Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Das Buch der Katzen

Das hört man ja immer wieder, dass Katzen in der Bibel nicht vorkommen; selbst ich musste mich schon mühsam zu Fuß auf den Wanderweg ins Kloster Schäftlarn machen, um eine der seltenen Katzendarstellungen in einer Kirche zu dokumentieren. Wir berichteten an geeigneter Stelle.

Fast ebenso selten hört man begründeten Einspruch. Nach meinen eigenen kontrastiven Forschungen kommt ein Tier, das unserer rezenten Hauskatze am nächsten kommt, nur einmal im Buch Baruch vor, das zu den Apokryphen zählt und nicht von allen christlichen Splitterparteien anerkannt wird und daher nicht in allen Bibelausgaben vorkommt. In Baruch 6, 19–22 sind die Gesichter der falschen und damit missbilligten Hausgötter rußgeschwärzt vom Rauch im Hause, weswegen sich Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel und – Jehova bewahre – sogar die Katzen auf ihnen niederlassen. Sonstige, dafür recht häufige Stellen sprechen entweder spezieller von Löwen oder allgemeiner von Wüstenbewohnern oder allem, “was auf Tatzen geht unter den Tieren”. Egal nach welcher Bibelübersetzung oder Luther-Version kommt Felis catus tatsächlich nicht vor.

Der häufigste begründete unter den Einsprüchen war eine angebliche Bibelstelle, die sehr viel mehr an die Heiligenlegenden erinnert, in denen Jesus und Petrus über die deutschen Dörfer der frühen Neuzeit ziehen, um Wunder zu wirken, und die oft recht putzig sind, denn ans Neue Testament, und wenn’s nur wegen der aufblitzenden Jüngerin namens Lorenza wäre. Die Geschichte weist sich etwas widerspenstig nach, ist aber zu schön, um sie nicht anzuführen. Sie nimmt offenbar ihren Ursprung beim Drei Eichen Verlag in Edmond Székely: Heliand. Evangelium des vollkommenen Lebens, Drei Eichen Verlag, Radebeul 1937 ff., Kapitel 34,7–10 unter der Überschrift Wiederverkörperung:

34/7) Jesus kam in ein Dorf und sah dort eine kleine Katze, die herrenlos war, und sie litt Hunger und schrie zu Ihm. Und Er nahm sie hoch, hüllte sie in Sein Gewand und ließ sie an Seiner Brust ruhen.

8) Und als Er durch das Dorf ging, gab Er der Katze zu essen und zu trinken. Und sie aß und trank und zeigte Ihm ihren Dank. Und Er gab sie einer Seiner Jüngerinnen, einer Witwe mit Namen Lorenza, und sie sorgte für sie.

9) Und einige aus dem Volke sagten: “Dieser Mann sorgt für alle Tiere. Sind sie Seine Brüder und Schwestern, dass Er sie so liebt?” Und Er sprach zu ihnen: “Wahrlich, diese sind eure Mitbrüder aus der großen Familie Gottes, eure Brüder und Schwestern, welche denselben Atem des Lebens von dem Ewigen haben.

10) Und wer immer für einen der kleinsten von ihnen sorgt und ihm Speise und Trank gibt in seiner Not, der tut dieses Mir, und wer es willentlich duldet, daß eines von ihnen Mangel leidet, und es nicht schützt, wenn es misshandelt wird, lässt dieses Übel zu, als sei es Mir zugefügt. Denn ebenso wie ihr in diesem Leben getan habt, so wird euch im kommenden Leben getan werden.”

Gern geschehen, miau.

Soundtrack: The Bridge City Sinners – übrigens live in München am Dienstag, 26. Juli 2022 ab 20.30 Uhr im Unter Deck am Oberanger gegenüber der Synagoge –: Connie Vannett: Pussy Cat, 1976, aus: Bridge City Sinners, 2016:

2 Kommentare

    • Wolfster

      Ich find ja immer, der Pharaonenmiez sollte “Marvellous” sagen; sonst trefflich beobachtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2022 Freitag! Logbuch

Theme von Anders NorénHoch ↑