Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Essen und Trinken (Seite 2 von 4)

Küchenregeln

3. Wenn ich schon kochen muss, dann was zu essen. Wenn einer ein “Rezept” kochen muss, bitte nicht in meiner Küche.

2. Zum Kochen braucht man: 1 Messer (scharf), 1 Löffel (groß) und 1 Gabel, ferner 1 Schüssel (groß), 1 Topf (groß genug) und noch einen Topf für die Nudeln. Für jedes zusätzliche Trumm ist ein Antrag zu stellen, bitte mit guter Begründung — oder eine Spülmaschine anzuschaffen, die unter obgenannten Regeln kein Mensch gebraucht hätte. Wer sich ein Brot schmiert, muss deswegen nicht den Besteckkasten alle machen.

1. Wer im Ernst das Wort “lecker” benutzt, hat noch 1 Chance und darf, während er draußen eine raucht, ein Wort überlegen, das eine Aussage über Essen trifft. Wahlweise kann er gern in andächtigem Schweigen die Gaben Gottes verzehren. Wer danach immer noch auf nichts anderes als “total lecker” kommt, fliegt.

Ein Festessen für die Leber

If you are lucky enough to have lived in Paris as a young man, then wherever you go for the rest of your life, it stays with you, for Paris is a moveable feast.

Ernest Hemingway, 1964.

Was kann man eigentlich noch aktiv unternehmen, um Flüchtlingen zu helfen? — Je nun, in München wäre das laut dem offiziellen Stadtportal: zielgenau spenden, ehrenamtlich Flüchtlinge empfangen, Mitarbeiterin und Mitarbeiter in vielen Bereichen werden oder Ärztin oder Arzt sein — also praktisch nichts, was sich mit einem geregelten Tagesablauf vereinbaren ließe.

Außer aktiv etwas gegen denselben Terrorismus unternehmen, vor dem diese gebeutelten Menschen geflohen sind und der schneller als sie in den bislang als sicher eingestuften Einwanderungsländern angekommen ist, weil er weder zu Fuß durch die Schluchten des Balkan noch im Schlauchboot übers Mittelmeer musste, alsda wäre:

2 + 2 – 2 + 2 = 7 (BWL für Spätromantiker)

“Der Wolf wieder”, sagt Vroni, “mit seinen Kinder- und Hausmärchen. Was hast’n wieder für einen Schauerkram aufgetrieben?”

“Und was für einen”, sag ich, Die beiden Wanderer. Das willst du gar nicht kennen.”

Das sicherste Mittel. “Lies mal vor”, sagt Vroni.

Die beiden Wanderer nach der siebten Auflage letzter Hand 1857. Den Anfang lass ich mal weg.

Johann Gottfried Seume, Spaziergang nach Syrakus. Titelblatt der Erstausgabe, gezeichnet von Johann Christian Reinhart, 1803Als sie eine Zeitlang gewandert waren, kamen sie an einen großen Wald, durch welchen der Weg nach der Königsstadt gieng. Es führten aber zwei Fußsteige hindurch, davon war der eine sieben Tage lang, der andere nur zwei Tage, aber niemand von ihnen wußte, welcher der kürzere Weg war. Die zwei Wanderer setzten sich unter einen Eichenbaum und rathschlagten wie sie sich vorsehen und für wie viel Tage sie Brot mitnehmen wollten. Der Schuster sagte “man muß weiter denken als man geht, ich will für sieben Tage Brot mit nehmen.” “Was,” sagte der Schneider, “für sieben Tage Brot auf dem Rücken schleppen wie ein Lastthier und sich nicht umschauen? ich halte mich an Gott und kehre mich an nichts. Das Geld, das ich in der Tasche habe, das ist im Sommer so gut als im Winter, aber das Brot wird in der heißen Zeit trocken und obendrein schimmelig. Mein Rock geht auch nicht länger als auf die Knöchel. Warum sollen wir den richtigen Weg nicht finden? Für zwei Tage Brot und damit gut.” Es kaufte sich also ein jeder sein Brot, und dann giengen sie auf gut Glück in den Wald hinein.

In dem Wald war es so still wie in einer Kirche. Kein Wind wehte, kein Bach rauschte, kein Vogel sang, und durch die dichtbelaubten Äste drang kein Sonnenstrahl. Der Schuster sprach kein Wort, ihn drückte das schwere Brot auf dem Rücken, daß ihm der Schweiß über sein verdrießliches und finsteres Gesicht herabfloß. Der Schneider aber war ganz munter, sprang daher, pfiff auf einem Blatt oder sang ein Liedchen, und dachte “Gott im Himmel muß sich freuen daß ich so lustig bin.” Zwei Tage gieng das so fort, aber als am dritten Tag der Wald kein Ende nehmen wollte, und der Schneider sein Brot aufgegessen hatte, so fiel ihm das Herz doch eine Elle tiefer herab: indessen verlor er nicht den Muth, sondern verließ sich auf Gott und auf sein Glück. Den dritten Tag legte er sich Abends hungrig unter einen Baum und stieg den andern Morgen hungrig wieder auf. So gieng es auch den vierten Tag, und wenn der Schuster sich auf einen umgestürzten Baum setzte, und seine Mahlzeit verzehrte, so blieb dem Schneider nichts als das Zusehen. Bat er um ein Stückchen Brot, so lachte der andere höhnisch und sagte “du bist immer so lustig gewesen, da kannst du auch einmal versuchen wies thut wenn man unlustig ist: die Vögel, die Morgens zu früh singen, die stößt Abends der Habicht,” kurz, er war ohne Barmherzigkeit. Aber am fünften Morgen konnte der arme Schneider nicht mehr aufstehen und vor Mattigkeit kaum ein Wort herausbringen; die Backen waren ihm weiß und die Augen roth. Da sagte der Schuster zu ihm “ich will dir heute ein Stück Brot geben, aber dafür will ich dir dein rechtes Auge ausstechen.” Der unglückliche Schneider, der doch gerne sein Leben erhalten wollte, konnte sich nicht anders helfen: er weinte noch einmal mit beiden Augen und hielt sie dann hin, und der Schuster, der ein Herz von Stein hatte, stach ihm mit einem scharfen Messer das rechte Auge aus. Dem Schneider kam in den Sinn was ihm sonst seine Mutter gesagt hatte, wenn er in der Speisekammer genascht hatte “essen so viel man mag, und leiden was man muß.” Als er sein theuer bezahltes Brot verzehrt hatte, machte er sich wieder auf die Beine, vergaß sein Unglück und tröstete sich damit daß er mit einem Auge noch immer genug sehen könnte. Aber am sechsten Tag meldete sich der Hunger aufs neue und zehrte ihm fast das Herz auf. Er fiel Abends bei einem Baum nieder, und am siebenten Morgen konnte er sich vor Mattigkeit nicht erheben, und der Tod saß ihm im Nacken. Da sagte der Schuster “ich will Barmherzigkeit ausüben und dir nochmals Brot geben; umsonst bekommst du es nicht, ich steche dir dafür das andere Auge noch aus.” Da erkannte der Schneider sein leichtsinniges Leben, bat den lieben Gott um Verzeihung und sprach “thue was du mußt, ich will leiden was ich muß; aber bedenke daß unser Herrgott nicht jeden Augenblick richtet und daß eine andere Stunde kommt, wo die böse That vergolten wird, die du an mir verübst und die ich nicht an dir verdient habe. Ich habe in guten Tagen mit dir getheilt was ich hatte. Mein Handwerk ist der Art daß Stich muß Stich vertreiben. Wenn ich keine Augen mehr habe, und nicht mehr nähen kann, so muß ich betteln gehen. Laß mich nur, wenn ich blind bin, hier nicht allein liegen, sonst muß ich verschmachten.” Der Schuster aber, der Gott aus seinem Herzen vertrieben hatte, nahm das Messer und stach ihm noch das linke Auge aus. Dann gab er ihm ein Stück Brot zu essen, reichte ihm einen Stock und führte ihn hinter sich her.

Noch weiter?”

“Wolf!” gruselt sich Vroni, “das ist ja fürchterlich!”

“Gelle? Hätte heut nicht mal eine Jugendfreigabe.”

“Aber echt mal. Wieso hat nicht jeder einfach für vier Tage Brot gekauft?”

“Wieso jetzt für vier?”

“Weil du genausowenig rechnen kannst wie dein tapferes Schneiderlein.”

“??”

“Na, denk doch mal nach. Sie haben zwei Möglichkeiten. Eine davon ist möglicherweise falsch. Und wann finden sie heraus, ob sie falsch war?”

“Du meinst …”

“Nach zwei Tagen, genau. Und was unternehmen sie dann?”

“Besser machen?”

“Kluger Wolf. Und dazu müssen sie die gleichen zwei Tage wieder zurück. Macht vier. Wenn sie wieder da sind?”

“Kaufen sie Brot für sieben Tage?”

“Quatsch, du BWL-Genie! Sie kaufen nochmal Brot für zwei Tage und nehmen den anderen Weg.”

“Ah, logisch.”

“Die Chance, dass sie falsch laufen, beträgt grade mal fünfzig Prozent. Ganz gut für eine Lebensentscheidung, find ich. Und selbst wenn sie ihren zweiten Versuch nutzen müssen, brauchen sie insgesamt immer noch Brot für sechs Tage, nicht für sieben.”

“Genial.”

“Märchenhaft genial. Wie geht deine Schauergeschichte überhaupt weiter?”

“Moment, da haben wir die Anmerkungen der Brüder Grimm selber, in der dritten Auflage 1856. Die stehen im dritten Band der großen Reclam-Ausgabe:

Georg Friedrich Kersting, Caspar David Friedrich auf der Wanderung ins Riesengebirge, 18. Juli 1810Nach einer Erzählung aus dem Holsteinischen, die besser und vollständiger ist als die in den früheren Ausgaben unter dem Titel die Krähen sich befindet und einer Überlieferung aus dem Meklenburgischen folgte. Bei Pauli in Schimpf und Ernst Cap. 464 eine einfache Darstellung. Ein Diener wird von seinem Herrn an einen Baum gebunden: böse Geister, die sich Nachts da versammeln, sprechen daß ein Kraut welches unter dem Baum wächst, das Gesicht wieder gebe. Nachdem er sich geheilt hat, macht er damit eines reichen Mannes Tochter wieder sehend und erhält sie mit großen Gütern zur Ehe. Sein voriger Herr will sich auch solchen Reichthum verschaffen, geht zum Baum, wo ihm des Nachts die Geister die Augen ausstechen. In der Braunschweiger Sammlung (S. 168–180) mit dem unsrigen übereinstimmender, aber schlecht erneuert. Krähen die, auf dem Baume sitzend, von Augen aushacken sprechen, auch in Helwigs jüdischen Legenden Nr. 23, hier, indem sie dem Blinden sagen was er thun soll, gleichen sie den Vögeln die dem Sigurd guten Rath geben (s. Fafnismâl und Anmerk. zu Str. 32). Der frischgefallene Thau der das Gesicht wieder gibt, ist das Reine, das alles heilt, der Speichel, womit der Herr dem Blinden das Gesicht wieder gibt, und das unschuldige Kinder- oder Jungfrauenblut, wodurch die Miselsüchtigen genesen; vergl. Altd. Wälder 2, 208 und armer Heinrich S. 175 ff. In der Braunschweiger Sammlung kommt das Märchen S. 168–180 vor, in dem Büchlein für die Jugend S. 252–263. Bei Pröhle Märchen für die Jugend Nr. 1. Dänisch bei Molbech Nr. 6 mit eigenthümlichen und guten Abweichungen. Norwegisch bei Asbjörnsen Bd. 2. Böhmisch bei Gerle Bd. 1, Nr. 7 St. Walburgis Nachttraum oder die drei Gesellen. Ungarisch bei Gaal (Nr. 8) die dankbaren Thiere, bei Mailath die Brüder (Nr. 8), bei Stier die drei Thiere S. 65. Serbisch mit einer eigenthümlichen Einleitung bei Wuk Nr. 16. Im Heftpeiger des persischen Dichters Nisami kommt eine offenbar verwandte Erzählung vor, welche Hammer in der Geschichte der schönen Redekünste Persiens (Wien 1818) S. 116. 117 aus der Handschrift bekannt gemacht hat. Chair wird von einem treulosen Reisegefährten Scheer, den er für seinen Freund hält, erst seines Vorraths an Wasser, dann auch seiner Augen beraubt und mishandelt. So bleibt er liegen, bis ein schönes kurdisches Mädchen ihn findet, verpflegt und heilt. Der Jüngling heilt die Tochter des Wesirs und Sultans und läßt sichs wohlgehen, bis er eines Tages seinem alten Gefährten begegnet, dem er verzeiht, der aber von einem Kurden getödtet wird.

Der Schneider bleibt auf einem Galgenberg unter zwei Gehängten liegen. Die unterhalten sich, und er kriegt mit, dass er sich mit dem Tau, der von ihnen ins Gras tropft, die Augenhöhlen waschen muss, damit er wieder sieht. Das macht er, freut sich und kämpft sich zur Königsstadt durch, hilft unterwegs ein paar Tieren, kriegt von jedem einen Wunsch frei und wird am gleichen Tag Hofschneider wie der Schuster, der nicht mehr sein Kumpel ist …”

“… denk ich mir …”

“… Hofschuster wird. Unterwegs hat er übrigens vier Tieren geholfen, nicht wie üblich dreien.”

“Kommt da die Vierzahl rein, die sie bei ihrer Lebensmittelplanung vernachlässigt haben?”

“Glaub ich jetzt nicht. So buchhalterisch geht’s nicht. Ist doch bloß ein Märchen.”

“Eben, mein Lieber, eben. In denen geht’s normalerweise gerecht zu. Dass der Schneider mit Hilfe seiner dankbaren Tiere alles schafft und die Königstochter und das halbe Reich kriegt, setz ich voraus. Was wird aus dem Schuster, dem Kameradenschwein?”

“Der

Moritz von Schwind, Abschied im Morgengrauen, 1859mußte die Schuhe machen, in welchen das Schneiderlein auf dem Hochzeitfest tanzte, hernach ward ihm befohlen die Stadt auf immer zu verlassen. Der Weg nach dem Wald führte ihn zu dem Galgen. Von Zorn, Wuth und der Hitze des Tages ermüdet, warf er sich nieder. Als er die Augen zumachte und schlafen wollte, stürzten die beiden Krähen von den Köpfen der Gehenkten mit lautem Geschrei herab und hackten ihm die Augen aus. Unsinnig rannte er in den Wald und muß darin verschmachtet sein, denn es hat ihn niemand wieder gesehen oder etwas von ihm gehört.

Glücklich damit?”

“Joh, das geht okay. Ist ein langes Märchen, oder?”

“Ziemlich, und richtig detailverliebt ausgeschrieben – also schon aus der Werkstatt von Wilhelm, nicht Jacob Grimm. Da braucht’s Brot für sieben Tage.”

“Für vier bitte. ‘Das Brot wird in der heißen Zeit trocken und obendrein schimmelig.’ Und Zwiebeln fehlen.”

“Ist doch bloß ein Märchen.”

“Eben, mein Lieber, eben.”

“Geh ja schon.”

Bilder: Johann Christian Reinhart: Titelblatt der Erstausgabe Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus, 1803;
Georg Friedrich Kersting: Caspar David Friedrich auf der Wanderung ins Riesengebirge, 18. Juli 1810;
Moritz von Schwind: Abschied im Morgengrauen, 1859.

Zahnpasta ist kein Nudelpampf

Die neuen Katerjungs (wir berichteten) machen sich. Residieren schon souverän auf ihrem Bett und kratzen und beißen, wenn jemand drin liegt.

Und glänzen, weil sie sich exklusiv vom Viktualienmarkt ernähren (das Katzenfutter führt der Schmitz im Online-Sortiment nicht mal auf, so exklusiv ist der). Und neigen deshalb wie alle gut gefütterten vorpubertären Jungs zu Mundgeruch.

Angeblich gibt es tatsächlich Zahncreme für Katzen, jedenfalls hat Vroni mich mit dem Auftrag nicht am 1. April losgeschickt. Nein, haben sie nicht, und der Dehner gegenüber auch nicht. Dafür gibt’s gleich neben dem Dehner einen bombastisch bestückten Bumsladen: die ORION Erotik Fachgeschäfte GmbH & Co KG.

Soll ich nächstes Mal, wenn ich wieder für die Katz unterwegs bin, jemandem was mitbringen? Sowas wie Halloween-Gleitcreme mit Kürbis und Chili? Wer einmal eine Verkäuferin nach Katzenzahncreme gefragt hat, kann ab sofort alles.

Bargeldlos durch die Nacht

Auf dem 181. Oktoberfest, das war das anno 2014, wurden 7,7 Millionen Maß Bier verkauft. Nach Rechnung des kritischen Oktoberfestverbrauchers wurden demnach ungefähr 3,85 Millionen Litern Bier ausgeschenkt.

Von diesen nicht mal vier Millionen läuft eine geschätzte Million über Biermarken, und von Freibier wird man ja nicht besoffen — vor allem dann nicht, wenn auch noch ein halbes Hendl dabei ist. Die restlichen drei Millionen vertrocknen nach kurzem Körperkontakt mit Amerikanern, die bis soeben gedacht haben, “Bud” wäre ein Bier, auf den Geh- und Bahnsteigen im Umkreis von fünf Kilometern um die Theresienwiese.

“2014 hat also gar niemand auf der Wiesn besoffen sein können“, deduziere ich Vroni.

“Dann ist ja gut”, versucht sie sich nicht an meine damalige Heimkehr zu erinnern. Dabei reden wir gar nicht mal von 2014, es muss so gegen 2001 gewesen sein. Ich war jung und verbrauchte das Geld.

“Was machen wir heuer?” frage ich weiter, vorausschauend, in die Zukunft, zu neuen Taten, wie immer.

“Wieso? Was sollen wir heuer machen? Machen wir nicht dauernd irgendwas?”

“Das ist mein Spruch. Was machen wir heuer mit der Wiesn?”

“Die Frage ist: Was macht die Wiesn mit dir?”

“Sollten wir denn nicht irgendwas um die Wiesn machen?”

“Hm … Einen möglichst großen Bogen?”

In den meisten Fällen gibt es Sinn, wenn wir einfach machen, was sie sagt.

Fun Facts über Schäftlarn

1. In der Bibel kommen keine Katzen vor. Deswegen kommen

2. in Kirchen nie Katzen vor. Unrein! Unrein!

3. In der Klosterkirche Schäftlarn, als ob sie dort das ganze Jahr über noch nicht genug agnostisch-freigeistige Hämmer krachen ließen, kommt eine Katze vor.

4. Dafür gibt’s in ganz Schäftlarn einschließlich Hohenschäftlarn keinen einzigen öffentlich zugänglichen Kühlschrank, der was taugt. Kein Supermarkt, bloß eine Bäckerei, die Adelholzener aus Plastikflaschen für 1,80 verkauft, aber immer noch Strom sparen muss. Zur Ehrenrettung dieses gottgesegneten Landstrichs will ich annehmen, dass die Wirtshäuser ihre Kühlschränke wenigstens auf 3 gedreht halten.

5. Ganz ohne ab und zu mal nach Schäftlarn zu latschen, geht’s halt doch nicht. Die neueste Motivation: Im Klosterbräustüberl haben sie inzwischen gelernt, was ein Schäufele ist. In Franken schlägt sogar jeder Wirt über die 11,90 € “bro Bozzion” die Hände über dem Kopf zusammen, aber das machen die eh dauernd, wenn sie was aus Bayern hören (und wenn sie das Diminutiv “Schäuferl” erleben müssen).

6. Katzen dürfen kein Schweinernes fressen. Denaturiertes schon, aber bevor das “Schäuferl” nicht richtig durch ist, lieber gar keins. Sonst Ende von Katze.

7. Wer mir sagen kann, wo genau in der Klosterkriche Schäftlarn die Katze vorkommt, ist auf ein Schäufele eingeladen. Vorausgesetzt, Sie wurden schon mal von mir eingeladen (oder Sie sind Hélène Grimaud oder so jemand), wo kommen wir denn da sonst hin.

Klosterkirche Schäftlarn, Sockel des Taufbeckens mit Katze

Buidl: Meins. Schenk ich Ihnen natürlich, wenn Sie immer fein dazusagen, wo’s her ist.

Die echten Modernisierungsverlierer

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young.

Greise glauben alles. Männer bezweifeln alles. Junge wissen alles besser. Oscar Wilde

Wolf ist grade mal 47. Und kriegt diesen Brief:

Ab ins Pflegeheim mit dem rüstigen 46er

Du hinfällig, du alt, du Pflegeheim!

Und das ist drin:

Bestelltext des unglaublichen Seniorenmarketing

Die Erlösung, die Rettung!! Das Versprechen!! … und Katzenfutter kriegste auch! … Die Superbestellung für Hinfällige. Alles an edlem 80er-Jahre-Marketingwissen ist da vereint …

Ob ein Mann, der 70 ist, dieses unglaublich dreiste Stück Angst-Marketing super findet, ist dem immer noch teils herumglucksenden, teils erschütterten Hause Gräbel nicht bekannt. Wohl nicht.

Ob Moritz oder ob die unsterblichen Tjorvens, Pelles, Stinas, Malins und Melcher Melchersons, alle for ever young. Man wird diese trottelhafte Beleidigung der schieren Existenz dahin tun, wo sie hingehört: als Klimawandel-bewusster Bürger mit “Ich trenne – also bin ich!”-Mindset vollkorrekt in die Mülltrennung. Bringt zwar dem Klima und meinem Fell nix, aber macht Spaß.

 

Gruß,

Moritz, for ever young

 

 

Wir werden das genau verfolgen.

Drei Mühlen, bayerisches Wirtshaus, Neueröffnung

Endlich wieder eine zünftige Hauskneipe. Zuerst hat sie Zur wilden Sau geheißen, das konnte sich jeder merken. Dann Mundart, da haben die Leute schon um ein Eck denken müssen, wenn man ihnen den Weg erklärt hat. Dann Ennstaler Stub’n, das hat keiner mehr gekannt, das Ennstal nicht, und ich hab mich für den Apostroph geniert. Seit 29. heißt es Drei Mühlen, das geht jetzt wieder, weil das Viertel auch so heißt, weil die Leute schon anfangen, sich fürs Glockenbachviertel zu genieren, weil das nächste große Ding das Westend wird, wenn es nicht das Dreimühlenviertel wird, was aber bloß ein Thema werden kann, wenn der Texmex am Eck zumacht, weil der sich nämlich komischerweise hält. Drei Mühlen jedenfalls, und Hauptsache, die Halbe kostet nicht über drei fuchzig.

Drei Mühlen, bayerisches Wirtshaus, Neueröffnung

Buidln: Drei Mühlen, bayerisches Wirtshaus, Stand 18. Mai 2015.
Keine Rechte vorbehalten, aber bitte mit Quellenangabe.

Self-deinstalling beta version with a lousy RAM, and the image resolution is a joke

An Robinson’s Bar steht außen weiß auf Schwarz:

Alcohol is the liquid version of Photoshop.

Das sieht man durchs Busfenster, Linien 52 und 62. Seitdem rätsle ich, warum da niemand drunterschreibt:

Only without a memory function.

Weil ich, der ich niemanden zu Straftaten wie Gewalt gegen Sachen anstiften würde, den einzigen weißen Edding der Stadt rumtrocknen hab?

Bei- und Nachträge zur Kritik der reinen und praktischen Unvernunft

Und ich hab gedacht, damit wäre im Lauf der Achtziger Schluss gewesen: dass Werbung so offensichtlich ihre Zielgruppe zum Besten haben kann. Die zynische Abwertung “Zielgruppe” wird sich wohl so schnell keiner mehr abgewöhnen, aber wurde “Reklame” nicht mit dem Wechsel in die Neunziger in “Werbung”, also etwas Altfränkisch-Deutsches, und noch fürnehmer in “Verbraucherinformationen” umbenannt? Damit wurde doch ein gewisser Respekt vor dem Melkvieh zumindest nach außen hin behauptet — so wie heute auch kein Landwirt mehr damit prahlt, wie viele Stück Vieh er hinter wie wenig Stallfenster stopfen kann; egal wie er daheim wirtschaftet, wenn die PETA nicht hinschaut.

In der Werbung kann man’s noch machen, ist ja bloß Reklame. Seit Lidl nicht mehr durch Arbeitsbedingungen wie in der Legebatterie, sondern richtig entspannte, fröhliche Angestellte auffällt, müssen sie ihre “Ich Chef, du nix”-Allüren wohl an irgendwem anders auslassen und hängen in ihre Filialen und mitten in den öffentlichen Raum Plakate, auf denen sie fragen: “Woran erkennt man gutes Brot?”, “Woran erkennt man gute Wurst?” und was eben sonst noch so weg muss. In einer Art Parodie auf Verbraucherinformationen geben sie auch gleich die Antworten in drei Unterpunkten; der vierte zählt nicht, der heißt immer: “Und an einem guten Preis.” Und was soll ich sagen: Woran man guten Kaffee erkennt? — Am guten Kaffee! Ja scheiß doch die Wand an.

Hab ich gedacht. Bevor ich nachgedacht hab.

Wenn heute aufgeklärte Kreise der, Obacht: Zielgruppe statt Kaffee lieber gleich die Tränen der kolumbianischen Plantagensklavinnen trinken würden, wenn da bloß genug Koffein drin wäre, muss man solche Wackelkonsumenten wieder daran erinnern, dass billiger eben doch besser ist, nicht andersrum. Fast schon liebhaben könnte man in seiner Abkehr von allem, was das 21. und 20 Jahrhundert ausmacht, die Verbraucherinformation für den wahren Genießer: “Woran erkennt man guten Wein?”

Jaja, klar, am “guten Preis”, wie alles andere auch, aber an erster Stelle? Soll ich’s sagen oder wollen Sie selber zum Lidl? Okay, ich bin ja gar nicht so. Die schonungslose Enthüllung lautet: “An seinen Eigenschaften”!

Ist das nicht schnulli? Ist es nicht wunder-wunderschön? Wein ist gut, wenn er im dreidimensionalen Raum eine bestimmte Zeitlang in Beziehung zu seiner Außenwelt, dem Nicht-Wein, existiert — und nix kostet. Und das von einem marktorientierten Unternehmen. Kant wäre begeistert.

Nun ist ja Kant tiefes achtzehntes Jahrhundert, dagegen sind die Gepflogenheiten der Achtziger des 20. Jahrhunderts Avantgarde. Und seit Einstein nachgewiesen hat, dass Zeit und Raum gar keine reinen Kategorien des unzulänglichen Menschengeistes sind, sondern dass es die womöglich in echt gibt, lässt sich guter oder schlechter Wein durch nichts treffender beschreiben als durch seine Quantität, Qualität, Relation und Modalität, schon wahr.

Woran würde man gutes Marzipan erkennen? — Es wäre nicht saisonal verknappt, sondern im dreidimensionalen Raum einer Lidl-Filiale Montag bis Samstag, 7 bis 20 Uhr ganzjährig da.

Katzereien

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

 Ein Durchfall hat, oft über Nacht, so manchen Flirt zu Fall gebracht! (Katzen-SMS-Volksweisheit)

Eine weitere Nacht, in der sie mir nachts um 3 ein Antibiotikum verpassten. Voll demütigend, wie sie mich hochheben hinten am Kragen und ich nichts machen kann außer den Schwanz einzurollen. Meine Augen funkeln vor Zorn. Weil ich angeblich Katzenkacka mache wie gestreiftes Nutella und das sei so nicht ganz das Wahre. Man schleicht mir auch in mein Katzenklöchen nach, um zu gucken. Mann, ey.

Später las ich noch in einer in der Praxis geklauten Tierarztzeitschrift (gebüldete Kater lesen so etwas) über die neuesten Methoden der Katzen-Diarrhoe-Pankreas-Nieren-Therapien und dem passenden neuesten Diätfutta dazu. Der reinste Dreck, den sie da reinschütten. Wird angeblich begeistert von den Katzen gefressen. Ich will als anständige Katze rohes Hack, wenn es schon kein Whiskas-Mouse gibt. Und bitte das Hack ohne dieses Barfing-Pulver, bäh.

Dann ging ich ein wenig nach draußen vor die Tür, um mit Charlie, dem Blauen mit den großen Ohren zu klönen, um mich von Kacka und Futta und Schlaffa abzulenken. Kriegten sie sich nicht ein vor Freude, dass es mit mir bergauf gehe.

 

 

Besetzt

Als Kind, da hab ich noch das Prinzip eines Adventskalenders verstanden: 1. aufessen, 2. fertig.

Wahrscheinlich liegt’s wieder an mir, aber was mir der namhafte Büroartikelanbieter Viking saisonbedingt außerhalb seiner unangezweifelten Büroartikel anbietet, überfordert mich: Krieg ich jetzt ein Tablet, wenn ich genug “Office Depot Toilettenpapier” kaufe, oder krieg ich ein Bürovorratsgebinde Klopapier extra, wenn ich ein Tablet kaufe?

Wahrscheinlich ist es wieder so wie sonst auch: Egal wird’s sein. Die Benutzung bleibt sich gleich, ob man sein Tablet aufs Klo mitnimmt oder default dort aufbewahrt. Ist Hackfleischsoße eine Beilage zu Nudeln, oder sind die Nudeln ein Trägermedium für die Soße? Wurscht, auf dem Teller sieht’s gleich aus und im Magen kommt alles zusammen, und warum sollte sich das auf dem weiteren Weg groß ändern.

Vielleicht eignet sich so ein Büroklopapier sogar als Endloswalze für den Drucker. Gewisse Inhalte, die mich aus der Bürowelt erreichen, lassen deutlich derlei Zusammenhänge erahnen. Hauptsache, man hat genug Work in der Life-Balance, gell?

Adventsbildchen: Viking, 2. Dezembertürchen 2014.

Tintenherz

A person who won’t read has no advantage over one who can’t read.

Mark Twain

Unser Halloween-Beitrag

Schopftintling Zeichen des Verfalls

Fund an den Isarauen. Foto: Vroni Gräbel

Schopftintling - der Verfall eines Speisepilzess

Schopftintling, jung den ersten Tag lang eine kulinarische Köstlichkeit, später mit spektakulärem Abgang. Foto: Vroni Gräbel

Tintenherz – Der Verfall. Statt Kürbisse allenorten.

Dieser Pilz ist jetzt in die Welt des Blog-Lesens als Platzhalter verschwunden. Es gibt ihn bereits in der Natur nicht mehr. *

 

______________________________________

* Schopftintling, Altersform kurz vor dem Ver-wesen. Als junger Schopftintling wäre er ein hervorragender Speisepilz gewesen.

 

 

Unschlagbare Neue Gespenster eingetroffen … (Eine Art Nachlese vom Oktoberfest in München – ein freundliches Anti-Wiesn-Bashing)

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Die Künstler sind wie Sonntagskinder; nur sie sehen Gespenster. Wenn sie aber ihre Erscheinung erzählt haben, so sieht sie jedermann.

 

Ich möchte fast glauben, Herr Pastor, wir alle sind Gespenster. Nicht bloß das geht in uns um, was wir von Vater und Mutter geerbt haben. Es sind allerhand alte, abgestorbne Ansichten und allerlei alter, abgestorbner Glaube und dergleichen. Es lebt nicht in uns, aber dennoch sitzt es fest in uns, und wir können’s nicht loswerden.

 

Neeiiiin, nicht Halloween. Das Oktoberfest! Sehet die unschlagbaren Gespenster.
Die Gespenster des Oktoberfests
Die unteren Gespenster abgedeckt. (Mer waas nie, wer sich alles erkennt am letzten Oktoberfesttag – und dann hat der Kater des Gschieß mit den Rechten … ^^. (… am Bild…)

Und lesbarer in Groß, mit allerbester Rächtschraipung:

Neue Gespenster eingetroffen! In Groß.
Auch diese auf den Augen schröcklich abgedeckt, mer waas ja nie …

Das war das Lustigste am Oktoberfest. Auf dem der Kater höchstselbst am letzten Tage flanieren tat.

 

Auch sehr lustig:
Der einzig wahre Maiskolben. Huldigt ihm!
Huldigt dem Maiskolben! (Blick vom Augustiner-Biergarten aus, aber hey!)

Er, der Maiskolben, ist zwar nicht sonderlich bairisch, aber des is wurscht, net woar. Er ist internationales Barbequju. Des is wichtig. Im Angesicht des majestätischen Maiskolbens im Biergarten des Augustiner-Wahrzeichens, des Turms, nahm der Kater trotz der Widrigkeiten (voll und kaum ein Plätzchen zu finden) traditionell eine Maß Augustiner und ein Hendl zu sich.

Gruß also von der internationalen Wiesn vom internäschonäl Kater. Habe Gerhart Polt gesehen. Wie er von der Alternativ-Wiesn kumma is. Mitsamt seiner Entourage. Ansonsten nix Wichtiges. Die Leut im Biergarten waren wunderbar, lieb, angenehm und gaaanz normal. Null Schickimicki, keine Besoffenen, keine Randalierer, kein IS. Habe es genossen, so soll Wiesn sein.

 

Gruß
Der Kater, das Sonntagskind
Der geliebte Kater Mor. Wie er die Welt sieht.
In sich ruhend und geliebt von den Seinigen.

Take the Fruktoseintoleranz Away From Me o Lord

Give me cornbread when I’m hungry,
give me corn liquor when I’m dry.
Give me wine and women while I’m living
and sweet salvation when I die.

John Fahey: The Dance of Death
and Other Plantation Favorites
, 1964 ff.

Allgemeinmenschliche Verhaltensweisen wie das Gucken von YouTube-Videos, Zigarettenrauchen und Alkoholismus sind heute gut behandelbar, weil Betroffene ihre Umgebung meist ausführlich an ihrem Krankheitsverlauf teilhaben lassen.

Schwieriger liegt der Fall bei intestinaler Fruktoseintoleranz, weil die Umgebung das Wort nie für die Bezeichnung einer Krankheit hält, sondern für ein Lied von Funny van Dannen. Erst wenn man Betroffenen ihre gewohnten zwei bis sieben Nutellabrote zum Frühstück wegnimmt und sie durch Obst und Gemüse (was auch immer der Unterschied dazwischen sein soll) ersetzt, zeigen sich die Symptome, die bei Hunger anfangen und bei Reizbarkeit noch lange nicht aufhören, und die sich erst bei Aufnahme von Nahrung unmittelbar legen.

Auch der sozial zuträgliche Alkoholismus kann hier lindernd wirken, weil in Verbindung mit genügend Schnaps die schädliche Fruktose nicht zu lange im Körper verbleibt. Hätten Adam und Eva nicht den ersten und schädlichsten aller Äpfel vom Baum der Erkenntnis zu sich genommen, sondern vielmehr die Schlange, die auf vielen glaubwürdigen Darstellungen (außer bei Dürer) vom Baum des Lebens gleich daneben herübergekrochen kommt, wären wir heute alle wohlig umnachtet und unsterblich und würden uns von Reptilien ernähren. Und Nutellabrot, Whisky und Zigaretten.

Gegen die Macht des Digitalen (2)
Für mehr Achtsamkeit

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Albert Einstein

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Ohne Bienen sehen wir alt aus. Zwar gibt es auch bei einigen Pflanzen Windbestäubung, aber eben nicht bei allen. Hier noch ein paar Honigbienen-Exemplare zur nostalgischen Erinnerung. Alle Aufnahmen wurden im Rosengarten München gemacht. Rechts der Isar.

Viele Bienen auf Allium Giganteum, dem Riesen-Zierlauch
Riesenzierlauch, Allium Giganteum

Wer jetzt allmählich Musik aus dem Off hört, hat keine Hallus, sodern das ist der Video-Beitrag einen Beitrag weiter unten über einen wunderbaren Kalligrafen mit seiner bewundernswerten Handfertigkeit. Absolut sehenswert!

Einzelne Biene auf Allium Giganteum beim Pollensammeln,  Nahaufnahme
Riesenzierlauch, Allium Giganteum, close up

Keine einzige Biene auf Allium Christophii, dem Sternkugelllauch, zu finden
Sternkugellauch, Allium Christophii, close up

 

Gruß
Der Kater

 

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