UPDATE:

http://blogs.faz.net/stuetzen/2014/12/05/sushi-sex-und-sittlichkeit-4771/#comment-106965

[…]” Und das regelmäßig auf so plumpe Weise, dass ich mich schon deshalb nicht mehr von der Argumentation angesprochen fühle. Jeder hat doch (im “Normalfall”) seinen natürlichen, sehr sensiblen, körperlichen Schutzbereich, in den er niemanden eindringen lassen will, dem er nicht vertraut oder den er nicht mag. Wenn ich mich nun als Mann in die Situation versetze, ich solle auch nur eine Frau küssen, für die ich nichts empfinde oder von der ich mich nicht angesprochen fühle, dann stellen sich bei mir alle Nackenhaare hoch.”[…]

[…]“Auch wenn der vollsatte Mitteleuropäer sich das in seiner selbstgefälligen Ausbeuter-Pose gerne so zurecht legt. I don’t buy it.”- […]”(Und btw: alle Herren, die hier so großspurig für das natürliche Recht auf unterworfene Frauen plädieren und das auch schön elitär zu rechtfertigen wissen, können das Berufsbild beim nächsten Gespräch über Zukunftspläne ja mal ihren Töchtern als spätere Nebenverdienstmöglichkeit nahelegen – ist ein völlig normaler Beruf.. jaja…). “[..]

Fakename, dein Kommentar ist der erste von allen, den ich da hundertprozentig unterschreibe.

Den vor ThorHa, dem Adler, ein wenig. Doch, auch. Sam The Eagle, vielen Dank für deine Integrität. Ich habe dich anfangs nicht recht gemocht, dann aber fast liebgewonnen. Naja, bis auf deine Jubelperser-Geschichten darüber, dass es den Leuten heute besser gehe als früher. Die ich dir nur deswegen nachsehe, weil du als Aufsteiger und Kämpfer es ja nicht anders sehen kannst. (Bin einen Tacken weiter im Lebenslauf, habe deine Überlegungen und Läufe – auch als Projektmanager – schon alle hinter mir …)

Fakename, der erste Feinfühlige in dem sich zur Ego-Schau liberalistisch gebärdendem Fanclub, der diese romantische, überverbildet-verkleisterte, im Grunde gar nicht feinfühlige, eher verkopfte Attitüde der ToulouseLautrec Fans und liberalistischen Idealisten als bloße Attitüde, als Pose erkennt, die nichts mit dem echten Leben und der Realität von Frauen und Männern zu tun hat.

Danke.

-/-

Eine Tochter ist für einen Vater ein beunruhigender Schatz. Aus Besorgnis für sie findet er nachts keinen Schlaf: Solange sie klein ist, daß sie nicht verführt werde; wenn sie erwachsen ist, daß sie nicht verhure; wenn sie mannbar ist, daß sie nicht sitzenbleibe; wenn sie alt ist, daß sie nicht Zauberei treibe.
– Babylonischer Talmud

 

“Die Wahrheit ist keine Hure, die sich Denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr Alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß seyn darf.” – Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung

 

Es ist ja nicht so, dass ich Feuilleton ungern lese.

Doch zunehmend unwillig, wenn ich, besonders in der FAZ der unerträglichen Altenbockums, liberal gesonnene Schreib-Herrschaften lesen muss, die es hervorragend schaffen, im Text liberal, im Subtext aber reaktionär zu existieren.

Reaktionäre weltfremde, jeder beinharten Wirklichkeit enthobene Feuilleton-Schwurbler des liberal-abgehobenen Elfenbeinturms, die schmerzhaft heuchlerisch sind, indem sie angeblich liberal – wie es gute Sitte sei – alle Seiten beleuchteten, angeblich doch nach allen Seiten austeilten (also bitte, was habe man denn, es sei doch nett und gerecht, was wolle man denn), und sich im Schwurbel unangreifbar geben.

Gehobene Existenz, gehobene Feuilleton-Trollerey.

 

Zur Sache:

Es ist ja in Ordnung, dass man, wenn andere Magazine manipulativ wie sie seien als Vorzeige-Opfer zum Ausschlachten Ex-Prostituierte auffahren würden, die erschreckende Lebensberichte ablieferten, auch um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen der anderen Seite eine Stimme gibt.

Aber da beginnt das Problem. 1. 2. 3.

1.
Die Seite der Damen, die “es” angeblich gerne machen und kein Problem damit haben, weil sie in ihrer kleinen Welt leben und denken, es sei doch nur ein kleiner Austausch von Geld gegen Körpersaft versus körperliche Nähe, alles mit Niveau. Wo sei das Problem, wir sind doch modern und müssen leben und leben lassen.

Die Dame und das Problem heißt Strohfigur und hat Interessen.

Merkwürdigerweise sind in den Medien die eifrigsten Damen dieser Couleur bis jetzt entweder deutlich erkennbar Lobbyisten von knallhart kommerziellen Sexindustrie-Interessen. Die jetzt zu Recht befürchten, das Gesetz würde verschärft oder gar Freier unter Strafe gestellt. Dagegen müsse man ja was tun, so als damit Geld verdienende Industrie.

2.
Oder fast noch ärgerlicher, da für Normal-TV-Zuschauer weniger durchschaubar: Diese Protagonistinnen in einschlägigen Talk-Shows von Jauch bis Illner sind fast ausschließlich weibliche Kleinselbständige mit eigenen Räumen, die eh schon länger andere Damen für sich laufen lassen und die ihre eigenen Körperöffnungen schon länger nicht mehr selbst zur Verfügung stellen. Diesen Sachverhalt in Diskussionen, Feuilletons und Talkshows aber sauber nach hinten stellen oder gar verschweigen (früher als Puffmutter bezeichnet, das ist jedoch nicht mehr modern, das heißt heute Powerfrau). Oder es sind Dominas mit eigenem Dominastudio.

In der Jahrtausende alten Prostitution geht es leider eher nicht um Sex. Es geht um Macht. Macht über einen anderen Körper, sonst wird die Nudel nicht steif.

Da lässt es sich gut und gerne länger aushalten in dem Rotlicht-Geschäft, weil da dann das Machtgefälle Mann-Frau und Frau-Frau entweder als Arbeitgeberin oder als Domina sich zugunsten der eigenen Person auswirkt. Und ein gewisser Macht-Ausgleich da ist.

3.
Ein weiteres Problem heißt Altmänner-Edel-Phantasie, auf zwei Beinen. Und kommt recht selten vor. Im Unterschied zur Imagination von Männern, die es aber so gerne hätten, dass es viele davon gäbe, zur Selbstverteidigung. “Sie hat doch auch ihren Spaß gehabt, sie tut es, weil sie mich mag.” (Die Welt als Wille und Vorstellung)

Diese weitere Spezies, die besonders gerne das edle Feuilleton, edlerer Herkunft als die vermuffte und “verstaubte” “Emma” zumindest, aus der Versenkung ausgräbt, sind jetzt die edleren gehobenen Mädchen oder Damen, diese “Belles de jour”.

Die Belles der geheimen Altmänner-Phantasien. Die das doch “zum Spaß” machten.

In Wirklichkeit aber haben sie ein schwaches Selbstwertgefühl, da sie wie Despina augenscheinlich ein Helfersyndrom haben. In der Regel beides. Und sind eher ein Fall für den Therapeuten. Weil es ihnen entweder gefalle, “ihm” gut zu tun oder – wenn es ihnen nicht ganz so gut gefalle, nur ein bisschen – sie es als in sich gutartige “Sex-Arbeit” verklären und verkaufen, Arbeit machen andere ja auch. Arbeit ist gutt!

Der oder die am Band würde ja, wenn man es genau betrachtet schlimmer geknechtet, müsse sich notfalls eventuell sogar mehr gefallen lassen als bei der Sexarbeit mit Freiern mit Niveau. Wo ist Unterschidd? Unterschied zur Sex-Arbeit? Keiner, oder gar besser. Da sei doch dann Sexarbeit besser!

Herrlicher Zirkelschluss einiger gehobener fallen angels.

Diese Damen mit klangvollen Namen wie Despina, die mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem einer Co-Abhängigen oder ein Helfersyndrom hat, also eine Nutte mit Helfersyndrom ist, wenn sie sich im Zuge der Sexdienstleistung überheblich als therapeutisch Wirkende sieht. Und deutlich jung ist und entweder noch nicht lange im Geschäft. Diese “Sexarbeiterinnen” schaffen es, aus welchen Gründen auch immer (weil sie selbst seltenerweise zum gehobenen Mittelstand gehören), sich fast ausschließlich die ebenfalls zahlenmäßig etwas selteneren Freier aus ihren höheren Kreisen zu angeln.

Dann kann es eine Zeitlang gut laufen, warum auch immer.

Was ich extrem scheinheilig und mindest genauso doppelmoralig wie diese hysterischen Amokläufer finde: So zu tun, als ob jene gehobenen Klassismus-Mittelstands- oder gar Hochstandstöchterlein, und um solche handelt es sich im Feuilleton seltsamerweise ausschließlich (auch im Krautreporter “berichtet” eine dieser im Rotlicht seltenen Pflanzen ganz sensibel über die “armen” notleidenden Männer, denen sie als “Therapeutin” doch so guttun würde) in einer angeblich anti-heuchlerischen Anti-Anti-Prostitionsdebatte ein Forum als implizites “pars pro toto” zu geben.

Ein Forum, in dem sich nur wenige Frauen wie z. B. Donna L.s herumtreiben, die bei jedem etwas körperbetonteren Sachverhalt unverzüglich in ein versch***enes verklemmtes Hüsteln ausbrechen und in Kleinbuchstaben anzüglich schwätzend verdeckt austeilend herumschwadronieren. Sieht so die Wirklichkeit von Frauen aus, dass sie es nötig haben, sofort dann in unklare verdeckte Sprache auszubrechen, sobald es nicht um Spitzendeckchen geht. Arme idiotische Welt.

Abgesehen von dieser sich betulich gehoben gebenden, einen ärgerlich machenden, weiblichen Existenzform, ein von zufälliger Laufkundschaft unbekannter Provenienz abgesehen, auffällig Altmänner-Stammleser-dominiertes Forum, das ärgerlicherweise suggeriert, das mit diesen netten Sexarbeiterinnen wäre doch eher die Wirklichkeit der Frauen. Und suggeriert, nur der gegen die Käuflichkeit des weiblichen Körpers heuchlerische “Amok laufende” Spießbürger wäre der Anmaßende, seine eigene heuchlerische Moral über alle zu stellen und die Gesellschaft damit beglücken zu wollen.

Doch was ist mit den liberalen, doch ach so unspießigen Feuilleton-Beglückern, die sich ebenfalls anmaßen, die Wirklichkeit und die “richtige” Freiheits-Philosophie für sich gepachtet zu haben, indem sie ihre Altmänner-Phantasien zur “Belle de jour” libertinär verteidigen?

Werden da nicht doch auch nur Popanze der Extreme oder gar Strohfrauen aufgefahren gegen die anderen Popanze der Extreme (die anderen Strohfrauen, die geschändeten Naturen, über die die Emma manipulativ-genüsslich berichte)?

Solange eine solche Diskussion nur immer nur extreme Popanze auffährt, bin ich ganz entspannt. Man hat nicht einmal zur Hälfte die Wahrheit durchdrungen. Auf beiden Seiten. Heuchler alle!

Wer sich “der Wahrheit” nähern will, muss erst mal akzeptieren, dass es mehrere Wahrheiten gibt. Meistens sind solche Wahrheiten Wille und Vorstellung. Keiner darf da über den andern urteilen, er sei spießiger als er selbst.

Besitzer einer Wahrheit der vielen Wahrheiten zur Prostitution sind beispielsweise Trauma-Therapeuten, die Ex-Prostitutierte behandeln müssen auf dem Weg zur Zurück-Menschwerdung. Ihnen sollte man zuhören.

Oh Feuilleton, wie spießig und heuchlerisch im libertären Gewande, wie triste biste.

 

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Ich werde hier zeitsparenderweise, ich muss im echten Leben arbeiten, keine Pro-Prostitutions-Kläffer und keine Anti-Prostitutions-Kläffer und auch keine Feuilletonisten, die in ihrem Leben noch nichts Gescheites gearbeitet haben, freischalten. Therapeuten und Betroffene, Angehörige gerne. Anonymität zugesichert.

(Woran ich die alle erkennen und unterscheiden kann? Keine Angst, es geht. Mit ein wenig Sprach-Analyse sind die entsprechenden Vertreter erkannt, besser als die IPs zu studieren. Ich erkenne heuchlerische Sprach-Codes besser als jeder Spamfilter.)