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Schlagwort: Ostern

Todesfalle Ostsee, eine moderne Fastenpredigt

Karfreitag – Fisch auf den Teller?

Ein wunderschönes, majestätisches Tier kämpft im Schlick festgeklebt um sein Leben. Es gelangte – vermutlich Fischmangel-bedingt – von der Nordsee in die Ostsee auf der Suche nach Futter (Krill, Makrelen, Heringe) und hat sich dann in die Todesfalle der vielen Stellnetze verheddert. Sein nahender Tod, sein tagelanges unnötiges Leiden, das keinen kaltlässt, löst in der Karwoche ein Gefühl der unüberwindlich scheinenden Ohnmacht aus.

Er ist ein Weckruf, die Überfischung und diesen Leiden erzeugenden Weg des Fischfangs weltweit aufzugeben

Sinnloses Leiden durch Plastiknetze (Bild: https://www.instagram.com/whalesorg_de/)

Wahrlich, ich sage euch: Was ihr meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.

 

Des Wals Leiden hat keinen Sinn. Die Netze sind menschenverursachte Tierquälerei und eine Schande.

Kein Leiden hat je irgendeinen Sinn. Und: Der junge, in den sozialen Medien beweinte Buckelwal ist nicht der einzige der leidet: Wie viele hunderttausende Wale und Delphine weltweit ist er ein hilfloses Opfer von viel zu vielen Stell-, Treibnetzen und https://www.peta.de/themen/geisternetze  (absichtlich oder hängengebliebene zurückgelassene Netze) der Menschen, von bedrohlicher industrieller Überfischung durch Riesentrawler. Und von zu wenigen Schutzzonen.

 

Religiöse Essvorschriften und bürgerliche Ernährungslügen

Als Kind musste ich regelmäßig Fisch essen (gesund! Karfreitag!). Wenn man ehrlich ist, sind nur wenige Sorten wirklich schmackhaft. Auch: Omega 3 und Jodbedarf kann man längst über Algen decken.

 

Als Verbraucher ist man beides gleichzeitig: hilflos – und mächtig

Einfach. Nicht. Kaufen. Nicht den industriellen Fischfang fördern.

Es reicht nicht, passiv auf ein Osterwunder zu hoffen, kindlich greinend von einer Regenbogenbrücke zu schwätzen, wo das arme Tier drüber soll (das auch noch!, viel zu anstrengend), kitschig-naive Herzchen zu pappen, sonstigen Unsinn zu teilen –  und dann weiterzumachen wir bisher.

Man muss leider – ganz undemütig, ja zornig – seinen Hintern hochkriegen. Und aufhören, unkritisch ach so gesunden Fisch zu kaufen und zu essen. Auch Milch. Die macht im Gegensatz zur verlogenen Werbung eben nicht munter, das ist eine Lüge, sondern müde (Kasein- und Tryptophan-haltig). Der menschliche Konsum fördert nur das Leiden von Kuh und Kälbchen.

Den Hintern hochkriegen und was gegen Stell- und Geisternetze tun. Wal Hope wird das leider nicht mehr erleben.

 

Sorry

Sorry ihr Priester, die ihr zu Ostern immer so erbaulich von der Kanzel über Hoffnung und Osterwunder predigt. Sorry, ihr Lebensmittel-Marketer (moderne Lügner).

 

 

 

Karfreitag im Garten

Der Abgrund und die Hoffnung

Die eigene Nachfahrin schippert in der Karwoche mit Familie gen Lissabon. In der Irischen See das Auge eines Orkans, der sich auf Portugal zubewegt und nicht so aussieht, als würde es sich am Ostersonntag oben mit der Biskaya zufriedengeben.

Im Garten die Blütenexplosion. Krähen versuchen, sich eins der schwarzen halbflüggen Amselbabies zu krallen.

Mit dem Wasserschlauch hinterher, gerettet. Verscheucht. Wissend, dass Krähen sich das lange merken, gern einem beim nächsten Draußenaufenthalt einen Kamikaze-Flug bereiten.

Vermisse das schwarze Eichhörnchen immer noch. Schmerzlich.

 

 

In der Osternacht

Hannah, der tote Fisch

 

In der Osternacht gegen 1:00

Ein Fischlein – auf der Jagd nach kleinen Mücken an der Wasseroberfläche – schoss hoch in die Luft und plumpste mit Effet aus seinem Aquarium. Ein Sturz aus immerhin ein Meter fuffzich.

Die Hausherrin schlief vor dem schlechten Osterprogramm längst ein und bekam die tierische Katastrophe nicht mit. Aber die Kater schon.

Die Racker hatten den Fund ihres Lebens, denn nach den Aquariumfischen trachteten sie jahrelang. Erfolglos, aber ständig.

Sie trugen das neun Zentimeter große Fischlein mit ihrem Maul in den Flur, bahrten es frustriert auf dem roten Teppich auf, nachdem es aufhörte zu zappeln und nicht mehr interessant für sie war. Der Fisch lag ohne Vitalitätszeichen auf dem Boden, sein Mäulchen schnappte nicht mehr, die Kiemen zugeklappt, die Kiemenflosse eng angelegt. Kein Mucks, nur unhöflich tapeziert mit Katerspeichel, Katzenstreu und roten Teppichfusseln.

So muss es ziemlich lange gelegen haben. Die Haut fing an zu trocknen.

Das öffentlich-rechtliche Osterprogramm wurde noch schlechter – ein fieser Blockbuster-Bumm, der der Hausherrin ins Ohr fuhr – und sie erwachte. Musste eh ins Bad.

Und sah den Fisch. Im Flur. Daneben beide Kater links und rechts davon, die sie hoffnungsvoll mit den Nachtaugen der Kobolde anblickten. Oh!

Ach du liebe Güte, ein toter Fisch. Wie damals Käthchen. Die aus ihrem abgedeckten Quarantänebecken sprang. Wie sie das schaffte, ist heute noch ein Rätsel. Käthchen war danach unauffindbar und man ging davon aus, dass die Kater sie gefressen hatten.

Die Hausherrin betrachtete den hübschen unbewegten Fisch lange und traurig, dann fasste sie einen vorwärtsgewandten und praktischen Gedanken: Anständig beerdigen, aber vorher müssen die Streu und die Fusseln weg!

Sie legte ihn behutsam und ohne seine silberne Haut zu verletzen auf ein frisches Cleenex, ließ Wasser in ein Gefäß laufen. Den Fisch hinein. Fusseln und Streu klebten hartnäckig und es waren weitere Bäder notwendig. Türe der Küche zu und Deckel mit Luftloch fest auf das Gefäß. Wegen der Kater, nicht dass sie nochmals zuschlugen.

Am Tag wird der gesäuberte Fisch beerdigt neben einer schönen Blume. Möge er bis dahin noch einen ungestörten würdevollen, artgerechten Aufenthalt in klarem Wasser haben. Statt verschmutzt herumzuliegen. Oder ins Klo gespült zu werden.

Totenruhe

Um fünf erwachte die Hausherrin erneut. Irgendein Kater rumorte stark in der Katzenkiste, bohrte am Kistenboden mit seinen Schabe-Krallen nach Öl bis China. Der angeborene leichte Schlaf von Müttern, die nachts wachsam sein müssen. Ging in die Küche für einen Schluck schlaffördernde Milch und blickte aufs Gefäß.

Der tote Fisch schwamm!

Und gründelte aktiv nach unten, suchte Futter in diesem puren Wasser. In dem nichts war außer Wasser und Fisch. Vor Freudenschreck ließ sie den Milch-Tetrapak fallen.

Sie betrachte das Osterwunder lange und nachdenklich.

Schließlich fasste sie sich ein Herz und ließ das Fischlein zu den anderen. Plitsch! Weg war es. Bei seinem Schwarm und beim Futter, das sie jeden Tag auf den Aquariumboden gab. Nachdem sie nochmals prüfte, ob alles am Fisch in Ordnung war, Augen, Kiemen, Flossen, Haut, nichts war verletzt. Vorher taufte sie das Fischlein Hannah, denn es war ein Weibchen.

Sie hätte es auch Lazarina taufen können. Schließlich war es auferstanden und wieder am Leben.

Man muss aufpassen, auf welcher Party man diese Geschichte erzählt. Sonst gilt man noch als verrückt. Aber es hat sich so zugetragen.

In der Osternacht.

 

Hier wie dort

Blutige Ostern

Der Kater bloggt.

Und der zweite Engel goss aus seine Schale ins Meer; und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben. (Neues Testament. Die Offenbarung des Johannes (Offb 16,3)

Blutig I


Bild: Deutsches Tierschutzbüro

Blutig II

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/%D0%9D%D0%B0_%D0%A5%D0%B5%D1%80%D1%81%D0%BE%D0%BD%D1%89%D0%B8%D0%BD%D1%96_%D1%83%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%97%D0%BD%D1%81%D1%8C%D0%BA%D1%96_%D0%B7%D0%B0%D1%85%D0%B8%D1%81%D0%BD%D0%B8%D0%BA%D0%B8_%D1%83%D1%81%D0%BF%D1%96%D1%88%D0%BD%D0%BE_%D0%B2%D1%96%D0%B4%D0%B1%D0%B8%D0%BB%D0%B8_%D0%B0%D1%82%D0%B0%D0%BA%D1%83_%D0%B2%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%B3%D0%B0_%D1%82%D0%B0_%D0%B7%D0%B0%D1%85%D0%BE%D0%BF%D0%B8%D0%BB%D0%B8_%D1%82%D1%80%D0%BE%D1%84%D0%B5%D1%97_03.jpg?uselang=de
(Wikipedia Commons. Urheber: armyinform.com.ua)

Eigentlich wollte ich etwas Nettes schreiben über den Frühling und Bilder zeigen, wie es im Hinterhof grünt und blüht. Salweide, Forsythie, Tulpen, Blausterne, alles will ans Licht.

Heuer ist mir der Spaß daran vergangen, ich hoffe man versteht. Wie kann man hier so tun, als wenn alles easy ist und beispielsweise fürs hohe Mahl Lämmchen töten (so was von nicht mehr in Ordnung), wenn nur 900 km weiter die Menschen kein Ostern haben werden. Aber gar keins.

Entweder weil sie schon tot sind oder weil sie ums Überleben kämpfen. Meine Gedanken sind bei den Menschen in Mariupol. Sie sind auch bei denen in Odessa und überall, wo schreiendes Unrecht geschieht oder geschehen ist, in Bucha oder in Borodjanka.

Gruß

Der Kater

 

 

Die Wettervorhersage des Katers Mor: Ostern wirds frisch, Leute!

Dazu eine kleine Hasimation, eins zwei:

Osterhasi

Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich.

Und weitere christliche Segenswünsche:

Wenn die Schokolade keimt,
wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
„Glockenklingen“ sich auf
„Lenzes Schwingen“ endlich reimt,
und der Osterhase hinten auch schon presst,
dann kommt bald das Osterfest

Joachim Ringelnatz

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