Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Spruch des Tages (Seite 1 von 3)

Der aktuelle Filmtipp:

Rambo III, USA 1988:

Laut Guinness-Buch der Rekorde mit 221 Gewalttaten und 108 toten Menschen brutalster Film, daher FSK 18 ohne Jugendfreigabe; von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat “wertvoll” ausgezeichnet. Endet mit: “This film is dedicated to the gallant people of Afghanistan”, deutsch: “Dieser Film ist dem tapferen Volk von Afghanistan gewidmet.”

Highlights:

“Das ist Afghanistan! Alexander der Große wollte dieses Land erobern, Dschingis Khan, die Briten und jetzt die Russen, aber wir lassen uns nicht erobern!”

“Gott muss lieben verrückte Menschen!”
“Wieso?”
“Er machen soviele davon.”

“Meine Zeit ist um.”
“Was heißt das?”
“Das heißt, mein Krieg ist vorbei:”

Und mein Liebling:

“Wozu ist das?”
“Das ist blaues Licht.”
“Und was macht es?”
“Es leuchtet blau.”

Danke für die Idee an Sven!

Und hätten sie nicht so gelacht, hätt’ Niklas sie nicht schwarz gemacht

Gehört schon lange mal gesagt: Die Quintessenz des Antirassismus stammt von 1844, es spricht “der große Nikolas / Mit seinem großen Tintenfaß” in der Geschichte von den schwarzen Buben:

Was kann denn dieser Mohr dafür,
Daß er so weiß nicht ist, wie ihr?

Ja, was? — Die Davidsterne in der Illustration dazu bestehen erst — oder schon — seit 1859. Das gesamte Korpus gilt heute als schwarzpädagogisch; Angehörige von anderen als deutschsprachigen Kulturen können es überhaupt nicht fassen, dass Minderjährige mit Handlungsverläufen, in denen die Amputation beider Daumen und Verbrennung bei lebendigem Leib als erzieherische Maßnahmen durchgehen, geängstigt werden. 1844 ff. war es offenbar notwendig, dass ein Psychiater, der sich aufs Ersinnen von Paarreimen und deren Illustration versteht, seine Geschichten so weit überspitzt, dass sie lange genug überleben, und sei es als abschreckendes Beispiel.

Mehr gibt es über Rassismus und seine Gegenseite nicht zu wissen. Mein Liebling war natürlich trotzdem immer Die Geschichte vom fliegenden Robert, und seit Hans Magnus Enzensberger weiß ich sogar, warum.

Der ganze Horror, FSK 6: Der Struwwelpeter, Deutschland 1955,
mit Wulf Rittscher als Nikolas:

Bonus Track: Dr. Böhmermanns Struwwelpeter, 2018 war auch nicht schlimmer (bloß nicht einzubetten).

Wer Zigaretten durch Stangensellerie ersetzt, kann bis zu 100 % von dem reduzieren, was er noch vom Leben hat

Hier sollten meine empathischen Auslassungen darüber stehen, was das Wetter doch für eine Katastrophe ist, im Ausgleich zum #jokergate eines hämischen Kapitalisten, den ich zu meinem Kanzler wählen soll, weil die Auswahl zu ihm mehr Fehler im Lebenslauf hat als mein Lebenslauf Kundenreferenzen. Das wird aber gerade so wenig helfen wie sich das Hirn von ein paar alten Folgen Tom und Jerry breitklopfen zu lassen. Das bleibt wenigstens kostenneutral. Als Angehöriger der dienenden Klassen war ich immer darauf angewiesen, für mein bisschen Geld meine Arbeit anzubieten, der Arbeit-Geber war ein Leben lang ich. Und zwar länger als mein Vater, der mich verächtlich dafür anschaut, dass ich ein längeres Arbeitsleben lang, als er bis zur Frühpension hatte, immer noch weniger rauskrieg als er, ob er sich nun früh oder spät aus dem Bett quält oder nicht. In all den Arbeitsjahren hätte ich mir das Hirn von weniger alten Folgen Tom und Jerry breitklopfen lassen können, als Unterschied erwarte ich jedenfalls nicht so viel, dass es einen Unterschied macht, immerhin verbietet es sich aus meinem gesellschaftlichen “Status”, meine Rechte anwaltlich einzuklagen, weil ich leider auf meine Rechte angewiesen bin: Geld, wie erwähnt. Während Kapitalisten Kapitalistensachen machen, schreib ich schon mal in meine Patientenverfügung: Wenn meine Behandlung der Krankenkasse zu teuer wird, dürft ihr mir sofort das letzte Lebenslichtlein ausknipsen, damit ich niemandem zur Last falle, gell. Und wenn ich mir jetzt gefälligst in Ruhe das Hirn von ein paar alten Folgen Tom und Jerry breitkopfen lassen dürfte.

Soundtrack: Slime: Lustig lustig ihr lieben Brüder,
aus: Viva la muerte, 1992 (nur auf der LP, nicht der CD):

Truth is the perfect disguise

“What kind of music do you usually have here?”

“We got both kinds, we got country and western.”

Blues Brothers in Bob’s Country Bunker, 1980.

All she could pay was attention
So all they could take was her time
Proving an ounce of possession
Ain’t worth a piece of your mind.

‘Cause nightmares are somebody’s daydreams
Daydreams are somebody’s lies
Lies ain’t no harder than telling the truth
Truth is the perfect disguise

Kris Kristofferson: Sandy, aus: Spooky Lady’s Sideshow, 1974.

Diese Woche aufgefallen und mit eilig neu angeschafften Kamerabatterien dokumentiert:

Fällt ja sofort ins Auge, nein: sogar ins Ohr, dass es nur ein Liedertext sein kann. In diesem Fall von The Legendary Band aus: Pirates, 2014. Und es erinnert doch stark an eins der frühen Funny Forwards, für das die — oft aus Gründen — anonym gebliebenen Content Provider mehr überlegen mussten, als wie man einen Text nicht über 30 Anschläge Impact bold versal in ein ohnehin überstrapaziertes Filmbildchen photoshoppt.

Wirklich beeindruckt war ich erst diese Woche — nach der Entdeckung eines Aufklebers von 2021 zur Werbung für eine CD (sic) von 2014 — bei der Erkenntnis, dass die Liste gar nicht so frei erfunden ist, wie sie aussieht. Die Lieder gibt’s wirklich, die liebevoll gesammelten Zeilen nicht immer als Überschrift, sondern umso schwerer auffindbar als Zitat — und die meisten lohnen sich sogar aufzurufen. Yeehaw, folks.

The Best of the Worst Country-Western Song Titles

  • Drop Kick Me, Jesus, Through The Goalposts Of Life
  • Get Your Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed
  • Get Your Tongue Outta My Mouth ‘Cause I’m Kissing You Goodbye
  • Her Teeth Were Stained, But Her Heart Was Pure
  • How Can I Miss You If You Won’t Go Away?
  • How Can You Believe Me When I Say I Love You When You Know I’ve Been A Liar All My Life?
  • I Been Roped And Thrown By Jesus In The Holy Ghost Corral
  • I Changed Her Oil, She Changed My Life
  • I Don’t Know Whether To Kill Myself Or Go Bowling
  • I Fell In A Pile Of You And Got Love All Over Me
  • I Flushed You From The Toilets Of My Heart
  • I Keep Forgettin’ I Forgot About You
  • I Wanna Whip Your Cow
  • I Would Have Wrote You A Letter, But I Couldn’t Spell Yuck
  • I Wouldn’t Take Her To A Dawg Fight, Cause I’m Afraid She’d Win
  • I’d Rather Have A Bottle In Front Of Me Than A Frontal Lobotomy
  • I’m Just A Bug On The Windshield Of Life
  • I’m The Only Hell Mama Ever Raised
  • I’ve Been Flushed From The Bathroom Of Your Heart
  • I’ve Got The Hungries For Your Love And I’m Waiting In Your Welfare Line
  • If I Can’t Be Number One In Your Life, Then Number Two On You
  • If Love Were Oil, I’d Be A Quart Low
  • If My Nose Were Full of Nickels, I’d Blow It All On You
  • If You Don’t Leave Me Alone, I’ll Go And Find Someone Else Who Will
  • If You Leave Me, Can I Come Too?
  • Mama Get The Hammer (There’s A Fly On Papa’s Head)
  • My Every Day Silver Is Plastic
  • My Head Hurts, My Feet Stink, And I Don’t Love Jesus
  • My John Deere Was Breaking Your Field, While Your Dear John Was Breaking My Heart
  • My Wife Ran Off With My Best Friend, And I Sure Do Miss Him
  • Oh, I’ve Got Hair Oil On My Ears And My Glasses Are Slipping Down, But Baby I Can See Through You
  • Pardon Me, I’ve Got Someone To Kill
  • She Got The Gold Mine And I Got The Shaft
  • She Got The Ring And I Got The Finger
  • She Made Toothpicks Out Of The Timber Of My Heart
  • She’s Got Freckles On Her, But She’s Pretty
  • Thank God And Greyhound She’s Gone
  • They May Put Me In Prison, But They Can’t Stop My Face From Breakin’ Out
  • Velcro Arms, Teflon Heart
  • When You Leave Walk Out Backwards, So I’ll Think You’re Walking In
  • You Can’t Have Your Kate And Edith Too
  • You Can’t Roller Skate In A Buffalo Herd
  • You Done Tore Out My Heart And Stomped That Sucker Flat
  • You Were Only A Splinter As I Slid Down The Bannister Of Life
  • You’re The Reason Our Kids Are So Ugly

Soundtrack ist das aus der Liste, das einem wieder kein Mensch glaubt:
Jimmy Buffett mit den Oak Ridge Boys als Background-Schubiduapdap-Truppe: My Head Hurts, My Feet Stink, And I Don’t Love Jesus, aus: Havana Daydreamin’, 1976:

Du hörst nicht auf zu kämpfen, wenn du keine Lust mehr hast, sondern wenn der Bär keine Lust mehr hat

Diese Woche gelernt:

Die schlechte Nachricht: Ernährung durch Essen ist in den wenigsten Fällen ratsam. Die gute Nachricht: Sie ist auch nicht ernsthaft möglich.

Internet ist wie Krieg: Keiner macht mit, weil es für irgendwas gut wäre, sondern weil alle mitmachen müssen.

Wie das zusammenhängt? Bestimmt irgendwie, aber ich wünsche uns allen, gar nicht.

Soundtrack: Nora Brown: Omer Forster: Flowery Girls, 7. Februar 2021.
Lerninhalt 3: Brooklyn hat auch schöne Ecken:

Serendipity Jane

Vor 21 Uhr
an der Bushaltestelle
Zigaretten rauchen müsste
bis jetzt noch
erlaubt sein. Auf
einmal wächst eine
Frau im plastikblauen
Michelin-Männchen-Mantel
aus dem verschneiten
Gehsteig, wasserdichte Plastiktüte
am Handgelenk, den
Lippenstift ist sie
nicht mehr gewohnt.
“Gott zum Gruß”,
sagt sie, “ich
bin heut 40
geworden.” Gut gehalten.
“Glückwunsch”, sag ich.
“Keine Ursache”, sagt
sie, “und sie
haben mir eine
Flasche Wein geschenkt.”
Sie wedelt mir
mit ihrer Plastiktüte
unter dem Gesicht
herum, gratuliert hab
ich ihr schon.

“Wenn ich nicht
trocken wär”, redet
sie weiter, “würd
ich den ganzen
Tag Chardonnay saufen.”

Ich nicke weise.
“Wer nicht, wer
nicht”, sag ich.
“Können Sie haben”,
sagt sie, drückt
mir die Plastiktüte
vor die Brust,
damit ich sie
nehmen muss, und
ist hinter einer
Schicht Schneeflocken in
Richtung einer Kneipe,
aus der vorhin
noch Licht auf
die schlampig geräumten
Schneefladen fiel, verschwunden.
Stellenryck, Südafrika. Hab
ich letztes Jahr
mal beim Aldi
im Angebot gesehen.

Wenn ich trocken
wär, würd ich
den ganzen Tag
keinen Wein saufen.

Soundtrack: Caravan: Winter Wine, aus: In the Land of Grey and Pink, 1971:

Tauwetter

Zwischen Fladen von
gesulztem Schnee, der
mich davor bewahrt,

auf dem Split
herumzukullern, der mich
davor bewahren soll,

auf dem Schnee
auszurutschen, verliert sich
ein rostiges Centstück.

Mit dem Fingernagel aus der
Pflasterfuge hebeln und in der
fünften Jeanstasche zum Euro für

den Einkaufswagen versenken. Blanker raus,
rostiger rein: So vertauscht sich
ein Glück mit dem anderen.

Soundtrack: The Be Good Tanyas: Rain and Snow,
aus: Blue Horse, 2000,
live im Railway Club (erloschen), Vancouver, 3. Oktober 2001:

A question of SEO

Mein Instagram-Account hat genau 0 Einträge. Deshalb lohnt er sich nicht zu verlinken. Mit meinem Instagram-Account, der so wenige Einträge hat, dass er sich nicht verlinkt zu werden lohnt, genauer: gar keinen, folge ich 18 anderen Instagram-Accounts. Diesen 18 Instagram-Accounts, denen ich folge, stehen 19 andere Instgram-Accounts gegenüber, die meisten davon mit mehreren tausend Einträgen, die ihrerseits meinem leeren Instagram-Account folgen. Nicht schlecht, so rein prozentual.

Das schaffen die wenigsten, die’s unter geldwertem SEO-Aufwand drauf anlegen. Nicht auszudenken, wenn man so eine Effizienz auf alle Gebiete außer SEO ausweiten könnte. Fast schade, dass Instagrammen sowas von 2019 ist. Zeit, ein paar Transferanwendungen zu testen.

In diesem Sinne:

You’ve got to ask yourself one question: “Do I feel lucky?” Well, do you, punk?

Dirty Harry, Filmstart: 23. Dezember 1971.

Ihnen auch schöne Feiertage.

Bild & Film: Dirty Harry, Warner Brothers 1971,
via Bad Wolf, Daily Mail Online: ‘Do you feel lucky, punk?’: From Dirty Harry to Star Wars, the famous movie quotes that fans always get wrong, 28. August 2013.

Clint Eastwood, Dirty Harry, Warner Brothers 1971, Bad Wolf 2013

Diesseits von Gut und Böse

“Ich bin zu dem Schluß gelangt”, ließ Wolfe sich vernehmen, “daß jeder heute lebende Mensch halb Idiot und halb Held ist. Nur Helden können in diesem verrückten Wirbel überleben, und nur Idioten wünschen sich das.”

Rex Stout: Es klingelte an der Tür, 1965.

“Nero Wolfe?” erinnert sich Vroni, “von dem Rex Stout, der mit schwarz-gelben Diogenes-Taschenbüchern aus den Siebzigern?”

“Demselben”, sag ich. “In Dolly Dolittle’s Crime Club und den Morde-Sammlungen von der weiland Hottinger.”

“Klingt doch gar nicht so mörderisch.”

“So wie die Grenze zwischen Gut und Böse ja auch nicht zwischen irgendwelchen künstlich definierten Zusammenrottungen verläuft, sondern durch jeden eigenverantwortlichen Menschen einzeln. Sogar zeitlich.”

“Wer von denen ist dann der Held und wer der Idiot?”

“Genau da trifft die individuelle auf die zeitliche Einteilung.”

“Red dich ruhig raus.”

Soundtrack: Lauren Bacall: How Little We Know,
aus: To Have and Have Not, 1944,
am Piano der Komponist Hoagy Carmichael persönlich:

Alle, die von Freiheit träumen

War was? – Ach ja, Feiertag war. Tag der deutschen … wie hat das geheißen? Einheit? Was für Einheit? Noch D-Mark oder schon Euro? Kaurimuscheln, Zoll, Inches oder Kilowattstunden? Broteinheiten? — Man verspricht sich immer so leicht auf “Tag der deutschen Freiheit”. Muss am letzten Bundespräsidenten liegen, von dem man ab und zu noch was gehört hat, und dann war’s meistens was mit “Freiheit”.

Darum bietet sich an dieser Stelle an, die Definition von Freiheit auszubreiten, die wir mal gebraucht haben, um – ohne hier ins Geschäftliche zu verfallen – einen Kunden zu jener Ordnung zu rufen, die ihn anhält, sein Core Asset der Freiheit als Aufforderung zu mehr Verantwortung zu begreifen, nicht weniger.

Die Königin der rhetorischen Figuren soll es ja sein, den Argumenten seines Gesprächsgegners zuzustimmen und daraus den gegenteiligen Schluss zu ziehen. Mit dem Spruch von Camus kommt man da schon ziemlich weit, begründet mit dem Kant. Ich bringe mal unsere damalige Diskussionsgrundlage als Zitat:

Freiheit

Was die Deutschen betrifft, so bedürfen sie weder der Freiheit noch der Gleichheit. Sie sind ein spekulatives Volk, Ideologen, Vor- und Nachdenker, Träumer, die nur in der Vergangenheit und in der Zukunft leben, und keine Gegenwart haben. Engländer und Franzosen haben eine Gegenwart, bei ihnen hat jeder Tag seinen Kampf und Gegenkampf und seine Geschichte. Der Deutsche hat nichts, wofür er kämpfen sollte, und da er zu mutmaßen begann, daß es doch Dinge geben könne, deren Besitz wünschenswert wäre, so haben wohlweise seine Philosophen ihn gelehrt, an der Existenz solcher Dinge zu zweifeln. Es läßt sich nicht leugnen, daß auch die Deutschen die Freiheit lieben. Aber anders wie andere Völker. Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen, und wehe dem rotgeröckten Burschen, der sich in ihr heiliges Schlafgemach drängt — sei es als Galant oder als Scherge. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.

Heinrich Heine: Englische Fragmente, 1828.

“They’re not scared of you. They’re scared of what you represent to ’em.”

“Hey, man. All we represent to them, man, is somebody who needs a haircut.”

“Oh, no. What you represent to them is freedom.”

“What the hell is wrong with freedom? That’s what it’s all about.”

“Oh, yeah, that’s right. That’s what it’s all about, all right. But talkin’ about it and bein’ it, that’s two different thangs. I mean, it’s real hard to be free when you are bought and sold in the marketplace. Of course, don’t ever tell anybody that they’re not free, ’cause then they’re gonna get real busy killin’ and maimin’ to prove to you that they are. Oh, yeah, they’re gonna talk to you, and talk to you, and talk to you about individual freedom. But they see a free individual, it’s gonna scare ’em.”

“Well, it don’t make ’em runnin’ scared.”

“No, it makes ’em dangerous.”

Jack Nicholson mit Dennis Hopper, in: Easy Rider, 1969.

Gleich zuoberst als erstes scrollfrei in Wikipedia: Freiheit ist die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Das sine qua non an Freiheit ist also: Auswahl + Entscheidung – woraus in moderner Philosophie – und: wichtig: sogar im Recht – folgt: Autonomie eines handelnden Subjekts.

Weiter: Die Freiheit, sich für oder gegen eine Handlung entscheiden zu können, und ihre Beschränkung durch Regeln sowie durch Entscheidungen, Ansprüche, Interessen oder Handlungen anderer sind eng mit der Frage der Legitimität des eigenen Handelns und des Beschränkens fremden Handelns verbunden. Auf Deutsch:

Your Liberty To Swing Your Fist Ends Just Where My Nose Begins. – Oliver Wendell Holmes, Jr., John B. Finch, John Stuart Mill, Abraham Lincoln, Zechariah Chafee, Jr. oder sonst jemand.

Seriöser:

Freiheit endet da, wo eines anderen Recht anfängt – unsichere Zuschreibung.

Gesichert scheint allein Matthias Claudius:

Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.

– und damit kollidiert. Begründbar mit:

Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. – Rosa Luxemburg.

Leicht erweitert Kant: Die Metaphysik der Sitten, 1797:

Wenn also meine Handlung, oder überhaupt mein Zustand, mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, so tut der mir Unrecht, der mich daran hindert; denn dieses Hindernis (dieser Widerstand) kann mit der Freiheit nach allgemeinen Gesetzen nicht bestehen. […]

Das Rechthandeln mir zur Maxime zu machen, ist eine Forderung, die die Ethik an mich tut. Also ist das allgemeine Rechtsgesetz: handle äußerlich so, daß der freie Gebrauch deiner Willkür mit der Freiheit von jedermann nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen könne, zwar ein Gesetz, welches mir eine Verbindlichkeit auferlegt, aber ganz und gar nicht erwartet, noch weniger fordert, daß ich, ganz um dieser Verbindlichkeit willen, meine Freiheit auf jene Bedingungen selbst einschränken solle, sondern die Vernunft sagt nur, daß sie in ihrer Idee darauf eingeschränkt sei und von andern auch tätlich eingeschränkt werden dürfe; und dieses sagt sie als ein Postulat, welches gar keines Beweises weiter fähig ist.

Siehe den Unterschied zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit, innerhalb des letzteren wiederum zwischen freiem Willen und natürlichem Willen.

Für die tägliche Anwendung scheint relevant: die wieder von Kant (in der Kritik der reinen Vernunft, 1781) geprägte praktische Freiheit: das Selbstverständnis eines vernünftigen Wesens, nach selbsterhobenen (!) Prinzipien zu entscheiden und sich somit selbst als frei zu begreifen. Weiter Kant:

Freiheit ist nur durch Vernunft möglich.

Ohne dieselbe folgt der Mensch seinen Trieben wie ein Tier; mit derselben kann er das Gute erkennen und sein Verhalten an der Pflicht ausrichten, siehe Kategorischer Imperativ – der mithin der Freiheit nicht widerspricht, worauf der Hedonist allzugern verfällt. Vielmehr ist nur der sich bewusst pflichtgemäß, also moralisch verhaltende Mensch frei: Freiheit zu tun, was man will, ist genau das Gegenteil davon, zu tun, wozu man Lust verspürt, weil genau die Lust den Menschen von der eigenen Freiheitsentfaltung abhält. – Siehe die nach langen Handlungsverschlingungen gefundene Interpretation der Anweisung

Tu, was du willst

bei Michael Ende: Die unendliche Geschichte, 1979.

Daraus die Konsequenz für die deutsche Romantik, die sich nach dem Idealismus richtet, also im Gegensatz zu so vielen Kunsttheorien wirklich eine vorgefundene Theorie in Praxis und Kunst überführt statt umgekehrt: Johann Gottlieb Fichte:

Vernunftwille macht das aus, was wir sind – nämlich unser Ich.

Auch da wieder: Freiheit ist

nur dadurch möglich, daß jedes freie Wesen es sich zum Gesetz mache, seine Freiheit durch den Begriff der Freiheit aller übrigen einzuschränken.

Fichtes Idealismus ist daher eine Konsequenz aus dem Primat von Kants praktischer Vernunft.

Freiheit zu etwas heißt positive Freiheit, Freiheit von etwas negative Freiheit; beides nach Rousseau: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, 1755:

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

Daher Camus:

Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten

und Sartre:

Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.

Die Liberté der Französischen Revolution 1789 ist mithin ein direkter Vorläufer, aber etwas anderes als die Freiheit hinter Einigkeit und Recht – Fallersleben 1841.

Brauchen wir Definition genauer?

Brause, du Freiheitssang.

Populärer siehe Marius Müller-Westernhagen: Freiheit, zuerst live seit 1990; darin noch am kantischsten:

Der Mensch ist leider nicht naiv, der Mensch ist leider primitiv. Freiheit, Freiheit wurde wieder abbestellt.

Ansonsten eher atmosphärische Allegorie auf den 1989er Anschluss der Ostprovinzen.

Egal wer das dem “land of the free and the home of the brave” jetzt beibringen darf: Freiheit wäre damit das glatte Gegenteil von entfesseltem Hedonismus.

Die Kapelle rumtata: The Byrds: I Wasn’t Born to Follow,
aus: The Notorious Byrd Brothers, 1968:

Doofer Witz

Treffen sich ein Mexikaner, ein Däne, ein Ungar, ein Engländer, ein Araber, ein Inder, ein Franzose, ein Österreicher, ein Chinese, ein Bulgare, ein Finne und ein Deutscher.

Sagt der Mexikaner: “Die Deutschen sind voll die Altersrassisten.”

Sagt der Däne: “Schmarrn, die Deutschen sind ganz allgemein Rassisten.”

Sagt der Ungar: “Schmarrn, die Deutschen sind voll die linken Bazillen.”

Sagt der Engländer: “Schmarrn, die Deutschen machen bloß den Amis alles nach.”

Sagt der Araber: “Schmarrn, die Deutschen sind halt ungläubige Schweinefresser.”

Sagt der Inder: “Schmarrn, die Deutschen fressen Kühe.”

Sagt der Franzose: “Schmarrn, die Deutschen fressen praktisch gar nix mehr.”

Sagt der Österreicher: “Schmarrn, die Deutschen trauen sich bloß nicht mehr rauchen.”

Sagt der Chinese: “Schmarrn, die Deutschen schreiben das bloß dauernd ins Internet.”

Sagt der Bulgare: “Schmarrn, die Deutschen haben doch noch gar kein Internet.”

Sagt der Finne: “Schmarrn, die Deutschen lernen bloß in der Schule nicht lesen.”

Sagt der Deutsche: “Schmarrn, wir sind voll das Volk der Dichter und Denker.”

Alternatives Ende: Sagt Vroni: “Keine Umstände bitte. Sag einfach, was der Russe sagt.”

Soundtrack: Los Colorados: Du Hast (Official Rammstein Cover),
aus: Move It!, 2012:

The only thing that looks good on me

Seit vorgestern muss ich mich an die frisch angebrochene Ära der Gleitsichtbrille gewöhnen. Dass es gleich zwei solche Geräte geworden sind, um einen Ersatz in der neuen Technologie zu schaffen, macht nichts leichter. Das eine Modell geht in die Richtung Buddy Holly und Heiner Müller, das andere ist dermaßen dem 19. Jahrhundert verhaftet, dass es noch einen Windsorring hat — das, was sich E. T. A. Hoffmann hinter die Ohren geschnallt hätte, um den Kater Murr zu schreiben; nicht das um Mitleid flehende Blumendrahtgestellchen von Franz Schubert, aber schon etwas, mit dem man sich bei Unschlittkerzenlicht Eisengallustintenfinger zuzieht. Ich brauche dringend einen Bratenrock.

Damit lernt man dergestalt das Gucken neu, dass man sich fürs erste stark der Musik zuwendet, weil man zuerst einen Blick wie E. T. A. Hoffmann kurz vor dem täglichen Verlassen des Lutter & Wegner hat. Darum vorsichtshalber heute keine Bilder.

Und sonst? Ist uns der Harry Rowohlt auch schon wieder drei Jahre gestorben:

Ich hab’s geschafft: Ich bin Coverboy im Hamburger Abendblatt, in Farbe, und das mir, dem letzten freilebenden Springer-Boykotteur. […] Orthographie und Interpunktion waren immer das einzige, was ich einigermaßen beherrschte. Wenn diese beiden Tugenden plötzlich nichts mehr gelten, stehe ich vor dem Nichts. Ich kann ja nicht mal ordentlich skilaufen. […] Das ist so gut gesagt, da beschlägt einem doch die Berylle.

Harry Rowohlt: Pooh’s Corner.
Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand
,
in: Die Zeit, 8. August 1997.

Soundtrack: Die Ärzte: Buddy Holly’s Brille,
aus: Im Schatten der Ärzte, 1985:

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