Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Spots

Shoemanic Franz

Vor langer Zeit war unsere Kernkompetenz beim Bloggen aus naheliegenden Gründen die Werbung, danach die Geschicklichkeit darin, nichts Berufliches preiszugeben, weil es beruflich ist, nichts Politisches, weil es politisch ist, und schon gleich dreimal nichts Privates, weil es privat ist. Dieses eine Mal müssen wir zu unseren Werbewurzeln zurückkehren. Ende des Meta-Teils.

Den österreichischen Schuhhersteller Humanic mit Sitz in Graz gibt’s noch. Am aufschlussreichsten zitiert sich sein Wikipedia-Artikel; mehr als dort — einschließlich der wenigen Verlinkungen — erfährt man über sein Werbekonzept nirgends:

Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren fiel Humanic durch innovative Werbekonzepte auf, für die Horst Gerhard Haberl verantwortlich war. Die Werbespots hatten wenig bis nichts mit den Produkten zu tun, es waren komprimierte Stücke avantgardistischer Kunst. Texte bekannter österreichischer Autoren wie H. C. Artmann, Andreas Okopenko, Wolfgang Bauer oder Claus Schöner wurden verwendet und Anleihen bei der konkreten Poesie genommen. […] Markant war der Ausruf “Franz!” am Ende der Spots, der erstmals 1971 vorkam. […] Für das damalige Publikum waren die Werbespots irritierend, die Marke und die Franz-Figur erreichten einen hohen Bekanntheitsgrad, zeitweise von 98 %. Umgekehrt fühlten sich auch die damaligen Künstler nicht immer wohl dabei, für die Werbung zu arbeiten, Ernst Jandl etwa zog einen bereits ausgearbeiteten Spot wieder zurück.

Das für Österreicher ikonisch gewordene Soundlogo “Franz!” wurde ziemlich genau von 1971 bis 1996 unter Werbeleiter Horst Gerhard Haberl eingesetzt, seit dem grundlegenden Wechsel des Werbekonzepts gilt die Humanic-Werbung als konventionell bis ausgesprochen langweilig.

Leider bin ich nicht im Österreich der 1970er Jahre aufgewachsen und musste daher erst tief im 21. Jahrhundert über den Spot mit H. C. Artmann — es ist der ruhigste, der von der typischen Handbewegung beim Schreiben von Haiku lebt — auf eine “kultige”, aber aussortierte Werbung stoßen, vor deren Courage und Innovationswillen auch in dessen drittem Jahrzehnt manchen rezenten Werbern die Luft wegbleibt. Ein Jammer, den Spot von Ernst Jandl hätte man schon gern miterlebt.

Nicht dass an Lautpoesie ansonsten Mangel geherrscht hätte — und in der Tat muss ein martialisch redupliziertes Statement wie “Berge brauchen keine Menschen” gerade in Österreich an existenzielle Belange rühren. Dokumentiert sind auch einige vogelwilde Plakate, die TV-Spots dauern standardmäßig 20 bis 30 Sekunden. In ungefährer chronologischer Reihenfolge waren aufzutreiben:

Buchstaben-WTF

Man sagt doch noch YOLO?

Frau Schnabelstedt, in: Fack ju Göhte, 2013.

Also, ich erfinde nix, nicht dass es wieder heißt, ich erfinde was, und sag gar nix dazu, nicht dass es wieder heißt, ich hätt was gesagt.

DREH’ DEN SWAG AUF!

NACH 70 JAHREN BLEIBT ALLES NEU.

Das neue Buchstaben-YOLO bietet jetzt noch mehr Spaß — für die Fam, für die Gang und für alle Fans von lässiger Jugendsprache! Einfach mal wieder anlegen: Crossed die vorhanden Wörter der anderen, packt neue Buchstaben auf’s Board und zeigt, wer rasiert! Sammelt Props und Punkte durch smartes Ausnutzen von Powerfeldern!

Wer die besten Wörter fetzt, bekommt den Fame im Game!

Cool, darf ich die Turnierregeln angleichen, ich hab einen Myspace-Account? Das Deppenleerzeichen im Corporate Naming ist inkonsequent eingehalten. Außerdem heißt das Abiturensohn-Battle, ihr Opfah.

Und Trivial Pursuit heißt dann bis Weihnachten LMGTFY und die Siedler von Catan die Hasenjagd vong Chemnitz her? Wow, heißt das, beim Scrabble zählen jetzt auch Akronyme? Englische Akronyme? YOLO mit dreifachem Wortwert kann ja kein Mensch im Kopf ausrechnen.

Das sind die Sachen, die einen ins Antiquariat treiben. Aber ich wollt ja nix sagen.

Soundrack: Bloodhound Gang: Foxtrot Uniform Charlie Kilo,
aus: Hefty Fine, 2005:

Was das Finanzminsterium mit einem Hamster zu tun hat

Ähm,
hier hamstert es (Link):

Und zwar vom Finanzministerium bezahlt. Agentur: fischerAppelt.
Kann mir einer sagen, was mir der Spot sagen soll? Ich versteh ihn nicht.
Wer in so einer Falle ist, der wird doch immer dünner und dünner.
Aber nicht fetter.

Da fällt mir ein kleiner Dada-Dialog ein, den sich mein Textermann in einer Dada-Laune ausgedacht hat:

Urgent call from space: "Houston! Got a problem!"
Houston: "What kinda…
From space: "W’ve got a hamster!"
Houston "Whaaaattt??
From space: He’s dead!"
Houston:"… ? … +*#’~… Digg it!"

Supergenialer Spot

Aaaaahhh! Scheißegut. Auch für Schnorchel- und Skuba-Fans. Die Socken! Die Socken! Ich fühle mich jasooo verstanden.

Und ob sich da bei mir Idee UND Produktmarke merken lassen.

Hab vor wenigen Wochen mühsam eine Steppdecke in die meinige
reingekrüppelt, immer in der verblödeten Hoffnung, sie schleift nicht
an der Gummierung (hab da schon mal eine teuere regelrecht
"verbrannt").

Have fun.

Ariston_waschmachine

Westaflex nochmal

Ja, hab den Film jetzt auch gesehen.
Ob der aber hundertprozentig von der Westaflex selbst gedreht ist… Sicher, man hätt ihn besser machen können, der Song wie vom Melittamann allein jagt mir die Grinsefalten ins Gesicht.

Manchmal frag ich mich, was mehr bringt:
Ein professionell und gemein-krass-witziger (die Preisverleiher sprechen von "emotionaler"), internationaler Image-Spot wie "Circus" von Stella Artois der Markentreue zu einem Bier, das man hier nur mit Schwierigkeiten beschaffen kann; oder ein biederer, braver, sympathisch-menschlicher Unternehmensfilm dem Vertrauen zu eben diesem kleinen Unternehmen.

Kleine und große Filme

Von Größe will ich sprechen, von Schönheit, vom Willen des Menschen
zur Perfektion und von der Andacht, die wir davor empfinden sollten.

Der Mittelstand lebt. Wir haben es immer geahnt, und die
meisten von uns würden ihn vermissen. Sollten wir das kurz vergessen haben, erinnern
uns die Vollprofis der Firma Westaflex mit einem independent selbst gedrehten, dabei
oscarreif geratenen Werbespot daran.

© 2021 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑