Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Kreatives Arbeiten (Seite 2 von 2)

Writing Bad

“Was haben wir eigentlich noch nie im Auftrag geliefert?”

“Wir haben schon immer alles geliefert. Ohne Verzug und hoffnungslos überbilligt.”

“Ja, aber was war noch nie dabei?”

“Hm … Ein Versepos in mehr als vierundzwanzig Gesängen?”

“Stimmt. Wir werden ins Grab sinken müssen, ohne das Sequel zur Odyssee geschrieben zu haben.”

“Du vielleicht.”

“Wieso, würdest du gern?”

“Nö, wozu denn. Mir reicht der Film.”

“Unterschätz das nicht. Der Nibelungen-Film dauert knapp drei Stunden.”

“Sind ja auch gleich 39 Gesänge.”

“Aventüüüüüren.”

“Stimmt, ist ja Stummfilm, da singt ja keiner.”

“In der Odyssee singt auch keiner, die werden gesungen.”

“Machen wir halt den Stummfilm, da sparen wir uns die Dialoge.”

“Sag bloß, Fritz Lang hat ausgerechnet die Odyssee als Film ausgelassen?”

“In echt schon. Bei Godard hat er wenigstens so getan.”

“Das ist die Lösung: Wir tun bloß so.”

“Dazu müsste man schon Fritz Lang sein.”

“Irgendwas ist ja immer.”

“Du willst nicht wirklich ein Drehbuch ohne Dialoge schreiben. Wie soll das gehen? ‘Odysseus steigt vom Berge Sinai herab und tut so, als ob er Sein oder Nichtsein aufsagt. Dann tut er so, als ob er sich von Kriemhild verabschiedet, um auf der Bounty das Goldene Vlies zu erbeuten’ …”

“… ‘Statt dessen bleibt er aber in Auerbachs Keller hängen und tauscht den Einen Ring gegen ein Tischlein-deck-Dich”, ganz recht.”

“Jedenfalls tut er so. Das werden mindestens sechs Stunden.”

“Heute hat man sowieso eher Fernsehserien zum Binge-Gucken.”

“Braucht eigentlich jede Folge einen eigenen Konflikt?”

“Nicht, wenn du genügend Cliffhanger baust. Immer einen zur nächsten, und yippi.”

“Nein, keine Scripted Reality mit Werbeunterbrechungen.”

“Hätten wir auch noch nie gescriptet, so eine Reality …”

“Man trifft ja selten reale Leute.”

“Realität ist überschätzt. Die haben bloß irgendwelche romantischen Schwärmer Ende des Achtzehnten in die Literatur reingezerrt.”

“Für ein Drehbuch reicht aber heute kein einzelner Quotenneger mehr.”

“Nehmen wir halt Inder. Da gibt’s immer bloß einen einzigen pro Film, und die haben sich nicht so wegen dem Blackfacing.”

“Copperfacing? Noch nicht. Die lernen ja schnell, die Inder.”

“Am besten, du schickst eine arbeitslose lesbische Jüdin im Rollstuhl gegen einen alleinerziehenden Pädophilen aus Eritrea los.”

“Dann brauch ich die sechs Stunden erste Staffel schon für die Exposition.”

“Irgendwas ist ja immer.”

Die Hölle, das sind immer die gleichen

In der Gegend, wo Münchens letzte paar ernstzunehmenden Antiquariate die letzten Erbmassen Altpapiers verhökern, macht eine unschlagbar treffende Wandverzierung auch noch ein Drittel Göttliche Komödie überflüssig:

München, Maxvorstadt, Türkenstraße, Die Hölle macht keinen Spaß

Das ist natürlich der Teil Inferno auf den Punkt gebracht. Bei der Location und der Typographie hätte sich sogar noch Gustave Doré seinen großmächtigen Zyklus von Illustrationen sparen können.

Wenn der Meister seinen 750. Geburtstag hinter sich hat, sucht man endlich nach einer anständigen Dante-Ausgabe, und dann das. Kein Wunder, dass es die Antiquariate so dahinrafft.

Bild: Hauseinfahrt Türkenstraße, selbergemacht und gemeinfrei gegeben, 25. Juni 2015.

Nymphenlüster

So geht Kronleuchter: Bei 70 Zentimeter Durchmesser 40 Kilo schwer vor lauter Bernstein — der nach langer Suche von Idar-Obersteiner Experten in Madagaskar aufgetrieben werden musste, weil die gleiche Transluzidität mit gleicher Maserung in den Alpen schon vor hundert Jahren alle war.

Kronleuchter Schloss Nymphenburg, Chinesisches Lackkabinett

So groß kommen einem die 70 Zentimeter gar nicht vor, obwohl das Chinesische Lackkabinett, in dem das Modul hängt, gar nicht so viel größer ist — aber vollgepflastert mit lauter noch viel unscheinbarerem Teuerkram aus Koromandellack. War auch Zeit für die Restaurierung: Nebenan in der Amalienburg grasen schon die Hasen.

Tympanon Amalienburg

Buidln: Oiwei wieder sejwergmacht und gmoafrei, wann dabeisteht, wo’s her is, des bassd dann scho.

Der Schreiber fürs Leben

Heute gelernt: Wenn sie Kolbenfüller heißen, kann man die Tinte direkt reindrehen, wie man’s bei Onkel Dagobert und Dickens-Verfilmungen gelernt hat, und muss sich nicht mit den widerlichen Plastikverschleißteilen namens Konverter innerhalb eines Geräts herumschlagen, das zwei Monatsverdienste kostet. In einem früheren Leben hat mir meine Frau Mutter, deren Tage der HErr, der über uns wohnt, mehren und schirmen soll, einen goldgefiederten Waterman geschenkt, und wenn man Tinte drin haben will, was macht man da? Schraubt den Konverter (was konvertiert der eigentlich? Tinte rein, Tinte raus, da konvertiert sich überhaupt gar nix) raus und versaut sich die Wolfspfoten. Bin mal im gehobenen Schreibwarenhandel, ein Pelikan Souverän M 400 darf’s ruhig sein. Deutsche Wertarbeit, und die Erbin hat was zum Erben. Montblanc ist so vermessen, außerdem schreiben die sich aus lauter Corporate Spelling seit der Steinzeit falsch. Soll ich Geha-Patronen mitbringen?

Du bist nicht bei mir, aber ich bin nicht allein (Everybody Now)

Hooters EP Cover 5x5, 2010Na bitte, geht doch: Kaum probiert man nach wenigen Jahrzehnten glückloser Versuche mit dem Bayerischen Rundfunk einen anderen Sender, schon arbeitet man die Nacht durch wie nix. Fürs Protokoll: In den frühen Donnerstagmorgenstunden (15. Juli 2010 gegen halb vier) erreichte das zweite deutsche Lied der Hooters eine breitere Öffentlichkeit, jedenfalls potenziell breiter, als am 7. Mai in die Rundsporthallte von Waiblingen gepasst haben.

Sie erinnern sich an Johnny B. und ihren Auftritt, als Roger Waters 1990 glaubte, The Wall als Kasperltheater aufführen zu müssen. Sie erinnern sich ans letzte Mal, als Sie einen Engländer Deutsch reden hörten und sich ständig verbeißen mussten, ihm verbessernd ins Wort zu fallen. Sie erinnern sich, dass Sie’s gelassen haben, weil er ein wirklich klasse Typ war, mit dem man das nicht machen kann, die Qualität kam eben woanders her als aus seinem korrekten Deutsch; Ihr Schulenglisch war auch nicht besser, als Sie Ihren ersten englischen Liedtext geschrieben haben, und die Hooters haben sogar noch eine halbe Strophe Mozartsolo drin, und das machen sie den meisten German Native Speakers vor. Und Sie erinnern sich, dass man Sauflieder beispielsweise der Toten Hosen viel besser mitpfeifen kann. Und das ist die Hooters-EP wert. Das .mp3 ist so gratis wie legal.

Leider reimt sich nur der Rhein, die Isar auf überhaupt gar nix. Typisch Bayerischer Rundfunk.

Die Welt der Online-Shops

Ein Online-Shop hat bereits fertige Produkte, man kann sie anschauen, vergrößern und Preise vergleichen, ein Klick führt in den Warenkorb. Wir selbst sind begeisterte Shopper bei Books oder Amazon – und haben Verständnis, dass es so herrlich bequem ist. Nicht ohne Grund hat Amazon beträchtliche Umsatzsteigerungen hinlegen können.

Nicht ganz so bequem ist es beim Einkauf von Dienstleistungen. Ein Designbüro ist leider (noch) kein Online-Shop mit fertigen Produkten, liebe Leser. Wir würden Ihnen auch gerne im Vorfeld auf den Zuruf eines einzelnen Stichworts wie "Broschüre!" reflexhaft Preise nennen und Sie in unseren Warenkorb führen, aber es geht seriöserweise nicht. Noch nicht. Wir wissen ja nicht einmal, wie viele Seiten Ihre Broschüre haben soll, ob Illustrationen oder beispielsweise Fotos aus einem extra dafür angesetzten und von uns gesteuerten und eingekauften Shooting drin sein sollen oder Stockarchivfotos (ebenfalls Fremdeinkauf, aber ganz anderes Preisniveau) usw.

Wir werden uns aber bemühen:

Es wird demnächst einen Warenkorb geben (wie es Online-Druckereien machen), da können Sie anklicken:

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Gestaltung Broschüre, 8s
Text- und Bildkonzeption
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Leistungen:

2 Entwürfe frei, 2 Korrekturdurchläufe frei, 1 Schlusslektorat, davon 1 druckfertiges Layout auf Indesign, 4c/4c, CMYK-Daten, geschlossene Daten, PDF mit Preflight:

… xx,xx EUR

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Gestaltung Broschüre, 12s
Text- und Bildkonzeption
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Leistungen:

2 Entwürfe frei, 2 Korrekturdurchläufe frei, 1 Schlusslektorat, davon 1
druckfertiges Layout auf Indesign, 4c/4c, CMYK-Daten, geschlossene
Daten, PDF mit Preflight:


… xx,xx EUR

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Gestaltung Broschüre, 16s
Text- und Bildkonzeption
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Leistungen:

2 Entwürfe frei, 2 Korrekturdurchläufe frei, 1 Schlusslektorat, davon 1
druckfertiges Layout auf Indesign, 4c/4c, CMYK-Daten, geschlossene
Daten, PDF mit Preflight:


… xx,xx EUR

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Gestaltung Broschüre, 20s
Text- und Bildkonzeption
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Leistungen:

2 Entwürfe frei, 2 Korrekturdurchläufe frei, 1 Schlusslektorat, davon 1
druckfertiges Layout auf Indesign, 4c/4c, CMYK-Daten, geschlossene
Daten, PDF mit Preflight:


… xx,xx EUR


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Wie wir das Problem lösen, dass sich solche Warenkörbe nur unsere liebe und teuere Konkurrenz anschaut (und Sie gar nicht, weil Ihnen die ganzen Fachkürzel unverständlich und lästig sind)…, da sind wir noch dran.

Versprochen.
the missing link – Wir lösen Probleme.

Und jetzt einen kleinen Film, viel Spaß und schönes WE schon mal:


Hey, ist doch nur Silvester

Der Jahresrückblick 2007 nebst guter Vorsätze für 2008:

Selten ist das einzelne Wort banal: auch in der Musik trotzt der einzelne Ton dem Verschleiß.

Theodor Wiesengrund Adorno: Minima Moralia, 1945/1951

Bevor ich’s vergesse: Mein Lieblingsspam der Weihnachtswoche war:

Zu Weihnachten nicht das Richtige bekom-
men? Dann gönnen Sie sich bei dem eBay
PowerSeller elektro-plus das Bosch
Akkuschrauber IXO III Set mit Winkel- und
Drehmomentaufsatz für nur 57,99 €!

Der Lieblingsbetreff des Gesamtjahres war:

Man lebt nur einmal! Probier’s aus!

Was ab Samstag anders wird:

  • Wir werden sehr viel mehr alte Musik hören. Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil es einen Grund haben wird, dass man sich an Lieder von verkratzten LPs lieber erinnert als an Gratisdateien von Myspace-Avantgardisten ("Artist has not enabled downloads for this song"), ja dass man sie überhaupt so liebevoll verkratzt hat. Gut, The Nancy Sikes! (Anspieltipp: O Ruby) und SoKo (Anspieltipp: I Will Never Love You More) waren echte Entdeckungen, rechtfertigen aber immer noch nicht den Zeitaufwand, in dem man ein vollständiges Telemann-Oratorium durchhören kann.
  • Wir werden teurer. Nicht, weil Fußballer ja auch noch ein paar Kröten fuchzig für ihr Hobby rauskriegen oder weil irgendwelche deutschen Manager bei ihrer "Leistung" im internationalen Vergleich mit einem Stundenlohn von 6500 Euro so heillos hartz-4-gedumpt sind, sondern weil genau unsere Leistung genau den Preis wert sein wird, den wir verlangen. Genauer gesagt, werden wir damit preiswerter.
  • Wir werden mehr rauchen. Wenn ab 2009 Zigaretten als harte Drogen mit allen Konsequenzen eingestuft werden, kann man endlich mal was richtig Verbotenes machen, ohne gleich Gefahr für Leib und Leben zu fürchten.
  • Wir werden mehr auf die Katze hören. Ihre Beschwerden häufen sich schon.

Im übrigen raten wir, sich emotional nicht so sehr in den Jahreswechsel zu hängen. Ist doch nicht Ihr erster, und auch Ihre Erfahrung lehrt, dass Sie drei von vier guten Neujahrsvorsätzen sowieso bis Dreikönig vergessen haben.

Sinn und Sinnlichkeit

100_0102_gdeckterkleiner

Eine Antwort an Christof Hintze zu Chancen Optionen Stärken Möglichkeiten
(manueller Trackback…)

Eine reine Welt der guten, angenehmen Emotionen…

Gerade hat hier im Hinterhof jemand einen uralten italienischen Schlager aufgedreht. Hach war das herrlich.
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Ich habe mich ein bisschen mit der Whitelist beschäftigt und dem
Kerngedanken daraus, dass die Menschen sich sowieso nie rein rational
entscheiden, weder zu einem neuen Tafel-Service noch zu einem neuen
Dienstleister. D*accord, schonschon.

Der gedankliche Fehler, der sich da eingeschlichen haben könnte, ist,
dass das Gegenteil von "rational" eben genau nicht nicht "emotional"
ist, sondern "irrational". Ich würde "emotional" also nicht so als
Gegensatz aufbauen (damit wird es entwertet und in Richtung irrational
getrieben), sondern als wunderbaren zweiten Verstand, der immer dazu
gehört.

Rational und emotional gehen perfekt zusammen, sie sind keine anderen Welten.
Hirnforscher wissen das.

Und wenn man das auf ein Empfehlungssystem überträgt, muss man wissen,
dass die reine Ratio (auch sie eine Fiktion, gibt es die reine Ratio?)
immer die sozial-psychologische Komponente sucht, ja dringend braucht.

Und ab da haben alle Systeme, die auf virtuellem Gebiet installiert
sind, einen horrenden Nachteil: Man kann sich nicht riechen (merken Sie
was?), man kann sich nicht spüren, man kann keine unsichtbaren, aber
genau die wichtigen Signale aussenden.

Daher ist für mich ein Netzwerkgedanke, der umfassender ist als ein
reines Brauggsdu-Kriggsdu- Abchecken, immer besser im real life
angesiedelt. Im Internet ist eben genau die wunderbare
Gefühlsverstand-Komponente ausgeknipst = alle wunderbaren weiteren
Kanäle, um sich zu verständigen, fehlen. Der Rechner bietet einem
umfassend gepolten Verstand, der viele Antennen hat und viel wahrnimmt
(einem Gefühlsverständigen), überhaupt nichts. Nur Bilder (die nicht
echt sein müssen und oft genug auch falsch sind), nur Texte, bei denen
es oft schwer ist, die ganzen Inhaltsebenen einzuordnen, die sie
anbieten. Der Gebrauch von emoticons ist im Netz nicht spießig, sondern
weise, weil man sich auf nur rein textlicher Ebene extrem missverstehen
kann, wie wir alle sicher schon erfahren durften. Es fehlen Betonungen,
Akzente, ein Lippenkräuseln, ein Blick von der Seite. Da fehlt alles.

Daher ist für mich das Internet nur ein rudimentäres und sehr fehlerhaftes Mittel zur Akquise. Um die geht es doch. Im Internet findet nur da erfolgreich Akquise statt, wo die Leistungen
klar und einfach beschreibbar sind. Ergo sind sie dann auch
vergleichbar. Und wo vergleichbare Leistungen angeboten werden,
herrscht ein reiner Preismarkt und der Untergang der Idee.

Das, worauf Sie raus wollen, dem Kunden die Qualität der Idee
herauszustellen, wichtiger als stupide technische Umsetzung, und sie
als wichtigen Grundstein Ihrer eigene Arbeit anzubieten (was ich gut
finde), geht im Netz daher… schlecht.

Nutzen Sie für Ihre eigene Sache mehr Wahrnehmungskanäle als das dröge
Internet und machen Sie… Seminare, Events. Denn Sie sind keine
Schraubenfabrik und verkaufen keine Schrauben.

Und zwar keine dieser trockenen Powerpointvorlesungen oder dieser
unglaublichen IHK-Seminare (I know), sondern mit Schmackes und
Aha-Effekt. Ich bin sicher, Sie haben es drauf. Mit den Leuten, die
jetzt schon von Ihnen begeistert sind, ein Netzwerk halten und weiter
ausbauen.

Eine, die nicht mehr im XING ist…

Hokus Pokus Viribus

Viral ist die Zauberidee ( und sprichst du nur das Zauberwort…), wenn das Budget schmal ist und man trotzdem Bekanntheit möchte. Denn es verkörpert auf geniale Weise, wie Internet funktioniert: Der gelangweilte Lebens- und Büroslacker hüpft freiwillig drauf und amüsiert sich prächtigst zu Tode und erzählt das auch noch von selber weiter (der Depp als Viruswirt…).

Leider erzählen irgendwelche komischen Web 2.0 Unternehmensb(e)rater-Gurus, die sich als Freud-Epigonen wähnen, in Wirklichkeit aber aus der Ecke Informatik kommen, absoluten Kommunikations-Blödsinn: Witzig sei nur, was als Tabubruch daher käme. Und KMU fallen darauf herein. Nur weil Papa Freud mal erzählt hat, dass ein wirklich guter Witz nur dann ein echter Knaller ist, wenn er ein Tabu berührt.

Logisch: Wir lachen am meisten über das, was uns weh tut. Witze über Schwiegermütter und über Chefs lehren uns das.

Die sogenannte logische Umkehrung aber, dass alles, was ein Tabu bricht, automatisch dann auch witzig sei *zurücklehn*, ist ein Fehlschluss. Der nur aus der Mathematiker- und Informatik-Ecke kommen kann. Rührt euch, wenn ihr Mumm habt, ihr lebensfremden Kommunikationsversager! *french kiss aber auch*.

In Wirklichkeit ist Humor aber immer ein zweischneidiges Schwert. Man muss sich fragen: Funktioniert auch der Witz sozial? Passt er fürs social web? Oder halte nur ich ihn für witzig, weil ich gern primitive und unkorrekte Witze höre? Und das ist viel komplexer als eine mathematische Gleichung, die in ihrer Welt der emotionslosen Zahlen immer und komplikationslos als simple Umkehrung funktoniert: a = b, also ist b = a. True = true;  false = false.  Oder für die Fans des Pythagoras:

a² + b² = c². Also ist  

Wunderbar.

Nur: Wenn ich Tabus wie Porn, Sex, Inzest, Betrug oder den Furz zum Inhalt meiner viralen Spots nehme, ist der dann auch wie die Umkehrung der mathematischen Gleichung auch gleichzeitig immer witzig? Eine Witzischkeitsgarantie?

Nä. Auf dieses Idee, diese schmale logic fuzzi Brett, können echt nur Mathematiker und Ingenieure kommen, oddr? Falls Werber (Berufskommunikatoren, hach) drauf kommen, dann sind sie entweder windelweiche Ja-Sager oder blöd in der Birne und haben ihren Beruf verfehlt. Weil sie Ihre Kohle wollen und kaum fragen: “Zahlt das auch auf Ihre Marke ein?”

http://www.werbeblogger.de/2007/06/19/pariser-duft/
http://www.werbeblogger.de/2007/05/16/happy-fathers-day/
http://the-missinglink.blogs.com/logisches/2007/06/westaflex-is-ov.html
http://www.werbeblogger.de/2007/03/18/jvm-weis-genau-was-hinten-raus-kommt/

OK, jetzt habe ich es mir mit Ingenieuren und Mathematikern komplett verdorben. Dabei war ich sehr gut in Mathe und eine meiner besten Freundinnen im Gym ist Mathematikerin geworden. Ich liebe Mathematiker! Und Bach. Manchmal, wenn von Glenn Gould gespielt. Aber das war auch nur so ein furzender Verrückter… Und wenn der Web 2.0 Käse vorüber ist, wird es darüber ein fettes Buch von T. C. Boyle geben wie damals das “Grün ist die Hoffnung” (World’s End.  New York: Viking, 1987.) und “Willkommen in Melville” (The Road to Wellville.  New York: Viking, 1993). Eine Glosse über inkompetente Ernährungsgurus und windige Geschäftemacher.

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Fetter Rat an Kosten sparen wollende KMU: Holt euch Leute, die wirklich was vom Witz verstehen, Informatik-Professoren und Web 2.0 Gurus sind es jedenfalls nicht, die den Tabubruch wie Porn, Splatter, Vergasung zur heiligen Kuh erheben wollen. Informatiker haben null Humor und begreifen als soziale Autisten absolut nicht und nie mehr in diesem Leben, warum nur Harald Schmidt und Polen Polenwitze machen dürfen. Und Web 2.0 Gurus haben nur ihr eigenes Beratergeld im Kopf. Ihnen ist es wurscht, ob Sie sich blamiert haben. Logisch mal  wieder: Es ist nicht ihr Geld, sie stehen nicht in der Verantwortung.

Zweiter fetter Rat an KMU:

Bester Humor ist: Selfirony. State of the Art, wie Engländer und englisch schnackende Länder wissen. Nichts ist dumpfer und peinlicher als deutscher schenkelklopfender Anal-Humor. Nichts ist sympathischer als souveräne Selbstironie wie in einer Anzeige der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte:

Was sagt ein Blinder wenn man ihm Schleifpapier gibt?

“Verflucht, ist das aber klein geschrieben!”

.° .; : .: °: .; .; :: ;.. ‘

 

Don’t you ever tube again!

Update zu Ich bin zu alt für diese Dinge:

Wer unautorisiert den Namen einer bedeutenden darstellenden Künstlerin erwähnt (Kinn und Initialen wie Hannelore Kohl), muss schon lange teuer dafür bezahlen. Endlich gewinnt die Regelung an Konsequenz: Keine Youtube-Videos mehr, keine Bilder, die jemand anders urgehoben hat, keine Verlinkungen ohne vorherige Anmeldung und nachherige Bezahlung – wobei natürlich zwischen Lizenz, Nutzungsrecht, Rights Management und noch ein paar anderen Mechanismen zur Wahrung künstlerischer Rechte unterschieden werden muss. Nur noch Selbstgedrehte – nicht Zigaretten, die sind fast noch verbotener – sondern Videos, außer sie stehen auf Youtube, Google Video oder Sevenload. Was ein anständiger Anwalt ist, der plädiert dann nämlich auf gleich zwei Delikte: die Bereitstellung in den genannten Plattformen und dann auch noch die Verwendung. Das ist auch gut so, denn Kunst ist kein nachwachsender Rohstoff.

Wo das steht? Sag ich nicht, ich will doch keine Urheber schädigen. Der grafische Kollege Sven K. erklärt aber, wie man sich solche Gesetzgebung zunutze machen kann; der scheint’s zu haben und erlaubt ausdrücklich, dass man auf ihn verweist. Wörter, die schon im Duden stehen, sind hoffentlich lizenzfrei (zur Nutzung freigegeben verlangt ja schon niemand mehr), sonst steh ich vor lauter Urheberschutz vor dem Nichts.

Kapern mit Erlaubnis des Urhebers

Kreative Langeweile 12

Also, damals in der Agentur haben wir noch Kaffee genommen. Heute hat ja alles einen Zweitnutzen, einen USP und was nicht noch alles. Muss ja auch. Die galoppierende Verzwonullung ist nur mit einer anständigen Dosis EGAAL durchzuhalten.

Kein Zufall, sondern offenbar Selbsthilfe: dass der gleiche Laden ein Produkt namens Langweilig in zwölfter Folge herausgibt.

War die Rede von Zweitnutzen? Auch in diesem Eintrag: the missing link, Ihre Lieblingsagentur für umsatzsteigernde Werbemaßnahmen, empfiehlt weiterhin aufwühlende Musik.

Wie man wirklich zu kreativen Ideen kommt

Wer kennt das nicht: Alles über das zu Be_werbende ist auf dem hart erarbeiteten Arbeitspapier niedergeschrieben. Man liest die Schlüsselwörter immer wieder, die als relevant und notwendig erarbeitet wurden, und wiederholt sie wie ein Mantra. Man weiß in- und auswendig, wie das Unternehmen, das Produkt ist, oder die Dienstleistung, welche es gilt, möglichst intelligent, außergewöhnlich und natürlich auf kreative Weise bekannt zu machen. Man weiß, was man eigentlich aussagen sollte und muss das nur in eine möglichst kreative Botschaft packen.

Alles da.
Nur: es kommt nichts. Keine einzige Idee, niente, Mattscheibe.

Werfen Sie Ihr komisches Gebetsmühlenpapier weg. Ja, tun Sie es. Manche haben ein solches breitangelegtes Mantra-Papier lediglich im Kopf. Das ist aber noch schlimmer, denn das Gehirn rattert dann nur noch in diesen Kreis-Bahnen.

So, weggeschmissen, eliminiert, aus der Gehirnschale ausradiert? Gut.
Jetzt verrat’ ich Ihnen, warum das nichts werden konnte: Es waren zu viele Dinge auf einmal, stimmt’s? Geben Sie es zu, Sie Vielfalts-Fan.
Alles sollte rein in die Broschüre, auf die Website. Jeder nur mögliche Kunde sollte sich irgendwo angesprochen fühlen. Worte wie Qualität, Kompetenz, Service mussten auch noch vermittelt werden und dann eben auch als Worte rein. Sind doch schön kurz, nicht. Zusatz-Angebote, weitere Qualifikationen, man muss doch alles irgendwo reinpacken.

Muss man?

Kleiner, optischer Aufmerksamkeits-Test:

Schauen Sie, was passiert, wenn Sie 2 Gegenstände, die 30 cm voneinander entfernt liegen, gleichzeitig und gleichwertig genau sehen wollen. Nicht wie hier auf einem kleinen Gif-Bildchen – schummeln Sie nicht: auf den Tisch mit: links einem Füller, rechts einem Klebestick!

Was nehmen Sie wahr.

Blind

Genau. Sie können so nie zwei Gegenstände gleichzeitig wahrnehmen. Sehen Sie, es geht nicht. Und nicht nur beim Sehen ist das so, auch beim Denken. Genauso beim Ideenkreieren, genauso geht es Ihrem Kunden in seiner Wahrnehmung, wenn er es versucht (falls er reizüberflutet es dennoch versuchen sollte, was er nicht wird), Ihr verschwommenes und überladenes Angebot zu verstehen.

Die Lösung für wirklich kreative Ideenfindung:
Werden Sie single-minded! Konzentrieren Sie sich auf nur einen Sachverhalt, den Sie erzählen wollen. Nur so kann sich eine kreative Idee daran entzünden. Sobald Sie rückfällig werden (das werden sie, denn Sie sind noch ungläubig, ich sehe es) und dieses dazu noch erzählen wollen und jenes, dann werden Sie merken, dass sich Ihre kreative Ideenkraft wieder verflüchtigen wird.

Das ist das Geheimnis von den Grundlagen sauberer, schlüssiger und wirklich kreativer Kreation. Von mir in jahrelanger Berufserfahrung immer und immer wieder erprobt und erlebt. Wer also eine Agentur sucht, die ihm echte zündende Ideen liefern soll, sollte

1. dringend darauf schauen, wie intensiv und exakt sie Singlemindedness im Re-Brief, in der Analyse und im Profil anstrebt (das klingt sehr leicht, ist aber das Schwerste, fast ZEN, und dieser Aufwand kann nicht nichts kosten) und prüfen

2. wie frei sie andererseits wieder von einengenden geistigen Konventionen und Barrieren sich anschließend benimmt: eine wirklich kreative Agentur ist da geistig sehr lebendig und überschreitet gerne die üblichen Grenzen von Konvention, von Denkgewohnheiten und manchmal auch von absoluten Denk-Tabus. Stufe 1 kann sie dabei leider nie auslassen, sonst kann sie nicht frei denken. Bedenken Sie: Wer an alles gleichwertig denken muss, der kommt auf keine kreative Lösung. Keiner, auch nicht der kreativste Topchecker von Wieden & Kennedy oder JvM. Wer das nicht glauben will, muss fühlen: wird an viel durchschnittlich schlechte und deshalb an dienernde & dackelnde Agenturen ("…könna mea Ehana ois mocha…") money for nothing ausgeben. Eine gute Agentur erkennt man daran, dass sie gelegentlich widerspricht, dem Kunden nicht in allem nach dem Munde redet..

Wer wirklich eine zündende Idee will, statt nette nichtssagende Gardinchen hinhängen an austauschbare Allerweltswände seiner kommunikativen Architektur: Welcome! So arbeiten wir: vor dem Vergnügen der Ideenfindung die harte Arbeit des Destillierens.

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