Als ich klein war, hatten wir eine Nachbarsfamilie, die mit einem sehr niedrigen Zaun direkt neben unserem Haus gebaut hatte. Sie hatten eine ältere Tochter. Und einen Sohn, der ungefähr drei Jahre jünger war als ich.

Von dem später das Gerücht ging, er wäre von einem anderen Mann. Welcher etwas seltsam gewesen sei.

Dieser Sohn schlich, als er noch klein war, altersgemäß mit seinem kleinen Kumpel um die vier Ecken seines Familienhauses mit Holzschwert oder Cowboy-Pistole. Als ich mal bei ihm auf Besuch war, malten wir zusammen Ufos und Aliens. Etwas anderes konnte man mit ihm nicht anstellen. Nicht Fangen spielen und auch keine Ballspiele. Die hatten sich in seinem Garten sowieso erledigt, weil seine Mama sämtliche Bälle, die auf ihren englischen Rasen flogen, stets mit der Gartenschere und mit rotem wutverzerrtem Gesicht kaputtzuhacken pflegte. Es waren einige von unserem Taschengeld bezahlte Bälle, die wir drei Geschwister nie mehr wiedersahen.

Er konnte sich mit Aliens, und auch sonst, richtig reinsteigern. Er malte nichts anderes.

Er sagte nie viel, hatte mal den gerade eben frisch angesäten Rasen meines Vaters in einem nicht enden wollenden Wutrausch mit seinen Stiefelhacken kaputt getreten. Und danach – oder davor?, ich erinnere mich nicht mehr – den drei Birken, die uns unsere Oma pflanzte, komplett das Laub abgerissen bis sie kompett nackt waren.

Jahre später erzählte man mir, dass dieser inzwischen große Sohn weiterhin herum schlich. Diesmal mitten im kalten Winter mit kurzen Bermudas, also nackten Beinen. Statt wie früher nur um die vier Ecken seines Elternhauses. In den Straßen der nicht mehr ganz so kleinen Kleinstadt mit ihren inwischen zu 3.200 Einwohnern geschrumpften Seelen. Er würde immer die Hände ballen und dabei ein wutverzerrtes Gesicht machen und garstig dabei ausschauen, obwohl er eigentlich ein Hübscher sei.

Kaum Freunde – und die Lehre als Holzschnitzer und ein paar Jahre Arbeit bei der einzigen Möbelfabrik am Ort lange her. Seitdem sei er arbeitslos. Seine Mutter habe ihm eine Eigentumswohnung gekauft, weil es zuhause mit ihm kompliziert geworden sei. Er hätte auch seine eigene Oma, die mit im Haus lebte, mal mit dem Messer bedroht.