Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Vielleicht eine traurige Geschichte

Ob ers schafft?

Der Kater bloggt.

 

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.

Thich Nhat Hanh

 

 

Ein kleiner Mauersegler rummst gegen das Wellblechdach von Clarissa, dann gegen das neue strahlend saubere Glas des Vordachs der WEG Rückgb. oder gegen beides.

Sein rechter Flügel hat nun einen leicht anderen Winkel, ansonsten wirkt er nur leicht benommen. Er flattert ungeduldig in der Hand, als wenn er gleich wieder in die Lüfte steigen wollte. Oder vor Schmerzen. Er nahm Anlauf, er torkelte.

Wir nahmen ihn auf.

In eine enge abgedunkelte Kiste, damit er sich wieder beruhigt. Mit Kleenex unten drunter und mit Anschmiegematerial zum Wohlfühlen. Dann herum telefoniert, wer so ein Tier kann und es vielleicht wieder hinkriegt. Geschlagene 2 Stunden. Dann war mir klar, dass das fast nur freiwillige und sehr Engagierte machen, die überlastet sind und keinen Pfennig dafür kriegen. Und daher halt ein wenig unorganisiert.

Als ich auf die Website der kompetenten Frankfurter Mauerseglerklinik (wow!) gelangte, dass er innen drin Brüche haben kann, die man außen nicht sehen kann. Oh.

Derweil schaute er mich mit seinen großen blanken Augen an und ließ sich an seiner Kehle vorsichtig kraulen. Ich hatte keine Ahnung, was das für schöne Tiere sind, die jeden Tag vor unserem Fenster in die höchsten Lüfte steigen. Meisterflieger.

Die Versuchung war groß, dieses wunderbare Tier einfach vorläufig zu behalten, wenn das so schwierig ist, für es eine Stelle zu finden. Um zu schauen ob sein Flügel sich nicht auch so erholt.

Dann war da diese Sache mit den Heimchen, die man lebendig kaufen soll.

Denn Mauersegler fressen nur so etwas. Und keinen Hack oder ähnliches Zeugs, davon werden sie krank. Die Heimchen dann einfrieren und wenn gefroren, ihnen dann die Beinchen wegknipsen. Oh. Und dann aufgetaut und angewärmt füttern, hm. Wenn’s geht das aufgewärmte Heimchen mit einer B-Komplex-Spritze impfen, ab und an auch Vitamin D spritzen. Dann damit füttern. Wobei erwachsene Tiere nicht so kooperativ seien wie Jungtiere. Das Ganze Minimum 6 mal am Tag jeweils 2-3 Heimchen. Und zu trinken geben.

Dabei ist noch nicht klar, ob sein Meister-Flügelchen durch bloßes Abwarten je wieder so gesund werden wird wie vorher. Er hat Schmerzen und ich kann ihm nicht helfen, weil wieder einmal alles zu war.

Las in der Klinikseite der Frankfurter, dass unbehandelt eine Prellung oder Luxation zu Verwachsungen und Gewebeeinlagerung führen kann. So fliegen sie dann nicht mehr gut, weil falsche Belastungen. Das ist das Todesurteil für diese wunderschönen Gottesgeschöpfe.

So gab ich meinem Herzen einen Stoß und ging am strahlenden July Morning um 7 Uhr zur Tierrettung München in Schwabing. Die den Kleinen an die LMU Klinik für Reptilien und Wildvögel übergeben. Dort bekommt er endlich die Schmerzmittel die er schon seit 12 Stunden bräuchte und Heimchen, dort wird er geröntgt, um zu sehen, ob Brüche (dann hat er als Meisterflieger keine Chance mehr) oder etwas anderes.

In der Tram 27 spitzte sein Köpfchen raus und ich kraulte ihn zum letzten Mal am Kinn. Er wollte nichts als fliegen.

Wieder zuhause. Abgegeben wie einen Säugling in der Klappe, furchtbar. Ich hoffe für ihn, ich erfahre nichts. Er hat eine Chance, wenn auch nur eine kleine.

Derweil fliegen seine Brüder und Schwestern zuhaufen im Blau und rufen Sri, Sri!
Muss weinen.

Warte auf den Anruf.

 

Aus der prekären Bildungsnähe

Die wenigen Menschen, die öfter im Leben mit Spuren von Wohlwollen an mich denken, kennen mich als “Büchermenschen”, gern auch mit einem anderen Tier als Determinatum. Stimmt ja auch: Glück ist eine möglichst gut erhaltene alte Schwarte von Eichendorff oder eine von Ludwig Richter illustrierte — beides gleichzeitig gibt’s nicht — und bis 1996 hab ich Germanistik studiert.

Das war allerdings das letzte Mal, dass ich einen Hörsaal von innen gesehen hab; nur einen weitgehend ungenutzten Bibliotheksausweis der Uni München hab ich noch. Für den Buchhandel bin ich verloren: Wer braucht schon verlagsfrische Bücher, die sich noch kein Jahrhundert lang bewähren konnten, und Antiquariate sind viel lustiger. Denen trag ich meistens nur den Straßenschmutz aufs abgewetzte Parkett, ohne ihnen Geld dazulassen, weil ich genau so lange eine bezahlte Beschäftigung hab, bis der Richtige das Gegenteil behauptet. Und wenn ich mich historisch bilden will, dann mit Fernsehdokumentationen aus dem Hause Terra X, in vollem Bewusstsein, was von denen zu halten ist.

Den “Büchermenschen” lässt man sich schon lieber gefallen als Schimpfwörter aus dem Fäkalbereich, aber wenn ich nach einem Vierteljahrhundert noch Akademiker sein soll, wer ist dann eigentlich bildungsfernes Prekariat?

Soundtrack: Isa “Master Your Mind” Ulubaev:
5 Bücher, die du lesen musst, 7. Februar 2017:

Entschleunigung ja – aber nicht so!

Der Firefox 89 ist ein Witz

Der Kater beschwert sich

 

Treue macht nur am Anfang Spaß. Juliette Gréco

 

 

Jahrelang war ich dieser lahmen Ente Firefox treu. Doch was sie sich jetzt leistet, was soll man da sagen.

Vergangen die Jahre des Aufbruchs als das noch ein flotter Browser war.

Zähflüssig, langsam, stockende Streamings, Webseiten, die sonst schnell gingen, brauchen nun eine gefühlte Ewigkeit um sich aufzubauen. Ich nehme das an 2 sehr unterschiedlichen Rechnern wahr, wovon der eine eine flotte Menge an Arbeitsspeicher hat. Es gibt – früher schnell öffnende – Seiten, da kann ich mir jetzt in der Zwischenzeit Wasser kochen und einen Tee zubereiten, rödelt dieser Browser immer noch. Und zwar schön mit nix also weiß mit dem grauen Rödelrädchen in der Mitte.

Die weitere Unart dieses Unbrowsers seit ungefähr einem Jahr, sich uralte ehemals eingegebene Passwörter zu merken und dafür die neuen gespeicherten zu killen, nahm ich noch mit Gleichmut hin. Aber jetzt zucken meine Krallen.

 

Gruß an den Rödelfuchs,

der Kater, der zum Schreiben dieses Beitrags auch erst nach 10 Minuten rein gekommen ist. Meh.

 

 

 

Lautsprechermatsch

Herbstln duats: Im Supermarkt besteht die Obstauswahl hauptsächlich aus Erdbeermatsch und Kirschenmarmelade mit Stielen. Und beim Reparieren hab ich den Ersatzlautsprecher für den Laptop, der zugleich der Fernseher des Hauses ist, geschrottet. Das war nötig, weil sich nach zwei Fehllieferungen von Ersatzteilen aus dem großen, stolzen, fernen Guangzhou der alte immer noch nicht von selber reparieren wollte. Also neuen Ersatzlautsprecher bestellt, damit man die anderen zwei, die seit zehn Jahren den Schreibtisch blockieren, mit besserem oder mit schlechterem Gewissen wegschmeißen kann, je nachdem, wie man sich’s schönredet. Momentan wird mit einem regenschirmförmigen portablen Soundelement beschallt. Macht aber nix angesichts der Geldmengen, die man sparen kann, weil das letzte erreichbare Antiquariat in der Schellingstraße doch noch dicht gemacht hat.

Truth is the perfect disguise

“What kind of music do you usually have here?”

“We got both kinds, we got country and western.”

Blues Brothers in Bob’s Country Bunker, 1980.

All she could pay was attention
So all they could take was her time
Proving an ounce of possession
Ain’t worth a piece of your mind.

‘Cause nightmares are somebody’s daydreams
Daydreams are somebody’s lies
Lies ain’t no harder than telling the truth
Truth is the perfect disguise

Kris Kristofferson: Sandy, aus: Spooky Lady’s Sideshow, 1974.

Diese Woche aufgefallen und mit eilig neu angeschafften Kamerabatterien dokumentiert:

Fällt ja sofort ins Auge, nein: sogar ins Ohr, dass es nur ein Liedertext sein kann. In diesem Fall von The Legendary Band aus: Pirates, 2014. Und es erinnert doch stark an eins der frühen Funny Forwards, für das die — oft aus Gründen — anonym gebliebenen Content Provider mehr überlegen mussten, als wie man einen Text nicht über 30 Anschläge Impact bold versal in ein ohnehin überstrapaziertes Filmbildchen photoshoppt.

Wirklich beeindruckt war ich erst diese Woche — nach der Entdeckung eines Aufklebers von 2021 zur Werbung für eine CD (sic) von 2014 — bei der Erkenntnis, dass die Liste gar nicht so frei erfunden ist, wie sie aussieht. Die Lieder gibt’s wirklich, die liebevoll gesammelten Zeilen nicht immer als Überschrift, sondern umso schwerer auffindbar als Zitat — und die meisten lohnen sich sogar aufzurufen. Yeehaw, folks.

The Best of the Worst Country-Western Song Titles

  • Drop Kick Me, Jesus, Through The Goalposts Of Life
  • Get Your Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed
  • Get Your Tongue Outta My Mouth ‘Cause I’m Kissing You Goodbye
  • Her Teeth Were Stained, But Her Heart Was Pure
  • How Can I Miss You If You Won’t Go Away?
  • How Can You Believe Me When I Say I Love You When You Know I’ve Been A Liar All My Life?
  • I Been Roped And Thrown By Jesus In The Holy Ghost Corral
  • I Changed Her Oil, She Changed My Life
  • I Don’t Know Whether To Kill Myself Or Go Bowling
  • I Fell In A Pile Of You And Got Love All Over Me
  • I Flushed You From The Toilets Of My Heart
  • I Keep Forgettin’ I Forgot About You
  • I Wanna Whip Your Cow
  • I Would Have Wrote You A Letter, But I Couldn’t Spell Yuck
  • I Wouldn’t Take Her To A Dawg Fight, Cause I’m Afraid She’d Win
  • I’d Rather Have A Bottle In Front Of Me Than A Frontal Lobotomy
  • I’m Just A Bug On The Windshield Of Life
  • I’m The Only Hell Mama Ever Raised
  • I’ve Been Flushed From The Bathroom Of Your Heart
  • I’ve Got The Hungries For Your Love And I’m Waiting In Your Welfare Line
  • If I Can’t Be Number One In Your Life, Then Number Two On You
  • If Love Were Oil, I’d Be A Quart Low
  • If My Nose Were Full of Nickels, I’d Blow It All On You
  • If You Don’t Leave Me Alone, I’ll Go And Find Someone Else Who Will
  • If You Leave Me, Can I Come Too?
  • Mama Get The Hammer (There’s A Fly On Papa’s Head)
  • My Every Day Silver Is Plastic
  • My Head Hurts, My Feet Stink, And I Don’t Love Jesus
  • My John Deere Was Breaking Your Field, While Your Dear John Was Breaking My Heart
  • My Wife Ran Off With My Best Friend, And I Sure Do Miss Him
  • Oh, I’ve Got Hair Oil On My Ears And My Glasses Are Slipping Down, But Baby I Can See Through You
  • Pardon Me, I’ve Got Someone To Kill
  • She Got The Gold Mine And I Got The Shaft
  • She Got The Ring And I Got The Finger
  • She Made Toothpicks Out Of The Timber Of My Heart
  • She’s Got Freckles On Her, But She’s Pretty
  • Thank God And Greyhound She’s Gone
  • They May Put Me In Prison, But They Can’t Stop My Face From Breakin’ Out
  • Velcro Arms, Teflon Heart
  • When You Leave Walk Out Backwards, So I’ll Think You’re Walking In
  • You Can’t Have Your Kate And Edith Too
  • You Can’t Roller Skate In A Buffalo Herd
  • You Done Tore Out My Heart And Stomped That Sucker Flat
  • You Were Only A Splinter As I Slid Down The Bannister Of Life
  • You’re The Reason Our Kids Are So Ugly

Soundtrack ist das aus der Liste, das einem wieder kein Mensch glaubt:
Jimmy Buffett mit den Oak Ridge Boys als Background-Schubiduapdap-Truppe: My Head Hurts, My Feet Stink, And I Don’t Love Jesus, aus: Havana Daydreamin’, 1976:

Nine, ten — never sleep again

Nichts Schlimmeres als eine Baustelle vor dem Fenster. Vor dem Fenster zur Straße. Vor dem Erdgeschossfenster zur Straße. Außer:

Die Baustelle wäre wieder abgebaut, man verstünde schon vor 19 Uhr sein Radio und wachte erst nach 7 Uhr auf. Die Bagger, Dampfwalzen und Wohncontainer der eingeflogenen Straßenbauexperten wären abtransportiert, der Gehsteig wäre kein eingezäunter Hindernisparcours mehr, der Blick aus dem Schlafzimmerfenster schweifte frei bis zur anderen Straßenseite. Nach Abermonaten wäre Nachtruhe kein dienstplanbedingt zugeteilter Luxus mehr. Kann man sich, glaub ich, vorstellen.

Dann hätte man beim abendlichen Studium des Filmschaffens der 20. Jahrhundertmitte sein Handy neben sich aufs Kopfkissen gelegt, weil man neuerdings wieder einen Wecker bräuchte. Dann piepste eine MMS. Dann nähme man sein Handy, um nachzuschauen, wer einem nach Mitternacht noch Bilder schickte. Unbekannte Nummer, es ist ein Bild von der eigenen Rückansicht im Bett liegend und das Filmschaffen der 20. Jahrhundertmitte studierend, vom Schlafzimmerfenster durch die Jalousienritzen aus. Sobald man im Bett herumführe, sähe man gerade noch hinter der Jalousie einen Schatten davonhuschen.

Damit dergleichen nicht erneut vorfiele, installierte man sich gleich am Lieferdatum eine legal erhältliche Überwachungskamera, die den Gehsteig beobachtete. Am nächsten Morgen wäre sie verschwunden, weil man ein leises Rappeln an der Jalousie morgens um drei aus Trägheit nicht weiter verfolgt hätte, um weiter von amerikanischen Filmen zu träumen, in denen die Leute ungestraft jeden über den Haufen ballern dürfen, der sich ihrem Privatgrund nähert. Die letzte Aufzeichnung auf dem Laptop zeigte in grobem Korn einen schwarz vermummten jüngeren Mann mit Kapuze, der die Hand nach dem Objektiv ausstreckt, dann bräche die Übertragung ab. Soviel vom Gesicht zu erkennen wäre, war es Freddy Krueger.

Ominöse Telefonbotschaften rissen ab sofort nicht mehr ab. Die Polizei belangte einen wegen des Anfertigens weder genehmigter noch unkenntlich gemachter Aufzeichnungen aus dem öffentlichen Raum.

Glauben Sie nicht? Nun, natürlich war es nicht zwingend Freddy Krueger.

Fachliteratur aus der Regensburger Weststadt: Lisa Schnell: Der Typ an der Jalousie, Süddeutsche Zeitung 29. Mai 2021.

Bande sonore: Carla Bruni: Quelqu’un m’a dit, aus: Quelqu’un m’a dit, 2003, das so ziemlich gruseligste Video des 21. Jahrhundertanfangs:

Tag 2 ohne Duolingo

Soviet Visuals, Цирк уехал, клоуны осталисьDass der Entzug nicht einfach so ohne Turkey abgehen könnte, wurde mir gesagt. “You started learning with Duolingo 1 year ago. Keep up the good work!” schreiben sie mir bis jetzt noch kooperativ, als ob sie nicht ahnten, dass ich nach einem Jahr im Status eines “Wildfire” in der “Amethyst Legaue” mit voller Absicht aussteigen will. Das Härteste wird, ihren täglich anstehenden Sirenengesangseinlagen zu widerstehen, dass ich doch weiterlernen soll, nur weil ich zufällig motiviert wäre. Was sie nicht wissen: Motiviert war ich nicht mal am ersten Tag von den 365. Das wird sich auch nicht so schnell ändern, wenn mich bis heute jede Hotel-Azubimaus auslacht, sobald ich beim Reinkommen привет sag, und nein, das hatte nie “was mit Corona” zu tun, sondern mit einem gewissen Ehrgeiz, auf meine alten Tage noch Чехов im Original zu lesen. Was hab ich mir wohl je eingebildet, wen ein Golden Ager noch kennenlernen sollte, mit dem er Russisch reden muss — und warum er jemanden kennenlernen will, der kein Englisch kann? Nächstes Mal fang ich Monolingo an, falls es die gibt; bei denen bleibt man einsprachig und hält gesittet die Klappe, wie man es als allererstes gelernt hat.

Kommt gerade rein, während ich das schreibe: Betreff “That 365 day streak is seriously impressive. Duo’s advice? Practice Russian today!”

Sie kommen.

Цирк уехал, клоуны остались.

Bild: Soviet Visuals: “The circus is gone, but the clowns remain: Popular Russian expression to describe people who are acting in a strange or absurd way”, 29. Mai 2021.

À la recherche des aufgegebenen Weblogs

Soweit ich das überblicke, sind inzwischen die ganzen Blogs, in denen einer darüber berichtet, wie er Auf der Suche nach der verlorenen Zeit liest, aufgegeben bis gelöscht. Genau genommen handelten alle davon, wie einer es nicht liest. Fleischlich, nein: digital vorhanden sind noch:

Marcel Proust hätte schon wieder zwanzig Seiten darauf verwendet, ob einen Langzeitversuch zu einer Unterlassung aufzugeben eine sinnvolle Unternehmung ist oder nicht.

Bei Proust schon. Und den Jochen Schmidt von 2008 gibt’s bis auf weiteres gedruckt: Schmidt liest Proust: Quadratur der Krise (Taschenbuch 2010), 608 Seiten.

Soundtrack: Die Sonate, die es nicht gibt, von einem Komponisten, den es auch nicht gibt: La Sonate de Vinteuil, 1913, wiedergegeben in Le Temps retrouvé, 1999:

Begriffe wie:

Versteh einer die Balanstraße:

[…] Zuvor war seit 1867 die amtliche Bezeichnung „Irrenweg“ wegen der dort seit 1859 anliegenden Kreisirrenanstalt München (bis 1900, seit 1919 Salesianum für benachteiligte Jugendliche). Nachdem sich mehrere Bewohner erfolgreich gegen diese Bezeichnung gewandt hatten, erfolgte die Umbenennung zugunsten der „ruhmreichen Erinnerungen für die bayerische Armee, in Sonderheit für die Münchner Regimenter“.

Begriffe wie Balanstraße

Die Begriffe bitte ich selbstständig zu entziffern. Mit der Auflistung zieht man sich bloß komische Suchanfragen.

Buidl: Sejwagmacht, März 2021; schenk i Eahna.

Lifehack: Torte für noch einen Tag früher bestellen, dafür mehr Schnaps anschaffen

Wir haben ja, falls uns jemand schon immer mal was schenken wollte, im Abstand von zwei Tagen — und ich sag jetzt nicht, wie vielen Jahren — Geburtstag. Zwei dickschädelige, genusssüchtige Stiere im selben Haushalt, das kann ja nicht gutgehen, dafür können Sie uns einmal was Großes stiften, statt sich zweimal was Mickriges zu überlegen.

Vroni ist auch heuer wieder Erste, ich muss also mit dem Geschenk vorlegen. Torte. Torte ist immer gut, vor allem für genusssüchtige Stiere. Buttercreme, Schwarzwälder Kirsch mit dem nötigen Schuss Kirschwasser. Natürlich online bestellt, weil wir wegen drohendem Verwandtschaftsbefall die Wohnung nach allen bekannten Himmelsrichtungen putzen müssen und unsere Geburtstage auf mehrere Tage verteilt stundenweise feiern müssen. Gut so, da hat man länger was davon, die Katzen werden vom Staubsauger mal wieder zur ihnen anstehenden Demut angehalten, und eigentlich haben wir, falls sie mitliest, unsere Verwandtschaft ja recht lieb.

Die Torte wird am angeklickten Wunsch-Liefertermin mit unschlagbarer Zuverlässigkeit natürlich nicht geliefert. Der Puffertag vorher war blind und nicht anklickbar, vielleicht haben ja am 3. Mai ja besonders viele Leute Geburtstag oder einen vorausplanbaren Schmacht auf Buttercremetorten. Macht nix, wir überblicken vor lauter Staubsaugen und nebelfeuchtem Nachwischen an den gesaugten Stellen sowieso kein Datum mehr, außerdem soll das Ding voll Schnaps sein, damit werden einem eh viel mehr Sachen wurschtegal, da nehmen wir am Puffertag zwischen unser beider Gruftigedächtnisterminen kleine Gaben Alkohols dankbar entgegen.

Bei Redaktionsschluss hielten die Reinigungsarbeiten noch an, nicht anders als die Alkoholzufuhr nach den allzu geringen Dosen, die in einer mehr oder weniger anklickbaren Schwarzwälder Kirschtorte enthalten sind. There is no such thing as too much schnaps in the house, sagen die Chinesen, was aber ein Übersetzungsfehler sein kann.

Was würdet ihr uns schenken? Würdet ihr es unkompliziert überweisen können oder würde jemand es mühsam basteln müssen? Wie viel Schnaps gehört in eine Torte und wie viel in einen genusssüchtigen Stier? Schreibt’s uns in die Kommentare, lasst uns’n Like und’n Abo da und folgt uns für mehr Lifehacks!

Soundtrack: Ярослав Сумишевский featuring die фолк-группа “Клевер” mit dem funkelnden Kristall unter den russischen Volksliedern: Ой, то не вечер ab ca. 1880, vermutlich Ende 2017 live aufgenommen unter erschwerten Bedingungen des Verwandtschaftsbefalls (jedenfalls tut die фолк-группа erfolgreich so, als ob sie verwandt wäre), daher mit ihrem unverschämten Schmalz- und Schnulzfaktor die schönste Version, die ich mit meinen leider gar zu porösen Russischkenntnissen finden konnte. Und unsereins zahlt für Spotify und lässt die Quetsche im Keller verrosten. Und jetz’ alle:

I drink and I smoke, I play music with friends

Diese Woche gelernt: Aldi lässt jetzt bei Oettinger brauen, wovon man sich auch nicht weniger Schädelweh zuzieht, und meine ganzen Helden passen auf ein Bild DIN A4, und da passt noch großflächig Efeu dazwischen.

Wenn ich endlich Herder von Wieland auf weniger als zwei Zentimeter unterscheiden kann, sprech ich nochmal auf einer idyllischen Uni vor, Literatur muss ganz lustig zu studieren sein (entgegen einem verbreiteten Vorurteil hab ich Linguistik studiert); dafür hab ich jetzt das wahrscheinlich einzige Bild von Günter Stössel südlich der Altmühl an der Wand.

Merke: Schädelweh rentiert sich immer für irgendwas.

Soundtrack: Krista Shows: Full of Sin, aus: Prone to Wander, 2020:

I am a girl that’s full of sin
I’ve done some harm, less outward than in
I drink and I smoke, I play music with friends
I have no regard, my mercy runs thin

Meinetwegen lasst’s halt steh

Wenn man seine ganzen steinalten Langspielplatten — in diesem Fall die Globetrottel Rag von Günter Stössel — nicht bis zur selbsttätigen Entrümpelung aufhebt: Das wirklich anrührend schöne Lied Goldbach City existiert nur in dieser einen Live-Aufnahme von 1976 aus einem nicht überlieferten Wirtshaus, in sämtlichen Restaurierungen und Neuanordnungen ist der gesprochene Vorspann abgeschnitten. Das heißt, es kommt nicht mehr zur Geltung, dass die beschriebene Unternehmung das historische Pilotprojekt avant la lettre für den Abenteuerspielplatz Goldbachwiese am Zabo, nein: in Nürnberg-Zerzabelshof war. Den gezupften Turnaround hab ich dereinst jahrelang immer mal wieder auf der Klampfe geübt, bin mir aber bis heute nicht sicher, ob das nicht ein Banjo ist:

Wie ich darauf komme? Nun ja, weil wir diese Woche unter Aufbietung unseres gesamten Repertoires an fränkischen, bairischen und internationalen Flüchen eine neue Tastatur und, schlimmer: eine neue Festplatte in den Laptop eingebaut — besonderer Dank an die IT-Vroni — und im Gefolge Windows 10 neuinstalliert und jedes Fitzelchen wieder draufgespielt haben, denn man sieht ja, was passiert, wenn man nicht seine ganzen steinalten Langspielplatten und Word-98-.rtfs aufhebt.

Und plötzlich sehnt man sich zurück in die Zeit nicht etwa vor dem Internet, sondern vor der Gutenbergischen Wende in der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken. Da haben die Leute nämlich ein für alle Male ein Jahresgehalt für ihr persönliches Stundenbuch angespart, und da stand dann alles drin, was man wissen musste. Jedenfalls alles, was einen was angeht. Wenn’s gebrannt hat, war das die o. a. selbsttätige Entrümpelung, und man hatte andere Sorgen als ob in einen Blues ein Barré oder gar keiner hineingehört:

Bonus Track: Günter Stössel. One Barré Only, aus: Schdrohwitwer Blues, 1975, das Pilotprojekt zur späteren Ballade vom Leberschrumpf, weil ich das auch selber halbwegs kann:

Sicht eines Katers

Der menschliche Makel – Ugly Lives Matter

Der Kater bloggt
seit längerem mal wieder

 

Zum Tode verurteilt sind die Hässlichen schon im Leben…

Elmar Kupke und Hans-Christoph Neuert (1942 – 2018), (1958 – 2011), deutsche Aphoristiker und Lyriker

 

 

Das ist nicht die einzige Erklärung, weshalb auch noch die dümmsten Schönheits-OPs boomen, aber eine stichhaltige:

Ugly Lives Matter

Artikel via FAZ

Von der allgegenwärtigen Diskriminierung der Hässlichen.
Von Kindheit an durch die eigenen Eltern, dann in der Schule, dann im Job. Hübsche Babies bekommen von ihren Eltern mehr positive Aufmerksamkeit, hübsche Kinder bekommen bei gleichen Nichtleistungen in der Schule bessere Noten, gut aussehende Erwachsene steigen bei gleichen Leistungen und gleichen Nichtleistungen leichter auf, bekommen bessere Gehälter. Guter Artikel.

Leider lässt sich Hässlichkeit weniger als die dunkle/gelbe Haut oder das Geschlecht in das GG aufnehmen.

Aber wir haben Schönheits-OPS.

Selbst Meghan Markle hat sich einst die Nase richten lassen. Vorher sah sie sehr durchschnittlich bis unattraktiv aus. Oder, was viele nicht wissen: Angelina Jolie war kein sonderlich hübsches Kind. Eine richtige trutschige Trulla fast als Jugendliche. Nach einer Nasenkorrektur und möglicherweise diversen anderen dezenten Änderungen gilt sie als die schönste Frau der Welt. Daher ist der Kater für Schönheits-OPs: berechtigte Notwehr in diskriminierenden Zeiten.

Man sollte somit solche OPs nicht diskriminieren.

 

Katzen haben dieses bekloppte Lookismus-Problem nicht, denn sie sind fortschrittliche, freiere Geister als der Mensch.

Ich diskriminiere andere Katzen nur dann, wenn sie in mein Revier eindringen. Dann gibt’s eins auf die Schnauze, ob sie ‘schön’ sind oder eine Katze von edler Rasse, ist mir egal. Risse im Ohr gelten als Auszeichnung.

 

Frühlingsgruß

Vom stolzen Kater
der seine verkratzte Kämpfernase schön findet

 

Katersachen

Zwei Katzen im Hinterhof
der Größe nach Kater
der inneren wie äußeren
Prominenz

ein kohlrabenschwarzer
ein geringelter
gehen jeder für sich
ihren Geschäften nach

Ein Schleichen und Schnüffeln
ein Schlendern und Patrouillieren
zwischen ruhenden Fahrrädern
und Frühlingsbepflanzung

verfolgen sie jedes Rascheln
im Efeu das eine Maus
sein könnte aber meistens
ein Falter auf der Flucht

Ab und zu begegnen sie sich grüßen
sich mit den Nasen Kollegen im Einsatz
gehen Katzengeschäften nach
machen Katersachen

Die Blausterne stehen schön gegen
die Osterglocken die Pfingstrosen sind
noch lange nicht soweit die Bäumchen
noch kaum Blätter ein Gebüsch aus Goldlack

Die zwei wichtigsten Herren sämtlicher
Hinterhöfe die sie kennen nur den einen
aber den genau mit allen Neuigkeiten des Tages
lassen einander gelten so ist der Job

Alarmbereitschaft wenn in einem oberen
Stockwerk ein Senkrechtgeher in Deckung
die Balkontür aufknarzt Schnurrhaare
voraus Augen auf Murmelgröße Hals ausfahren

ein Zittern durch zwei gespannte
Katerkörper vorsichtshalber auf Angriff
gehen gegenseitig die Breitseiten
zeigen jeder ist verdächtig

Hupf hupf doing doing Tatze aufs
Haupt den Eckzahn blitzen lassen
eine Drohung in Ultraschall und zu zweit
übereinander hopplahopp durchs Wohnungsfenster

 

Die Bitterlinge sind begeistert von den Kupferwerten

Die Wasserwerte sind da. Vom Labor bestellt und bitter bezahlt. Außer einigen selten auftretenden Image-Werbeplakaten der Münchner Stadtwerke für ihr wunder wie tolles Leitungswasser erzählt einem ja keiner was über das Lebensmittel, das man am meisten verwendet. Außer Chips natürlich, aber der Mineralgehalt müsste ähnlich sein.

Wer Münchner Leitungswasser, von Braumeistern der Stadtwerke liebevoll frotzelnd “M-Wasser” genannt, bisher für eine nachlässig gesättigte Kalklösung hielt, kann aufatmen und weitersaufen: Der Kalkgehalt ist keinesfalls höher als in den Schalen von Bio-Eiern. Kupferwerte hab ich bisher für etwas gehalten, das man nach dem Einkaufen in eine alte Asbach-Uralt-Flasche klimpern lässt, praktisch zu vernachlässigen sind Nitrat und Nitrit. Ich hab keine Ahnung, was das ist, aber ich verwechsle ja auch Manet und Monet. Unter dem psychogenen Grenzwert liegen auch Bor und noch irgendwas.

Sorgen muss man sich machen um Nickel und Blei. Dass Blei nicht in Leuten vorkommen sollte, lernt man ja schon als kleiner Bub, wenn man durchs Wohnzimmerschlüsselloch den Spätwestern mitguckt. Und vor allem Leute wie ich, sagt Vroni, die mit Müdigkeit, körperlicher Schwäche, Depression und noch irgendwas zu kämpfen haben…

“Mit Vergesslichkeit, Wolf”, hilft Vroni aus, “mit Vergesslichkeit!”

Sag ich doch, aber jetzt weiß ich nicht mehr, was ich wollte.

Soundtrack zum Bleigehalt: Tim Blake Nelson: Cool Clear Water,
aus: The Ballad of Buster Scruggs, 2018:

Der Stunt mit dem Becher:

You’re gonna miss me when I’m gone

Uschi, die mir seinerzeit die ersten vier Griffe auf einer Gitarre beigebracht hat, hat grundsätzlich nie Platten gekauft oder auf Kassetten überspielt, die sie nicht nachspielen konnte. Mit so einer musikalischen Auffassung sind ihr freilich Pink Floyd und Bach mit größerer als Kammerbesetzung fremd geblieben, aber solange ich sie kannte, wirkte sie eher ausgeglichener und aufgeräumter als andere Leute, die nicht vor Accept und Jennifer Rush zurückschreckten. Außerdem glaube ich Uschi bis heute jedes Wort, auch wenn sie keins mehr an mich richtet, aber ihre vier Gitarrengriffe funktionieren ja auch noch.

Wie ich darauf komme? — Als erstes sind Lulu and the Lampshades aufgefallen, die seit 2012 als Landshapes praktizieren:

Diese Gruppe wurde dadurch international bekannt, dass sie einen alten Folksong, der erstmals von der Carter Family im Jahr 1931 unter dem Titel When I’m Gone eingespielt worden war, um neue Strophen und Melodielinien erweiterte. Die Lampshades unterlegten ihre Neukomposition mit dem Rhythmus eines Klatsch- und Becher-Spiels für Kinder und veröffentlichten dies unter dem Titel You’re Gonna Miss Me 2009 auf der Internet-Plattform YouTube. Die Veröffentlichung wurde zum Internet-Phänomen und zur Vorlage der Adaption durch Anna Kendrick im Film Pitch Perfect unter dem Titel Cups.

Schon 2009, das “Klatsch- und Becher-Spiel” soll eher traditionell als bahnbrechend neu und außerdem “für Kinder” sein, und Anna Kendrick will Pitch Perfect auf eigenen Vorschlag mit ihrem Cup Rhythm bereichert und zum eigenständigen Draufschaffen gerade mal einen einzigen Nachmittag gebraucht haben.

Es ist 2021, wir sind keine Kinder mehr und können den Cup Rhythm nicht. Kein Grund, das auf sich sitzen zu lassen.

Als erstes folgt der Text des Liedes der Carter Family, 1931, nach der für deren Begriffe erheblich veränderten Version 1935 bearbeitet von den Lampshades Luisa Gerstein und Heloise Tunstall-Behrens:

I learnt the cup rhythm at a family run music class in North London called Sumics. The chorus comes from the Carter Family song “When I’m Gone — 1935”, and we wrote the verses. Also, we were credited in the Pitch Perfect film.

You can purchase the recorded version of this song (with an extra verse) at our bandcamp[.]

— und natürlich mit dem extra verse:

——— Lulu and the Lampshades:

You’re Gonna Miss Me

1.: I’ve got my ticket for the long way ’round
Two bottles of whisky for the way
And I sure would like
some sweet company
And I’m leaving tomorrow, what d’you say?

Refrain 1: When I’m gone, when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my hair
You’re gonna miss me everywhere — oh
You’re sure gonna miss me when I’m gone

2.: I’ve got my ticket for the long way ’round
The one with the prettiest of views
It’s got mountains, it’s got rivers
It’s got sights to give you shivers
But it sure would be prettier with you

Refrain 2: When I’m gone, when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my walk
You’ll miss me by my talk,
You’re gonna miss me when I’m gone.

3.: I’ve got my ticket for the long way ’round
These feet weren’t built to stay too long
And I’d go there on my own
But you’ll miss me when you’re home
It’s for you dear that I sing this song

Refrain 1: When I’m gone, when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my hair
You’re gonna miss me everywhere — oh
You’re sure gonna miss me when I’m gone

Refrain 2: When I’m gone, when I’m gone
You’re gonna miss me when I’m gone
You’re gonna miss me by my walk
You’ll miss me by my talk,
You’re gonna miss me when I’m gone.

Als zweites gilt es den Becher-Stunt zu lernen. Anna Kendrick überliefert nicht, wie sie das innerhalb weniger Stunden unter dem Zeitdruck einer Filmproduktion mit einem Budget von 17 Millionen Dollar geschafft haben will, aber wir, die wir unter dem Privileg der selbstbestimmten Freizeiteinteilung stehen, können seit 2009 (Lulu and the Lampshades), spätestens aber 2012 (Pitch Perfect) auf haufenweise YouTube-Tutorials zum Cup Rhythm zugreifen. Nach einem verdaddelten Tag der Direktvergleiche darf ich verraten: Am hilfreichsten erklärt’s einem der Schweizer in einer deutschsprachigen Version:

Und ich hab seinen Merkvers sogar mitgeschrieben, damit Sie es nicht müssen:

1.:Klatsch klatsch
schlag da-rauf
klatsch nimm
Cup —

2.:Klatsch nimm
Cup in
an-dre
Hand.

Als drittes darf ich als Praxistipps weitergeben:

1.: Es heißt “Cup Song”. Das bedeutet: keine Gläser. Plastik ist vollständig okay, Keramik knallt zu scharf auf die Tischplatte. Gute Erfahrungen hab ich mit zwei ineinandergestellten großen Jogurtbechern (500 Gramm) gemacht: nicht zu labbrig, aber untergrundfreundlich, schön satter Sound. Für kleinere Patschehändchen eignen sich unschlagbar die Becher von Grafschafter Goldsaft (450 Gramm). Wohl dem, der noch einen von vor ein paar Jahren aufgehoben hat, da waren die aus Pappdeckel;

2.: es hat sehr wohl einen Sinn, mit einem umgedrehten Becher anzufangen (und aufzuhören); richtig herum funktioniert der Abschlag an der Handfläche nicht;

3.: und vor allem mit einem leeren, ihr Schlauberger;

4.: in YouTube haben auffallend viele Einspielungen die Kommentarfunktionen deaktiviert, vermutlich wegen der sich allzu leicht aufdrängenden Kalauer mit “Cups” und großen Angriffsflächen für kleinliches Gemäkel an der Taktfestigkeit. Sollten Sie zu so etwas neigen, teilen Sie Ihre eigenen Live-Mitschnitte nicht zu voreilig mit einer hämischen YouTube-Gemeinde;

5.: beim gleichzeitigen Singen des Liedtextes ist es die halbe Miete zu wissen, dass auf die Stelle “You’re gonna miss me when I’m” sieben Taktschläge verteilt sind und allein auf das “gone” noch einmal sieben. Leider hab ich nicht viel Ahnung von Notation, nehme aber an, dass es etwas mit Triolen zu tun hat. Deswegen gucken auch die fröhlichsten Musikanten während ihrer Performance so verkniffen konzentriert: Die haben alle ein bis zwei Minuten Dauerfeuer in sämtlichen Gehirnregionen auf einmal.

Als viertes die Profiversion in verschiedenen Zeitlupen zum Mitklopfen:

Am schönsten finde ich fünftens und letztens bis auf weiteres die Studioversion der komplett versammelten Lampshades mit allen drei Strophen aus: Cold Water, 2013. Die wurde vermutlich spurweise eingespielt und ist in dieser Souveränität und Brillanz live praktisch nicht durchzuhalten:

Ich melde mich wieder, wenn ich das wie so beeindruckend viele — ja, auch Kinder — auf YouTube vorzeigbar zu zweit geschafft hab. Nein, nicht mit Uschi.

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