Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Dekonstruiert (Seite 1 von 3)

Powerdichten

Dieses Gedicht wurde
       innerhalb dreißig Sekunden
              geschrieben. — Metateil Ende.

Sobald du aufhörst
       Gedichte zu schreiben
              kannst du nur

noch Fehler machen;
       das kommt, weil
              Fehler in der

Definition von Dichtung
       gleich mit drin
              sind. Nach dem

letzten Versuch hab
       ich online Günter
              Grass bestellt: das,

wo sich über
       zwanzig Dichter in
              Telgte treffen, um

zu überlegen, was
       man richtig machen
              könnte. Das war

1647: gegen Ende
       des Krieges. Zwei
              Tage später war

das Buch im
       Kasten: Irgendwas muss
              doch irgendwann funktionieren.

Soundtrack:

Noch erstaunter — und Schütz ein wenig erschrocken — waren alle im Hof, als Gelnhausen plötzlich und nachdem er sich schon dienstfertig zwischen das Gepäck des späten Gastes gestellt hatte, mit angenehmem Tenor aus den “Cantiones sacrae”, einem eher überkonfessionellen, deshalb bis in katholische Gegend verbreiteten Werk den Anfang der ersten Motette zu singen begann: “O bone, o dulcis, o benigne Jesu…”

Günter Grass: Das Treffen in Telgte, 1979,
Sammlung Luchterhand 1985, Seite 46.

Ponyhof

Das One-Trick-Pony im Ponyhof der Verdammten

Der Kater heint’ mit Chuzpe.

Was das ist?

Chuzpe: gesundes Mittelmaß aus Vorsicht und Angriffslust: ein ganzer Kerl mit Manieren, der weiß, wie man einen Volltrottel stilvoll zusammenfaltet. (Egert)

 

 

Das Tegernsee-One-Trick-Pony.

Mei, was haben wir es lieb.

Immer die gleichen Provo-Tricks: Ich: reich – ihr: nix!
Das regt sie alle auf.  (Hofft er.)

Orthografie kann er auch immer noch nicht, und Leistungsloses kriegt er schon sein Leben lang, der Häuptling ‘Silberner Löffel’.

 

Gruß
Der Kater,

der sich tierisch freut, immer noch kein WeLT-Abo zu haben. Dafür halt neda.

 

 

Dies irae - Tag des Zorns

A-B——–S-T-A-N-D !°

Der Kater bloggt.

 

Auch Besiegte faßt Wut bisweilen und Tapferkeit.
Tacitus

 

In the end, we will remember not the words of our enemies, but the silence of our friends.
Martin Luther King, Jr.

 

In politischen Kungel-Hinterzimmern wird jetzt schon überlegt, wann man den Seuchenpfuhl wieder aufmacht zwecks rechtzeitiger Sklaven-Bespargelung für die Besseren, die sich die frühen dicken deutschen Dinger leisten können (die andern müssen warten bis Mitte Mai auf die dürren schwer zu schälenden griechischen Dinger) – und österlicher Wiederauferstehung der Industrie. Halleluja. Die Lobbyisten schlafen nicht.

Die angeblich guten Zahlen, die eine Abflachung der Ansteckungsrate  suggerieren, sind erstens leider sowieso Makulatur. Und zweitens wird im Moment weniger getestet als noch vor Wochen. Also sind auch die getesteten Infektionen weniger. Was für Mathe-Genies überall.

 

Weil das noch nicht übel genug ist, wird die Bevölkerung leichtsinniger.

UND HÄLT DEN ABSTAND NICHT EIN.

Morbus Spahn. Oder was sind 2 Meter.

 

Die einen Paketboten klingeln und haben entweder Mundschutz (wow!), aber lassen ihn runterbaumeln – auf die Frage, warum sie ihn nicht hochziehen, sagen sie, sie könnten damit durch ihre Brille nix sehen.

Hä.

Die anderen Paketboten klingeln dich wegen eines ganz anderen Nachbarn raus und stellen sich viel zu dicht vor dich hin beim Tür öffnen.

Der Nachbar, der das Paket dann von dir holt, stellt sich ebenfalls zu dicht vor deine Tür und damit vor dich hin. Du öffnest dann und atmest dem seine ganzen Reden ein.

Der nächste Hausbewohner will nett zu dir sein und macht dir die schmale Hoftür auf. Um dem Folge leisten zu können, müsste man notgedrungen an ihm vorbei: mit 50 cm Distanz!

Leute, das geht so nicht.

Währenddessen kontrolliert die Polizei an diesem vorösterlichen Wochenende mit herrlichstem Wetter jeden Verstoß verzweifelter Erholungssuchender gegen den Abstand draußen am Flaucher. Scheucht sogar alte Herren auf, die sich nur kurz auf der Parkbank ausruhen wollten – und hier im Haus ist Gaga und Dada und Lustig, egal, is wurscht, mañana.

 

Masken könnten gehen.

Und die Zahl der Ansteckungen mildern allein durch Verringern der Virus Load. Aber nein, man sträubt sich und redet sie schlecht. Weil es nicht genug gibt. Warum gibt es nicht genug? Weil gepennt wurde, als es schon offensichtlich war (Spahn), weil das RKI gepennt hat und auch Drosten schlecht von Masken redete.

Das alles kann man sich gar nicht mehr ausdenken.

 

Es geht eh überhaupt nicht das alles:

Wegen einer kriminellen Vertuschung chinesischer Behörden im November und wegen fortgesetztem Ego eines Möchtegern-Kanzlers Bankkaufmanns, der einfach nur brutal gepennt hat, sitzen wir jetzt alle im häuslichen Gefängnis und sind genervt oder fürchten uns. Und müssen uns das Alles antun, diese Kabbeleien, diese hirnrissigen Krawall wollenden Talkshows mit 3 Virologen aus 6 Ländern, was an den Circus Maximus des Colosseums erinnert; dieses bekloppte Händewaschen, bis man keine Haut mehr hat, inklusive den bedauernswert wurstigen Paketboten anbellen müssen und den bedauernswert trotteligen Nachbarn blöd anreden müssen. Inklusive drohender Jobverlust inklusive Ansteckungsgefahr und großer Sorge um die Älteren in der Familie.

 

Wir haben das Alle gar nicht verdient.

Ich bin sehr wütend.

 

Wir sollten, sobald diese dampfende verreckte Granatenkacke vorbei ist, die Toten zählen, sie würdig beerdigen. Die Konsequenzen ziehen und unser oberstes Personal zur Rechenschaft ziehen und feuern. So wie jetzt zig Menschen hier oder in den USA gefeuert werden wegen nix und wieder nix ohne eigenes Verschulden.

Aber was passiert: Laut obskurer neuer Umfragen sei die Bevölkerung mit der Union wieder sehr zufrieden.

PR können sie. Wenn sie schon sonst nix können, das können sie. Leider kenne ich keinen, der mit der Regierung und ihrem unsäglichen Verhalten bezüglich Corona zufrieden ist. Warum spielt die Presse mit. Jede druckt die lobhudelnden Umfragen, keine hinterfragt sie.

 

Ein Requiem für die Demokratie.

Bild: “Mord im Haus” von Jakub Schikaneder

 

Gruß

Der Kater

Mir ist schwer nach ‘Dies irae’, Tag des Zorns in Mozarts Requiem in D Minor, K. 626 – 3. Sequentia: Dies irae

aber heute einmal Dies irae by

Dvořák

 

Dies irae (Thomas von Celano zugeschrieben)

Tag des Zornes, Tag der Sünden,
Wird das Weltall sich entzünden,
Wie Sibyll und David künden.

Welch ein Graus wird sein und Zagen,
Wenn der Richter kommt, mit Fragen
Streng zu prüfen alle Klagen!

Laut wird die Posaune klingen,
Durch der Erde Gräber dringen,
Alle hin zum Throne zwingen.

Schaudernd sehen Tod und Leben
Sich die Kreatur erheben,–
Rechenschaft dem Herrn zu geben.

Und ein Buch wird aufgeschlagen,
Treu darin ist eingetragen
Jede Schuld aus Erdentagen.

Sitzt der Richter dann zu richten,
Wird sich das Verborgne lichten;
Nichts kann vor der Strafe flüchten.

Weh! Was werd ich Armer sagen?
Welchen Anwalt mir erfragen,
Wenn Gerechte selbst verzagen?

König schrecklicher Gewalten,
Frei ist Deiner Gnade Schalten:
Gnadenquell, lass Gnade walten!

Milder Jesus, wollst erwägen,
Dass Du kamest meinetwegen,
Schleudre mir nicht Fluch entgegen.

Bist mich suchend müd gegangen,
Mir zum Heil am Kreuz gehangen,
Mög dies Mühn zum Ziel gelangen.

Richter Du gerechter Rache,
Nachsicht üb in meiner Sache
Eh ich zum Gericht erwache.

Seufzend steh ich schuldbefangen,
Schamrot glühen meine Wangen,
Lass mein Bitten Gnad erlangen.

Hast vergeben einst Marien,
Hast dem Schächer dann verziehen,
Hast auch Hoffnung mir verliehen.

Wenig gilt vor Dir mein Flehen;
Doch aus Gnade lass geschehen,
Dass ich mög der Höll entgehen.

Bei den Schafen gib mir Weide,
Von der Böcke Schar mich scheide,
Stell mich auf die rechte Seite.

Wird die Hölle ohne Schonung
Den Verdammten zur Belohnung,
Ruf mich zu der Sel’gen Wohnung.

Schuldgebeugt zu Dir ich schreie,
Tief zerknirscht in Herzensreue,
Sel’ges Ende mir verleihe.

Tag der Tränen, Tag der Wehen,
Da vom Grabe wird erstehen

Zum Gericht der Mensch voll Sünden;
Lass ihn, Gott, Erbarmen finden.

Milder Jesus, Herrscher Du,
Schenk den Toten ew’ge Ruh. Amen.

 

 

Coronavirus revisited. Oder als der Kater neu über den Kühlschrank nachdachte.

Kaminkehrer-Befall und die Kühlschrank-Chinchillas

Der Kater bloggt.

 

Frühling ist die schöne Jahreszeit, in der der Winterschlaf aufhört und die Frühjahrsmüdigkeit beginnt.

Emanuel Geibel

 

Der Frühblüher Winterling in unserem WEG-Garten unter frischem Schnee-Zylinderhut

Die Katerbrüder Murr und Merlin im Vorfrühling – zwecks der besseren Sichtbarkeit jeder mit seinem in China gefertigten Hunde-Leuchtband

 

Wie jedes Jahr im Frühling kommt bei uns als Frühlingsankünder nicht der schwarze Star mit seiner geperlten Brust – schön wär’s *mit den Zähnchen gierig klapper*. Nein, der Kaminkera. Mit Zylinder (diesmal echt wirklich mit). Der tirilliert gemeinhin neda.

(Transl.: Kaminkehrer). Im sehr frühem Frühjahr.

Wie jedes Jahr mögen wir Kater es nicht, wenn früh um sieben Stiefeltritte von Schwarzgekleideten durch die Wohnung klappern. Könnt sonst was sein, SS oder SEK, KPdSU oder KPCH. Suchen ein sehr! entferntes Körbchen auf.

Um so netter dann der endlich Erschienene. Blutjung und ein hübscher junger Mann, mit Zylinder auf und Handschlag (Corona-Alarm! aber bringt Glück) und aus Straubing aber um Elfe erst. Weil er – im Unterschied zu den vorigen Kamin-Schwarzkünstlern – die Eigenheit pflegte, anders als sie in den oberen Stockwerken anzufangen. Zwengs der Übersichtlichkeit, sagt er. Ein verhinderter Pilot vermutlich. Wir wohnen ganz unten.

Und warteten uns den Wolf. Die Öfen bullerten seit vier Stunden, weil sie zu diesem Behufe an sein müssen. Die Hitze in der Wohnung näherte sich Beduinen-Bedingungen. Die Öfen warteten so seit sieben ihrer Wartung.

Mit Zylinder auf kam er. Um elfe. Mei.

Das Katzvolk, mein Bruder also und ich, hat sich schwer versteckt. Das tut es immer, wenn Schwarzröcke die Wohnung stürmen. Sowas geht gar nicht.

Katz-Normalmodus. Ergebnis: Unser Schwedenkaminofen hat etwas zuviel ppm (Frauchen hat beim Schwedenofen vergessen, auch bei ihm die Druckluftdose ins Brennerbett zu halten, echt blöd). Dafür hatte der Niederländer die perfekten Werte. Bei dem hat sie’s gemacht, das verstehe wer will. Der Franzose steht am besten da, wird auch kaum beheizt. Der tut also eh nix, beißt net amal. Kunststück.

Der altgediente Vaillant-Durchlauferhitzer hatte das Problem, dass ihm seit Jahren der Wasserdurchflussknopf abgebrochen ist. Wolfemann ist verdächtig. Der hat immer zuviel Kraft.

Der abgebrochene Knopf war die Jahre aber nie ein Thema, Wasserdurchfluss so what. Diesmal hatte aber das Folgen in der Gehäuse-Wiederanbring-Physik.

Denn der zweite große Knopf weiter oben zum Flamme Einstellen war diesmal nur schlabberig anzubringen. Vorher hing er bombenfest. Alles, auch das Gehäuse hing nach der Kaminkera-Abhängung schräg und schlabberig herum. Shabby chic. Weil das Wasserdurchflussknöppi das Gehäuse nicht mehr fixierte. Sagte er. Weil er das komplette Gehäuse abgenommen und wieder draufgeknetet hat. Warum die Kaminkera immer das ganze Gehäuse abnehmen und erneut in die Führung reinschurigeln, versteht kein Kater nicht. Denn das Loch zum Messen ist im Ofenrohr weiter oben, hombres. Und genau da rein und nur da rein müssen die ihr teuer CO- und CO2-Messgerät halten.

Aber ich bin nur der Kater.

Jedenfalls hat Frauchen, als sie erfrischt nach des Kaminkeras Verschwinden am Flammenknopf rumdrehte, einen entscheidenden Fehler gemacht: Sie hielt ihn nicht fest. Den Knopf, nicht den Kaminkera.

So hüpfte das Chinateil mit einem dünnen Klirr auf die vermutlich ebenfalls in China gefertigten Villeroy & Boch-Teller und dann mit einem eleganten Schwung verächtlich hinter den China-Kühlschrank. Einfallswinkel istgleich Ausfallswinkel. Alles a bisserl Ding.

Das Billard-erprobte Frauchen konnte nur gelähmt zuschauen, aber nix machen. So schnell ging das.

Etzat ist der Flammenknopf unten hinterm Kühlschrank. Im Wollmaus- naja Chinchill-Staub vermutlich und macht ein sehr langes Sabattical.

 

Gruß
Der Kater

Ich komm auch nicht hintern Kühlschrank.
Bin beschäftigt, vorne die Tür aufzukriegen, hombre.

 

 

Moderne Gedanken eines Katers zu zwei großen Plagen unserer Zeit

Der Kater bloggt.

Die Katze gibt vor, zu schlafen, um desto klarer sehen zu können …
François-René de Chateaubriand (1768 – 1848), François-René, vicomte de Chateaubriand, französischer Schriftsteller der Frühromantik

 

1. Das ängstliche WIE-WIRKE-ICH-AUF-ANDERE
2. Das narzisstische ICH-ICH-ICH

Die Tiefenentspanntheit der Katze ist sprichwörtlich. Sie kann deswegen entspannt sein, weil sie bereits seit ihrer Geburt ein wunderbares Wesen ist. Und sich nicht ständig noch verbessern muss.

Sie ist gut und gut genug. Sie genügt sich, sie genügt anderen so wie sie ist. Ihre Ausstrahlungskraft kommt davon, dass sie nicht ständig wissen will, wie sie auf andere wirkt. Es ist ihr egal. Das ist ihr Geheimnis.

Kater Murr vor Baum

 

Anders der Mensch.

Ängstlich darauf bedacht, ob er alles richtig macht und wie er auf andere wirkt, damit er endlich geliebt wird, bringt er sich um zahlreiche Vergnügen. Und vergeudet seine Lebenszeit.

 

Die erste große moderne Plage ist daher diese Ich-Ängstlichkeit. Sie ist die verbreiteste Plage.

Einst in der Kindheit akribisch von den Eltern eingebläut bekommen (“Du kriegst erst dann ein Eis = Wir mögen dich erst dann wieder, wenn du tust was wir sagen = keine Kommafehler mehr im Aufsatz hast”).

Später hat sich das verselbständigt. Ängstlich darauf bedacht, ob sie alles richtig gemacht haben, wirken diese innen drin ungeliebten Kinder später im Leben blass, unentspannt, pingelig, besserwisserisch. Zuhause und im Job. Sie glauben, dass sie nur geliebt werden, wenn sie nur noch ein wenig geschickter und fleißiger wirken.

Mit dieser Konditionierung versehen, geraten sie in den Burn-out. Manche geraten in mehrere Burn-outs. Es ist es ihnen unmöglich, ein herrliches Leben wie die Katze zu führen. Die sich genau wie sie jetzt gerade ist geliebt fühlen darf.

Die Katze ist absolut nicht schlampig, sondern sogar perfekt in ihrem Job (Mäusejagd). Sie ist dabei so mühelos perfekt, dass sie es sich leisten kann, zuvor selbstvergessen mit der Maus zu spielen.

Ein Angstler wird vermutlich nie kapieren, wie es geht, selbstvergessen Katze zu sein und Mäuse dennoch das Fürchten zu lehren. Stur, dumpf arbeitet er sich mit seinem Angst-getriebenen WIE-WIRKE-ICH-AUF-ANDERE in den Burn-out.

 

Die zweite große Plage ist der hochmütige Narzissmuss.

Das ist eher die Verformung der Männer. Als Kind wurden sie 30 mal am Tag übertrieben für alles Mögliche gepriesen. Später als Erwachsene sind solche Egozentriker in hochmütigem, selbstverliebtem ICH-ICH-ICH 24 Stunden am Tag von sich super überzeugt. Sehen auf andere herunter und gehen der Welt auf den Keks.

 

Eine Katze ist nie ängstlich auf ihre Wirkung bedacht, sie ist aber auch nicht narzisstisch.

Denn sie sieht nie auf andere herab. Allerdings auch nicht auf andere hinauf. Sie geht seit Geburt ordentlich und ohne großen Lob-Rummel um ihre Person auf ihr Klo und respektiert die Maus. Denn: Eine Maus kann durchaus empfindlich zurückbeißen.

Um großzügig zusammenzufassen, als Kater will man ja keine längliche Doktorarbeit verfassen mit pedantischen Fußnötchen hier und perfektionistischen Einlassungen und Definitionen dort:

 

Die meisten Menschtiere leiden heute entweder unter der um sich selbst kreisenden Angst oder an der hochmütigen ICH-ICH-ICH-Krankheit.

So werden Sie nie Katze.

 

Gruß
der Kater

Im nächsten Beitrag in einer Woche verrate ich Ihnen, wie man dieses ängstliche um sich selbst Kreisen los wird. Denn ich mache jetzt mal Schluss mit Schreiben. Für meine ausgiebige Fellpflege und um danach sehr lange Nickerchen zu machen. Es ist mir egal, ob das jetzt unvollständig oder phlegmatisch oder irgendwie negativ auf Sie wirkt. Es ist mir egal, wie schnell Sie die Auflösung wollen. Wegen Ihnen mache ich mir jetzt keinen Stress, ciaoi. Sie kommen schon, wetten.

 

Für die Perfektionisten, die genauer wissen wollen was neurotischer Perfektionissimus ist. Wie Faust in Auge quasi: der Bonelli

 

 

KI, Moderne Intelligenz und Hiob

Der Kater bloggt mal wieder.
Vorwarnung: Nachweihnachtlicher Blues, weil der Frühling noch nicht da ist. Auf Deutsch: Scheißlaune.

 

Der Gescheitere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.

Marie von Ebner-Eschenbach

 

KI

KI, was für ein Wort.

Künstliche Intelligenz also, weil die Menschheit mit ihrer schwachen Intelligenz weder einfache Tätigkeiten (Akten entklammern, Berliner Flughafen endlich fertigbauen) noch komplexere Überlegungen packt (Pullover mit Motiv stricken).

Sie packen auch den Klimawandel emotional und rational nicht und werden es nicht. Denn er liegt über Pullover mit Motiv stricken. Zum Verständnis des Klimakrise fällt ihnen merkwürdigerweise nicht der Einsatz der Künstlichen Intelligenz ein.

 

KI, also dann, die wird gehypt. Hm. Gut.

Der Kater glaubt nicht, dass die Fremdintelligenz ein Gewinn wird.

 

Er ist sich andersherum sicher, dass die KI zur Kontrolle eingesetzt werden wird. Und nicht zur Verbesserung des Lebens.

https://www.stern.de/p/plus/kolumnen/die-optimierte-menschheit—warum-ki-nicht-gluecklich-macht-9087770.html

 

 

Gruß

Der Kater

Mümmelt grad an einem “Winzer”-Glühwein. Reste von Weihnachten.

 

Heiligabend ist: La Storia. Vor 2000 Jahren und jetzt – es hat sich nichts verändert.

Es bloggt der Kater

I have always looked on disobedience toward the oppressive as the only way to use the miracle of having been born. Oriana Fallaci († 2006)

 

Das Kind nackt, nur im Stroh, und dessen Eltern fern der Heimat ohne anständige Herberge. Was immer euer Pfarrer heut Nacht von der Kanzel predigt (bei uns ist es der Pfarrer Schießler, der nach der Christmette nachts mal Dominosteine verteilte, nett): Es ist nicht süß, es ist nicht romantisch und es ist nicht stimmungsvoll mit Lichtern.

Es ist furchtbar.

Keine der in den Kirchen aufgebauten semi-kitschigen Krippen bringt das rüber. Es ist bei diesen religiösen Aufstellungen alles malerisch, sauber, putzig, hübsch und tierlieb.

So ist es aber nicht.

Nein, auch kein abgekämpfter Zeltcamper kann mitreden, der halt mal eine Woche – was ist eine Woche –  in Regen und Matsch zeltete oder an einer irischen Bucht tagelang nach beißenden Mücken schlug. Es ist Märchenschloss dagegen.

 

Wer immer das Buch La Storia als Hobby-Italiener oder als Nichtitaliener von Elsa Morante kennt, der liest darin mit wachsender Verzweiflung,  welche inneren und äußeren Verheerungen Kriege, das Chaos und die Unmenschlichkeit für Mütter und Kinder anrichten (um das zu vervollständigen: für Soldaten natürlich genauso).

Dieses ihr berühmtestes Buch ist politisch und literarisch umstritten. La Storia stieß z. B. auf scharfe Kritik linker Rezensenten, die sich mit seinen strengen anti-Establishment-Themen auseinandersetzten, obwohl sympathischere Rezensenten sagten, es verkörpere “das ideale literarische Werk” der Desillusionierung Mitte des 20. Jahrhunderts. (Quelle: aus dem englischen Wikipedia)

Hab dieses Buch vor 16 Jahren gelesen mit Tränen in den Augen.

(Zur Zeit lese ich Celines Reise ans Ende der Nacht)

Mit wachsender Verzweiflung geht seit 2015 mein aktueller Blick gen Jemen oder zu den Lagern auf Lesbos, in denen vom Krieg traumatisierte Kinder (sie wollen sich nur noch umbringen, schlagen mit Kopf gegen die Wände und mehr) in verheerenden Zuständen leben müssen. Wer immer von: “die EU muss” oder von “Griechenland verschleppt Anträge” oder von “da sind eh nur zu 80 % junge, potenziell gewalttätige Männer” oder von “die Kinder werden doch nur Familiennachzug nach sich ziehen” redet, der ist vielleicht als Realpolitiker und staatlich im Recht – vielleicht auch nicht, der sollte sich zu welcher Fraktion er oder sie immer gehört, diesen Film einfach nur aus purer Menschlichkeit anschauen um nicht als Mensch zu scheitern. Und dann neu urteilen. Und: Parteien mit dem “C” im Logo sind mir ein Rätsel: Seid endlich Menschen! Ein Habeck ist euch Pfeffersäcken menschlich weit voraus, der Populismus-Vorwurf gegen ihn ist schnöde und billig.

Unfassbar.

 

Ich wünsche euch einen stimmungsvollen Heiligabend ohne Streit. Vergesst die Ärmsten nicht.

Der Kater

Lektüren:

 

Zeitverschwendungen. Manchmal reicht es einfach.

Der Kater bloggt mal wieder.

 

Argwöhnisch wacht der Mensch über alles, was ihm gehört. Nur die Zeit lässt er sich stehlen, am meisten vom Fernsehen.

Linus Pauling

 

Mega-üble Zeitverschwendungen: Fernsehen? … Internet!

  1. Ab und zu auf Twitter wirr polarisierende rechte Blogger plus ebenso wirr erscheinende Postings über sie zu lesen. https://taz.de/Blogger-der-Welt-Don-Alphonso/!5641160/ Mannmannmann, da wars Fernsehen mit dem Internationalen Frühschoppen mit 5 Journalisten aus 10 Ländern richtig goldig. Höfer: ‚Mir scheint, daß die Herren befreundet sind? Gut, dann streiten Sie weiter!‘
  2.  Von gleicher fragwürdiger Qualität: Im Internetz bestellte Amazon- und Zalando (iieh!-schrei vor Schmerz)-Päckchen annehmen für Leute, die einen im Hof nicht einmal grüßen.
  3.  Im Internet Erklärungen zu suchen für Dinge, die man gar nicht verbockt hat. Key: Klimawandel. Weder Auto gefahren, noch wie ein Wilder Fleisch gefressen und 20° + geheizt, noch Kreuzfahrten gemacht, noch sich dem Klamottenkaufrausch hingegeben.

 

Mittelüble Zeitverschwendungen, halb-Internet, halb-offline-Alltag: Ächz!

  1.  Die armen drei Orchideen fauler Zeitgenossen gießen, die sie an die Hofgemeinschaft “gespendet” haben, weil sie nur noch Zeit für ihren Online-Shop haben. Jetzt blühen sie. Die Orchideen. Ähm, eine.
  2.  Im Netz nach Lösungen suchen fürs Outlook 2016, das sich neuerdings weigert, seine Daten nicht mehr zu komprimieren. Ouh.
  3.  Windows 10 Pro gleich 2 mal hintereinander verschieden neu aufsetzen, wenn es dazu hochliberale Anweisungen nach dem Motto gibt “sie können sich auch einen Knopf an die Backe nähen”. Schweiß von der Stirn wisch. Aber man mussja.
  4.  Täglich 4 x drei Katzenklos wegen 2 Katern machen. Aber man machts ja gern.
  5.  Alle 2-3 Tage einen 30%igen fünf-Eimer-Wasserwechsel für die 18 Fischlein, die einem als Teichgärtner und Winterquartier-Inhaber zugeflogen sind. Als fühlende Wesen kann man sie halt auch nicht erfrieren lassen im zu seichten “Design”-Teich. Je nach Ansicht sind diese in ihrem Verhalten ziemlich verschrobenen Zwergkarpfen mit quietschbuntem Hochzeitskleid sogar ziemlich hübsch (Bitterlinge).

 

Absolut angenehme Zeitverschwendungen: Moi!

  1. Einen Rotwein trinken, weil der als Muskelrelaxans so schön und besser als die Schmerzsalbe die Kreuzbein-Zerrung vom Hochheben des Kleinerben mildert. Haaah. Hicks.
  2.  Den Rechner genussvoll zumachen, weil es einem mal einfach langt und sich lieber ein kreatives Rezept entweder mit Austernpilzen oder mit Makkaroni ausdenken. Aber hallo.
  3.  Dem Wahnsinns-Sommer nachsinnieren:

 

Gruß

Der Genuss-Kater,
dem es manchmal halt einfach langt.

 

“Schön, dass Sie hergefunden haben!”

Aus aktuellem Anlass diese lustige Geschichte nochmal. Denn der öffentliche Nahverkehr hat sich immer noch nicht geändert. Er ist eher noch schlechter geworden: Man kommt jetzt garantiert nimmer am gleichen Tag heim …

Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion “Öffentlicher Nahverkehr im ländlichen Raum” im verstörenden Lichte des Klimawandels.

 

Ein Grafikdesigner und das Zahlen mit richtigem Geld.
Du hältst deinen Platz an der Bar wie ein richtiger Held.
Die ganze Welt gegen einen, das ist nicht fair.
Die rettende Kavallerie, die kommt heut nicht mehr.

Element of Crime, 1999.

“Haben Sie gut hergefunden?” fragt mich der Kunde als Ice-Breaker, wie er es aus “Smalltalk für Manager” gelernt hat.

“Aber ja, sofort! Der einzige Taxifahrer am Bahnhof hat sich geweigert, aber hinterm Sägewerk kommt ja nicht mehr viel”, verkneife ich mir. Laut antworte ich ein klares, uneingeschränktes: “Ja”, wie ich es aus “Leitfaden für Beziehungsgespräche” gelernt habe.

In der ersten Stunde verfehle ich mein Gesprächsziel, dem Kunden von seinem angedachten Firmennamen “Wurstberaterei” abzuraten. Nach zwei weiteren Stunden, die ich nicht mehr berechnen kann, ist deshalb schon Sense; über den Rest senkt sich der Mantel der Diskretion über einige unerfreuliche Betriebsgeheimnisse. Die des Kunden.

Mein Exkunde in spe arbeitet, wo andere Urlaub machen: in einem Handy-Funkloch. Ein Telefongespräch wollte ich ihm nicht mehr aufhalsen. Die Bushaltestelle belehrt mich, dass wir uns hier in der Rufbus-Region Mangfalltal oder Leitzachtal oder Murnau-Land oder irgend sowas befinden. Das heißt, dass man den Bus persönlich anrufen muss, mit dem man fahren will.

Die für den Landkreis zuständige Gaststätte hab ich schon mal gesehen: in einer frühen Kurzgeschichte von Heinrich Böll. Am Stammtisch schweigt sich eine Runde glasäugiger Austragsbauern an, weil man so früh am Tag noch nicht schafkopfen kann und bis dahin saufen muss. Wenn sie geredet hätten, wären sie bei meinem Eintritt verstummt. Beim Hinsetzen versuche ich die Stille so wenig wie möglich zu stören. Sollte ich hier jemals lebendig wieder rauskommen, werde ich das Thema des Abends sein: “Wos wor denn des heint fir oana?” Die Bedienung mistet hinten den Kuhstall aus und kommt hoffentlich zur vollen Stunde den Bauern Bier und Birngeist nachfüllen.

Praktischerweise war es gerade kurz nach halb. Die Bedienung stutzt, hat aber in ihrer Weltläufigkeit schon mal jemanden gesehen, der ein Vorstellungsgespräch bei meinem Kunden hatte. Und sie war so ziemlich die einzige, die ihn je gesehen hat.

“A Hoibe und telefoniern?” fragt sie.

Ich nicke beeindruckt.

“Telefon is do hint”, sagt sie, hat schon mit Bierzapfen angefangen und zeigt mit dem Kinn in den Flur hinaus, wo ein handgeschnitzter und -gemalter Wegweiser “Pissoir/Scheißhäusl” grüßt.

Es gibt tatsächlich noch Telefone mit Wählscheibe. Und sie funktionieren! Die Nummer vom Rufbus klebt am Telefontischchen, seit der mit dem Vorstellungsgespräch hier eingekehrt ist. Muss doch schon länger her sein.

“???!” meldet sich der Rufbus.

“Grüß Gott”, versuche ich, “fahren Sie heut noch?”

“Freilich!!” bellt jemand (ich versuche hier eine grobe Simultanübersetzung), “wann wollen Sie denn fahren!!”

“Wär’s Ihnen recht um…” – ein Blick zu dem Bierfassdeckel mit Uhrzeigern über der Pissoir/Scheißhäusltür – “um sechse?”

“Wird schon wie gehen”, mault der andere und legt auf. Woher ich anrufe, schien ihm keine Frage zu sein, woher soll man in Funklöchern schon anrufen, gell.

Vor lauter Empathie in die Bedürfnisse eines Rufbusunternehmers habe ich dessen Zeitfenster zur Anreise spontan etwas großzügig berechnet, denn als die Bedienung ihre Fünf-Uhr-Runde macht, kassiert sie nacheinander ihre Bauern ab.

“Jaaaaaaa…”, will einer von ihnen zahnlos widersprechen.

“Nix ja, Wiggerl!” streichelt sie ihm über die Steppe seines Gelöcks, “woaßt eh, dass heint Samstag is. I wui aa no ind’Stoodt eine nachant!”

“Nacha brauch ma nimma hockableim bis aufs Kartn?”

Offenbar ist das eine Gehirnregion, die bei Wiggerl noch anspricht. “Nein neinzge kriagidi na von dir”, nutzt die Bedienung seinen lichten Moment aus. Nachdem er quälende Minuten lang in seinem Ledergeldbeutel herumgekratscht hat, lässt er’s auf zehn Euro aufgehen. Zu mir kommt sie zuletzt. Auch bei mir kommt sie auf neun Euro neunzig, das ortsübliche Trinkgeldgebaren habe ich schon verinnerlicht.

Das gibt mir eine Stunde Zeit, mich ohne Verzehrzwang dort umzutun, wo andere Urlaub machen. Ganz hinten auf der Wiese gegenüber dem Gasthaus, schon fast im dichten Tann, scheißt eine alleinstehende Kuh einen neuen Fladen für ihre Sammlung. Damit sind die Freizeitmöglichkeiten erschöpft. So wie ich.

Fast pünktlich höre ich an der Rufbushaltestelle ein fernes Röcheln. Ein gut erhaltener VW-Bus keucht um den Hügel. Gerade als die Bedienung geschminkt und aufgedirndlt aus der Gasthaustür stöckelt, ohne ihren fremden Gast (mich) noch einmal zu grüßen, die Haustür mit einem gusseisernen Schlüssel zusperrt, in einen rostigen Ascona steigt und davonröhrt, hält der VW-Bus vor meinen Schuhkappen.

“Was ist jetzt?” kläfft der Fahrer duch die geöffnete Tür, ich steige ein. “Zum Bahnhof”, sage ich. “Bitte.”

“Ja, eh.”

Das Dorf, das hinter den schlammverspritzten Scheiben vorbeizuckelt, hat es schon lange nicht mehr nötig, sich an “Unser Dorf hat Zukunft” zu beteiligen. Eine Kirche mit Zwiebelturm, modernisierte Bauernhöfe, zu Eigenheimen ausgebaute Bauernhöfe, stillgelegte Bauernhöfe, der maßgebliche Arbeitgeber: das Sägewerk. Die Volkshochschule versucht seit Jahren, Bert Hellinger für einen Vortrag zu gewinnen, doch nicht einmal er nutzt die Chance für eine Familienaufstellung. Zum ersten Mal verstehe ich ihn, denn wir hatten einen Grund, die Agentur innerhalb einer Postleitzahl zu eröffnen, die mit 80 anfängt.

Dahinter Wiesen, dahinter Wald. Da, wo andere Urlaub machen, weil hier noch keine Stadt und keine Alpen mehr sind. Die Züge fahren hoffentlich bis nach 20 Uhr – die in Richtung München. Der Fahrer versieht seinen Job nur unter Protest und erkennt deshalb keine Not, Fahrgeld von mir zu verlangen. Auf einer Lichtung, aber ich kann mich täuschen in der Dämmerung, äst ein Hase. Wäre nicht das Geweih, ich hätte geschworen, er hat Reißzähne.

Soundtrack: Element of Crime: Kavallerie, aus: Psycho, 1999.

Modernes Raumverständnis

Blick auf die Sammeltüte, schon nach 2 Tagen wieder bis oben voll mit Katzenfutterbeuteln, Joghurt-, Salatbechern und Gemüseplastikverpackungen. Ich in der Küche:

“Ach du liebe Zeit, wir müssen ab jetzt dringend weniger Plastik verbrauchen!”

 

Aus dem Flur mit fester Stimme:

“Schmarrn, wir brauchen größere Sammeltüten!”

 

Unsere beiden Kater so:

Suchbuidl: Merlin oben – Murr unten

 

 

An die Klimawandelleugner: Ihr seid so bekloppt wie die Impfgegner. So bekloppt wie die Anhänger der Neuen Germanischen Medizin. So bekloppt wie die die SPD. Und mindestens so bekloppt wie die CDU-Anzugträger:

Ein Pamphlet des Katers

 

1. Ihr habt den Schuss noch nicht gehört

2. Ihr habt bereits mehrere Schüsse noch nicht gehört.

3. Ihr findet es toll und cool, so weiter zu machen wie bisher.

4. Ihr wollt unbedingt so weitermachen wie bisher.

5. Ihr habt ein maximales finales Talent.

6. Ihr seid wie viele ältere mittelständische KMU-Chefs, wie Impfgegner, wie Homöopathie-Freaks, wie die Anhänger der Neuen Germanischen Medizin, wie die SPD beratungsresistent bis unter euren zubetonierten Schädeldeckel:

  • bockig
  • dickköpfig
  • eigensinnig
  • halsstarrig
  • hartnäckig
  • rechthaberisch
  • renitent
  • starrsinnig
  • störrisch
  • stur
  • unbelehrbar
  • uneinsichtig
  • unnachgiebig
  • widerspenstig
  • stubborn
  • blockheaded
  • dogmatisch
  • egoistisch
  • klugscheißend

7. Ihr seid ziemlich unintelligent und könnt wie viele Politiker nicht einmal zwischen der Halbwertszeit von Co2 und der Halbwertszeit von Methan unterscheiden und redet Bullshit.

Wenn die Kanzlerin trotz ihres Physik-Jodeldiploms nicht zwischen Brutto und Netto unterscheiden kann, warum sollten dann die Parteimitglieder intelligenter sein. Manche erscheinen aufgrund ihrer letzen Aktionen und Ergebnisse sogar nachweisbar dumm: die Lobby-Politiker Scheuer, Dobrindt, Klöckner. Was Brown-Nosing betrifft: Sie stecken dem Anschein nach rektal ganz tief drin. Hauptsache an der Macht bleiben, dazu reicht anscheinend die rudimentäre Intelligenz und der Minus-Anstand dieser Herrschaften und der Klimaleugner insbesondere. Leider.

8. Klimaleugnen ist männlich: Ihr würdet gerne – zusammen mit euren noch dooferen Weibern – alle noch in der Steinzeit leben, Fleisch fressen, Krieg führen und euch am Sack bzw. an der Muschi kratzen. Weil ihr sowieso alle Pussys seid.

9. Aber das Fliegen wollt ihr natürlich auch und ihr bucht zur Zeit Flüge wie nie vorher. Weil ihr trotz eurer bockigen Haltung komischerweise sehr genau wisst, dass es bald vorbei ist mit dem Spaß, stimmts?

10. Ihr glaubt, dass die Erde sich nur wieder mal in ihren “Normal”-Zustand bewegt. Dass es darum früher auch schon so war –  und daher kein Problem sei. Wie die SPD. Die gibt es ja auch schon seit der Steinzeit. Und sie glaubt genau deswegen, dass es sie weiterhin ganz doll geben wird. (Wird sie nicht, das weiß sie nur noch nicht. Wie gesagt, es könnte einfach nur ein Problem von simpler fortgesetzter Doofheit sein …)

11. Ihr wollt einfach nicht auf eure Bequemlichkeit verzichten. Wie die SPD nicht auf ihre Pöstchen. Doof halt.

~ ~ ~

So ein Pech, dass nicht nur Ihr damit aussterben werdet. Weg, perdu, gone, dead.

Sondern mit euch diejenigen, die positiv und intelligent das Ruder rumreißen wollten und auch könnten.

Der Planet ist verloren. Wegen euch.

Kauft euch doch bitte noch gaaanz viel Eiskaffee oder euren Dumm-Macchiato, wählt aus schlechtem Gewissen inzwischen Grün, fresst bitte gegen eure Zipperlein diese nutzlosen Homöopathie-Kügelchen (die sind auch so ein Quark), komischerweise geht ihr wegen eines blutenden Fingers sofort in die Notaufnahme und beklagt euch dreist, nicht sofort dranzukommen; züchtet ihr weiter noch viele Millionen armer KZ-Tiere in viel zu engen Ställen bei unzumutbaren Schlachtbedingungen, grillt totes Tier ohne Ende; fahrt noch dickere XXL-SUVs, die einzigen stinkenden Autos in die euer feist gewordener XXL-Arsch noch reinpasst, und lasst euch am Strand möglichst rasch euer Restgehirn von der Grüße einer Amöbe restlich eindörren. Steht im Urlaubsstau am Wochenende, fliegt mit euren stinkenden Flugzeugen nutzlos umeinander wie vergiftete Affen und kauft euch noch mehr energiefressende Klimaanlagen. Findet die Chinesen toll, findet die Inder toll, findet diesen gestörten Bolsonaro toll. Findet Trump toll.

Letzterer ist wie ihr: hohl, 100 % verstrahlt, pseudo-sonnengebäunt, dumm und bauernschlau gleichzeitig, gierig, egomanisch und schlecht angezogener Trash.

 

Seid so nett und tut es.

 

Damit gehts wenigstens noch schneller.

 

Adios, es war nur manchmal, ach fast nie schön mit euch …

Gott oder das Universum wird euch und damit alle einfach nur als misslungenen Versuch abbuchen. Es wird Gott – oder das Universum – nicht die Bohne kratzen, wenn ihr fort seid. Mich auch nicht. Ich bin nur der Kater Moritz. Ich sitze im Kühlen, bekomme täglich mein kühles Schüsselchen Wasser und poliere mir die Krallen.

 

 

Alle, die von Freiheit träumen

War was? – Ach ja, Feiertag war. Tag der deutschen … wie hat das geheißen? Einheit? Was für Einheit? Noch D-Mark oder schon Euro? Kaurimuscheln, Zoll, Inches oder Kilowattstunden? Broteinheiten? — Man verspricht sich immer so leicht auf “Tag der deutschen Freiheit”. Muss am letzten Bundespräsidenten liegen, von dem man ab und zu noch was gehört hat, und dann war’s meistens was mit “Freiheit”.

Darum bietet sich an dieser Stelle an, die Definition von Freiheit auszubreiten, die wir mal gebraucht haben, um – ohne hier ins Geschäftliche zu verfallen – einen Kunden zu jener Ordnung zu rufen, die ihn anhält, sein Core Asset der Freiheit als Aufforderung zu mehr Verantwortung zu begreifen, nicht weniger.

Die Königin der rhetorischen Figuren soll es ja sein, den Argumenten seines Gesprächsgegners zuzustimmen und daraus den gegenteiligen Schluss zu ziehen. Mit dem Spruch von Camus kommt man da schon ziemlich weit, begründet mit dem Kant. Ich bringe mal unsere damalige Diskussionsgrundlage als Zitat:

Freiheit

Was die Deutschen betrifft, so bedürfen sie weder der Freiheit noch der Gleichheit. Sie sind ein spekulatives Volk, Ideologen, Vor- und Nachdenker, Träumer, die nur in der Vergangenheit und in der Zukunft leben, und keine Gegenwart haben. Engländer und Franzosen haben eine Gegenwart, bei ihnen hat jeder Tag seinen Kampf und Gegenkampf und seine Geschichte. Der Deutsche hat nichts, wofür er kämpfen sollte, und da er zu mutmaßen begann, daß es doch Dinge geben könne, deren Besitz wünschenswert wäre, so haben wohlweise seine Philosophen ihn gelehrt, an der Existenz solcher Dinge zu zweifeln. Es läßt sich nicht leugnen, daß auch die Deutschen die Freiheit lieben. Aber anders wie andere Völker. Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen, und wehe dem rotgeröckten Burschen, der sich in ihr heiliges Schlafgemach drängt — sei es als Galant oder als Scherge. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.

Heinrich Heine: Englische Fragmente, 1828.

“They’re not scared of you. They’re scared of what you represent to ’em.”

“Hey, man. All we represent to them, man, is somebody who needs a haircut.”

“Oh, no. What you represent to them is freedom.”

“What the hell is wrong with freedom? That’s what it’s all about.”

“Oh, yeah, that’s right. That’s what it’s all about, all right. But talkin’ about it and bein’ it, that’s two different thangs. I mean, it’s real hard to be free when you are bought and sold in the marketplace. Of course, don’t ever tell anybody that they’re not free, ’cause then they’re gonna get real busy killin’ and maimin’ to prove to you that they are. Oh, yeah, they’re gonna talk to you, and talk to you, and talk to you about individual freedom. But they see a free individual, it’s gonna scare ’em.”

“Well, it don’t make ’em runnin’ scared.”

“No, it makes ’em dangerous.”

Jack Nicholson mit Dennis Hopper, in: Easy Rider, 1969.

Gleich zuoberst als erstes scrollfrei in Wikipedia: Freiheit ist die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Das sine qua non an Freiheit ist also: Auswahl + Entscheidung – woraus in moderner Philosophie – und: wichtig: sogar im Recht – folgt: Autonomie eines handelnden Subjekts.

Weiter: Die Freiheit, sich für oder gegen eine Handlung entscheiden zu können, und ihre Beschränkung durch Regeln sowie durch Entscheidungen, Ansprüche, Interessen oder Handlungen anderer sind eng mit der Frage der Legitimität des eigenen Handelns und des Beschränkens fremden Handelns verbunden. Auf Deutsch:

Your Liberty To Swing Your Fist Ends Just Where My Nose Begins. – Oliver Wendell Holmes, Jr., John B. Finch, John Stuart Mill, Abraham Lincoln, Zechariah Chafee, Jr. oder sonst jemand.

Seriöser:

Freiheit endet da, wo eines anderen Recht anfängt – unsichere Zuschreibung.

Gesichert scheint allein Matthias Claudius:

Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.

– und damit kollidiert. Begründbar mit:

Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. – Rosa Luxemburg.

Leicht erweitert Kant: Die Metaphysik der Sitten, 1797:

Wenn also meine Handlung, oder überhaupt mein Zustand, mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, so tut der mir Unrecht, der mich daran hindert; denn dieses Hindernis (dieser Widerstand) kann mit der Freiheit nach allgemeinen Gesetzen nicht bestehen. […]

Das Rechthandeln mir zur Maxime zu machen, ist eine Forderung, die die Ethik an mich tut. Also ist das allgemeine Rechtsgesetz: handle äußerlich so, daß der freie Gebrauch deiner Willkür mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen könne, zwar ein Gesetz, welches mir eine Verbindlichkeit auferlegt, aber ganz und gar nicht erwartet, noch weniger fordert, daß ich, ganz um dieser Verbindlichkeit willen, meine Freiheit auf jene Bedingungen selbst einschränken solle, sondern die Vernunft sagt nur, daß sie in ihrer Idee darauf eingeschränkt sei und von andern auch tätlich eingeschränkt werden dürfe; und dieses sagt sie als ein Postulat, welches gar keines Beweises weiter fähig ist.

Siehe den Unterschied zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit, innerhalb des letzteren wiederum zwischen freiem Willen und natürlichem Willen.

Für die tägliche Anwendung scheint relevant: die wieder von Kant (in der Kritik der reinen Vernunft, 1781) geprägte praktische Freiheit: das Selbstverständnis eines vernünftigen Wesens, nach selbsterhobenen (!) Prinzipien zu entscheiden und sich somit selbst als frei zu begreifen. Weiter Kant:

Freiheit ist nur durch Vernunft möglich.

Ohne dieselbe folgt der Mensch seinen Trieben wie ein Tier; mit derselben kann er das Gute erkennen und sein Verhalten an der Pflicht ausrichten, siehe Kategorischer Imperativ – der mithin der Freiheit nicht widerspricht, worauf der Hedonist allzugern verfällt. Vielmehr ist nur der sich bewusst pflichtgemäß, also moralisch verhaltende Mensch frei: Freiheit zu tun, was man will, ist genau das Gegenteil davon, zu tun, wozu man Lust verspürt, weil genau die Lust den Menschen von der eigenen Freiheitsentfaltung abhält. – Siehe die nach langen Handlungsverschlingungen gefundene Interpretation der Anweisung

Tu, was du willst

bei Michael Ende: Die unendliche Geschichte, 1979.

Daraus die Konsequenz für die deutsche Romantik, die sich nach dem Idealismus richtet, also im Gegensatz zu so vielen Kunsttheorien wirklich eine vorgefundene Theorie in Praxis und Kunst überführt statt umgekehrt: Johann Gottlieb Fichte:

Vernunftwille macht das aus, was wir sind – nämlich unser Ich.

Auch da wieder: Freiheit ist

nur dadurch möglich, daß jedes freie Wesen es sich zum Gesetz mache, seine Freiheit durch den Begriff der Freiheit aller übrigen einzuschränken.

Fichtes Idealismus ist daher eine Konsequenz aus dem Primat von Kants praktischer Vernunft.

Freiheit zu etwas heißt positive Freiheit, Freiheit von etwas negative Freiheit; beides nach Rousseau: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, 1755:

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Daher Camus:

Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten

und Sartre:

Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.

Die Liberté der Französischen Revolution 1789 ist mithin ein direkter Vorläufer, aber etwas anderes als die Freiheit hinter Einigkeit und Recht – Fallersleben 1841.

Brauchen wir Definition genauer?

Brause, du Freiheitssang.

Populärer siehe Marius Müller-Westernhagen: Freiheit, zuerst live seit 1990; darin noch am kantischsten:

Der Mensch ist leider nicht naiv, der Mensch ist leider primitiv. Freiheit, Freiheit wurde wieder abbestellt.

Ansonsten eher atmosphärische Allegorie auf den 1989er Anschluss der Ostprovinzen.

Egal wer das dem “land of the free and the home of the brave” jetzt beibringen darf: Freiheit wäre damit das glatte Gegenteil von entfesseltem Hedonismus.

Die Kapelle rumtata: The Byrds: I Wasn’t Born to Follow,
aus: The Notorious Byrd Brothers, 1968:

Sisyphus 4.0

Auch den Sisyphos sah ich, von schrecklicher Mühe gefoltert,
Einen schweren Marmor mit großer Gewalt fortheben.
Angestemmt, arbeitet’ er stark mit Händen und Füßen,
Ihn von der Au aufwälzend zum Berge. Doch glaubt’ er ihn jetzo
Auf den Gipfel zu drehn: da mit einmal stürzte die Last um;
Hurtig mit Donnergepolter entrollte der tückische Marmor.
Und von vorn arbeitet’ er, angestemmt, dass der Angstschweiß
Seinen Gliedern entfloss, und Staub sein Antlitz umwölkte.

——— Hans-Ulrich Treichel:

Sisyphos’ Dementi

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Hasta la Windows 10, baby

Kulturhistoriker behaupten, manche Computer laufen heute — wir schreiben 2017 — noch mit Windows Vista. Allzu viele können es nicht mehr sein, wenn selbst ich seit vorgestern Windows 10 hab.

Eine einfache Geburt war das nicht, fragen Sie die angetraute IT. Es hat zwei Tage gedauert, die dem Gegenwert von etwa fünf Arbeitstagen entsprechen, das erzähl ich jetzt nicht schrittweise nach, weil Sie ja heute noch ins Wochenend wollen. Als konstruktiven Tipp kann ich aber sagen: Man muss Vista zuerst mit Windows 7 überschreiben, kurz wirken lassen (vulgo neustarten) und dann das Windows 7 mit Windows 10 überschreiben. Klingt komisch, ist aber einfacher als jeder andere Versuch. Draufkommen muss man halt, aller Dank und Anerkennung gehen an die IT und nicht an mich, der ich schon am ersten Tag das widerspenstige Waffeleisen (Acer, ca. 2010) zu einem freundlichen Hacker in der Bahnhofsgegend getragen hätte.

Wiederherstellungspunkt nicht vergessen, dann sieht der Computer nicht mehr aus wie ein eselsohriger Regionalkrimi aus dem “Zu verschenken!!!”-Karton, sondern wie die ersten Zuckungen eines Filmvorspanns.

Ist eigentlich schon raus, was nach Windows 10 kommt?

Friedensengel, Portrait

Buidl: Friedensengel, Prinzregent-Luitpold-Terrasse Bogenhausen, 12. Juli 2017.

Soundtrack: Buena Vista Social Club: Lost and Found, 2015:

Deine neue Schlampe

Alexa versteht jetzt auch Liedertexte. Slayer und norwegischer Death Metal sind noch early Alpha, dafür werden die meisten Texte von Morrissey und The Cure schon zuverlässig an die Psycho-Hotline weitergeleitet. Bei Bibi schaltet Alexa automatisch den Jugendschutz ein, d. h. für Kontoabbuchungen muss das Passwort von einer männlichen Stimme gesprochen werden.

Empirisch ungesichert bleibt vorerst, was passiert, wenn Liedertexte missverständliche Anweisungen erteilen und wenn sich Alexa mit Siri anlegt.

Missverständliche Anweisung: Hatebreed: Destroy Everything, aus: Supremacy, 2006,
offizielles Live-Video vom With-Full-Force-Festival 2007, Ferropolis bei Gräfenhainichen.

Eristik fürs Volk

——— Dorothee Sölle:

frei nach Brecht

aus: Sympathie. Theologisch-politische Traktate, Kreuz Verlag, Stuttgart 1978, Rückentext:

meine junge tochter fragt mich
griechisch lernen wozu
sym-pathein sage ich
eine menschliche fähigkeit
die tieren und maschinen abgeht
lerne konjugieren
noch ist griechisch nicht verboten

Wer egal was für eine Sprache studiert hat, ist Kummer gewohnt — vor allem die ständige Verteidigungshaltung gegen den Vorwurf, was man denn jetzt wolle mit seinem Abschluss in Lesen und Schreiben, weil man sich von einem unfallfrei gelesenen Goetheband keinen Schweinsbraten runterschneiden kann.

Kurioserweise trifft dergleichen immer nur Geisteswissenschaftler. Dabei musste ich bisher weder lückenlos einen der inkriminierten, offenbar schwer volks- und wirtschaftsschädlichen Goethebände lesen, schon gar nicht unfallfrei, andererseits ist mir kein Fall eines Naturwissenschaftlers bekannt, der jemals außerhalb seines Bildungsbetriebs eine Kurve diskutieren musste. Und hat ihn schon mal ein Linguist deswegen angemault?

Zur wirklich schwärzesten, unredlichsten Rhetorik zählt der Kniff, eine valide Aussage als beweiskräftige Tatsache ins Feld zu führen, gegen die dann widersprochen werden muss, wodurch sich der Gegner zwingend zum Wahrheitsleugner macht; Schopenhauer hätte sich die Hände gerieben. Nein, natürlich pflege ich meinen Schweinsbraten nicht von sinnlosen Goethebänden abzuschneiden; nein, natürlich können nicht “alle” sechseinhalb Milliarden Erdbewohner, denen es schlechter als “uns” geht, “zu uns” dahergeflüchtet kommen, und nein, natürlich ist “Griechisch nicht verboten” (cit. Sölle, D., 1978, siehe oben). Die Frage ist immer, was mit der Aufmerksamkeit auf solchen Binsen bezweckt werden soll.

Und jetzt beobachtet Susanne Gaschke in der Welt vom 16. August 2016 unter Lernt Altgriechisch!:

Jetzt aber bewegt sich die Welle weiter. Politiker sind böse, ja, klar; Journalisten lügen, auch klar; die neuesten Verdächtigen sind: Akademiker im Allgemeinen. Ein Teil des Brexit hatte nichts mit der EU zu tun, sondern war eine Grußbotschaft an die “Eliten”. Schandbar von dem Eton- und Oxford-Boy Boris Johnson, dabei mitgemacht zu haben! Man hat auch nicht gehört, dass Donald Trump den Intellektuellen besonders freundlich gesonnen wäre. Und deutsche Pegida- und AfD-artige Onlinekommentare sprechen eine deutliche Sprache: Kunsthistoriker, Germanisten und andere Geisteswissenschaftler liegen dem Volk auf der Tasche!

Ach Leute. Ja, ich hab Germanistik. Und ich arbeite gegen Lohn, seit mir ein gefühlloser Mensch vom Hersbrucker Finanzamt mit 16 Jahren ungebeten meine erste Lohnsteuerkarte mit der Post geschickt hat. BAföG hab ich nie bezogen. Meine Eltern haben mich über Zeit bei sich in ihrer nachmaligen Abstellkammer hausen lassen, damit sie mich nicht noch anderweitig unterstützen mussten, das war’s mit dem Auf-der-Tasche-Liegen.

Und jetzt mal andersrum: Am Lagerfeuer waren es doch immer die BWL- und Jura-Kandidaten, die sich zu schade waren, sich die Fingerchen an Gitarrensaiten zu ruinieren und ihre wertvolle Freizeit mit dem Auswendiglernen von Bob-Dylan-Liedern (Text und Akkorde) zu verschwenden, geschweige denn jemals den Versuch zu unternehmen, selber ein Lied zu schreiben. Heute sind genau BWL und Jura — und Bauhilfsarbeiten — die Inhalte, die ich neben meiner germanistischen Ausbildung für den täglichen Gebrauch von selber draufhaben muss. Wer liegt jetzt wem auf der Tasche, ihr Volk?

Einigen wir uns darauf, dass ihr über “operatives Geschäft” schwallen dürft, sobald da einer arbeitet, und ich über “Distichen”, wenn genug Daktylen zusammenkommen, ja? “Und das Liebste mag’s uns scheinen / So wie andern Völkern ihr’s.” — ebenfalls “frei nach Brecht” (cit. Sölle, D., 1978, siehe oben) — und dass keiner davon gescheiter wird, Entschuldigung: Kompetenzen erwirbt, indem er einfach nichts lernt.

Der Berufsidiot

Ein wenig Leidenschaft beflügelt den Geist,
zu viel löscht ihn aus.
Henri Stendhal

 

Als Designer jetzt:
Ich habe von Anfang an nicht verstanden, was daran gut sein soll, zu sagen, dass man Design “mit Herzblut” mache. Da hat man doch nur den Effekt, dass man von den beauftragenden Geschäftsleuten für einen kleinen Idioten gehalten wird.

Zusätzlich zum Effekt, dass sie dann umso stärker glauben, der kleine schmalzig lügende Idiot würde sie eh nur um ihr Geld behumsen wollen. Ich hasse das alles aufrichtig.

 

Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.
Konfuzius

 

Anarchistisches Glaubensbekenntnis

Das Plakat mit dem Text von 1910 hängt zur Stunde noch einige Meter neben dem Kafe Marat, das keinesfalls zu verwechseln ist mit dem Tröpferlbad im gleichen Gebäude; nur inzwischen etwas abgewanzter. Von den zwei Läden will wahrscheinlich bloß keiner “in die rechte Tür” sagen müssen, wenn er neue Proselyten rekrutiert hat. Seine Inhalte mache ich mir vorsichtshalber nicht zu eigen, solange ich es nur korrekturgelesen, aber nicht verstanden hab. Schon gar nicht öffentlich.

Bei den Schweizer Genossen, die das im März 2013 aus dem Italienischen übersetzt haben sollen, fehlt zweimal eine sinnverändernde Wortgruppe, falls es sie interessiert — aber es kommt drauf an, ob von dem Text auf dem Plakat oder dem Text online als maßgeblich ausgegangen wird. Ich sag’s bloß. Venceremos.

Plakat Kafe Marat, La Rivolta, Aufruhr, Ich, 1910, März 2013

La Rivolta, anarchistische Zeitung:

Ich

Pistoia, Italien, 12. Februar 1910,
übersetzt von Aufruhr, Nummer 5, März 2013:

Ich habe einen Verstand, einen Charakter, der mich von meinen Mitmenschen unterscheidet, und ich habe eine Würde, die sich weder verkaufen noch beugen will. Ich habe eine Menge zu verstreuende Energien, zu entwickelnde Gedanken und zu begehende Handlungen. Ich suche nach der Erfüllung von mir selbst, nach der vollständigen Entfaltung meiner Individualität, und in dieser Entfaltung fühle ich mich glücklich. Ich suche nach dem Wohl der anderen oder verachte es, je nachdem, ob ich in ihrem Wohlstand mein Glück oder mein Unglück finde.

Ich will. Ich will materiell frei sein, um sagen und tun zu können, wonach mir ist, ohne dass mir irgendeine Autorität irgendetwas aufzwingt. Ich nehme Kritik oder Ratschläge von anderen an, nachdem ich über sie nachgedacht, sie für gut befunden und verstanden habe; den brutalen Befehl aber verachte ich und weise ich zurück.

Ich spüre in mir selbst die moralische Unmöglichkeit, zu gehorchen. Da ich ein Gehirn habe, das denkt, will ich tun, was ich für richtig halte, und nicht, was meinen Unterdrückern zugutekommt. Ich habe es nicht nötig, dass mich irgendjemand führt und mich beschützt: Man sagt mir, das Individuum könne sich nicht selbst führen, doch wenn ich meine Handlungen nicht regeln kann, dann können noch viel weniger die Regierenden die Handlungen von anderen führen.

Da ich also in der heutigen Gesellschaft nicht frei bin, kämpfe ich mit allen meinen Kräften, um alle Schranken zu zerstören. Ich kämpfe nicht weil ich auf einen weit entfernten Wohlstand hoffe, nicht nur, weil ich Glauben an die Zukunft habe. Ich lebe in der Gegenwart. Selbst wenn ich wüsste, dass ich niemals frei sein werde, würde ich genauso revoltieren, denn ich spüre den Drang gegen jegliche Tyrannei zu revoltieren.

Ich habe keinen Glauben, ich habe keine Dogmen, ich habe keine Sorgen einer Partei oder einer Schule. Ich glaube weder an Gott, noch an das himmlische Paradies oder an das irdische, das die Gesellschaftler vor den Augen anderer wie im Traum aufblitzen lassen.

Ich suche nicht danach, mich mit meinen Mitmenschen für den Ruhm zu vereinigen, einem Verband anzugehören, und unter einem Banner Unterschlupf zu finden. Ich schließe mich zusammen für ein bestimmtes Ziel, und wenn dieses erreicht ist, ergreife ich wieder meine Freiheit.

Ich hasse die konstituierten Formen, weil sie im Widerspruch zum Fortschritt stehen, der beständig alles verändert.

Ich will nicht wissen, es kümmert mich nicht, was die künftige Gesellschaft sein wird. Ich glaube nicht an jene, die im Namen des Volkes, der Menschheit und anderer ungreifbaren und formlosen, kollektiven Körperschaften sprechen, denn man kann das Zusammengesetzte nicht kennen, ohne die einfachen Einzelnen – jeden für jeden – zu kennen – was unmöglich ist. Darum glaube ich nicht an die Abgeordneten, an die Widerstandskomitees, an die Kongresse und alle Parlamentarismen. Nur ich alleine kann mich selbst repräsentieren.

Ich will keine Bestrafungen, ich will keine Gesetzbücher, Formalismen, Stempel und dergleichen. Die moralischen Gefühle drängen sich nicht auf, wenn sie nicht existieren, und wenn sie existieren, ist es nicht nötig sie aufzudrängen. Ich rebelliere gegen die Mode, ich glaube nicht an die Phrasen, an das Recht, an die Moral, an die Justiz. Im übrigen formt sie sich ein jeder für den eigenen Gebrauch und Verzehr.

Ich glaube nur an die Stärke und den Kampf, der das Individuum vorantreibt, nicht, um die Schwachen zu zertrampeln und die Starken zu vergöttern, sondern um sich selbst immer mehr zu erhöhen und zu verbessern. Ich glaube an das Leben, an die Energie. Heute kämpfe ich mit Gewalt, weil ich gegen mich die Gewalt habe; morgen kämpfe ich mit dem Denken, weil ich gegen mich das Denken habe.

Mein Ziel ist es mich zu vervollkommnen; mein Mittel ist der Kampf, mein Verlangen ist die Freiheit.

Mich beschimpfen die Frommen und nennen mich hochmütig, unmoralisch, etc. Ich lache über sie: Für meine Handlungen bin ich nur vor meinem Bewusstsein verantwortlich. Ich bin Atheist, ich bin Rebell, ich bin Anarchist, ich bin frei. Ich bin “Ich”.

Plakat: Kafe Marat München, Thalkirchnerstraße 102,
nach Fernweh. Anarchistische Straßenzeitung, März 2013.

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