Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Schlagwort: Klimawandel

Traueranzeige

Käthchen, du dummer kleiner Fisch

Der Kater bloggt.

 

Du musst schnell leben; der Tod kommt früh. James Dean

 

17. April 2020, Todeszeitpunkt 18:00 Uhr. Käthchen, der aus dem Winterteich gerettete kleine Überbleibsel-Fisch des 21 Fisch-starken Schwarms Bitterlinge, ist nicht mehr.

Muss gestern am frühen Abend aus ihrer extra hergerichteten 4-Liter-Bowl Quarantäne gesprungen sein, obwohl die mit einem Gitter bedeckt war.

Hab’ das kleine Fischmädchen nirgendwo mehr gefunden. Die Abdeckung war noch fest drauf. Vermute einen der anderen Kater, der sie dann auf dem Boden zappelnd gefunden und gefressen hat …

 

Armes Käthchen. Hat als eigentliches Gruppentier den ganzen Winter so einsam leben müssen und dann das.

 

Schwimm in Peace, kleines Fischmädchen. Du kleiner Survivor, du hast es verdient!

 

 

 

Die Welt geht unter, doch man geht einkaufen wie verrückt.

Und trennt Glas bis zum Schluss. Aus unserem Zyklus “Hidden Heroes”

Der Kater bloggt.

 

Und ist die Zeit gekommen, wo die Welt, um sich zu erneuern, sich vertilgt, da wird sich dies alles durch seine eigenen Kräfte zunichte machen; Gestirne werden gegen Gestirne prallen, und alles, was jetzt in bester Ordnung sein Licht ausstrahlt, wird bei dem allgemeinen Weltenbrande eine einzige Feuermasse bilden.

Seneca

 

Wir haben im Februar einen sau-seltsamen Sturm. Der nicht normal ist. Eher apokalyptisch unnormal.

Stürme haben im Februar kalt und nass zu sein. Doch dieser Sturm ist es nicht. Er ist superwarm. Das ist ein Sommersturm. Im kalten Februar.

Trotz Überhitzungs-Apokalypse durch warme Stürme und Meeresspiegelanstieg trotz Deichbruch will der Mensch bis zum Schluss des Hitzetods noch seine feinen Schnäppchen haben. Glaubt mit gezieltem Konsum die Welt zu retten. In Wirklichkeit macht er shopping gone wild wie eine frustrierte alleinstehende Lady inklusive Gewissensberuhigung. Und haut einen druff im Fasching.

So blöd und so komisch, so wahr. Lachend und weinend in den Untergang.*

 

Gruß
Der Kater

*Ich bin die Katze, ich gehe da nicht mit!  (Frei nach einer von Kipplings Geschichten)

 

 

Thüringen et alii –
Farbmischungen unserer Zeit:
RotRotGrün ergibt helles undefinierbares Grau.

Immerhin: Besser als Hellbraun.

Der Kater bloggt. Es bleibt ihm auch nix anneres übrig.

Man kann den einzelnen Menschen betrachten

a) als kleinen Mann,

b) als Helden und

c) als Rädchen einer Maschine.

Der erste Weg führt zur altmodischen Demokratie, der zweite Weg zum Faschismus, der dritte Weg zum Kommunismus.

Bertrand Russell

 

Heute nacht tobt der Sturm.

Ich bin nachts auf, weil ich noch einen Kunden fertig machen will und bin langsam müde. Für eine kleine Pause doch noch mal in den urbanen Hof zum Luftschnappen.

Aaaaahh!

Im diesem Hinterhof sträubt sich die Winterschutzplane des Rittersporn-Topfes ins Nirgendwo. Seine Plastik-Schutzfolie aus Polypropylen PP ist schon lange hinten beim Fischteich. Der Rest ist werweißwo. Die Fische, die ich aus ihrem Designer-Miniteich ins Büro-Winterquartier gerettet habe, sind jedoch wohlauf, da im Zimmer. Sie jagen in meinem Büro die hoffnungsvoll hineingestreuten Artemia-Eier. Hubert, der stämmige aber kurze Vize und Teil-Papa der 20-köpfigen Bitterling-Fischschule wurde vermutlich von einem meiner halbwilden Kater gefressen. Der längliche Staller als der jetzt einzige Große ist still alive.

War grade um 5 Uhr draußen. Die Luft im Hinterhof ist warm wie 70er-Jahre-romantisches Badewetter im Sommer. Die 10 Schneeglöckchen, die mein Enkel draußen gepflanzt hat sind seit Tagen grün und blühen jetzt weiß mit spektakulären Blüten.

Keinen interessierts.

Der Atem des Winters ist auffallend heiß.

 

Es ist der 10. Februar 2020.

 

Kurzer Gedanke, dass das der Vorbote der versprochenen Apokalypse sein könnte.

Womöglich ist das aber ein ganz normaler Sturm.
Womöglich auch nicht.

 

Gruß
Der Kater

Passt gut auf euch auf.

 

Weihnachten, der Enkel, Amazon und das Klima – ausgerechnet das Fest der Liebe macht den Planeten kaputt.

Der Kater bloggt nu wieder.

 

Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen. Blaise Pascal

 

Um es als Oma-Kater kurz zu machen: Weihnachten ist alles andere als klimaneutral. Es ist sogar einer der größten Klimatreiber im Jahresverlauf.

Die menschlich und klima-technisch heiklen Problemstellungen:

 

Besuche zu Weihnachten

Ganz arg CO2-heikel. Auch mit der Bahn zigzeug CO2-Fußdapper. Alternativ zu noch entfernterer Verwandtschaft mit dem Auto oder dem Fliegzeug: Will ich jetzt gar nicht ausrechnen. Zu viel jedenfalls.

 

Essen zu Weihnachten

Auch CO2-heikel. Es wird gekocht oder ins Restaurant gegangen, was das Zeug hält. Zu viel, zu gut, zu viel Fleisch. Dazu ehrgeizige Aufwände über die bescheidene selbst erstellte Alltagspizza hinaus. Selbst vegane Ideen wie Begnadigte Ente oder Austernpilze in Rieslingschäumchen oder so was, egal. Was für ein Käse. Warum diesen blödsinnigen Aufwand, wenn man im Januar wieder alles herunterhungern muss.

Und warum überhaupt dieser komische übertriebene, finanzielle Luxus zu Weihnachten.

Weil ein kleiner Bub frischgeboren in einem Stall schlief, weil keiner seine armen fremden Eltern in die Herberge aufnahm? Dann sind zu dieser Zeit die fette, stundenlang gebratene Gans oder das 5-Sterne-Luxusessen im Restaurant enorm peinlich und unangemessern, ja skandalös. Ein Hirten-Gericht wie Stew oder Linsen mit-ohne Würstchen wären angemessener.

 

Geschenke zu Weihnachten

Ziemlich Co2-heikel, auf diese Art Liebe zu zeigen. Ratio versus das Zwischenmenschliche: Schenkt man nix und schlägt damit gottseidank auch keine CO2-heikle Geschenkpapierschlacht, weil man das so gegen den nixnutzigen Konsumrausch einvernehmlich vereinbart hat, kommt das sogar bei manchem Klimawandel-Bewussten eigenartig asozial rüber. Die uralte Konditionierung ruft.

In Zeiten, in denen jeder alles hat, in denen die Kinder übervolle Spielzimmer haben, ist es mit dieser Konditionierung trotzdem immer noch komisch, einfach dann “nix !” zu schenken.

Kriegt man selbst nix geschenkt: auch komisch, obwohl man das ausdrücklich so gewollt hat.

 

Einkaufen für Weihnachten

Ziemlich Traffic-heikel. Man hat die Wahl: Entweder ab August so langsam zu den einschlägigen Münchner Geschäften fahren und herumrennen. Oder Amazon, oder Tausendkind etc. samt DHL nehmen: Der zusätzliche extra CO2 Ausstoß ist in allen Fällen nicht von Pappe.

Schenkt man als kluge Menschen einander stattdessen Zeit statt Zoich: Eigentlich löblich. Oft muss man dazu aber wieder herumfahren, um sich zu treffen. CO2-Alert wiederum. Siehe der Punkt Besuche.

 

Basteln für Weihnachten

Ausnahmsweise nicht heikel. Selbst basteln und noch besser basteln mit dem Kind wäre angesagt. Zeit und Zoich.

 

Das Klima

Weigert sich voraussichtlich erneut, ausgerechnet am Fest der Liebe zu schneien. Da seit Jahrzehnten zu warm. Leute, das Klima weigert sich plötzlich, zu euren Vorstellungen zu passen!

Irgendwas läuft schief, finde den Fehler. Tipp: es könnten diese heiklen, ziemlich schräg konditionierten zwischenmenschlichen Dinge sein und auch das konditionierte Missverständnis, was Liebe ist. Das heizt unsre Erde auf. Der Österreicher würde sagen: Is ois a bisserl Ding. Wir können nicht mehr so weitermachen. Ding hin, Ding her. Unser konsumistischer und auseinandergerissener Ding-Lebensstil steht zum ersten Mal wirklich auf dem Prüfstand.

 

 

© 2020 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑