Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Der Geiz, der Bruder von Schwester Habsucht und Neffe von Tante Gier (Seite 2 von 3)

Du musst kein Schwein sein,
auch wenn der SPIEGEL das sagt.

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Trust and belief are two prime considerations. You must not allow yourself to be opinionated.

Only the gentle are ever really strong.

James Dean

Man kommt schon ohne Betrug oder ohne andere zu nerven in der Welt zu etwas. Einfach nur mal ausprobieren! Es tut gar nicht weh.

Ein tendenziöser Artikel auf SPIEGEL Online diese Woche zeigte mir, wie wichtig doch auch seine Kommentaristen sind.

Zeigte der SPIEGEL-Artikel “dank” eines “Whistleblower”-Verkäufers reißerisch auf, wie stark auf Einkäufer- und Verkäuferseite erfolgreich, da höchst-kreativ, getrickst und betrogen werde – bis hin zum dreisten Doppelfake, der Fake-Ausstellung angeblich gefakter China-Produkte, um Preise des starken Lieferanten stark zu drücken.

Rührte sich darauf ein Kommentarist, was das vom Autor und dem Interviewten soll. Und ob man auch bedacht hat, dass solches als gängige Geschäftspraktik gepriesene ruppige und bis ins illegale betrügerische Geschäftsverhalten nicht von Dauer ist. Beständige und vertrauensvolle Kunden-Lieferantenbeziehungen könnte so jedenfalls nicht entstehen und er selber hätte geschäftlich nur positive Erfahrungen mit nachhaltigerem Umgang.

Was soll ich sagen: ich auch.

Danke an diesen Kommentaristen. Ich mag es, wenn Kommentaristen geistig heller sind als derlei trübe Artikelschreiber. Und wünsche mir ebenfalls keine entfesselte Zockerbande als einkaufende Kundschaft, sondern vernünftige bodenständige Menschen und handle selbst ebenso.

Mit Schwein sein, kann man gern schnell reich werden wollen. Aber dann gehen Sie bitte woandershin. Ausgang nächste Tür rechts. Aber gerne! Nichts zu danken.

Hängebauchschwein mit blauen Augen, sich ausruhend

Dieses Hängebauchschwein, das sich gerade ausruht, bedankt sich auch. Diese Augen! blau und sehr menschlich. Der Vergleich solcher Menschen mit einem Schwein ist aber eigentlich eine Beleidigung. Für das Schwein.

 

 

 

Neulich in der Schnapsabteilung

“Und du bist sicher, dass du eine Sauferei mitbringen willst? Blumen tun’s nicht?”

“Wir können ruhig was beitragen.”

“Gibt’s nix bei denen?”

“Schnittblumen sind von vornherein tot. Vom Schnaps haben sie länger was.”

“Mindestens bis zum übernächsten Mittag.”

“Sie sollen ihn ja nicht exen.”

“Wenn’s der richtige ist …”

“Schau lieber mit. Du schaust doch sonst gern Schnaps an.”

“Aber ohne die surrealen Preisschilder.”

“49,99? Find ich ziemlich reell.”

“Umso schlimmer.”

“Ein Schnäppchen.”

“Nein, ein Schnäpschen. Billiger als die Entgiftung hinterher.”

“Die sind nicht mal in Facebook. Ich sag doch, dass die den schon nicht exen.”

“Sondern was? Das Waschbecken putzen?”

“Mit dem Plempel für 21,99 vielleicht.”

“Was aus der Gegend, wie wär’s?”

“Zwetschgenwasser, Bärwurz oder so?”

“Sehr witzig.”

“Da ist was. Bayerischer Whisky.”

“Wird man von dem weißblau?”

“Und so viel davon.”

“Slyrs, Coillmór, Stonewood … Jeder davon der einzige bayerische Whisky.”

“Das behaupten die gar nicht. Du wirst nochmal verrecken an einem Kalauer.”

“Oder an einem Whisky, der Speyburn heißt.”

“Genau das mein ich. Der ist schottisch.”

“Hab ich dir mal erzählt von dem schottischen Bier, das Brunswicks heißt?”

“Ja, etwa wöchentlich.”

“Feiner Stoff.”

“Außer wenn man ihn bestellen will.”

“Schottland ist gut. Schottland ist cool. Besser als England.

“Machen die Whisky? British Blend?”

“Der da ist aus Sauf-Wales.”

“Gehört Wales zu Britannien?”

“Geographisch vielleicht. Zum Saufen gehören sie alle.”

“Vor allem der Whisky.”

“Welchen nehmen wir jetzt? Die werden ja alle sechs Jahre einen Zwanziger teurer.”

“Da haben wir ja noch Chancen auf dem Markt.”

“Wenn wir Whisky werden.”

“0,7 Liter auf 89 Euro runtergesetzt?! Ham dien Sprung?”

“Dafür 48,5 PS.”

“Komm, wir gehn Blumen kaufen.”

“Dann nehmen wir doch den.”

“Four Roses?”

“Ja, der is gut.”

Soundtrack: Marius Müller-Westernhagen Johnny W. aus: Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, 1978. Platten kann man ja heute nicht mehr schenken.

Man muss nehmen, was man kriegen kann.

Das sagt sich so dahin.

Muss man?
Gier in harten Zeiten (und auch sonst), das Erstbeste zu nehmen. Die Gier der Bänker, die Gier der Konsumenten: Wir nehmen, was wir kriegen können, sonst nimmt es ein anderer.

Bild: Zirkuslichter. Der Zirkus des Lebens.
Zirkuslichter – Der Zirkus des Lebens und die Flammen der Hölle
(Bild: Vroni Gräbel, interpretierende Fotografie nach Art von Gerhard Richter beim Besuch des wunderbaren Zirkus Roncalli 2013)

Hieronymus Bosch assoziierte da keinen Zirkus, sondern einen Heuwagen als Symbol für Hab und Gut:

Hieronymus Bosch: Der Heuwagen (Mittelflügel), um 1500
Ein flämisches Sprichwort sagt: „Die Welt ist ein Heuhaufen – ein jeder pflückt davon, soviel er kann.” (Quelle: Wikipedia, Commons)

 

Ludwig Tieck is coming home

Vorher: Aus dem Antiquariat Stefan Küpper, Duisburg. Wölfchen-Anhänger aus Thoddys Wolf-Kinderclub, ca. 1999:

Briefkasten

Nachher: Ludwig Tieck: Frühe Erzählungen und Romane, Winkler-Verlag München, 1963: Franz Sternbalds Wanderungen, Waldlied, 1798:

Ludwig Tieck, Franz Sternbald, Doppelseite

     Waldnacht! Jagdlust!
Leis und ferner
Klingen Hörner,
Hebt sich, jauchzt die freie Brust!
Töne, töne nieder zum Tal,
Freun sich, freun sich allzumal
Baum und Strauch beim muntern Schall.

     Kling nur Bergquell!
Efeuranken
Dich umschwanken,
Riesle durch die Klüfte schnell!
Fliehet, flieht das Leben so fort,
Wandelt hier, dann ist es dort –
Hallt, zerschmilzt, ein luftig Wort.

     Waldnacht! Jagdlust!
Daß die Liebe
Bei uns bliebe,
Wohnen blieb’ in treuer Brust!
Wandelt, wandelt sich allzumal,
Fliehet gleich dem Hörnerschall: –
Einsam, einsam grünes Tal.

     Kling nur Bergquell!
Ach betrogen –
Wasserwogen
Rauschen abwärts nicht so schnell!
Liebe, Leben, sie eilen hin,
Keins von beiden trägt Gewinn: –
Ach, daß ich geboren bin!

Artgerechte Haltung

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) ist in einem ehemaligen Kapuzinerkloster mitten in München beheimatet. Quelle Wikipedia Creative Commons, Author Ulla Schmitz

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Irgendwo in den Tiefen der Blogosphäre

hat es mir mal den Vorwurf “Heuchlerin” eingetragen, als ich auf einem fremden Blog fand, dass es eine gute Sache sei, ob man jetzt Veganer sei oder nicht, sich zusätzlich für Animal’s Angels einzusetzen. Weil ich fand: Alleine vor sich hin vegetarisch oder vegan zu leben reicht nicht ganz aus, wenn man wirklich das Leid der Tiere verringern will.

Denn das vegetarische Dasein eines Teils der Bevölkerung kratzt trotzdem nicht die, die mies mit den Tieren per Massentierhaltung und Massentransport umgehen. Das kratzt trotzdem nicht die homines oeconimici, die den wachsenden Fleischhunger außerhalb unserer Landesgrenzen mit möglichst minimalen Kosten = maximalem Erlös brutal und ohne Gefühle ausnützen.

Weltfrust versus Achtsamkeit

Egal, woher der Forist sich das Recht nahm, persönlich zu diffamieren: Empathie, Mitfühlen mit den Wesen auf dem Erdball war es wohl nicht. Persönlich diffamieren ist eher die Lust, sich ein Ventil im Internet zu schaffen, um seinen allgemeinen oder persönlichen Lebensfrust loszuwerden.

Artgerechte Haltung sollte doch eigentlich beim Menschen beginnen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn man sich selbst nicht mag, wer gar voller Selbsthass ist, kann seinen Nächsten auch nicht leiden. Wie man mit sich selbst umgeht, lässt demnach auf ebensolchen entweder respektvollen oder schlimmen Umgang mit Menschen und Tieren schließen.

Es hat sich zwar einiges geändert seit der vorletzten Jahrhundertwende, wenn man an die miesen Produktionsbedingungen für die Arbeiter in der Gründerzeit denkt.

Doch ganz ist es aus den Arbeitsleben nicht verschwunden, dass Menschen unter unzumutbaren Umständen arbeiten müssen. Großraumbüros mit üblem Neonlicht, die allein schon deswegen stressen, sind noch das Wenigste. Ein Luxusproblem – verglichen mit den Zuständen in globalisierten Produktionsstätten.

Es muss um die Zeit der New Economy gewesen sein

Mir hat  – erneut Luxusproblem natürlich – die Art des Umgangs meiner letzten Ex-Cheffin mit ihren Mitarbeitern nicht gefallen. Sie hat ihre eigenen Leute vor ihren Kunden in die Pfanne gehauen. Alle. Sie hat nach erschöpfenden Pitches, wo die Arbeit unter Zeitdruck jedesmal bis in die Nacht ging, an den Tagen danach keine Freistunden erlaubt. Sie hat Zusagen nicht eingehalten. Sie hat nachts um elf den für den Pitch eingekauften Freelancern vorgeworfen, sie würden unnütze Zeiten schinden. Dabei warteten sie auf sie, auf ihre Textlieferungen, mit denen sie sich ganz schön Zeit ließ. Damit sie endlich in die Layouts eingefügt werden können, die am nächsten Tag frühmorgens präsentiert werden sollen.

Das volle Programm. Die Lady war eine Pest. Wenn schon Neonröhren, dachte ich mir, dann doch wenigstens mit Menschen, mit denn man vereint an einem Strang ziehen kann. Und nicht mit Menschen, die einem auch das noch vorwerfen.

Jeden Tag sehen müssen, wie es anders geht

Mit sehnsuchtsvollen Gedanken nach Ruhe, Einkehr und gutem statt stressigem Umgang miteinander fuhr ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an einem Kapuzinerkloster vorbei. Da wäre ich jetzt gerne, dachte ich. So weit war ich schon als aus der Kirche Ausgetretener, mich in ein Kloster zu wünschen, um der Pest zu entgehen.

Ich wünschte mir dringend artgerechtere Haltung.

Umsetzung

Wenig später kündigte ich. Ich versuchte anschließend, mich selbst artgerecht zu halten. Mein eigenes Büro hat einen schönen Kamin und keine Neonröhren. Wenn ich mal nachts bis früh um fünf durcharbeite, gönne ich mir das Ausschlafen. Ich gönne mir freundliche Kunden. Miesepeter, misstrauische 200%-Optimierer und Indien-IT-Outsourcer not welcome. Ja, und Tiere im Büro sind unabdingbar. Moritz ist Betriebsklima pur.

Katze Moritz auf dem Bett

Tölpel, Nichtsnutze, ihr seid gefeuert!

Und noch:

“Geld ausgeben? Ihr spinnt wohl. Dann habe ich es ja nicht mehr.” (Dagobert Duck, 65)

Angebrannter Glühwein

Glühwein, am Topfboden angebrannt

Ein denkwürdiges Jahr geht zu Ende. Wer glaubte, dass einige Dinge nicht möglich sind, musste sich, schwer schnaufend, seit der Finanzkrise korrigieren lassen.

Im Alltag gelten jedoch andere Erfahrungen, die uns stärker berühren. Zum Beispiel, dass in der Mehrowingerstraße geblitzt wird. Und neue Erkenntnis im Jahr 2012: Man kann Glühwein anbrennen lassen.

Damit diese etwas beunruhigende Aussicht nicht von weiterführenden melancholischen Betrachtungen getrübt wird, von mir der letzte rattenscharfe Cat Content des Jahres 2012 als Gruß an den geschätzten Leser:

Moritz krallt sich fest

Fertig machen zum Entern

Moritzens Katzenpfote krallt sich auf der Jeanshose fest.

Geentert

Unsere Miez Moritz wird das neue Jahr 2013 vermutlich ebenso im Griff haben.

 

 

Vorsicht Auftrag! Das QUALITÄTS-Internet.

Die enorme Steigerung der Qualität der Anfragen
seit es dieses ähm Internetz gibt.

 

Anfragen, die ich im Stundentakt so bekommen habe:

Kreativer Design-Auftraggeber:

„… habe ich schon ein Bild im Kopf, wie das Logo aussehen könnte! Und zwar ein nach unten geöffneter Magnet wie das A von Axxxxx und Attraktivität und ein B wie Bxxxxx wie ein um 90° gedrehtes Herz.“

Im Grafikerhirn ein gordischer Knoten am Entstehen ist.

 

Smart II

„… bewundere ich Ihr Lebenswerk, d.h. die Agentur und ihr ganz nebenbei liebevoll gepflegtes, originelles Logbuch!“

Ich will Ihnen gleich eine nutzlose Sache aufschwatzen!

 

„… biete Ihnen emotionale, inspirierende Texte an. Dafür machen Sie uns das Logo zu dem Portal kostenlos.“

Liefere Ihnen hohles Geschwalle.

Wenn dafür dieses irrwitzige Hunde-gegen-Torten-Portal, das keinerlei Monetarisierungsansatz aufweist, nicht fliegt, welches ich als Projektarbeit von meinem Professor aufgebrummt bekommen hab, sind Sie mit Ihrem Logo schuld.

 

Smart III

„Auch wenn es nur eine technische Umsetzung ist, will ich auf gar keinen Fall dafür Design-Nutzungsrechte zahlen. Löschen Sie speziell für diesen Auftrag die Nutzungsrechtsbestimmungen in Ihren AGB!“

Übers.: Ich habe die Anwartschaft auf Kunde aus der Hölle und du kannst gar nix dagegen machen!

[Anm. d. S.: Für rein technische Umsetzungen sind eh keine Nutzungsrechte zu vergüten. Wozu dann umständlich in den AGB die Nutzungsrechtsabsätze entfernen, wenn sie ersichtlich eh nicht greifen.]

 

Klever aber nicht klever genug IV

„Lassen Sie uns kooperieren/Synergien nutzen.“

Sie Print-Grafikerwurm, von dem wir Supertekkies annehmen, dass Sie sowieso kein gescheites Webdesign können, leiten an unsere IT-/Internet-Solutions-Com-Sys-Firma Ihre nichtsahnenden Auftraggeber weiter. Wir gedenken aber unsererseits nicht, Ihnen eine Gegenleistung anzubieten.

Reloaded: Du sollst etwas für uns tun. Aber wir tun sicher nichts für dich.

Ohne dieses ähm Internetz wüsste man gar nicht mehr, wie man noch leben und arbeiten sollte. Gebe Kalleblomquist insgeheim recht:

„Wissen Sie was sie produziert haben? Dicke Goldadern von Kundschaft die – von putzigen Katzenbildern über von Homosexuellen gefickte Kinderärsche bis Betroffenheit über spanische Mieter und böse Banken – alles “liken” und sich gleichzeitig einen Scheiss um irgendwas kümmern. Glückwunsch und viel Spass beim Malochen in den Scheisseminen der Aufmerksamkeitshölle!“

Übesetzung diesmal nicht notwendig.

Quelle: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/2158955/#2159068

 

Kulturpreis

Das waren heute wieder 70,32 Euro allein beim V-Markt (hätten Sie gewusst, was Loganberry Jam ist?)

Und weil der V-Markt in der Gegend von der großen Stadtbücherei am Gasteig liegt, auch noch zwei Opern aufgelesen: die Mutter aller Opern: L’Orfeo von Monteverdi und einen abgelegenen Schatz, der bisher genau zweimal eingespielt wurde: Aurora von E.T.A. Hoffmann.

Ein einziges Kilogrämmchen Gimpet Käse-Rollis für die Betriebskatze Moritz gab es für 19,59 Euro, die Opern umsonst.

Moritz meint: “So viel Unterschied muss sein.”

Es müsste immer Musik da sein

Weißt’, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn’s so richtig scheiße is, dann is wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo’s am allerschönsten is, müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.

Frank Giering als Floyd in Absolute Giganten, 1999.

Noch 2009 musste man nicht lange überlegen, um die Piraten zu wählen, da genügte das Herz am richtigen Fleck. Inzwischen sind sie in mancher Hinsicht wie die CSU geworden: Ob man denen heute noch seine kostbare Wählerstimme verschenken würde, wird man sich ein paarmal überlegen, wenn man den falschen Job hat. Schließlich kann man auch nicht das Kapital wählen, solange man selber arbeiten muss.

Hab ich das richtig verstanden, wie war die Hauptforderung der Piraten? Alles geistige Eigentum soll abgeschafft werden, im Ernst? Ist das eine Art Kommunismus zwonull oder das Gegenteil oder irgendwas Drittes?

Auf dem Stand von 2009 wie von 2012 versteh ich jeden, der Geld sparen will, zum Beispiel dann, wenn er sich Musik anschafft. Die Musik dann von geeigneten Stellen des Internets herunterzusaugen kann da durchaus eine Lösung sein, da vermeidet man einen Haufen Plastikmüll, den man mit den CDs immer mitkaufen musste.

Und das muss, wenn ich die pirateske Argumentation recht verstehe, alles gratis sein, weil geistiges Eigentum die Freiheit einschränkt? Wessen Freiheit? Die Freiheit wovon und wozu? Die Freiheit des YouTube-Kommentierers von Gegenleistungen und zu … keine Ahnung … zum Kommentieren auf YouTube halt, lol, ggg?

Die Tätigkeiten der Musiker, Schreibenden und aller Sparten der visuellen Gestaltung sollen demnach ausschließlich als Hobby existieren. Außer, wenn einer ein Radio reparieren kann, der darf noch schmutziges, unfrei machendes Geld dafür berechnen. Mal sehen, wie lange er das den Piraten noch vermitteln kann. Bis das Radio von Frau Weisband kaputt geht bestimmt.

Das Gute an der Idee ist vielleicht ihre Konsequenz: Je mehr das Musikhören theoretisch vereinfacht wird, desto illegaler wird es praktisch. Dann doch lieber gleich die Geldkomponente rausnehmen, das mindert den Streitwert. Und um nur noch Musik vorzufinden, die von ehemaligen Kunstschaffenden auf Hartz IV in ihren letzten nüchternen Momenten hergestellt wurde, muss man wirklich süchtig auf das Zeug sein.

Jeder, der ein bissel auf dem Kamm blasen und auf dem Telefon Geräusche speichern kann, ist ab sofort Musiker. Die ganze Welt wird ein einziges Myspace: Alle dürfen Musik machen und keinen muss es interessieren; jedenfalls die Teile der Welt mit Handyempfang. Und die alten Beatles-Platten gibt’s endlich geschenkt. Und ledergebundene Eichendorff-Gesamtausgaben. Und das verschwommene Geknipse von Gerhard Richter. Und Webdesign erst! Schon klasse. Und der CSU wie den Piraten verweigere ich Neidhammel mich sowieso nur, weil ich dann endlich was Gescheites lernen müsste. Radios reparieren hab ich schon immer bewundert.

Leid wird’s mir außer um Musikschaffende noch um Musikhörende tun: Nicht so sehr, weil sie, grenzenlos vom geistigen Eigentum befreit, das Gesäusel gnadenlos hübscher hoher Töchter anhören können, die nicht so auf eigenen Gelderwerb angewiesen sind; vielmehr weil im Shuffle-Mode kein Mensch mehr merkt, von wem er gerade die Ohrstöpsel vollgesungen kriegt. Das kann ein Verlust sein: Es liegt ein Bewusstseinsunterschied darin, ob John Lennon auf Two Minutes Silence toujours den Mund hält oder ein von John Cage angewiesenes Orchester auf 4’33”. Meeresrauschen klingt ja auch zum Verwechseln wie Autobahn, hat aber mehr Fans, wenn man ihnen sagt, dass es Meeresrauschen ist. Und die CSU … Na, Sie können folgen. Alles wie auf Myspace: Weil’s wurscht ist.

Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte, Bravo, August 1977 via Cliphead. Audiovisuelle Fundstücke, 12. April 2010

Geistiges Eigentum: Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte? in: Bravo, August 1977
via Cliphead. Audiovisuelle Fundstücke, 12. April 2010.

Nicht mal ganz zwei Mark

Es kann sein, dass ich wieder zu tief in mehrere hundert Jahre alte Erlebnisberichte verbuddelt war, in denen die Leute noch mit Klappmützentalern und Hirschgulden zahlen, aber hat jemand etwelche Feierlichkeiten bemerkt, in denen sich darüber gefreut wird, dass wir jetzt seit zehn Jahren diese “Euros” haben?

Um mal positiv zu denken, könnte man sich ja eventuell darüber freuen, dass sich seit zehn Jahren nicht immer alles nur ums Geld dreht, oder wann haben Sie zuletzt mit etwas anderem als einer skurrilen belgischen Krisenvaluta eingekauft? Und es hält das Gehirn fit, wenn man ein paarmal täglich das Einmaleins mit 1,95583 trainiert.

Lange kann’s nicht mehr dauern, bis wieder Geld ausgezahlt werden muss. Dass der Euro nach einem unerwarteten vollen Jahrzehnt doch noch kapeister geht, wird doch wohl nicht bedeuten, dass dann wieder Isarkiesel und Katzenfelle gelten. Oder? Oder??

Bild: Die Sage vom Hirschgulden
in: Hauffs Märchen. Eine Auswahl für die Jugend mit 8 Buntbildern und 70 Zeichnungen von Eva von Paszthory-Molineus,
Hoch-Verlag GmbH, Düsseldorf/Deutschland 1952,
via Micky the Pixel, 26. Oktober 2010.

Wir gehen mit dieser Erde um, als hätten wir noch eine zweite in der Emmaljunga Mondial Duo Combi Wickeltasche Style.

Glühbirnen kosteten 69 Cents und hielten drei Jahre. Leuchtmittel kosten 8,99 Euro und halten meiner bisherigen Erfahrung nach drei Wochen. Das entspricht einer Preissteigerung von über siebenundsechzigtausendsiebenhundertfünfzig Prozent von heute auf morgen. Stellt Osram eigentlich noch Texter ein? Pförtner? Putzkräfte? Irgendwas?

Na schön, wenn’s dem Klimaschutz dient, kauf ich bereitwillig “Leuchtmittel” für den 678-fachen Preis wie bisher, schließlich haben wir die Erde von den präpotenten Fratzen am Nebentisch nur geliehen. Deswegen ist da auch Rauchverbot; soll noch einer sagen, dass Satire nichts bewirken könne. Aber fragen wird man noch dürfen, was genau dieses Land zu einem freien Land macht. Das unveräußerliche Grundrecht, auch bei der nächsten freien Wahl wieder irgendeine Satirepartei zu wählen?

Wow, danke, Massa. Wird dafür das Abhören von Musik, die von einem Datenträger kommt (einschließlich, jedoch nicht beschränkt auf Festplatten, Vinylplatten, Wachswalzen, Spieluhren und Gegenstände, die mit einem kleinen i anfangen), nicht mehr faktisch untersagt?

Wahrscheinlich bin ich bloß undankbar, ich war ja Einzelkind: In Afrika wären sie froh, wenn sie sich Zigaretten überhaupt leisten könnten. Pattexschnüffeln ist bei denen bestimmt auch nur zugelassen, weil das nicht zu den Grizzly Mums am Nebentisch rüberzieht. Und aufs Gründen von Spaßparteien stehen da exquisite Foltermethoden, die sich bei uns schon allein vom Schallschutz her verbieten.

Aber sie dürften dazu Musik hören und das Licht anmachen!

(Soundtrack: The Rolling Stones: Have You Seen Your Mother, Baby, Standing in the Shadow?, 1966)

Letzte allgemeine Verunsicherung

Update zu Cooles Essen:

Haben Sie mal mit jemandem zusammengelebt, der sich als Gourmet versteht? Und sind Sie da noch zu regelmäßigen Mahlzeiten gekommen?

Mein Französisch ist in letzter Zeit etwas porös, aber “Gourmet” muss etwas heißen wie “Nichtesser”, so eine angeblich unübersetzbare Entsprechung eben. Drei Tage in einem Haushalt mit einem Gourmet, und je nachdem, wer stärker ist, wird einer den anderen zwangsernähren.

Gourmetsein scheint ziemlich hip; man munkelt von Kochsendungen im Fernsehen, wo von gelernten, ja berühmten Köchen gezeigt wird, wie man isst. Und schlecht ernährt sind alle Leute, heißt es.

Und rambazamba macht der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) eine Seite namens Lebensmittelknappheit auf. Sollen sie ruhig: Wenn das irgendwas nützt, ist es morgen verboten.

Hach, Moment, “Lebensmittelklarheit” heißt das. Tatsache ist: Zuerst hab ich mich tatsächlich auf “-knappheit” verlesen, und zweite Tatsache ist: Das kommt aufs gleiche raus. Unter Lebensmittelklarheit litt allenfalls meine Oma, aber da war Krieg und schmerzhaft klar, dass die Kartoffeln, die sie der kargen Krume entrang, aus Kartoffeln bestehen.

Im Ernst: Beim derzeit gültigen Preis für Erdbeerjogurt ist nicht die Frage, ob die Erdbeeren darin auf Schimmelpilzen oder Frisörabfällen basieren, sondern ob man davon sofort krank wird oder erst in einem Zeitraum, der auch für Zigaretten gilt.

Der Marketing-Tipp von Ihrem Lieblingstexter: Analogkäse muss endlich veganer Käse heißen. Dann regt sich kein Loha und nicht mal mehr ein Gourmet mehr darüber auf, sondern zahlt begeistert den dreifachen Kilopreis für das, was bei der Rewe-Kette als Bio-Tiefkühlpizza durchgeht, wetten?

Erste Allgemeine Verunsicherung: Oh Bio mio aus: À la carte, 1984.

Thank you Jesus, thank you Lord! (And if you’re downright disgusted)

 

Update zu Machst du mir bis Donnerstag ein .mp3 mit allen Münchner Bushaltestellen?Iss deine Frühstückszerealien, Schatz :

Liebe Freunde, gerade habe ich http://j.mp/kuVmov gestartet. Gelobt sei Jesus Christus! Mein Gebet und mein Segen begleiten euch, B. XVI

Vatikan Nachrichten; ea sunt:
Vatikan-TV, Osservatore Romano, Päpstlicher Medienrat, Radio Vatikan, Pressesaal, Vatican.va, V.I.S., vulgo Benedictus PP. XVI per fluminem twitterorum, 28. Juni 2011.

Bewerbungsfoto on Joseph Ratzinger anläßlich seiner Berufung nach Tübingen Mitte der 60-er Jahre.Kaum 2000 Jahre jung und immer auf Augenhöhe mit dem Zeitgeist: DerStellvertreter Gottes auf Erden benutzt die Stiftung seines treuen Dieners Konrad Adenauer als Agentur für Crowdsourcing. Und unsereins ist berufen, am 26. August vielleicht sogar auserwählt, so Gott will,Ghostwriter für den Papst zu werden.

Die Stelle dauert nicht in Ewigkeit, amen, sondern ist befristet bis 26. August 2011. Wir zitieren aus der Ausschreibung:

Wettbewerb: Ghostwriter für den Papst!

 

Ghostwriter gesucht!
Ein Wettbewerb zum Besuch von Papst Benedikt XVI in Deutschland

Wettbewerb bis zum 26. August 2011

Was könnte Papst Benedikt XVI im Deutschen Bundestag im September 2011 sagen? Versuchen Sie sich an einem Redeentwurf und beteiligen Sie sich an unserem Wettbewerb!

Vom 22. bis 25. September 2011 besucht Papst Benedikt XVI. Deutschland. Der erste offizielle Staatsbesuch seiner Heimat steht unter dem Motto „Wo Gott ist, da ist Zukunft“.

Im Rahmen seiner Deutschlandreise wird der Papst auch eine Rede im Deutschen Bundestag halten. Seit Wochen wird heftig über die Inhalte dieser Rede spekuliert. Wir möchten Ihnen die Gelegenheit bieten, sich selbst an einem Redevorschlag für Papst Benedikt XVI zu versuchen. Beteiligen Sie sich an unserem Ghostwriter-Wettbewerb!

Der Gewinnertext wird auf der Webseite der KAS veröffentlicht. Zudem erhält der Gewinner eine der wenigen Karten für die Teilnahme an der Papstrede im Deutschen Bundestag.

Teilnahmebedingungen

Gewertet werden nur Beiträge in Theologie, Form und Inhalt Papst Benedikt XVI entsprechen. Einen Anhalt für die Form kann die Rede des Papstes in Westminster Hall vom 17.09.2010 bieten; Max. Länge: 4-5 DinA4 Seiten, Schriftgröße 12, 1.5 Zeilenabstand;

Die Rede muss auf in deutscher Sprache eingereicht werden. [Sic.] […]

Jury

Die Auswahl wird von einer Jury bestehend aus den Mitarbeitern des KAS Auslandsbüros in Rom, Professoren der katholischen Theologie, Journalisten (Radio Vatikan & Osservatore Romano) sowie geistlichen Würdenträgern. Die Auswahl ist nicht anfechtbar.

Wir freuen uns sehr auf Ihren Beitrag!
Katja Christina Plate, Leiterin Auslandsbüro Rom der Konrad-Adenauer-Stiftung

 

Wie ich das verstehe, ist die Qualifikation: katholisch und deutsch. Und ich müsste meine Mutter fragen (solange sie sich noch an irgendwas erinnert), aber ich erinnere mich verschwommen an eine Ausbildung von vier oder sechs Semestern im katholischen Kindergarten (an mein Deutsch-Studium wollte Mutter sich noch nie erinnern). Bei der Bezahlung sollte das reichen: Die Naturalien, die als Bezahlung dienen, sind nicht im Verkauf, also ein Wert von genau null Euro.

Der ideelle Wert liegt wohl darin, dass die Kreativen das ja nachher für ihr Portfolio verwenden dürfen und deshalb hallelujamäßig dankbar sein müssen. Selber veröffentlichen sie's ja auch. Nutzungsrechte errechnen sich nämlich prozentual, und wie viele Prozent von null ergeben null? Na?

Derlei Briefings ist man als harter Texterknochen auch langsam gewohnt: Schreiben Sie einfach sowas wie letztes Jahr in Westminster Hall und reden wir nicht über den Preis.

Wo Gott ist, da ist Zukunft, genau darum geht's ja, und wo Sein Stellvertreter in seinem Ratzefummel umherwandelt, da hat er keine Zeit, schon vorher zu wissen, was er den Preußen erzählen soll. Der Mann hat Professortitel, oder…? Dann passt das schon: So als Papst ist der Papst ja kein umstrittener Religionsführer wie alle anderen, weil man ihm ja nicht seine Seele verkauft, sondern den Not leidenden öffentlichen Dienst unterstützt.

Karten, um die man sich bewerben muss, gibt's erst wieder für die anschließende Eucharistiefeier, 18.30 Uhr im Olympiastadion. Auch durch dieses Nadelöhr kommt man um Gotteslohn rein. (Ja verreck, in Berlin haben sie jetzt wohl auch schon ein Olympiastadion?)

Bewerbungsfoto:Tübinger Universitäts Nachrichten, 14. Juni 2005.

Soundtrack: The Rolling Stones: Far Away Eyes, aus: Some Girls, 1978:

 

Knacks

Diese Woche hab ich 221,51 Euro versenkt. Wenigstens waren Lieferung und Mehrwertsteuer schon drin. Und weil wir hier in einem dienstlichen Weblog sind, möchte ich betonen: Das war in meiner Freizeit.

Trotzdem eine Summe, die ich lieber in ein Gebirgswochenende mit der Grafik investiert hätte. Mein Fehler; was muss ich auch Bilder von 1,40 Meter Länge auf 1 Meter Breite aufhängen und bestelle für den Wechselrahmen, um zu sparen, nicht mal anständiges Museumsglas (Aufschlag: 350 Euro)? Knacks – Ende von Wochenende.

Auf meine Anfrage, ob sie eine gleichartige Glasplatte nachliefern können, bedankt sich die freundliche Dame für die Kunden-Mails für meine Nachsicht. Bedeutet “Nachsicht”, ich hätte auch behaupten können, sie hätten das Ding schon zerbrochen angeliefert?

Für das Gegenteil gäbe es keine Beweise. In der Servicewüste Deutschland erkennen die Kunden die Oasen nicht, und die Handelskarawane hätte meiner Fata Morgana nicht so nahe kommen müssen, bis sie merkt, dass mein Sandsturm vorgespiegelt war.

Ob als Lieferant oder als Kunde: Wer mit mir Kamel Geschäfte macht, darf sich freuen. Überhaupt wäre Acrylglas weniger zerbrechlich und sogar billiger gewesen. Umgekehrt kann ich das Unternehmen nur empfehlen, das seinerseits einen Glaser in meiner Umgebung empfiehlt, weil eine Glasplatte ohne Rahmenunterlage auf jeden Fall auf dem Transportweg zerschölle.

Die o.a. Grafik meint, ich hätte mir von ihr helfen lassen sollen – wobei sie auch die Gelegenheit ergreift, meinen mangelhaften Umgang mit meinen Fehlern sowie meinen Männlichkeitswahn zu verwünschen und mich eine Memme zu heißen –, dann wäre das nicht passiert. Die Grafik darf das, denn sie ist meine Frau und somit ein unverzichtbares Korrektiv, das mir hilft, aus meinen Fehlern zu lernen. Überdies ist das Nachtlager auf dem knochenharten Sofa der Wirbelsäule zuträglich. Deshalb hat sie natürlich Recht wie immer.

Als andere Lösung hätte sich nach Eintritt der Katastrophe noch angeboten, die bestehenden Fakten den wünschenswerten anzupassen – oder wie sonst soll die Welt die beste aller möglichen sein? Dann wäre es eine Realitätsebene höher nicht passiert, denn die Welt ist mein Wille und meine Vorstellung. Oder jedenfalls die von Herrn Schopenhauer.

Nach meinen Berechnungen hilft jetzt nur noch, wenn ich zum Ausgleich einfach Museumsglas nachbestelle und meine Frau ins Gebirge einlade. Genial, oder? Ich bin so gut, dass es mir schon selber weh tut.

Wer darin den Logikfehler findet, gewinnt eine auf dem Postweg transportable Version des Bildes, das ich aufhängen will. Begründungen und Belege bitte in den Kommentar oder per E-Mail mit Betreff “Knacks”. Und bitte bis Ablauf des 28. Februar 2011, nicht dass wieder einer in drei Jahren über die Suchanfrage “Männlichkeitswahn Memme” daherkommt.

Über die Vergangenheit weiß man wenig, über die Zukunft nichts, und die Gegenwart gibt’s praktisch gar nicht, weil sie nämlich soeben vorbei ist. Das einzige, was sich sagen lässt: Die Realität ist das Schlimmste, was einem passieren kann.

Safe as Milk

Warum der Saft aus der Verpackung spritzt, hat selbst die Maus jahrzehntelang verschwiegen.

Ich erinnere mich an einen Vertreter der Milchtütenindustrie in der Zeit, als man die Dinger noch in einen zusätzlich anzuschaffenden Plastikbehälter stellen musste, um ihnen dann mit der Schere zu Leibe zu rücken. Das, liebe Kinder und mündige Verbraucher, wäre heute mit euch nicht mehr zu machen. Das Problem der Inkontinenz von Milchtüten bestand schon damals. Und diesem Experten haben sie dann live im Schwarzweißfernsehen eine Milchtüte, so einen Ständer und eine Schere in die Hand gedrückt, er solle doch mal vormachen, wie das geht mit dem Milchöffnen, verlustfrei, sauber und familienfreundlich. Der Mann hat den Studiotisch, seine Krawatte und die des Moderators eingesaut. Warum veryoutubt das niemand? Als “Vintage Cumshot Kitchen Table” oder so?

Heute, wo der Spiegel seine Schwerpunkte endlich von langweiliger Politik aufs Wesentliche umgelenkt hat (Naziromantik, Oktoberfest), erfahren wir endlich: Der Verbraucher — das sind Sie — wünscht immer die jeweils teuerste Verschlussart für seine Saft- und Milchkartons. Kurzzeitig waren das die Alulaschen, der Trend geht zu Schraubverschlüssen.

Das eruieren die lästigen Marketingexperten, die Menschen aus der Fußgängerzone gabeln und sie mit einer Tafel Milka Vollmilch in ihre Befragungsräume locken. Klar, dass sie da immer nur Low Potentials zwischen zwei Anstellungen mit ausreichend Tagesfreizeit erwischen — oder hätten Sie “fünf” Minuten Zeit, die eine Dreiviertelstunde dauern und Ihnen eine gut abgelagerte Tafel Schokolade einträgt? Bei Ihrem Stundensatz? “Ja”, erklären die Hartz-IV-Opfer da oben dann gelangweilt, “so’n sauberer Verschluss an der Milchtüte, der wär schon ganz praktisch, wa. Was, das gibt’s heute auch mit Schraubverschluss? Jaja, immer dran mit dem Zeug.” Dann haben sie sich als kritischer Milchtütenkunde gezeigt und denen da oben mal wieder so richtig die Meinung gegeigt, wa.

“Was, das kostet, so’n Schraubverschluss? Nee, dann will ich keinen.” Wenn das genug kritische Kunden so sagen, wird eben der Schraubverschluss genommen, der am wenigsten kostet: “Leider sind die meisten Verbraucher nicht bereit, wegen des Verschlusses einen höheren Preis zu bezahlen. Daher gilt es, die Balance zwischen Preis und Funktionalität zu finden”, formuliert es Karton-Verbandssprecher (“ein guter Job, wenn man ihn kriegen kann”…) Michael Kleene. Und Norbert Sauermann, der Chefredakteur des Fachmagazins Verpackungs-Rundschau: “Das ist das Dilemma moderner Verpackungstechnik — es gibt für alles eine Lösung, nur muss sie bezahlbar sein. Die Hard-Discounter sind auch deswegen so erfolgreich, weil sie mit ihrer Nachfragemacht eben nicht die beste Verschlussmöglichkeit bezahlen wollen.”

Geiz, lernen wir daraus, kleckert und spritzt. Herrschaften, muss der geil sein.

Soundtrack: Captain Beefheart: Autumn’s Child aus: Safe as Milk, 1967.

Auftraggeber, die keine Ahnung haben, was für ein Aufwand das ist

Aus gegebenem Anlass.

Diese 49 Kommentare von buenalog sind schon von 2006 und diese eines Illustrators und Designers von 2007, aber so aktuell, als wäre es gestern: Es hat sich nichts geändert.

Gemeint ist my-hammer.de

Zitat eines auf buenalog Kommentierenden, gute Warnung an alle Dienstleister: "Auf Plattformen wie My Hammer & Co. fokussiert sich aber die ganze unverschämte Erwartungshaltung sehr vieler Auftraggeber[…] Ein Auftraggeber, der Bitten zur Kontaktaufnahme ignoriert, nachdem man
einen qualifizierten Beitrag im Forum seiner Auktion hinterließ, halte
ich ohnehin nicht für seriös und ernsthaft. Auf diese Auftragsvergaben
kann man getrost verzichten; denn wenn er bereits VOR Zusammenarbeit
unwillig für Kommunikation ist, wird er sich vermutlich kaum
ko-operativer verhalten, wenn man nach 4 Wochen anfragt, wo das Geld
bleibt.[…]"

Dem kann ich nichts mehr hinzufügen, so ist es. Dienstleister, die mir persönlich bekannt sind, die extrem viel zahlungsunwillige Kunden haben, haben tatsächlich im Vorfeld jeden Billig-Kunden genommen (oft noch zu jedem Preis, das war dann noch die Quittung: Denn wer den Schaden hat, braucht für den Sport nicht zu sorgen.)

Ach ja, und Kostprobe aus dem my-hammer-AGB:

8.3
         
Untersagt ist die Einstellung von Aufträgen, die geltendes Recht (einschließlich der Rechte Dritter), die
Bestimmungen des Nutzungsvertrages oder die guten Sitten verletzen. Dies gilt insbesondere für Aufträge,

–   
   deren Inhalt gegen die gesetzlichen Bestimmungen zur Verhinderung von Schwarzarbeit verstößt,
[…]


Mein Kommentar:

Schwarzarbeits-Stundenlöhne wie 2 € (da drin gesehen) werden jedoch von my-hammer nicht geahndet. Man sollte my-hammer.de an seinen eigenen AGB aufhängen, es traut sich nur niemand.


Was der Mittelstand, KMUs über das Web 2.0 wirklich wissen sollten

Hessen-IT hat ein wirklich hilfreiches Werk über Web 2.0 für den Mittelstand verfasst, ein kostenloses PDF, zum runterladen.

Nicht alles, was kostenlos ist, ist schlecht. Dieses hier ist in seiner Zusammenfassung eine gute, saubere Arbeit (kein PR-Gesülze) und absolut lesenswert. Wissenswertes und How To über Podcasts, Social Bookmarking, Long Tail, kollektive Intelligenz, neue Vermarktungsmöglichkeiten. Am besten ausdrucken, denn das sind keine Info-Häppchen, die man mal schnell am Computer überfliegt.

Kleiner inhaltlicher Kritikpunkt von mir über den Artikel 3.4 “Nutzung durch KMU, Corporate Blogging” (Seite 24):

 

“kostengünstiger Betrieb”

 

Das stimmt nicht. Warum?

Corporate Blogging ist alles andere als nicht aufwändig, rechnet man die Zeit, die man damit verbringen wird und die Tatsache, dass man fundiert, überlegt und dennoch “sexy” und gut schreiben muss, sonst bleiben ganz brutal die Leser aus. Und: Time is Money, tempus fugit.

Nein, rechnen Sie Ihren ganz persönlichen Stundensatz aus, den Sie nach draußen verrechnen (wenn Sie ihn nicht schon wissen, das setze ich eigentlich voraus), den müssen Sie dafür ansetzen. Nicht weniger oder Null, das ist betriebswirtschaftlicher Dummfug.

Corporate Blogging ist nicht: Verlautbarungsjournalismus top down, ist nicht: Hineinstellen von technischen Features, die mal ein Werbetexter geschrieben hat, kein Abkopieren von PR-Artikeln, die schmissig verzapft wurden, nie, das ist kein Blogging. Auch die rasche Idee, einen günstigen Praktikanten (“er schreibt doch recht nett”) da hinzusetzen, macht die Idee nicht besser. Corporate Blogging braucht ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Ausdauer, am besten vom Boss und gut kommitteten Angestellten. Das sind mich derzeit beispielweise Kirstin Walther (Saftblog) hat und herwig danzer (der schreibt sich wirklich absichtlich klein, so isser) vom Möbelmacherblog “Nachhaltig”. Reinlesen!

Es ist grundfalsch und typisch technologisch-merkantil angehauchter Typus (Tschakkaaa!), als Betriebskosten nur die Serverkosten zu sehen, die sicher weniger kosten als eine 3stufige Dialog-Mailingkampagne – stattgegeben. Man muss die Arbeits-, liebevolle Recherche- und Schreibzeit sehen und auch die Zeit für die Pflege der Kommentare (id est: ihnen auch mal antworten, das ist ein ganz heißes Thema im feedbackfaulen Deutschland…). Dass muss alles, sonst halbherzig und wird nichts. Ich will Sie nicht abhalten, nur sollten Sie wissen: Es wird brutal unterschätzt im Aufwand. The missing link bloggt am 29. September 2007 genau seit 2 Jahren und weiß das. Oft gehen locker 2 Stunden pro Tag allein nur für Recherche und Verlinken drauf. Dann am Diskurs teilnehmen, in anderen Blogs ab und an präsent sein (nein, nicht Links spammen, sondern fundiert kommentieren), und neue Artikel ausdenken: nochmal 2 Stunden. Das ist die Realität.

Bei einem fiktiven Stundensatz von 150 € und bis jetzt 269 Beiträgen haben wir gemeinsam an Zeitaufwand fürs Bloggen bis jetzt eine Summe zwischen 80 700 € und 161 400 € ausgegeben. Kommen dazu noch die läppischen Sixapart’schen Server-/Hostingkosten von 14,95 € im Monat: nochmal insgesamt 358,80 € (Peanuts!!). Hab ich was vergessen?

Und wir sind zwei, immerhin, und teilen uns das. Seien Sie keine dieser Eintagsfliegen, die sinn- und hirnlos eine Blogpräsenz eröffnen und dann nach wenigen Wochen die Lust verlieren, weil nicht sofort Kunden heranstürmen. Das erst wird das Image beschädigen.

Apropos Kunden heranstürmen:

Ein Corporate Blog ist keine Hard-Selling-Kundengenerierungsmaschine, ein Corporate Blog ist ein Gesprächsangebot auf Augenhöhe. Wer da in seiner Web 2.0 Euphorie den raschen merkantilen ROI glaubt zu kriegen, weil er top down billig was verkünden will, wird keinen Erfolg haben. Nicht, weil die restliche Bloggergemeinde (“rumprollende Rüpel”) zu kritisch ist und als Dauerhaltung rummeckert, nein, weil der stinknormale Internetnutzer nichts langweiliger finden wird als top down und lustlose, oder von Billigkräften (willig, aber billig)  hingerotzte Texte. Er merkt das schnell – auch wenn er “nur Hauptschulausbildung” hat :-( und wird stante pede Fersengeld geben.

Oh, war ich jetzt zu sehr top down? Ich werde mich bessern.

 

Never be clever for the sake of showing off

Pay no heed, pay no mind.
Pay no heed to what we tell you,
Pay no mind to what we tell you.
Cast away all that you were told
And the theory that you read.

Glenn Gould, 1963

Wie mir vor der anstehenden Welle viraler Marketingfilmchen graut. Es müsste jeden Moment losgehen: Die kreativen Querdenker sind schon aus dem Urlaub zurück und bauen zur Stunde aus den bekifften Kritzeleien in ihren strandsandknirschenden Moleskines Storyboards in Powerpoint. Deren Umsetzung wollen sie dann wieder umsonst, weil bezahlte Werbung voll nineties ist, das Seeden macht der Prakti, der sowieso den ganzen Tag lustige Videos saugt, das Spreaden besorgt ja hoffentlich die Zielgruppe, und dann können die Purchase Decisions prasseln. Die richtigen Guerillas lassen sich ja auch kaum bezahlen, dafür können sie um so besser networken. — Kann man den Spamfilter in seinem Youtube-Account irgendwie enhancen?

Wenn jemand Budweiser nachmachen will, halten Millionen von Nordamerikanern es für Bier. Wenn jemand die "Titanic" nachmachen will, sollen arbeitende Menschen etwas wie die "Vanity Fair" kaufen. Wenn jemand Wir sind Helden nachmachen will, haben wir Silbermond im Radio. Selbst wenn Glenn Gould mit seinem geradezu sprichwörtlichen Qualitätsanspruch Johann Sebastian Bach höchstselbst nachmachen wollte, blieb ihm nur die Flucht in die Parodie.

Aufwachen: Das Ende des rein technischen Webdesigns.

Dieser Markt ist endgültig kaputt.

Es wird immer wilder mit dem wilden Osten und den Niedrigpreisen. Seit Jahren gibt es billige Programmierer, Webdesigner aus RU und Rumänien. Das ist bekannt.

Neu hingegen ist das hier:

[…]

"Als
Agentur brauchen Sie sich auch keine Sorgen darüber machen, daß Ihr
Kunde etwas von Ihrem Outsourcing mitbekommt. Wir werden Ihre Kunden
niemals kontaktieren oder als Referenz benutzen. Niemand außer Ihnen
wird wissen, wer den Auftrag ausführt."

[…]

Problem war oft nur noch die Sprache, weil die englisch kommunizieren (mussten). Das hat der hier erkannt. Englisch, das läuft nur bei auftraggebenden Betrieben, die größer sind, logisch. Der Handwerker, Automeister oder E-Shopanbieter  von Weihnachtskerzen kriegt das nicht alleine hin: Sein eigenes Englisch ist meist schlecht und schon gar nicht business- und verhandlungssicher. Das Englisch ist schlecht und unsicher, Russisch und rumänisch verstehen Auftraggeber aus Resteuropa eher nicht, außer sie waren Bürger der Ex-DDR (da dort Russisch ein Schulfach gewesen, bei Rumänisch weiß ich das nicht so genau.)

Man probiert jetzt mit solchen Angeboten den Dammbruch auf Deutsch für KMUs gen Osten und Asien als Vermittler/Händler/Einkäufer. Wohl um die kleineren Firmen in D zu kriegen, die es mit Englisch als Auftrags- und Pflichtenheftsprache nicht so haben, sprich die kleinen und mittleren KMUs und kleinen Krauterer. Und Agenturen, die vorsichtig gesagt, sehr "preisbewusste" Kunden haben.

Daher bin ich immer mehr der Meinung, man kann nur dann auf dem deutschen Markt als originärer Web- und Design-Anbieter überleben, wenn man ein eigenständiges, europäisch nicht austauschbares Angebot hat. Und will das auf dem Blog so mitgeben, ohne dass man mir als negative Kassandra den Kopf abreißt :-)

In 5 Jahren sind die rein technischen Preise so am Boden, dass KEINER hier mehr davon leben kann, der rein technisch orientiertes Webdesign betreibt.

Die Zukunft, in der man als Dienstleister leben und überleben kann, wird immer mehr in Richtung Planung und Konzeption sein, denn in Richtung reine technische Ausführung. Denn geistige Planungsarbeit kann keine Maschine ausführen und keine billigen (sicher oft echt gute, keine Frage, zumindest nicht wesentlich schlechtere) technischen Freelancer aus dem Ausland.  Die reine technische Ausführung ist preislich in D tot. Nicht neu.

Das Novum aber: Jetzt auch für rein deutschsprachige KMU-Auftraggeber. Fazit: Wer sich als technisch orientierter Programmierer, Coder, Design-Anbieter eh schon mit Wünschen nach der 50 € Website und nach der 500 € Datenbank  herumschlagen muss, muss wissen, dass das immer noch nicht das Ende des Bodens wird. Es geht noch tiefer: Die eh schon sparsamen, für Technik gut ansprechbaren, aber für richtige Kommunikation häufig schlecht ansprechbaren deutschen KMUs (diese überlasse ich schon länger dem Wettbewerb ) werden – technisch genauso gut – aber von Mittlern noch billiger bedient. Ein deutscher Webdesigner, der jetzt schon kämpft, halbwegs bezahlt zu werden, kann einpacken.

Cave: Demnächst wird es Epigonen dieser oben verlinkten "Geschäftsidee" geben, oder gibt es schon, die eine trotz der Billigpreise eine für sie lukrative Geschäftsidee/Provision darin sehen, indische, pakistanische und indonesische Programmierer, Coder, Webdesigner (die sind genauso gut wie unsere, Obacht) an deutsche KMUs zu vermitteln. Und diesen KMUs den Pflichtenheftkram, von dem kleine KMUs technisch wenig und sprachlich gar nichts verstehen, hin und her zu übersetzen. Das geht nur, indem man Inder und Indonesier im Preis noch mehr drückt, damit etwas für den Vermittler rausspringt, logisch. So weit so nicht gut.

Gute Planung und guter Kontent wird dann bei solchen Angeboten wohl endgültig auf der Strecke bleiben, es zählt nur der Preis, weil es austauschbare Angebote sind. Dabei ist Planung, Kommunikationsstrategie und Kontent für den wahren Erfolg einer Website oder einer Broschüre oder Anzeige wichtiger als Technik, Coding und geschmäcklerisches Design zusammen. Eat it. Und sogar wichtiger als SEO. (Pageranking ist eh überschätzt.).

Ich habe meinem Nachwuchs immer gepredigt: "Mach etwas Berufliches, was keine Maschine je ersetzen kann." Maschinen können keine Kommunikationsstrategie, sie können keine witzigen Ideen bauen, sie können keine Innovationen, und sie sind vollkommen unfähig, selbstständig zu denken.

Meine Tochter ist mittlerweile in der Forschung tätig. Sie hat verstanden.

Wir selber sind im Bereich Kommunikation tätig. Webseiten oder Datenbankgeschichten oder Broschüren oder Hefte werden erst, nachdem ein vernünftiger Kommunikationsfaden von uns entwickelt wurde, ausgeführt. Nicht unbedingt von uns (nur das, was wir mögen und können), aber immer nach unserer erfahrenen Regie.

Wer uns einkauft, kauft Denker ein, keine Maschinen. Das klingt verdammt überheblich, ist aber so.

Und Klartext zu dem oben verlinkten Angebot: Wir als kleine Agentur am Rande der Isar werden nicht mit so etwas arbeiten.

Wir selber sind schon die Mittler (für rein technische Ausführungen haben wir Coder, natürlich auch Illustratoren etc.) und bedienen uns nicht zweiter Hand durch Billigpreis-Mittlermittler. Selbst wenn dieser Anbieter es technisch halbwegs ordentlich hinkriegt: es ist uns einfach zu kompliziert, über 3 Ecken zu arbeiten. Wir lieben den direkten Austausch mit den technischen Menschen – das hat seinen Grund über die Problematik der stillen Post hinaus und direkter Austausch ist der wahre Garant für stimmige Ausführung – und dabei bleibt es.

Oder bin ich scharf auf einen Herzklabaster.

 

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