lerne ich das Fenster. Die werden mit der Scheibe geliefert. Kein Wunder, sind ja auch Obi-Plastikfenster.

“Ich brauch alte”, wende ich ein.

“Einbauen tut man doch neue”, wendet er ein.

“Schon”, wende ich ein, “aber hölzerne. Mit den Leisten im rechten Winkel aufeinander, nicht den Erdölschrott auf 45 Grad.” Gelernt ist gelernt.

Er kratzt ausführlich seine Igelfrisur. “Da fragen Sie besser mal innem Obi aufm platten Land”, fällt ihm dann ein, “dem in Pasing oder Parsberg oder so. Für die Bauernhöfe haben die ein ganz anderes Angebot.”

Wir einigen uns, dass ich nicht weitersage, dass Pasing selbst vom Westend aus gesehen schon als plattes Land durchgeht, und er lobt meine sauberen, punktgenau gesetzten Bohrlöcher sogar dann noch, nachdem er sie angeschaut hat, was mir daheim noch nie passiert ist.

Fragen vorbeiflanierender Kundschaft wimmelt er routiniert mit dem Hinweis ab, dass er sich schon auskennt, aber aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht beraten darf, weil er nicht von Obi ist.

“Sind Sie nicht?” frag ich.

“Nö, bin ich nicht. Das is so eine Art Event-Agentur für die Kurse bei Obi.”

“Ach, wie Jochen Schweizer. Jochen Schweizer für Arme.”

“Ja, genau! Wie Jochen Schweizer für so arme Schweine, die alles allein machen müssen.”

Ich bin sicher, er meint es freundlich.

Am Schluss bewundern wir stolz unsere Tür und unser Fenster, die wir erfolgreich und richtig gerade vorne und hinten in ein Galgengestell eingepasst haben. “Rekordzeit”, freut sich mein Dozent.

“Ganz anders als mit dreißig Leuten”, sag ich.

Um das OBI Angebot zu vollständigen, schickt mich mein Dozent zu dem Kollegen mit dem Vollbart, der sich mit der Verrechnung meines Kassenzettels auskennen soll. Das Angebot lautet nämlich, dass ich erst zehn Euro für den Kurs zahle, aber hinterher einen Obi-Gutschein über zwanzig Euro wieder rauskriege.

Die fast motivierte Mitarbeiterin am Informationsstand verbirgt inzwischen schon sehr geschickt ihren Schrecken darüber, was ich schon wieder von ihr wollen könnte. Der Kollege mit dem Vollbart wirkt beruhigend auf sie ein, dass sie einfach einen Gutschein über zwanzig Euro ausstellen soll.

“Über zwanzig? Für einen Kassenzettel über zehn?”

“Genau.”

“Dann kann er ja hundertmal teilnehmen und hat sich am Schluss das ganze Haus zusammengespart!”

Langsam gefällt sie mir.

“Das ganze Haus nicht”, sag ich, “aber einen Handwerker schon.”

Stolz fahre ich mit dem 62 nach Hause, denn wenn man der Folklore den Glauben schenkt, den Germanisten ihr entgegenbringen, kriegt man nach erfolgreichem Handwerkern von seiner Frau eine Woche lang aus lauter Bewunderung und Dankbarkeit jeden Tag einen geblasen.

“Mit Schlucken, oder?” begrüße ich Vroni beim Reinkommen.

“Gleich für den nächsten Kurs angemeldet?” begrüßt sie mich.

“Wieso?” frag ich.

“Lernen ist ein kontinuierlicher Prozess”, sagt sie. “Oder kannst du jetzt alles?”

“Na ja, alles

“Ob du dich schon für den nächsten Kurs angemeldet hast!”

“Geht nicht,” sag ich.

“Gibt’s nicht”, sagt sie.

Soundtrack: Bach: Erbarme dich, aus: Matthäus-Passion, 1727. Mit singender Säge, was sonst.

Toiletten und Bäder oder so ähnlich

Darya Sennikova, Also sprach Zarathustra, 7. April 2016Was man sich als eigennutzender Wohnungseigentümer alles sagen lassen muss. Erst pünktlich zu Weihnachten die nebenbei zugeflüsterte Anweisung im Auftrag der Eigentumsverwaltung, dass binnen einer Woche das Kellerabteil geräumt sein müsse, unser Problem, wohin, und zurückgeräumt ist bis heute nicht — und diese Woche: Badeverbot. Nicht an der einen fiesen Stromschnelle in der Isar, sondern daheim. Auf unserem Grund und Boden.

Post vom Verwalter, farbliche Hervorhebung aus dem Original übernommen:

Sehr geehrte Bewohnerinnen,
sehr geehrte Bewohner,

in der kommenden Woche zwischen dem 20.06.2016 und dem 24.06.2016 werden an den Entwässerungsrohren noch weitere Sanierungsarbeiten ausgeführt.

Die Toiletten und Bäder können währenddessen genutzt werden.

Allerdings werden Sie gebeten, in der Zeit tagsüber die Nutzung der Abwasserleitungen auf unbedingt notwendige Ereignisse einzuschränken, bzw. auf Vollbäder oder ähnliches zu verzichten.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

[Riesenschörkel]

Sollte also jemand bei unseren unbedingt notwendigen zwischenmenschlichen Begegnungen im Laufe der nächsten Woche einen strengen Geruch oder ähnliches an uns wahrnehmen, weiß er wenigstens, woran es liegt. An uns nämlich nicht. Ich sag’s bloß vorher.

Mal beiseite gelassen, welches unbedingt notwendige Ereignis denn einem Vollbad “ähnlich” sehen soll (Katzenwäsche?): Unsere Ausrede ist, dass wir uns solche First-World-Problems aus Notwehr aufgehalst haben, um nicht vor dem Third-World-Problem der Münchner Wohnungsmieten zu stehen. Welche Ausrede hat der Verwalter?

Lieber nicht fragen. Am Ende gibt er noch Antwort.

Buidl: Darya Sennikova, 7. April 2016:

You can read a thousand clever books, but didn’t understand the main thing, or you can read one and discover a whole world. What is your favorite? My is “Thus Spake Zarathustra”.

Soundtrack: Walter Moers: Adolf (Ich hock’ in meinem Bonker), 2005:

BonusBadewannenBusenBuidl: Kad Café, 21. Mai 2015
(ist das eigentlich die frühe Zooey Deschanel…?).

Kad Café, 21. Mai 2015

Küchenregeln

3. Wenn ich schon kochen muss, dann was zu essen. Wenn einer ein “Rezept” kochen muss, bitte nicht in meiner Küche.

2. Zum Kochen braucht man: 1 Messer (scharf), 1 Löffel (groß) und 1 Gabel, ferner 1 Schüssel (groß), 1 Topf (groß genug) und noch einen Topf für die Nudeln. Für jedes zusätzliche Trumm ist ein Antrag zu stellen, bitte mit guter Begründung — oder eine Spülmaschine anzuschaffen, die unter obgenannten Regeln kein Mensch gebraucht hätte. Wer sich ein Brot schmiert, muss deswegen nicht den Besteckkasten alle machen.

1. Wer im Ernst das Wort “lecker” benutzt, hat noch 1 Chance und darf, während er draußen eine raucht, ein Wort überlegen, das eine Aussage über Essen trifft. Wahlweise kann er gern in andächtigem Schweigen die Gaben Gottes verzehren. Wer danach immer noch auf nichts anderes als “total lecker” kommt, fliegt.

Writing Bad

“Was haben wir eigentlich noch nie im Auftrag geliefert?”

“Wir haben schon immer alles geliefert. Ohne Verzug und hoffnungslos überbilligt.”

“Ja, aber was war noch nie dabei?”

“Hm … Ein Versepos in mehr als vierundzwanzig Gesängen?”

“Stimmt. Wir werden ins Grab sinken müssen, ohne das Sequel zur Odyssee geschrieben zu haben.”

“Du vielleicht.”

“Wieso, würdest du gern?”

“Nö, wozu denn. Mir reicht der Film.”

“Unterschätz das nicht. Der Nibelungen-Film dauert knapp drei Stunden.”

“Sind ja auch gleich 39 Gesänge.”

“Aventüüüüüren.”

“Stimmt, ist ja Stummfilm, da singt ja keiner.”

“In der Odyssee singt auch keiner, die werden gesungen.”

“Machen wir halt den Stummfilm, da sparen wir uns die Dialoge.”

“Sag bloß, Fritz Lang hat ausgerechnet die Odyssee als Film ausgelassen?”

“In echt schon. Bei Godard hat er wenigstens so getan.”

“Das ist die Lösung: Wir tun bloß so.”

“Dazu müsste man schon Fritz Lang sein.”

“Irgendwas ist ja immer.”

“Du willst nicht wirklich ein Drehbuch ohne Dialoge schreiben. Wie soll das gehen? ‘Odysseus steigt vom Berge Sinai herab und tut so, als ob er Sein oder Nichtsein aufsagt. Dann tut er so, als ob er sich von Kriemhild verabschiedet, um auf der Bounty das Goldene Vlies zu erbeuten’ …”

“… ‘Statt dessen bleibt er aber in Auerbachs Keller hängen und tauscht den Einen Ring gegen ein Tischlein-deck-Dich”, ganz recht.”

“Jedenfalls tut er so. Das werden mindestens sechs Stunden.”

“Heute hat man sowieso eher Fernsehserien zum Binge-Gucken.”

“Braucht eigentlich jede Folge einen eigenen Konflikt?”

“Nicht, wenn du genügend Cliffhanger baust. Immer einen zur nächsten, und yippi.”

“Nein, keine Scripted Reality mit Werbeunterbrechungen.”

“Hätten wir auch noch nie gescriptet, so eine Reality …”

“Man trifft ja selten reale Leute.”

“Realität ist überschätzt. Die haben bloß irgendwelche romantischen Schwärmer Ende des Achtzehnten in die Literatur reingezerrt.”

“Für ein Drehbuch reicht aber heute kein einzelner Quotenneger mehr.”

“Nehmen wir halt Inder. Da gibt’s immer bloß einen einzigen pro Film, und die haben sich nicht so wegen dem Blackfacing.”

“Copperfacing? Noch nicht. Die lernen ja schnell, die Inder.”

“Am besten, du schickst eine arbeitslose lesbische Jüdin im Rollstuhl gegen einen alleinerziehenden Pädophilen aus Eritrea los.”

“Dann brauch ich die sechs Stunden erste Staffel schon für die Exposition.”

“Irgendwas ist ja immer.”

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