Freitag! Logbuch

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Edelman: getürkte Geschichte

Immer wieder das Gleiche mit de Bloggers.
Der Sunblogger sieht es auch so.

Wenn Blogger weniger emotional wären, ihren Idealismus gelegentlich reflektieren würden, könnte kein EdelBlödmann dieser Welt einen Schnitt machen.

Aber leider funktionierte es prächtig.

Ich persönlich glaube keinen Deut daran, dass eine PR(!!)-Agentur wie die Edelmann-Verantwortlichen nicht wussten, dass die Stats von Techno_ratti mit Vorsicht zu genießen sind. Das weiß ja sogar ich, und ich blogge noch nicht lange mit meinen spärlichen Links, aber wusste kaum was von … Edel… mann… who is…

Man hat die Blogger erfolgreich provoziert und hinterher das weiße Tüchlein geschwungen, dass man 100% das Gespräch mit der Crème der Bloggerszene suche. Raffiniert. (Leicht unglaubwürdig leider und damit verräterisch, wie sie in ihrem Video in dem lieblosen bis gruseligen Raum die eingeladenen Blogger präsentiert haben: nämlich schlecht. Beispielsweise Nico Lumma sah man beim Vorstellen gar nicht. Deswegen bin ich überhaupt draufgekommen.)

Wer in seiner – sicher sehr ehrbaren – Geradlinigkeit wie der Don nicht verstehen will und kann, was denn zum Deibel die negative Aufmerksamkeit bringen soll:

Auch sie ist erst einmal Aufmerksamkeit und Energie. Ist sie dann da und geschaffen, kann man sie positiv umkehren, indem man den Gesprächsbereiten, Demütigen spielt. Umgekehrt, zuerst und gleich, positive Awareness schaffen in einer Welt der "No news are good news" ist sooo viel schwerer und dauert verdammt lang. Zu lang in der schnellen Welt des Internet.

Schneller geht’s so, und nix anderes haben die Edelmänner gemacht:
– Erst Provokation
– Aufruhr
– Bekanntheit
– dann das Strategem der leeren Stadt KONG CHENG JI
[= Im Jahr 228 n. Chr. erwartete Zhuge Liang, Heerführer des Königreichs Shu, mit nur 2.500 Mann in der Stadt Xicheng den Anmarsch von Sima Yi, den Feldherr des Reiches Wei mit 250.000 Mann. Er ließ seine Soldaten abziehen und die Tore der Stadt weit öffnen. Von den Mauern aus ließ er den Gegner wissen, er "habe keinen Hinterhalt gelegt und verfüge auch über keine Soldaten". Sima Yi kannte ZhugeLiang als listenreichen Gegner. Eine vernichtende Niederlage fürchtend ordnete er den Rückzug an.

Übersetzung: Offenheit im Moment der Schwäche – häufig erfolgreich und entwaffnend. Fehler eingestehen und dafür Verantwortung übernehmen kann entwaffnend wirken.Dem anderen Zeit lassen, sich zu beschweren und negativen Gefühlen freien Lauf zu lassen.]

Zusätzlich kommen damit ganz subtil weitere Strategeme zum Zug, die man auch gleich nutzen kann:

SHENG DONG JI XI.  = 6. Im Osten lärmen, im Westen angreifen

DA CAO JING SHE  = 13. Auf das Gras schlagen, um die Schlangen aufzuscheuchen

[= Kleiner Angriff , um die Stärke des Gegners zu ergründen oder diesen in eine günstige Stellung für die eigentliche Schlacht zu bringen.]

Übersetzung: Stakeholder-Motivationen werden oft durch kleine Provokationen erkennbar, die sie aus einer Haltung des Nichtstuns herausholen. Überhaupt können kleine, unerwartete Aktionen oft zu überraschenden Ergebnissen führen.]

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Das ist alles sehr wahr.
Unwahr ist, dass ich auch nur einen Deut so Typen wie die Edelmänner leiden kann.

4 Kommentare

  1. Ich kenne solche Strategien noch zur Genüge aus der Zeit der New Economy, da wollte man partout mit sowas werben. Das Risiko ist immer, dass man den Turning Point nicht erwischt. Das Grundproblem ist ja, dass der andere trotz allem wollen muss. Es muss irgend was da sein, was die andere Seite zu bieten hat.
    Und Edelman hat nichts zu bieten. Sie haben im Vorfeld durchaus versucht, die Sache nochmal hinzubiegen, aber ab einem gewissen Punkt gab es kein Zurück mehr. Sie sind buchstäblich zwischen den Vorgaben aus Amerika und den deutschen Bloggern zerrieben worden. Im Vergleich gab es auch recht stille Untersuchungen in anderen Ländern ohne Bohei, die als grosser Erfolg gewertet werden.
    Also hat entweder die deutsche Abteilung als Einzige voll gezündet oder voll versagt. Wie auch immer, den Ruf haben sie auf Jahre hinweg abbekommen. Da gibt es keinen Ausweg mehr, die sind die neuen Mattschen Klowände. “Amtlich” und “Winzszene” wird kleben bleiben.

  2. Don, für mich haben sie – kurzsichtige Strategeure wie sie sind – das hauptsächlich benutzt, um ihren Blog bekannt zu machen. Und um sogenannte pseudo Blog-Kompetenz für ihre Kunden zu generieren. Letztere – birds of the same feathers – halten diese krumme Tour ebenfalls für supi schlau, sind sie doch traditionell genauso in der Absahn-Strategie-Denke verfangen, die alles theoretisch in Excel & Powerpoint kann, nur eins nicht:
    wirklich mit Menschen umgehen.
    Seien es ihre eigenen Consumer-Kunden oder das Zwischenbindeglied: die Blogger.
    Diese hölzerne, emotionale Unfähigkeit, dieses ökonomistische Denken ist demaßen stark, dass sie sich praktisch mit jedem Wimperschlag verraten.

  3. Ich würde ökonomisches Denken nicht ganz so verdammen wie Du, sehe aber ebenso eine bewusste Strategie dahinter.
    Sehr schön fand ich übrigens die Einbeziehung der Weisheiten eines Sun Tsu ;)

  4. @ Björn,
    ich sagte
    “ökonomistisch” :)
    und nicht “ökonomisch”
    Bissi Untäärrschied.
    ————
    Ja, fernöstliche Weisheiten helfen oft weiter :) Manchmal reicht auch schon der gute, böse alte Schopenhauer mit seiner eristischen Dialektik.

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