Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Monat: Dezember 2021

Wie oft (xunz Neis)

“Wenn wir heuer irgendwas gelernt haben …”, fange ich an.

“Haben wir nicht”, meint Vroni.

“Hätte aber sein können”, wende ich ein.

“Was hast du zuletzt gelernt?”

“Na, dass die Österreicher irgendwas richtig machen.”

“Und die Katzen!”

“Das lernt man nicht”, sag ich, “das liegt seit dem Holozän auf der Hand.”

“Auf der Pfote”, verbessert Vroni.

“Vor allem auf der Pfote der österreichischen Katzen.”

“Und das mit den Österreichern willst du heuer gelernt haben? Bei den Inzidenzen?”

“Muss gegen Ende der Siebziger gewesen sein”, sag ich. “Schon länger vor heuer gelernt.”

“Sag ich doch”, meint Vroni.

Dann halten wir uns gefälligst dran. Gesundes Neues mitsammen.

A Gschicht zum verzähln: Anti Cornettos: Korsakov Syndrom,
aus: Dohuggandedeoiweidohuggan, 2014:

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag

——— Erich Kästner:

Der Dezember

aus: Die 13 Monate, 1955:

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
“Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.”

Soundtrack: Bergweihnacht, Amiga, DDR 1983:

Staying Home for Christmas

Update zum Verhalten im Weihnachtsfall vor zehn Jahren:

Ein Paket mit den Ausmaßen von 120 cm x 60 cm x 60 cm bis 31,5 kg kostet auf dem Stand von Weihnachten 2021 gerade mal 16,49 Euro Porto. Das ist die Hälfte von einem Bayernticket, mit dem Sie Ihre eigene werte Person zu einer Familienweihnachtsfeier verfrachten müssten. Und dafür kriegen Sie 63 Kilo Altpapier los, wenn Sie’s als Weiterreichen Ihrer Bücherschätze ausgeben.

Wiegen Sie mehr als 63 Kilo? Dann wissen Sie ja, was Sie Weihnachten anfangen.

Soundtrack: George Harrison: My Sweet Lord, aus: All Things Must Pass, 1970, restauriert und mit taufrischem Video, 2021. Keine Ahnung, für wen das spricht, dass ich an den darin auftretenden Prominenzen gerade mal Weird Al Yankovic und Kate Micucci ungestützt erkannt hab:

Endlich enthüllt: Warum aus mir nichts geworden ist

Aus einer Kleinstadt zu stammen muss ein verbreitetes Schicksal sein; besteht Deutschland ja zur Hauptsache nicht aus seinen paar Metropolen, sondern aus der endlosen Steppe dazwischen, die im unbeholfenen Jargon der Eingeborenen (“Deutsch“) Provinz heißt.

Wenn man schon zwischen Stadtkindern und Landeiern unterscheiden muss, ist man als gebürtiger Kleinstädter in urbanen Umgebungen immer der einzige, der die Leute fragt, ob sie bei den Schützen oder bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, und auf dem Land der einzige, der seit Jahrzehnten mit keinem Luftgewehr mehr geschossen hat, nicht am Motorengeräusch erkennt, dass in sieben Minuten der Metzen-Willi seinen Birngeist vorfinden will, und in der Stube rückwärts über den schlafenden Hund stolpert.

“Kann man”, fragt Vroni, “kann man das nicht auch so sehen, dass man auf dem goldenen Mittelweg geboren ist und sein Leben lang aus the best of two worlds besteht?”

“Kann man schon”, sag ich.

“Wolfwolfwolf.”

Soundtrack: Lael Neale: For No One For Now,
aus: Acquainted with Night, 2021.
Das ist die mit dem Omnichord; siehe
ihre Würdigungen im Zündfunk und im Tagesspiegel:

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