Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Diktators genug

1772. Dass man sich aller zweihundertfuchzich Jahre wiederholen muss.

Murr,

——— Johann Gottfried Herder:

2. Naturgesetz

aus: Abhandlung über den Ursprung der Sprache,
Zweiter Teil: Auf welchem Wege der Mensch sich am füglichsten hat Sprache erfinden können und müssen, 1772:

Rousseau und andre haben so viel Paradoxien über den Ursprung und das Anrecht des ersten Eigentums gemacht; und hätte der erste nur die Natur seines geliebten Tiermenschen befragt: so hätte der ihm geantwortet. Warum gehört diese Blume der Biene, die auf ihr sauget? Die Biene wird antworten: weil mich die Natur zu diesem Saugen gemacht hat! mein Instinkt, der auf diese und keine andre Blume hinfällt, ist mir Diktator gnug, der mir sie und ihren Garten zum Eigentum anweise! Und wenn wir nun den ersten Menschen fragen: “Wer hat dir das Recht auf diese Kräuter gegeben?”, was kann er antworten als: die Natur, die mir Besinnung gab! Diese Kräuter habe ich mit Mühe kennen gelernt! mit Mühe habe ich sie mein Weib und meinen Sohn kennen gelehrt! Wir alle leben von ihnen! Ich habe mehr Recht daran als die Biene, die darauf summet, und das Vieh, das darauf weidet; denn die haben alle die Mühe des Kennenlernens und Kennenlehrens nicht gehabt! Jeder Gedanke also, den ich darauf gezeichnet, ist ein Siegel meines Eigentums, und wer mich davon vertreibet, der nimmt mir nicht bloß mein Leben, wenn ich diesen Unterhalt nicht wieder finde, sondern würklich auch den Wert meiner verlebten Jahre, meinen Schweiß, meine Mühe, meine Gedanken, meine Sprache – ich habe sie mir erworben! Und sollte für den Erstling der Menschheit eine solche Signatur der Seele auf eine Sache, durch Kennenlernen, durch Merkmal, durch Sprache, nicht mehr Recht des Eigentums sein als ein Stempel in der Münze?

Bild: Murr lässt sich von seinem Instinkt zum Eigentum des Gartens anweisen, 4. Mai 2022. Selber gemacht, schenk ich Ihnen.

Soundtrack: Michelle Gurevich & Cyranó: Goodbye My Dictator, April 2022:

We were having too much fun
Drinking coffees in the sun
Someone wanted to be king
Came and fucked up everything

[…] It’s hard for most to understand
That good intentions not all have
Why must we always stand on guard
When there is love and there is art

Hält auch so

Spaten am Flaucher

Buidln: Selbergemacht am Flaucher, 31. März 2022, schenk ich Ihnen.

Spaten am Flaucher

Mehr schräge Einbrüche der Kunst in die Natur:

Paul Barton spielt Bach: Fuge 16 g-Moll, Wohltemperiertes Clavier, Buch 2,
für den Elefanterich Chaichana (was er offenbar lieber bleiben lassen sollte:

Andy Thorn spielt Banjo für den Fuchs:

Morwenna Rose “Hands on Harps” Louttit-Vermaat harft für die Kuhherde:

und Naomi SV harft aus Versehen für die Rehgeiß Sounds of Silence:

So, und jetzt überleg ich seit einer Stunde einen Kalauer samt Video mit “für die Katz”. Am besten, ich red mich damit raus, dass es zu sehr auf der Hand liegt.

Ostern unter erschwerten Kriegsbedingungen

Ostern – wurde da nicht dieser eine Hase geboren?

Der Kater bloggt.

 

Aus der tiefen Grabesnacht!
Blumen sollen fröhlich blühen, …

(Aus Ostergedicht von Max v. Schenkendorf)

 

Osterhasi

Auch wenn es stürmet und schneiet …

 

Die einen feiern, auch wenn sie keine Ahnung mehr haben, was Ostern eigentlich bedeutet.

Die anderen feiern nur noch gedämpft. Weil sie Ahnung haben, was Ostern bedeutet.

 

Trotzdem:

Frohe Ostern. Friede auf Erden,

euer Kater

(Raubhase)

 

 

Hier wie dort

Blutige Ostern

Der Kater bloggt.

Und der zweite Engel goss aus seine Schale ins Meer; und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben. (Neues Testament. Die Offenbarung des Johannes (Offb 16,3)

Blutig I


Bild: Deutsches Tierschutzbüro

Blutig II

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/%D0%9D%D0%B0_%D0%A5%D0%B5%D1%80%D1%81%D0%BE%D0%BD%D1%89%D0%B8%D0%BD%D1%96_%D1%83%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%97%D0%BD%D1%81%D1%8C%D0%BA%D1%96_%D0%B7%D0%B0%D1%85%D0%B8%D1%81%D0%BD%D0%B8%D0%BA%D0%B8_%D1%83%D1%81%D0%BF%D1%96%D1%88%D0%BD%D0%BE_%D0%B2%D1%96%D0%B4%D0%B1%D0%B8%D0%BB%D0%B8_%D0%B0%D1%82%D0%B0%D0%BA%D1%83_%D0%B2%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%B3%D0%B0_%D1%82%D0%B0_%D0%B7%D0%B0%D1%85%D0%BE%D0%BF%D0%B8%D0%BB%D0%B8_%D1%82%D1%80%D0%BE%D1%84%D0%B5%D1%97_03.jpg?uselang=de
(Wikipedia Commons. Urheber: armyinform.com.ua)

Eigentlich wollte ich etwas Nettes schreiben über den Frühling und Bilder zeigen, wie es im Hinterhof grünt und blüht. Salweide, Forsythie, Tulpen, Blausterne, alles will ans Licht.

Heuer ist mir der Spaß daran vergangen, ich hoffe man versteht. Wie kann man hier so tun, als wenn alles easy ist und beispielsweise fürs hohe Mahl Lämmchen töten (so was von nicht mehr in Ordnung), wenn nur 900 km weiter die Menschen kein Ostern haben werden. Aber gar keins.

Entweder weil sie schon tot sind oder weil sie ums Überleben kämpfen. Meine Gedanken sind bei den Menschen in Mariupol. Sie sind auch bei denen in Odessa und überall, wo schreiendes Unrecht geschieht oder geschehen ist, in Bucha oder in Borodjanka.

Gruß

Der Kater

 

 

Woman Wanting

Song lyrics from days of yore.

~~~\~~~~~~~/~~~

1.: I want you to take me to your forest clearing
where you have taken all your girlfriends
It helps me to get to know you
and make you mine

Chorus: Man I want you I’m your girl

2.: I want you to tell me to dress in my
flowery summer skirt with strappy sandals
so to carry them for me and adore
my toes when they follow you beside you

Chorus: Man I want you I’m your woman

3.: I want you to bed me in the grass below the tree
where you had your first kiss and your last fuck
with a girl I will not know and I want
your hunger for the flesh of my rosy thighs

Chorus: Man I want you I’m your vixen

4.: I want you to play with your tongue in my mouth
one hand on my breasts two fingers on my clit
the thing you play one minute later
one level deeper oh deeper come deeper

Chorus: Man I want you I’m your mare

Bridge: I want you to uh
uh
uh
I want you too

Chorus: Man I want you I’m your bitch

5.: I want you too big too hard too sturdy
with relish and moaning too loud along
with me then come too soppy inside me
See it’s so simple when you want me

Chorus: Man I want you I’m your girl

~~~\~~~~~~~/~~~

Vroni meint: “Und wer soll dir das glauben?”

“Glauben?” sag ich, “einen Liedertext?”

“Die Leute suchen immer nach autobiographischen Bezügen. Da kannst du nix machen und wahrscheinlich nicht mal die Leute, die nach sowas suchen, selber.”

“Dann sollen die halt mal aufs Veröffentlichungsdatum schauen.”

Days of yore?”

“1. April.”

“Wolfwolfwolf. Wie soll sich das überhaupt anhören? Wie die drei Holländerinnen auf dem Sybian?”

So ungefähr: Beth Gibbons & Rustin Man: Mysteries,
aus: Out of Season, 2002:

Alles kommt zum Quell

Bärenbrunnen, Elisabethplatz München

“Wieso kommt alles zum Quell?” rätselt Vroni, “ich dachte immer, da kommt alles her?”

“Weil’s draufsteht”, sag ich.

“Und du glaubst wieder alles, bloß weil’s in Stein gemeißelt steht.”

“Der Brunnen stammt von 1936. Da haben die Leut noch ganz andere Sachen geglaubt.”

“Jaja, genau so fängt alles an.”

“Steht ja drauf.”

“Wolfwolfwolf.”

Buidln: Georg Müller: Bärenbrunnen, 1936,
Elisabethplatz 4, München-Schwabing.

Bärenbrunnen, Elisabethplatz München

Soundtrack: Led Zeppelin: Bron-Yr-Aur,
aus: Physical Grafffiti, 1975:

Pfannkuchen mit Molotov-Cocktail

Ich sehe, dass die westliche Linke auch angesichts des «Unvorstellbaren» tut, was sie seit jeher am besten kann: sie untersucht den amerikanischen Neo-Imperialismus und die Expansion der NATO. Doch das reicht nicht mehr, weil es die Welt nicht erklären kann, die aus den Ruinen des Donbas und des Hauptplatzes von Charkiv entsteht. Diese Welt lässt sich durch den Verweis auf Handlungen der USA und entsprechende Gegenreaktionen nicht erschöpfend erfassen. Sie hat ein Eigenleben gewonnen, Europa und die USA sind vielerorts nicht mehr in der Initiative. Ihr forscht den entferntesten Ursachen nach, anstatt die gegenwärtig aufkommenden Tendenzen zur Kenntnis zu nehmen.

Daher frappiert mich die verkürzte Weise, in der ihr das dramatische Geschehen in unserem Erdteil öffentlich darstellt, das ihr lediglich als Antwort auf die Umtriebe eurer eigenen Regierungen und Wirtschaftseliten begreift.

Volodymyr Artiukh: Die USA sind nicht der Nabel der Welt,
Rosa-Luxemburg-Stiftung, 7. März 2022,
via Königlich Bayerische Antifa, 9. März 2022.

Respekt: Ab 20. März (2022, nehm ich an) muss man “fast überall” keine Schutzmaske mehr tragen. Durchtriebener kann man quengelige “Querdenker” nicht verleiten, endlich ihr Gesicht einzutüten, ohne sich sofort unter Gefahr von Folgeschäden von ihnen anhusten zu lassen. Gestorben wird ja seit Wochen an der Ostfront, und wie man hört, gehen sie sogar freiwillig “rüber in’ Osten“. Meine letzte Maske leg ich erst zu den Akten, wenn ich verstanden hab, wie man den Graphen für die Inzidenzen selber so zurechtstaucht, dass er eine äußere Wirklichkleit abbildet. In den Corona-Statistiken, mein ich, nicht im ukrainischen Bodycount. Außer Vermummung wird auf einmal wieder illegal. So frei ist das Land allemal, dass man sich wenigstens theoretisch aussuchen darf, woran man sterben will. Bis dahin kann man weiter seine letzten Kröten für “Mehl, aber auch Reis, erneut Toilettenpapier, Küchenrollen und kurioserweise Sonnenblumenöl” an die NATO paypallen und sich großmächtig links dabei vorkommen. Man sollte.

Versteht das jemand? Keine Angst, ich auch nicht.

Soundtrack: Arvo Pärt: Da pacem Domine in diebus nostris, 2004,
Wiedergabe von AlterRatio, Kiev 2013:

Wundermacht

Das lässt ja auch tief blicken, was der deutsche Kriegskonsument von Künstlervolk hält, zumal von ausgebildeten Schauspielern. Bei Wolodymyr Selenskyj, den man sich unglückseligerweise fortan merken muss, hat man sich erst gewundert, wieso ein fertiger Jurist sich ans Schauspielern, Synchronisieren und Moderieren von Kasperlkram wegschmeißen kann, und dann, dass er’s nicht nur zum Regisseur und Produzenten – das sind doch die mit der Kohle, oder? – gebracht hat, sondern zum f***ing Präsidenten von Kleinrussland.

Und wenn er’s gesagt hat, glaubt’s ihm bis heute keiner: weil er das so will.

Oder wie darf ich die Bilder von dem überaus schätzbaren Manne, die ausnahmsweise nicht von aktuellem Kriegsgeschehen handeln, sonst auffassen, wenn nicht als Misstrauen gegen und Entsetzen über jemanden, der sich mal in einer rosa Ganzkörperkluft hat filmen lassen? Erst den Hanswurst machen, weil er sich als Anwalt zu fein ist, und dann die Welt retten – so wörtlich verstanden wie nie?

Und wenn ich’s sag, glaubt’s wieder keiner: Gerade deswegen.

Gerade einem herumgetingelten Künstler ist bedeutend eher zuzutrauen, seinen Charakter gebildet zu haben, als einem, sagen wir klischeehalber, BWL-Abbrecher, der “in der Politik” gerade mal seine “Chancen nutzen und Risiken minimieren” gelernt hat. Der musste sich schon mal selber was einfallen lassen, siehe auch unter: selbstständiges Denken, und weil er schon mal am eigenen Leib und Leben seiner Lieben gemerkt hat, wie sich eine Krise anfühlt, und aus welcher man unter Umständen wieder rauskommt und aus welcher nicht.

Wider die defamatorische Darstellung von Berufsständen, vor allem von Künstlern. Oder haben Sie sich in finsterer Stunde – in jüngstem Fall vor kurzem, als noch Ausgangssperre “wegen Corona” war – an Anwälte und Büchsenmacher gewandt? Oder an Künstler?

Und bevor einer davon anfängt: Nein, weder bin ich ein ausgebildeter Künstler noch will ich mit Herrn Selenskyj tauschen. Der scheint das einzige Glück zu sein, das sich die Ukraine seit langem eingehandelt hat. Falls ich genug Krieg konsumiert hab. Und falls er zum Zeitpunkt der Niederschrift noch lebt.

Soundtrack: Joachim Witt & Peter Heppner: Die Flut,
aus: bayreuth eins, 1998:

But all of those vows you made were never to be

Im Garten brechen die Schneeglöckchen aus dem Boden und die Palmkätzchen aus den Weidenästen. Im Februar. Wie schnell man sich an den Klimawandel gewöhnt hat.

Ohne korrekt verankertes FFP2 unter Virenmutterschiffen und geldwerter Arbeit in einem Büro nachzugehen, das nicht das eigene Home-Office ist, fühlt sich befremdlich an. Wie gründlich man sich an eine Seuche gewöhnt hat, die niemand mehr ausrotten will.

Am ersten Tag des dritten Weltkriegs scheint die Sonne. Man wird sich an den Galopp der Inflation gewöhnen.

Soundtrack:: Владимир Владимирович Путин: Blueberry Hill, 1940,
in: The Singing Hill, 1941,
Aufnahme ca. 11. Dezember 2010:

Neulich in Thalkirchen

Ich bin so emotionslos ich könnte heulen

Ich bin so emotionslos ich könnte heulen

“Der Wolf”, meint Vroni, “lebt wieder seine Liebe für Paradoxa aus.”

“Kann ich nix dafür. Das hat sich aufgedrängt.”

“Mir kommen die Tränen. Wo denn?”

“Thalkirchen. Zwischen dem Wertstoffhof und dem jüdischen Friedhof.”

“Au weh. Ein Quadratparadox.”

“Siehst du? Man entkommt ihnen nicht mal beim Entsorgen von ausgeklapperten Tastaturen.”

“Auf dem Wertstoffhof nämlich.”

“Logisch. Oder seh ich aus wie ein Judenfriedhofsschänder?”

“Nein, nicht mit der Brille.”

“.מזל־טוב”

“Wolfwolfwolf.”

Buidl: Selber gemacht 1. Februar 2022, schenk ich Ihnen.

Soundtrack: Добраночь: Дойна Вяца, 2016:

Introibo ad altare Dei

History, Stephen said, is a nightmare from which I am trying to awake.

Zwoter Zwoter Zwanzigzwozwo: 100 Jahre Ulysses von James Joyce. Das sind die historischen Ereignisse, die wir brauchen. Wer mal bis zur Puffszene durchgehalten hat, weiß, dass sowas schon verstörend genug ist.

“Mr. Joyce, was haben Sie während des Ersten Weltkriegs gemacht?”

“Ich habe ‹Ulysses› geschrieben. Und was haben Sie gemacht?”

Fachliteratur: Declan Kiberd: James Joyce war der Mann, der den Ersten Weltkrieg unterlief. Indem er ein geniales Buch über Banalitäten schrieb, Neue Zürcher Zeitung, 29. Januar 2022.

Als Soundtrack beliebt einem Spotify mit der Musik, die in Ulysees vorkommt, der Musik, die während dessen Lektüre zuträglich sei, und der Musik, die sich auf Werk und/oder Autor bezieht, auch ohne meine laienhaften Vorschläge den Bildschirm einzubranden; Frank T. Zumbach fürs Jahrbuch der Zürcher James-Joyce-Stiftung 2022 (Veröffentlichung anstehend) kommt auf etwas zwischen 350 und 400 Lieder, auf die über die 1014 Seiten (Wollschläger-Übertragung als Suhrkamp-Taschenbuch 1981) zumindest Bezug genommen wird. Wenn einem das avantgardistische Lesen zu blöd wird, kann man also tagelang Spotify vor sich hin leiern lassen und immer noch sagen, man habe sich eingehend mit Ulysses beschäftigt. Das Sozialprestige für solchen Ehrgeiz sollte seit 1922 stark nachgelassen haben – aber immer noch besser als Kriege anzetteln.

Drama film loosely based on James Joyce’s 1922 novel: Fred Haines & Joseph Strick: Ulysses, 1967, Dubliner Originalschauplätze, Oscar-Nominierung für adaptiertes Drehbuch:

Das grauenhafte Gewinnspiel

Preisfrage: Von wem ist:

Und jetzt, während dieser Eindruck in mir wuchs, kam schließlich das Grauen – Grauen in einem Maße, wie keine Worte es vemitteln können. Trotzdem behielt ich meinen Stolz, wenn nicht sogar Mut, und in Gedanken sprach ich zu mir: “Dies ist wohl Grauen, aber es ist nicht Furcht; solange ich mich nicht fürchte, kann mir nichts geschehen; meine Vernunft bestreitet die Existenz dieser Erscheinung, es ist eine Illusion – ich fürchte mich nicht.”

Als Multiple choice chronologisch zum Ausdrucken und Ankreuzen:

  • □ E. A. Poe, 1842
  • □ E. G. Bulwer-Lytton, 1856
  • □ H. P. Lovecraft, 1926

Googeln müsste nach meiner Stichprobe zwecklos sein, ich hab den Klotz noch papierförmig.

Wer richtig liegt, darf sich in der Konditorei seines*ihres Vertrauens eine Torte seiner*ihrer Wahl kaufen. Buttercreme! Marzipan optional, wenn dabei steht, wo es her ist! Der Einsendeschluss ist nach hinten offen.

Soundtrack des Grauens: Bridge City Sinners – Devil Like You,
aus: Unholy Hymns, 2021:

Kollegenschnack (Neulich in der Kneipe, Teil 896)

“Sie schreiben?”

“Logisch. Man kann ja im Wirtshaus nicht bloß saufen.”

“Vor allem, seit man nicht mehr rauchen darf, gell.”

“Meine Rede.”

“Was schreiben Sie denn?”

“Jetzt?”

“Und hier. Brief ist das dem Layout nach keiner.”

“Och, Liedertext.”

“Sehr schön. Hab ich auch mal gemacht.”

“Echt? Und ist gesungen worden?”

“Fast.”

“Warum nicht ganz?”

“Ich kann keine Noten schreiben.”

“Die Melodie soll doch der erfinden, der es singen will.”

“Wollte er auch.”

“Hat er nicht?”

“Er hört die Melodie nicht aus dem Text, hat er gesagt.”

“Deswegen soll er sie ja erst erfinden.”

“Der konnte sich’s aussuchen.”

“Jemand, den ich kenne?”

“O ja.”

“Na, sagen Sie schon.”

“Ach, Sie würden nur denken, ich möchte prahlen.”

“Was hat der mit den Liedtexten gemacht?”

“An mich zurückgeschickt. Anständiger Kollege.”

“Und Sie singen jetzt alles selber daheim.”

“Haha, oder im Wirtshaus.”

“Später dann.”

“Prost.”

“Mir fallen auch immer bloß die Melodien ein, die’s schon gibt.”

“Gibt doch heute ganz andere Möglichkeiten.”

“Jam-Sessiion via Zoom?”

“Wenn wir das damals gehabt hätten …”

“… dann dürften Sie heute richtig im Wirtshaus rumprahlen, stimmt’s?”

“Die Möglichhkeit besteht.”

“Die Möglichkeit, dass uns gleich einer mit dem letzten öffentlichen Aschenbecher in der freien Wildbahn erschlägt, besteht auch.”

“Wieso, bei Ihrer Eloquenz schreiben Sie doch bestimmt recht ordentliche Texte.”

“Weiß ja keiner.”

“Das muss man positiv sehen.”

“Wie alles andere auch. Man schreibt ja Liedertexte nicht, damit man sie an Lerryn verkauft.”

“Hörnse auf mit dem. Außerdem schreibt der selber für Heinz Rudolf Kunze.”

“Wieso, der hat sein Zeug schon von Brecht und Eisler, Che Guevara und Rosa Luxemburg schreiben lassen.”

“Die mussten sich nicht mehr wehren:”

“Darf ich das verwenden?”

“Nur zu, ich plaudere einfdach so ins Gemeinfreie.”

“Man muss ja nicht alles gleich monetarisieren.”

“Gibt ja auch innere Werte:”

“Und man hat daheim immer genug Notizpapier rumliegen.”

“Wieso, schreiben Sie nicht die Rückseitren voll?”

“Könnte ja mal wer eine Melodie draufschreiben wollen:”

“Prost.”

“Prost.”

Soundtrack: Lerryn: Der Sänger Mit Den Besseren Liedern,
aus: Der Sänger mit den besseren Liedern, 1974:

The Masked Drinker

Zuzeiten schleiche ich mich unerkannt aus meinem Palast und mische mich ins Gewimmel der Gassen, um zu erfahren, wie das Volk über mich denkt.

Schmarrn, in der Kneipe war ich. Gar nicht so einfach unter Pestbedingungen, zum ersten Mal im Leben bin ich aus einem Wirtshaus rausgeflogen, bevor ich gescheit drin bin. Und da muss ich ja keine Namen nennen, das war bestimmt korrekt. Es reicht nämlich nicht, dreimal geimpft zu sein und es mit drei Einträgen samt Aufkleber in einem altehrwürdigen Impfbuche sowie einem Farbausdruck, der von einem promovierten Pharmazeuten erstellt wurde, nachzuweisen. Vielmehr muss der Nachweis auf einem Telephon gespeichert sein. Den Personalausweis dazu hätten sie als Plastikkarte genommen.

Leider bin ich nicht interessiert an Telephonen, auf denen ich Anwendungsprogramme speichern soll. Nix Ideologisches, mir ist bloß nie ein geldwerter Sinn davon eingeleuchtet, dass mein Handy mich unterwegs mit Unfug belästigt, der mir schon daheim zu blöd ist. Endlich weiß ich ihn, den geldwerten Sinn: So sortieren sie die Hungerleider aus, die sich nicht mal ein Smartphone leisten können. Dann hat man bloß die Freibiergesichter rumsitzen und saufen, statt dass sie nach Bezahlung eines Krabbenbaguettes von vorgestern den Platz für die nächsten räumen. Entweder “Essen” naushauen oder “Gäste” naushauen.

Nebendran beim Atzinger gilt das geschriebene Wort, jedenfalls die Abkürzungen auf einem Aufkleber in einem Impfbuch. War halt doch mal eine Studentenkneipe, wo ich im letzten Jahrtausend mal drin war, kann aber heute nicht mehr sein bei einer Öffnungszeit von 17 bis 22 Uhr. Fürs Protokoll sind das noch die angenehmeren Zustände vor der Omikron-Wellenkrone 2022.

Zuzeiten schleiche ich mich unerkannt in meinen Palast und verdrücke mich ins Bett, um die Erfahrung noch ein Weilchen hinauszuschieben, wie meine Frau über mich denkt.

Klangspur: Fred Raymond: Maske in Blau 1937,
mit Hans Moser verfilmt 1943:

« Ältere Beiträge

© 2022 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑