Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Die Betriebs-Gazze (Seite 1 von 3)

Meister der Stoffeligkeit – der Deutschen Werk und Ausländers Beitrag

Es bloggt der Kater.

 

Zu unserer Kultur zählt der Grobianismus. Das bisschen Höflichkeit, das wir an den Tag legen, haben vermutlich die Ausländer mitgebracht. Wir brauchen dringend mehr davon. Ferda Atamann (Spiegel)

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/muerrische-deutsche-leitkultur-meister-der-pampigkeit-kolumne-a-1234078.html

 

ANFRAGEN AUS DER HÖLLE

Das bisschen Höflichkeit, das die Ausländer nach Meinung von Frau Ataman nach Grobian-Deutschland mitgebracht haben, nivelliert sich zur Zeit gerade. Dank des Internets? Möglich.

Schimpfen sie sich Marketing Manager und wenden sie sich an Kreative (eh nur Loser-Spacken eh …?) , dann scheint es zumindest völlig aus zu sein damit.

Diesen Brief kriegte der Kater, der so anfing und so aufhörte:

 

Hallo,
[Anrede, Name fehlt]
wir möchten ein Webrelaunch starten suchen für die Konzeption einen xxx …

….

 

[Grußformel fehlt]

Aleyna Yildiz*

Marketing Manager

* Name erfunden, um den Absender zu schützen.

 

Der Schreiber oder die Schreiberin war ansonsten des Deutschen fließend mächtig.

Erschwerend zu dem Umstand, dass der Kater bis dato derartig befremdlich Deutsches noch nie von türkischen Mitbürgern weder erwartete noch bekam: Das Briefing war ebenfalls in hervorragendem Deutsch aber inhaltlich löchrig wie ein Schweizer Käse. Also sehr deutsch.

Mit löchrigen Angaben kann der Kater fachlich einfach nichts anfangen. Zu Hülf.

Ein Budget gibt es auch nicht, aber zur Definierung desselben soll der Kater soll schon mal seine Einschätzung in Form eines Preises abliefern. Dringend, denn man beginne bereits in den nächsten Wochen.

Der Kater streicht sich die Schnurrhaare. Er gibt nach derartigen Anschreiben samt ihren dünnen Angaben nie einen Gesamtpreis ab und nicht noch für fremde Maus-Gewerke, für die er möglicherweise nicht vorgesehen ist. Auf keinen Fall beim ersten Kontakt.

Er bekam nach dem Schlürfen eines Napfs Milch seinen Blutdruck runter. Und bot – noch Milch an den Schnurren – dem Stoffelschreiber mit erlesener kätzischer Höflichkeit an, ihn beim Erstellen des Lasten-/Pflichtenhefts zu unterstützen, das es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch brauche. Denn so könne er in dieser Phase so gern er auch wolle noch keinen Preis bilden. Die Unterstützung beim Lasten-/Pflichtenheft gegen ein gewisses Honorar – bei solchen Posten üblich – und eiligst (da man ja bald anfangen wolle), versteht sich.

Erwartbar meldete sich daraufhin niemand mehr beim reflexhaft hilfsbereiten Kater.

Weil man mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kampfangebot will. Nehme von 10 Dienstleistern den Durchschnittspreis ihrer leichtfertigen Angebote, bäng! fertig ist die Budgethöhe.

Eine telefonische Bitte um Klärung hätte sich auf meiner Seite angeboten, ja. Macht der Kater eigentlich immer bei netten Leuten.

Seine enorme Lustlosigkeit und spontane Narkolepsie angesichts der ganzen Sache ging diesmal weit über den Fakt hinaus, dass einschläfernder Winter ist und der Kamin schön bullert. Die Lustlosigkeit ging direkt kongruent mit der ihn jäh anspringenden groben Unhöflichkeit des Briefs.

 

Der Kater kennt Stoffel-Verhalten bis jetzt nur von Deutschen.

Kein Gruß, keine Anrede; nur Forderungen, keinerlei Beantwortung mehr (wer bekommt heutzutage noch Antwort auf Mails …? Sie etwa? ) oder eine pampige; immer muss alles schnell, keine einzige höfliche Frage wird gestellt nach der werten zeitlichen Verfügbarkeit des Kreativen – und es gibt kein Budget. Das sind die goldenen red flags. Richtig schön auch Anrufe früh um 7 in gebelltem Tonfall. Darunter echte Grobiane, die den höflichen Kater beschimpfen, s. o. wenn er doch ein paar Fragen oder eine Idee hat.

Muss er wohl umlernen.

 

Gruß
der Kater

Werte AfD-ler, kommentiert bitte hier erst gar nicht, weil ihr zwengs Thema Ausländer vielleicht eine Steilvorlage wittert. Es ist keine, ich schätze Türken und Türkischstämmige sehr. Es geht hier um den Einfluss der groben deutschen Sitten auf unsere normalerweise wertschätzend kommunizierenden und ausgewiesen höflichen ausländischen Mitbürger im Geschäftsleben, ganz anders herum also. Fasst euch also an den eigenen Kopf, dann wirds rund. Eure Fremdenfeindlichkeit und sprachlichen Grobheiten haben hier keinen Platz

 

Was Sie grundsätzlich vermeiden sollten, sind Hallo-Anreden ohne Namen oder mit Vor- und Nachnamen. „Hallo“ ohne Namen wirkt respektlos. „Hallo Barbara Kettl-Römer“ ist sehr unpersönlich. Im Zweifelsfall bleiben Sie lieber dabei, den Geschäftspartner mit „Sehr geehrte/r“ anzusprechen. Quelle: https://www.business-wissen.de/artikel/e-mails-immer-die-richtige-anrede-formulieren/

 

 

 

Die Menschen ändern sich nicht.
Realitäts-Check 2020

Es bloggt der Kater.

 

Ich muss völlig betäubt sein,
um die Welt zu ertragen, die wir geschaffen haben.
Wenn ich mich jetzt zurückziehe,
wenn ich hinaus in die Natur gehe und mich beruhige,
dann kann ich im meiner Welt sein.
Und wenn ich in meiner Welt bin,
dann weiß ich im tiefsten Innersten meiner Seele,
dass wir aufhören müssen, sie zu zerstören.
(Anne Wilson Schaef)

 

 

Diverse Verwandtschaftsbesuche auf dem Land, aber auch in der Stadt.

Es wird von den Gastgebern weiterhin Auto gefahren, es wird weiterhin in den Skiurlaub gefahren, man hat weiterhin zu warm geheizte Wohnungen.

Man stört sich nicht an der neu zu bauenden breiten Umgehungsstraße. Man will weiterhin in seinem im Sommer von langen Klimawandel-Dürreperioden heimgesuchten Garten tiefgrünen samtigen englischen Rasen haben (Realitätscheck: seit Jahren gelb, stark vermoost, nährstoffarm und trocken).

Man schimpft über die Kräuterwiese des Nachbarn, welche bei Westwind den Samen rüberwehen lässt und den eigenen Rasen verschandle. Man kauft weiterhin immer neue Outfits.

Über die Klimakrise wird nicht geredet. Man will sich nicht mit Problemen belasten.

Ich nehme das auf, sage nichts dazu. Wie es ist, wenn ich etwas dazu sage, weiß ich aus unschönen Teenie-Tagen.

Meine Wenigkeit fährt mit der Bahn hin und wird beim Besuch auf dem Land den Eindruck nicht los, als Bahnticketkäufer als ineffizienter Loser betrachtet zu werden. Mein Befürworten einer herrlich duftenden Kräuterwiese, ideal bei nährstoffarmen Böden, löst den leeren Blick aus, den man Hippies gegenüber pflegt wenn man auf sich hält. Man wechselt unverzüglich das Thema.

Unangenehme Stimmungen von früher klopfen bei mir an, die ich abschütteln will.

Bei Tines Grab gewesen. Die Grabfläche besteht zu 80 % aus poliertem rosa Granit, quasi ein versiegelter Steingarten. Er bietet kaum Platz für individuell Gärtnerisches. Beim letzten Mal störte mein Mitbringsel (bunt blühende Hyazinthen statt toter Schnittrosen) wohl die streng eingehaltene Trauer-Lila-Erika-Standard-Minimalgestaltung. Bringe diesmal 2 Töpfchen Christrosen mit. Für ein anderes Grab.

Wolf, der einen von zwei Besuchen auf dem Land mitgefahren ist,  freut sich, in der Bahn endlich zügig und konzentriert ein Buch gelesen zu haben.

Einer der weiß, wie man die Bahn nutzt.
Die schöne Erfahrung, dass Kräuterwiesen ein Erlebnis sind und dass Bahnfahren samt Bücherlesen kein Zeitverlust ist. Sondern das Gegenteil.

I, Yoky [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Heimkommen in der Stadt fühlt sich gut an.

Gruß

Der Kater

 

Zeitverschwendungen. Manchmal reicht es einfach.

Der Kater bloggt mal wieder.

 

Argwöhnisch wacht der Mensch über alles, was ihm gehört. Nur die Zeit lässt er sich stehlen, am meisten vom Fernsehen.

Linus Pauling

 

Mega-üble Zeitverschwendungen: Fernsehen? … Internet!

  1. Ab und zu auf Twitter wirr polarisierende rechte Blogger plus ebenso wirr erscheinende Postings über sie zu lesen. https://taz.de/Blogger-der-Welt-Don-Alphonso/!5641160/ Mannmannmann, da wars Fernsehen mit dem Internationalen Frühschoppen mit 5 Journalisten aus 10 Ländern richtig goldig. Höfer: ‚Mir scheint, daß die Herren befreundet sind? Gut, dann streiten Sie weiter!‘
  2.  Von gleicher fragwürdiger Qualität: Im Internetz bestellte Amazon- und Zalando (iieh!-schrei vor Schmerz)-Päckchen annehmen für Leute, die einen im Hof nicht einmal grüßen.
  3.  Im Internet Erklärungen zu suchen für Dinge, die man gar nicht verbockt hat. Key: Klimawandel. Weder Auto gefahren, noch wie ein Wilder Fleisch gefressen und 20° + geheizt, noch Kreuzfahrten gemacht, noch sich dem Klamottenkaufrausch hingegeben.

 

Mittelüble Zeitverschwendungen, halb-Internet, halb-offline-Alltag: Ächz!

  1.  Die armen drei Orchideen fauler Zeitgenossen gießen, die sie an die Hofgemeinschaft “gespendet” haben, weil sie nur noch Zeit für ihren Online-Shop haben. Jetzt blühen sie. Die Orchideen. Ähm, eine.
  2.  Im Netz nach Lösungen suchen fürs Outlook 2016, das sich neuerdings weigert, seine Daten nicht mehr zu komprimieren. Ouh.
  3.  Windows 10 Pro gleich 2 mal hintereinander verschieden neu aufsetzen, wenn es dazu hochliberale Anweisungen nach dem Motto gibt “sie können sich auch einen Knopf an die Backe nähen”. Schweiß von der Stirn wisch. Aber man mussja.
  4.  Täglich 4 x drei Katzenklos wegen 2 Katern machen. Aber man machts ja gern.
  5.  Alle 2-3 Tage einen 30%igen fünf-Eimer-Wasserwechsel für die 18 Fischlein, die einem als Teichgärtner und Winterquartier-Inhaber zugeflogen sind. Als fühlende Wesen kann man sie halt auch nicht erfrieren lassen im zu seichten “Design”-Teich. Je nach Ansicht sind diese in ihrem Verhalten ziemlich verschrobenen Zwergkarpfen mit quietschbuntem Hochzeitskleid sogar ziemlich hübsch (Bitterlinge).

 

Absolut angenehme Zeitverschwendungen: Moi!

  1. Einen Rotwein trinken, weil der als Muskelrelaxans so schön und besser als die Schmerzsalbe die Kreuzbein-Zerrung vom Hochheben des Kleinerben mildert. Haaah. Hicks.
  2.  Den Rechner genussvoll zumachen, weil es einem mal einfach langt und sich lieber ein kreatives Rezept entweder mit Austernpilzen oder mit Makkaroni ausdenken. Aber hallo.
  3.  Dem Wahnsinns-Sommer nachsinnieren:

 

Gruß

Der Genuss-Kater,
dem es manchmal halt einfach langt.

 

Aus Kostengründen zugeschüttet

Es bloggt der Kater

 

Zäune und Gitter für alle. Denn immer weniger Kinder können schwimmen.
Der Kater

 

Bitterlinge gründeln in meinem Winterbassin. Sicht von oben auf die Fische.

 

Ab und zu google ich nach dem ehemals schönen – und mittlerweile leider nicht mehr so schönen – dereinst mit gigantischen Umgehungsbrücken verschandelten Blick auf die Berg-Skyline meines Heimatorts S.

Die Wasserschlucht und die Berge, das Einzige was sie touristisch haben, werden 2022 prominent und unübersehbar zugekachelt sein. Damit Tschechenlaster auf der B 303 schneller und wohlfeil nach Kronach und zurück nach Eger kacheln können. Weil ihre Speditionen sich die Maut ersparen wollen. Wirtschaft, Wachstum aber hey.

S., ehemals Luftkurort, will damit immer noch im Fremdenverkehr mitmischen. Das kann man sich nicht mehr selber ausdenken. Im mittlerweile nicht mehr so ganz schönen Oberfranken. https://www.infranken.de/regional/kulmbach/ortsumgehung-stadtsteinach-baubeginn-schon-im-kommenden-jahr;art312,3533663

Was muss ich nach der Hiobsbotschaft, dass wegen des Baus der monströsen, unsäglich mondlandschaftlichen Umgehung u. a. ein Feucht-Biotop plus Bächlein meiner Kindheit zugeschüttet werden wird, erfahren?

Das Lehrschwimmbecken, in dem der einst 9jährige super-wasserscheue Kater tapfer das sozialverträgliche Ersaufen bzw. das Halbwegs-Schwimmen (Dog-Style) gelernt, soll ebenfalls zugeschüttet werden. “Die Kosten kann die Stadt nicht stemmen.”
https://www.frankenpost.de/region/kulmbach/Lehrschwimmbecken-bleibt-ein-Dauerbrenner;art83417,6989073

Muttern weiß das mit der Umgehung und den Zuschüttungen. Das Ersäufnis nicht.

Blick von oben auf die Wasseroberfläche des Winterbeckens.

Die Schwimmleitung des damaligen Schwimmleiters hat`s bei der Überzahl von 30 rumpaddelnden Kindern einfach nicht mitgekriegt. Kommt vor. Hab’s überlebt. Punkt. Sonst schrübe ich hier nicht, wenn ich ersoffen wär. Mittlerweile kann ich schwimmen.

Was ist mit all den jetzigen jungen Grundschülern dort?
Wo, in welchen Lehrschwimmbecken lernen sie denn überhaupt schwimmen, wenn aus Kostengründen zugeschüttet wird?

Will`s gar nicht wissen.

 

Der wasserscheue Kater

Der jetzt im Winter wie die Jungfrau zum Kind zu Fischen gekommen ist.

Die Kerlchen paddeln im Büro in ihrem von mir eingerichteten plätschernden Winterquartier vor sich hin, weil sie im Winter in ihrem 20 cm tiefen Becken draußen kaum überleben werden.

Warum baut jemand so einen niedrigen Teich in den WEG-Garten? Kleine Kinder bis 9 Jahre, die nicht schwimmen können, können auch in sehr niedrigen Gewässern ertrinken sagt das Baureferat, darum. Und warum setzt da jemand Fische rein? Keine Ahnung, hey. Aber nu sind sie da punkt.

Fazit: Diese Art Design-“Schilfteich” ist zu niedrig für jegliche Arten von Fischen, wenn man sie dort überwintert haben will. Es gab Vorschläge, dieses Garten-Biotop zuzuschütten. Aus Kostengründen.

Zugeschüttet wird nicht. Zweimal meine Kindheit zuschütten reicht.
Im Sommer dürfen sie wieder raus.

 

 

Der Nachbar, das Zeitbömbchen

Als ich klein war, hatten wir eine Nachbarsfamilie, die mit einem sehr niedrigen Zaun direkt neben unserem Haus gebaut hatte. Sie hatten eine ältere Tochter. Und einen Sohn, der ungefähr drei Jahre jünger war als ich.

Von dem später das Gerücht ging, er wäre von einem anderen Mann. Welcher etwas seltsam gewesen sei.

Dieser Sohn schlich, als er noch klein war, altersgemäß mit seinem kleinen Kumpel um die vier Ecken seines Familienhauses mit Holzschwert oder Cowboy-Pistole. Als ich mal bei ihm auf Besuch war, malten wir zusammen Ufos und Aliens. Etwas anderes konnte man mit ihm nicht anstellen. Nicht Fangen spielen und auch keine Ballspiele. Die hatten sich in seinem Garten sowieso erledigt, weil seine Mama sämtliche Bälle, die auf ihren englischen Rasen flogen, stets mit der Gartenschere und mit rotem wutverzerrtem Gesicht kaputtzuhacken pflegte. Es waren einige von unserem Taschengeld bezahlte Bälle, die wir drei Geschwister nie mehr wiedersahen.

Er konnte sich mit Aliens, und auch sonst, richtig reinsteigern. Er malte nichts anderes.

Er sagte nie viel, hatte mal den gerade eben frisch angesäten Rasen meines Vaters in einem nicht enden wollenden Wutrausch mit seinen Stiefelhacken kaputt getreten. Und danach – oder davor?, ich erinnere mich nicht mehr – den drei Birken, die uns unsere Oma pflanzte, komplett das Laub abgerissen bis sie kompett nackt waren.

Jahre später erzählte man mir, dass dieser inzwischen große Sohn weiterhin herum schlich. Diesmal mitten im kalten Winter mit kurzen Bermudas, also nackten Beinen statt wie früher nur um die vier Ecken seines Elternhauses in den Straßen der nicht mehr ganz so kleinen Kleinstadt mit ihren inwischen zu 3.200 Einwohnern geschrumpften Seelen. Er würde immer die Hände ballen und dabei ein wutverzerrtes Gesicht machen. Und garstig dabei ausschauen, obwohl er eigentlich ein Hübscher sei.

Kaum Freunde – und die Lehre als Holzschnitzer und ein paar Jahre Arbeit bei der einzigen Möbelfabrik am Ort lange her. Seitdem sei er arbeitslos. Seine Mutter habe ihm eine Eigentumswohnung gekauft, weil es zuhause mit ihm kompliziert geworden sei. Er hätte auch seine eigene Oma, die mit im Haus lebte, mal mit dem Messer bedroht.

 

Moderne Kommunikation

Fünf Mal nachts in kurzen Abständen geht’s Telefon. Klingelt jedes Mal lange.

Das Display zeigt jedes Mal “Anrufer unbekannt”. Gehe bei so etwas nicht ran. Dann aber doch. Damit es aufhört.

 

Ich: räusper: “Ja?!!”

Telefon bellt: “Wer isn do?”

Ich:Zuerst sagen SIE doch BITTE wer SIE sind! Hier steht ‘Anrufer unbekannt’ auf dem Display!”

Telefon nuschelt: “Grmbpfl!” – – –  dann Pause – – –  “Hom ghört, dass dem nuschel: Gmarbpfl wos passiert is! Is er do?”

Ich: “Wos soll ihm denn passiert sei?”  [Der genuschelte Gmarbpfl liegt im Bett, kriegt von all dem nichts mit und schläft.]

Telefon:  – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – !! (Festentschlossenes Schweigen)

Ich:Dann konn ich aber nix ausrichten, verstehns?”

Telefon bellt: “Richtens na aus, dasser sich sofort möldn soll!”

Ich: “Ähm …”

Telefon: Knöcks, tuut tuut tuut.

 

Finde den Fehler was fehlt.

Grüßgott, entschuldigen Sie die Störung, bitte, danke, hat mich gfreut.

 

Murr und Merlin wundern sich. Katzen muss man so etwas nicht sagen, sie sind von Natur aus höflich, zuvorkommend und rücksichtsvoll.

 

 

Modernes Raumverständnis

Blick auf die Sammeltüte, schon nach 2 Tagen wieder bis oben voll mit Katzenfutterbeuteln, Joghurt-, Salatbechern und Gemüseplastikverpackungen. Ich in der Küche:

“Ach du liebe Zeit, wir müssen ab jetzt dringend weniger Plastik verbrauchen!”

 

Aus dem Flur mit fester Stimme:

“Schmarrn, wir brauchen größere Sammeltüten!”

 

Unsere beiden Kater so:

Suchbuidl: Merlin oben – Murr unten

 

 

Schwarz und süß wie eine Sommernacht

Es bloggt mal wieder der Kater.

 

Ein Fuchs aus der Gascogne oder Normandie,

Verhungernd fast, hat Trauben am Spalier erschaut.

Sie hingen hoch – doch ach, wie köstlich lockten sie

Mit ihrer reifen zartbehauchten Haut!

Das wär ein Mahl, wie’s unserm Burschen wohl behagte.

Doch unerreichbar hing die süße Traubenglut.

Drum rief er: „Pfui, wie grün! Die sind für Lumpen gut!”

Und war’s nicht besser so, als dass er sich beklagte?

Jean de la Fontaine (1621-1695)

 

Letztes Jahr waren die Bienen nicht da und es gab trotz vieler Blüten keine Beeren. Heuer haben wir endlich Beerenglück mit unserer kleinen dornenlosen Brombeerhecke. Wir hoffen, insgesamt mindestens 3 Töpfchen zu ernten.

Bestes Terroir: Reifenstuel Südhang, zwischen Portlandrosen und Kindersandkasten, neben 1 Baldrianpflanze, diversen Brennesseln, 1 einsame rote Lichtnelke und 1 fette römische Wegkamille überragend.

 

Erste Pflückung am Abend:

Teller voller schwarzer Brombeeren aus eigenem Garten

Brombeerpfannkuchen an Vanilleeiskugeln mit Sahne wäre eine feine Idee.

 

 

Voraussehbares Nirvana

NIRVANA Cover-Spoof von Pål Nordseth  CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

 

Es gibt fast nichts Sichereres, wenn man von jemandem nichts mehr hören möchte:

Man muss in Zeiten von WhatsApp und Twitter nur darum bitten, zwei, drei Fragen per E-Mail zu beantworten.

 

E-Mail heißt nachdenken und längere schlüssige Sätze tippen.

Auf diese Mail wird man ewig warten.

 

Fort sind sie. Ins Nirvana abgetaucht.

Funktioniert erstaunlich oft. Läuft.

 

Merlin ist ein Kater und ein Rittersporn.

Und kann 1 Meter 70 hoch werden.

 

Nein, nicht unser schwarzer sau-sensibler Kater Merlin. Der ist zwar auch langhaxig und lang bis zur Schwanzspitze, aber er photosynthetisiert nicht in die Höhe.

Es geht um diesen hübschen Burschen hier.

Merlin der Rittersporn

Merlin der Rittersporn

Eine Karl-Förster-Züchtung. Von Gaissmayer

Dem ich gestern ein schönes Bettchen gemacht habe in der Pflanzschale. Neben seinem Kollegen ‘Morgenthau’. Vor den dornenlosen Brombeeren wird er es gut haben.

Der Kater davor auch.

Ziemlich beste Freunde

Wer sagt denn, dass man mit seiner Mieze nicht reisen kann:

Hach!

Was müde macht

Der KATER berichtet

 

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Albert Einstein

 

Neulich schon wieder einen am Hörer, der wollte dass das Büro meiner Herrin auf die Schnelle und auf Verdacht eine Summe nennt. Zack. Ins Blaue. Kann doch nicht so schwer sein. Wieder einmal kurz vor ‘Ladenschluss’ Viertel vor Sechs abends. Weiterlesen

Die Königin der Nacht (eulen)

Der Mensch ist doch wie ein Nachtgänger, ersteigt die gefährlichsten Kanten im Schlafe.
Johann Wolfgang von Goethe

 

Heiße Sommernächte bringen einen um den Schlaf.
Also bleibt man lieber gleich wach.
 

Gestern um Mitternacht blühte C.s Epiphyllum. Ich also mehrmals die Treppen in den 4. Stock hoch und zurück und wieder hoch mit dem Equipment. Die erste Blüte vor zwei Tagen fotografierte ich mit abgedimmtem Blitz. Gefiel mir nicht so, wirkte wie Plastik. Die von gestern Nacht aber hey duftig mit indirektem Licht und mehr von hinten. Und mit C.s Hilfe bei den Ausleucht-Tests:

Wir prüfen die Position, wie die Beleuchtung am besten kommt.

C. hilft beim Ausleuchten. Uhrzeit 0:30.

Die Königin der Nacht - nachts um eins, Treppenhaus 4. Stock

Ort: Treppenhaus 4. Stock. Uhrzeit 0:45. Name der Schönen: Königin der Nacht, Epiphyllum. Herkunft: Montenegro

 

Nachteulen wie der Kater wissen: Es lohnt sich, wach zu bleiben.

 

Cross gesellt ‒ aus dem Marketing-Zyklus “Heiter durch den Tag”

Wer als hoffnungsloser Katzenidiot (ich) seinen Katzen Bananen-Bandanas kauft (weil sie in einer Bananenkiste vor die Türe gelegt wurden …), kauft seinem Mann auch das:

Latz

 

Und seinem Kunden das da  …  oder umgekehrt … flickr.com

Eulen-Rassel, gehäkelt

(Eulen)Rassel; Baby; Kleinkind; Spielzeug.

 

Und das  …  der Hahn auf dem Mist … für Gockel egal welchen Alters … etsy.com

Hahnenmütze, gehäkelt

 

Und das  …etsy.com

Raubtierpfoten-Schuhe häkeln

Raubtier-Pfoten häkeln

Das Letzte ist Hammer. Ob ich dem Daniel welche häkeln soll?

 

Kralle zeigen …

Komm an mein Herz, mein schönes Katzentier; Zieh ein der Tatze Krallen, Gönn einen Blick in deine Augen mir, Achatgesprenkelt und metallen.
Charles Baudelaire

 

… kann sich heute nur noch die Katz’ erlauben.

Merlin: Schau, wie ich schau!

Kater Merlin Kralle

Kater Merlin bei der Arbeit (Mail an komische Kunden)

Die Beschwerden über mein Verhalten (und nicht über die Katze)

Die Beschwerden über mein Verhalten häufen sich.

Am fleißigsten häuft Vroni, die am meisten von meinem Verhalten abkriegt, also schon rein statistisch mehr Material zum Häufen ansammeln kann. Natürlich liefere ich, was ich kann.

Ebenso natürlich liefere ich weder aus Stolz auf mein Ungenügen noch aus böser Absicht. Leider lässt sich niemals sagen, es sei nicht so geplant gewesen, habe sich nur so ergeben, weil jeder seines Glückes Schmied ist durch die Entscheidungen, die er sein Leben lang im Millisekundentakt zu treffen hat. Wie jeder denkende und fühlende Mensch versuche auch ich Kenntnis auf Erkenntnis zu häufen und nicht immer nur die doofen Beschwerden, um Göttern oder wenigstens Gelehrten zu gleichen. Wie jedem denkenden und fühlenden Menschen muss mir jedoch die Verantwortung all der Millisekunden erst alle Knochen und dann das Herz brechen, und am Ende gleiche ich doch wieder einem Knalldeppen. Gut, dass es nur die Beschwerden über mein Verhalten sind, die sich da häufen, und nicht über mich selbst, sonst wäre ich schon vor sehr vielen Millisekunden Kummers und Schande gestorben.

In meiner Gesellschaft kann eine stinknormale Samstagnacht nämlich durchaus schon mal knapp zusammengefasst ablaufen wie:

Die Frau stellt fest, dass eine von zwei Katzen im Bett fehlt.
Die Katze muss gesucht werden, genauer: Die restliche Nacht muss durchwacht werden.
In der Baustelle im Nachbar-Innenhof fällt man besser nicht in die Baugrube, sonst saut man sich die nagelneue Levi’s 501 (36/36) von oben bis unten mit Schlamm ein; das Dilemma ist: Man kann es auch nicht bleiben lassen, sonst: schuldhafte Vernachlässigung möglicher Aufenthaltsorte einer jungen Katze, die noch gar nicht raus darf.
In der richtigen Stimmung kann man lärmende Gäste von Hausnachbarn, die früh um halb fünf im Regen auf ein Taxi warten, mit einem einem einzigen Blick zur Ordnung rufen. Erfolgreich.
Man muss auch in den frühen Sonntagmorgenstunden die relevanten Hinterhöfe mehrmals nach der Katze absuchen. Auch die mit Baustellen. Besonders in den frühen Sonntagmorgenstunden. Besonders die mit Baustellen. Und vor allem: mehrmals.
Man kann sich dabei sogar die Schulter auf mehrere Tage behandlungswürdig verrenken. Man kann ja jederzeit bei einem Arzt vorsprechen, die Katze kann das nicht.
Sonntag früh um fünf ist eine gute Zeit, um Futternäpfe mit ausgesuchten Leckereien im Treppenhaus und an regengeschützten Plätzen im Freien aufzustellen. Findet die Frau.
Sonntag früh um halb sechs ist eine gute Zeit, um von einem frisch dazueroberten Schlafplatz aufzustehen: dem zweitobersten Regalfach hinter den zweitneuesten Levi’s 501 (auch schon 36/36, meine — schwarz) und einem nicht ganz billigen Schal mit goldenen Troddeln (ihrer — schwarz). Findet die Katze (schwarz).
Und es macht dann besonders Spaß, Frauchen und Herrchen vom gemütlich geheizten Zimmer aus beim mehrfachen Absuchen der Hinterhöfe zuzuschauen. Jedenfalls spinnen die alle — findet abermals: die Katze.
Nach kurzem Erschöpfungskoma ist eine gute Zeit, endlich eine anständige Taschenlampe zu bestellen. Findet die Katze zwar nicht, weil man die nicht fressen kann, aber die Katze wird ausnahmsweise nicht gefragt.

Mein Gott, Riebesehl“, stöhnt Vroni, “kannst du nicht einmal eine Katze suchen wie andere Leute auch?”

Die Beschwerden über mein Verhalten häufen sich, wahrscheinlich sind sie sogar berechtigt. Vielleicht sollte ich doch lieber …

Ach, letztendlich ist wurschtegal, was ich sollte: Leben kann man davon garantiert nicht.

Die süßen, traurigen Schmuse-Jungs Tommie & Timmie suchen ein neues, liebevolles Zuhause!

[sharify]

Hier alle beiden:

Wir suchen ein liebes Zuhause

Die beiden Katzenbrüder Tommie und Timmie (hinten) sind wieder traurig und warten endlich auf ein liebes Zuhause

Leidvolles Pech für sie:
Die beiden Schmuser hatten ebenso rasch wie ihre anderen 4 Brüder ein Zuhause gefunden, leider bekam das Söhnchen der Familie eine Allergie.

Eine traurige Sache. Sie brauchen dringend erneut ein gutes Heim! Sie sollen zusammenbleiben, auf gar keinen Fall getrennt werden und werden ausschließlich zusammen vermittelt!

Nur für den Interessenten selbst bei Nachweis eines guten Zuhauses. Aber bitte nicht jemandem Unwissenden als Überraschung, als Weihnachtsgeschenk schenken. DONT, machen wir nicht. Das ist eine ganz schlechte Idee, die beiden Katerchen verkraften es nicht mehr, noch einmal herumgeschoben zu werden.

Sie sind übrigens im echten Leben gut zu unterscheiden: Tommie (vorne) ist etwas rundlicher als Timmie.

Lieber Leser, verbreitet dieses Blogpost, auch gern auf Facebook, lest es, meldet euch bei uns:
An Wolf mailen: wolf@gute-worte.de

Oder sich bei Vroni melden: join@vroni-graebel.de
Beides geht.

Hier Tommie nochmal in groß, wie Timmie ein 5 1/2 Monate junger Schmusekater:

trauriger, süßer Kater Tommie

Tommie weint oft und ruft klagend, weil er sein frisch gebackenes Zuhause wieder verloren hat.

Gottseidank hat des Söhnchens Maman diese beiden schwarzen schmusigen Jungs nicht ins Tierheim abgeschoben, wo es ihre kleine Katzenseele endgültig gebrochen hätte, sondern sie vorübergehend wieder bei Frau F. untergebracht. Sie liebt Katzen über alles, hat aber leider schon so viele, dass es zu viel wird.

Die wahre Geschichte von Tommie & Timmie:

Sie wurden ihr, der Frau F., zusammen mit 4 weiteren Brüdern als 1 Woche alte Babies in einer Bananenkiste anonym vor die Haustür gestellt.

6 Brüder auf einen Streich

Die 6 Katzenbrüder, all levels of cuteness exceeeded

Ich berichtete hier bereits darüber (6 Katzenbuben an der B14 ausgesetzt, die 6 BANANA-BROTHERS)

Zwei davon, Merlin & Murr, sind vor kurzem bei Vroni und Wolf untergekommen. Diese beiden süßen Jungs hier auf dem Bild sind ihre echten Brüder. Nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten (große dunkle orange-braune Bernstein-Augen) sondern ähnliche Charaktere, wie mir berichtet wurde: schmusig, köpfelnd, clever, unkomplizierte Esser. Und sehr stubenrein, sauber, verträglich, da gibt es gar nichts.

 

Bite meldet euch, unsere E-Mail-Adressen sind oben angegeben. Wir melden uns auch rasch bei euch zurück, rumpennen können wir wenn wir tot sind. ;-)

Rumschnurren

„die scheinasylanten können doch nur kinder machen und rumschnurren. (Pegida- und Fratzenbuchdeppen)

 

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young:

Moritz am Ende ihrer Tage

My sun sets to rise again. (Moritz,17, † 17. Mai 2015)

Wann’st euch net endlich schleicht’s, ihr Bratz’n, ihr Nichtintegrierten, ihr Sprachverhunzer, ihr strukturellen Analphabeten, ihr Hohlraumbenutzer, ihr Brettergymnasiasten, wenn ihr so lang wär’t wie ihr dumm seid, dann könntet ihr den Mond mit Sidolin putzen. Rumschnurren, das tun nur wir!!einself!!!!!!!

 

 

 

Es ist, ist es nicht.

 

 

 

My sun sets to rise again

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater. 17 und forever young.

Moritz am Ende ihrer Tage

My sun sets to rise again. (Moritz,17, † 17. Mai 2015)

 

Believe me. Sometimes when life looks to be at its grimmest, there’s a light, hidden at the heart of things. Clive Barker in “Abarat”

 

 

 

 

Die handaufgezogenen BANANA BROTHERS

Diese beiden ehrsamen, hochintelligenten, sau-sensiblen Katzenbuben werden meinem Personal meine Abwesenheit versüßen. Sie wurden Moses-ähnlich – statt in einem Weidenkörbchen – in einer Supermarkt-Bananenkiste mitsamt ihrer Frau Mama und weiteren vier Katzen-Buben, auf grässliche Art an einem Haus an der vielbefahrenen, ebenfalls grässlichen B14 ausgesetzt.

Scheues, sensibles Katerchen Murr im Kleiderschrank von Wolf
Ganzklein-Katerchen Murr, bei Einzug 11 Wochen alt und noch sehr scheu. Müde nach der Reise. In Wolfs Kleiderschrank hinter den Trainingshosen rechts.

Katerchen Murr auf Chefsessel
Aktuell Klein-Kater Murr, 14 Wochen alt und ebenfalls müde, aber diesmal entspannt auf dem Chefsessel.

Katerchen Merlin in Wolfs Kleiderschrank, hinter den Trainingshosen
Winz-Katerchen Merlin, bei Einzug 11 Wochen alt und ebenfalls noch scheu, fast wild. Der schwarze Fellball fauchte so gut wie immer. Fauch-mode: on, permanently. Gute, sehr spitze, mindestens 100 sehr weiße Zähnchen. In Wolfs Kleiderschrank hinter den Trainingshosen links, beide eng beieinander.

Katerchen Merlin auf Chefsessel
Katerbube Merlin, aktuell 14 Wochen alt. Faucht nur noch wenn es muss. Position Co-Chef Banana Republik Ltd.

Die Frau Mama lief nach der Öffnung der Kiste in hoher Panik davon. Übrig blieben 6 Buben, alle nur 1 Woche alt und gerade mal die blauen Augen offen. Die engagierte Finderin und Bewohnerin des Hauses an der B14 nahm sofort Urlaub, ging zum Tierarzt und besorgte sich Fläschchen samt Aufzuchtmilch. Im Abstand von je 2 Stunden wurden die sechs, wie ehedem Knut der Eisbär, zu dritt – mit der Hilfe von Nachbarin und Freundin – mit der Hand aufgezogen.

 

Gruß,

Moritz
My sun sets to rise again. Poem from Robert Browning

 

Have you found your life distasteful?
My life did and does smack sweet.

Was your youth of pleasure wasteful?
Mine I save and hold complete.
Do your joys with age diminish?
When mine fail me, I’ll complain.
Must in death your daylight finish?
My sun sets to rise again.

“At the ‘Mermaid'”(1876)

 

Dem glänzt noch das Abendrot, der am Morgen wollt’ verzagen

Man konnte es seit über 17 Jahren ahnen und hat es seit etwas weniger befürchtet: Irgendwann müssen wir Moritz, den besten Miez der Welt und den Sonnenschein unserer Tage, begraben. Das Loch dafür auszuheben war vermutlich die schwerste Arbeit, die ich je verrichten musste — nicht so sehr wegen des widerspenstigen Lehmbodens unter der Hecke meiner Schwiegermutter, eher wegen der Aussicht, dass, wenn ich damit fertig bin, nichts Schönes und nichts Sinnhaltiges in der Welt übrigbleibt.

Von solchen Aussichten werden ganz die freudigen verstellt: In den frühen Morgenstunden des 1. Mai ist die Tochter des Hauses nach bewegter Walpurgisnacht zusätzlich zu ihren Titeln als Doktor und Professor auch noch Mutter geworden. Wie die Doktorarbeit und Habilitationsschrift heißen, hab ich vergessen, aber der Bub heißt Daniel.

Damit wäre nicht nur geregelt, wer mal unsere Wohnung, die wir einst um drei Katzen herumgekauft haben und die immer noch nicht abgezahlt ist, und — zum Beispiel — meine Bibliothek, die niemals vollständig sein wird, erbt, sondern sogar, an wen die ihrerseits sie weitervererben werden. Mithin lässt sich ab sofort absehen, wann die Wohnung von den Überlebenden als Schutthaufen in der falschen Gegend und die Bibliothek als ein paar Zentner Altpapier angesehen werden. Kreise schließen sich nicht, wenn sie Abwärtsspiralen sind.

Und was unternimmt Stiefopa? Spart seit 1985 auf nichts Bedeutenderes als die große durchkommentierte Ausgabe “Phantasus” von Ludwig Tieck, die für 102 Euro im Deutschen Klassiker Verlag, 1-, 2- und 5-centweise in drei Kaffeetassen, als ob er damit den Wohnwert steigern könnte. Vroni meint: “Na, wenn’s texten hilft.”

Erwachsensein ist kein Gewinn; Erwachsensein heißt dreißig Jahre lang auf ein Buch zu sparen und dann nach einer Entscheidung von drei Sekunden den Betrag knapp zu verdoppeln, um davon seinen besten Freund einschläfern zu lassen. Wahrscheinlich hatte Moritz auch damit recht, vor seinem Achtzehnten abzutreten — was allerdings nicht mehr für die neue Hoffnung namens Daniel gelten kann, der gar nicht mehr zu vermitteln sein wird, wer oder was mal ein “Ludwig Tieck” war.

Moritz hätte gesagt: “Ihr Dosenöffner habt manchmal echt nicht alle Haare an der Schnurrn.”

Soundtrack: Reinhard Mey: Menschenjunges aus: Menschenjunges, 1977.

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