Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Monat: April 2021

I drink and I smoke, I play music with friends

Diese Woche gelernt: Aldi lässt jetzt bei Oettinger brauen, wovon man sich auch nicht weniger Schädelweh zuzieht, und meine ganzen Helden passen auf ein Bild DIN A4, und da passt noch großflächig Efeu dazwischen.

Wenn ich endlich Herder von Wieland auf weniger als zwei Zentimeter unterscheiden kann, sprech ich nochmal auf einer idyllischen Uni vor, Literatur muss ganz lustig zu studieren sein (entgegen einem verbreiteten Vorurteil hab ich Linguistik studiert); dafür hab ich jetzt das wahrscheinlich einzige Bild von Günter Stössel südlich der Altmühl an der Wand.

Merke: Schädelweh rentiert sich immer für irgendwas.

Soundtrack: Krista Shows: Full of Sin, aus: Prone to Wander, 2020:

I am a girl that’s full of sin
I’ve done some harm, less outward than in
I drink and I smoke, I play music with friends
I have no regard, my mercy runs thin

Meinetwegen lasst’s halt steh

Wenn man seine ganzen steinalten Langspielplatten — in diesem Fall die Globetrottel Rag von Günter Stössel — nicht bis zur selbsttätigen Entrümpelung aufhebt: Das wirklich anrührend schöne Lied Goldbach City existiert nur in dieser einen Live-Aufnahme von 1976 aus einem nicht überlieferten Wirtshaus, in sämtlichen Restaurierungen und Neuanordnungen ist der gesprochene Vorspann abgeschnitten. Das heißt, es kommt nicht mehr zur Geltung, dass die beschriebene Unternehmung das historische Pilotprojekt avant la lettre für den Abenteuerspielplatz Goldbachwiese am Zabo, nein: in Nürnberg-Zerzabelshof war. Den gezupften Turnaround hab ich dereinst jahrelang immer mal wieder auf der Klampfe geübt, bin mir aber bis heute nicht sicher, ob das nicht ein Banjo ist:

Wie ich darauf komme? Nun ja, weil wir diese Woche unter Aufbietung unseres gesamten Repertoires an fränkischen, bairischen und internationalen Flüchen eine neue Tastatur und, schlimmer: eine neue Festplatte in den Laptop eingebaut — besonderer Dank an die IT-Vroni — und im Gefolge Windows 10 neuinstalliert und jedes Fitzelchen wieder draufgespielt haben, denn man sieht ja, was passiert, wenn man nicht seine ganzen steinalten Langspielplatten und Word-98-.rtfs aufhebt.

Und plötzlich sehnt man sich zurück in die Zeit nicht etwa vor dem Internet, sondern vor der Gutenbergischen Wende in der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken. Da haben die Leute nämlich ein für alle Male ein Jahresgehalt für ihr persönliches Stundenbuch angespart, und da stand dann alles drin, was man wissen musste. Jedenfalls alles, was einen was angeht. Wenn’s gebrannt hat, war das die o. a. selbsttätige Entrümpelung, und man hatte andere Sorgen als ob in einen Blues ein Barré oder gar keiner hineingehört:

Bonus Track: Günter Stössel. One Barré Only, aus: Schdrohwitwer Blues, 1975, das Pilotprojekt zur späteren Ballade vom Leberschrumpf, weil ich das auch selber halbwegs kann:

Sicht eines Katers

Der menschliche Makel – Ugly Lives Matter

Der Kater bloggt
seit längerem mal wieder

 

Zum Tode verurteilt sind die Hässlichen schon im Leben…

Elmar Kupke und Hans-Christoph Neuert (1942 – 2018), (1958 – 2011), deutsche Aphoristiker und Lyriker

 

 

Das ist nicht die einzige Erklärung, weshalb auch noch die dümmsten Schönheits-OPs boomen, aber eine stichhaltige:

Ugly Lives Matter

Artikel via FAZ

Von der allgegenwärtigen Diskriminierung der Hässlichen.
Von Kindheit an durch die eigenen Eltern, dann in der Schule, dann im Job. Hübsche Babies bekommen von ihren Eltern mehr positive Aufmerksamkeit, hübsche Kinder bekommen bei gleichen Nichtleistungen in der Schule bessere Noten, gut aussehende Erwachsene steigen bei gleichen Leistungen und gleichen Nichtleistungen leichter auf, bekommen bessere Gehälter. Guter Artikel.

Leider lässt sich Hässlichkeit weniger als die dunkle/gelbe Haut oder das Geschlecht in das GG aufnehmen.

Aber wir haben Schönheits-OPS.

Selbst Meghan Markle hat sich einst die Nase richten lassen. Vorher sah sie sehr durchschnittlich bis unattraktiv aus. Oder, was viele nicht wissen: Angelina Jolie war kein sonderlich hübsches Kind. Eine richtige trutschige Trulla fast als Jugendliche. Nach einer Nasenkorrektur und möglicherweise diversen anderen dezenten Änderungen gilt sie als die schönste Frau der Welt. Daher ist der Kater für Schönheits-OPs: berechtigte Notwehr in diskriminierenden Zeiten.

Man sollte somit solche OPs nicht diskriminieren.

 

Katzen haben dieses bekloppte Lookismus-Problem nicht, denn sie sind fortschrittliche, freiere Geister als der Mensch.

Ich diskriminiere andere Katzen nur dann, wenn sie in mein Revier eindringen. Dann gibt’s eins auf die Schnauze, ob sie ‘schön’ sind oder eine Katze von edler Rasse, ist mir egal. Risse im Ohr gelten als Auszeichnung.

 

Frühlingsgruß

Vom stolzen Kater
der seine verkratzte Kämpfernase schön findet

 

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