Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Beuys and Girls

Man kann eigentlich nicht sagen, dass ich ein Thema habe, das ich besonders gerne mag.

Es reicht mal wieder nicht, einfach Pornos zu gucken – mein innerer Germanist muss selbst das kunsthistorischtheoretischphilosophisch untermauern.

Es drängt sich ja auch auf, wenn die standardisierten Settings auf Beautiful Agony dermaßen an die Herrschaften Bernd und Hilla Becher gemahnen: Immergleiche Frontalansicht, immergleiches Wetter, die Aussage entsteht erst durch die ganze Sammlung, die sich zu Typologien fassen lässt – wie frappierend die Ansätze einander gleichen.

Die gesamte Riege der deutschen Fotografen, deren Bildbände die 39,90 überschreiten, besteht aus Becher-Schülern. Was uns das lehrt? Weiß ich auch nicht. Vielleicht dass es in Düsseldorf doch mehr zu fotografieren gibt, als man in seiner provinziellen Bavarität je geahnt hätte?

Jedenfalls müssen erst wieder die Ausländer kommen, um zu zeigen, dass man mit der Becherschen Sichtweise auch noch was anderes erfassen kann als Zementfabriken und stillgelegte Kohlenfördertürme. Klingen auch ganz anders, gell?

In der o.a. provinziellen Bavarität hat man ja ein Leben lang gelernt: Pornos stellen Frauen als Objekte dar, sind beschissen ausgeleuchtet, und die Musik ist erst recht ein Witz. Böse! Erst wenn sie sich benehmen wie Kunst, liefern sie wenigstens die einzige politisch korrekte Begründung für Bücherverbrennung.

Und hier? Keine Musik, über die Beleuchtung befrag ich lieber mal die angetraute Grafikabteilung, sobald sie mal fünf Minuten von der historischen Kraftwerksfotografie loskommt – aber mal ehrlich: Noch selbstbestimmtere Mädels haben Sie auch noch nie gesehen. Jungs gibt’s übrigens auch.

Und böse? Wer einem der gefilmten Mädchen in die Augen schauen und wiederholen kann, dass ihr Tun böse ist, ersäuft auch Katzenwelpen.

So betrachtet sind diese Pornos, die wahrscheinlich gar keine sind, schon lange so große Kunst wie eine Beuyssche Fettecke: Schillern schon beim Nachdenken und lassen einen nicht in Ruhe. Sehen nur besser aus. Auf sowas muss das Ehepaar Becher in seiner Jugend hingearbeitet haben, bevor es sich in der Dokumentation angehender Industriebrachen verzettelte.

Das volle Programm auf Beautiful Agony, ganz nach alter Pornositte, kostet.

1 Kommentar

  1. Knut

    Zahlreiche Videos von Beautiful Agony gibt auch hier:
    http://www.beautifulagony4free.dl.am/

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