Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Autor: Vroni (Seite 2 von 3)

Auch schöne E-Mail:

Im Moment müssen Sie auf meine mündliche Zusage vertrauen. Ihr Vertrag wird Ende xx erstellt und wird voraussichtlich in der ersten xx-woche bei Ihnen im Briefkasten sein.

Wenn das nicht grad eine schriftliche Zusage war.

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Immer wieder schön, dass das Internet und allem voran die E-Mail immer noch nicht als schriftlich verstanden wird, sondern nur das Papier im Briefkasten.

Briefkasten der Post

 

Nachgelegt – Snowden revisited

Oh, ich denke, Snowden WIRD nachlegen.

Dem Geraune nach wird genau um das Thema “wahres Ausmaß der privaten Datenschnüffelei” nachgelegt. Ich bin gespannt.

Schon lange wusste man als satirehaft gescheitelte Existenz und als semi-gebildeter halb-IT-ler, dass ein “W-LAN ein mächtiges Instrument ist, die Festplatte ins Internet zu verlegen” (Hohn der Titanic schon vor Jahren).

Marienplatz München

Weiter mit Satire:
Eine Cloud ist auch nicht irgendeine diffuse Wolke, sondern eine Ansammlung von vielen schwarzen brummenden Kästen, call it Server. Die Datensammler müssen endlich nicht mehr alles mühsam zusammensuchen, sondern haben es schön ordentlich beisammen :-)

Bin vom Typ her nicht paranoid (eher unbeschwert so: “rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln”), doch das was gerade abgeht – und wir wissen noch nicht alles, macht mich wahlweise renitent oder überwachsam, und beides gleichzeitig.

Die Endwirkung bei den Bürgern wird sein: Keinen Respekt mehr vor gar nix, die einen – und wurschtegal, Ducken, die anderen. Die Möglichkeit einer demokratischen Pesönlichkeitsentwicklung ist somit im Verpuppungsstadium gestoppt.

Sehe das als Gefahr für demokratisch verfasste Länder. Deren Regierungen genießen bereits wegen der Bankenkrise nicht mehr das Vertrauen. Jetzt wird es noch schlimmer mit dem Misstrauen und deren Bürger haben auch noch Recht.

 

Der moderne Hofnarr

 

Die moderne Jobwelt ist alternativlos:

Ermüdende Sandwich-Positionen für das strebsame Akademikervolk.
Null Erbauung.
Immerwährender Stress.
Mäßige Bezahlung.

Sie wissen schon: diese pseudo-Managertitel für die Daueroptimierer-Sandwiches der mittleren Ebene. Um die tragen zu dürfen, gibt es gnadenlos blaue Flecken von oben und von unten. Daher der Begriff Sandwich, mittendrin. Aber man muss nehmen, was man kriegen kann.

Eine Hotelcheffin aus Österreich weiß die Sehnsucht nach ganzheitlicher Berufung, in der man ganz man selbst sein darf, für ihr Hotel zu nutzen:

Sie vergibt jetzt den Job eines Hofnarren für ihr feudales Hotel. Und lässt den EulenSPIEGEL Online berichten.

Ihre Jobbeschreibung (so sagt jedenfalls die Hoteldame):

Den Gästen Fragen beantworten.

Sie auf das einstimmen, was sie erwartet.

Über das Angebot informieren (wann die Palatschinkenstunde anfängt)

Orientierungslosen Gästen das Gelände erklären.

Die Gäste leiten.

Aha.

Weiß sie denn nicht, dass die echten Hofnarren ganz andere Sachen gemacht haben: dem König und seinem Hofstaat Kritik an den bestehenden Verhältnissen auf philsosophische oder närrisch-künstlerische Art darzubieten.

Dass sich bereits ein Manager närrischerweise auf diesen Job, der nicht nur Unemüdlichkeit und kaum Freizeit anbietet plus mit kläglichen 1.400,00 EUR brutto dotiert^^ ist, meldete, ist ein Hinweis darauf, dass darüber, was ein Hofnarr wirklich ist, zarte Missverständnise herrschen.

Hofnarr Prangerl

Prangerl am Karlstor, München (Bildquelle: Wikipedia Commons http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMuenchen_Karlstor_Hofnarr_03062009.JPG)

Der letzte bairische Hofnarr Hofnarr Prangerl http://bar.wikipedia.org/wiki/Hofnarr_Prangerl wusste noch darum, was ein Hofnarr an kulturellen Kompetenzen haben muss. Eine seiner höfischen “Missetaten” war, sich bei einem Konzert als den extra eingeladenen französischen Geigenkünstler auszugeben und keiner hats gemerkt. Erst am Schluss lüftete er seine Identität. Er konnte Geige. Anscheinend anständig genug, dass es nicht aufflog.

Ich glaube, da müssen Manager noch nachlegen.

Sonst wird es nix mit dem Job. Und es muss ein extra Hofnarren-Hartz-4 geschaffen werden (fordern und fördern), damit sie nicht in der faulen sozialen Hängematte herumdämmern, und sie wieder in vernünftige kulturelle Kontexte eingegliedert werden können.

Und ja, natürlich weiß der geneigte Leser, dass es lediglich um mehr oder weniger gekonnte Hotel-PR auf http://www.spiegel.de/reise/europa/hofnarr-gesucht-ungewoehnliche-stellenanzeige-eines-hotels-a-906080.html des SPIEGELs ging.

“Die Direktorin selbst hält die Position für die wichtigste ihres Hauses.”

Ein Narr, wer Arges dabei denkt wer glaubt, dass sich Unverständnis über das echte Narrentum zumindest mit Verständnis über wertschätzende Bezahlung ausgleichen muss. It won’t.

Grenzgängerin, also Idiotin

Bin und fühle mich immmer noch als Arbeiterkind und als Handwerker. Design ist für mich Handwerk. Lassen Sie sich doch vom Designgschmarri nicht in die Oberklassen-Irre führen. Bin Designer gworn, weil ich ein Malender bin, schon immer gewesen.

Kimonofrau und Spirale

Dass man mit Zeichentalent in der Werbung landet, ist ein tragischer Unfall mit der Tragik altgriechischen Ausmaßes. Ich hasse die Werbung, ich hasse die Typen, die dort arbeiten. Manche sind einzeln wunderbare Menschen, im Job und geballt sind sie ein Grauen. Wer da was Überhöhtes draus machen möchte, dem sein Freund bin ich nicht. Bin immer noch auf der Seite der Arbeiter. Bin auf der Seite der Hartz-4-ler. Mit Pennern und Bettlern rede ich.

Mit Kachmirschals und Ete-petete-Klamotten hab ichs zum Leid meiner Mutter immer noch nicht so und ich bin auch keine Ideale-verratende Toskana-Fraktion. Im Gegentum. Ich freue mich immer noch wie ein Kind, wenn ich es einem postpubertären, eingebildeten Wohlstandsvollversager aus dem Westviertel nett oder auch mal saftig heimzahlen kann. An diesen Tagen mache ich immer voller Freude Kerben in meinen Gürtel. Ich freue mich, wenn deren Angeber-Leichen samt ihrer SUVs in der Isar treiben.

Alle Unterstellungen bleiben Unterstellungen und zielen ins Leere.

Einen umgedrehten Jockel Fischer zu assoziieren, ist endgültig gewagt.
Weder bin ich so fett und faltig, weder sehe ich so alt aus wie der, noch bin ich geistig alt, noch saufe ich so viel wie er, noch betrachte ich Menschen als Zweck zum MIttel, noch gehe ich auch Vortragsreisen, noch spreize ich mittlerweile das Fingerchen. Noch habe ich je vergessen, wo ich herkomm. Es gibt bei mir zuhause keine goldenen Tellerchen. Alles sehr bäuerlich, der Geist und das Einkommen sind es auch. Bin ein Bildungsbauer. Also Bauer. Eine Idiotin. Die Bildung habe ich aber auch nur von meinem Mann. Ohne den würde ich eine Viola da Gamba für was zum Essen halten, hmm Gambasch, lecker!

Männergekreisch

Quentin Matsys - A Grotesque old woman
http://rebellmarkt.blogger.de/stories/2235064/

Wie jetzt.
Dachte bisher immer nur als alte Sexistin, Frauen seien die Kreischenden.

 

 “Totalitär”? Echt jetzt?

Kann es nicht einfach sein, dass die per Rebellmarkt-Männergekreisch als “totalitär” gescholtenen Damen mit ihren zugegeben recht ängstlich-pedantisch Konferenz-Saalregeln (eigentlich selbstverständliche Sachen, über die man gar nicht reden müsste, aber weiblich-ängstlich zu diffizil geschrieben) im Grunde nur von Angst getrieben sind?

Angst, dass Wortmeldungen untergehen. Angst, dass interessante Statements niedergekämpft werden. Angst, dass gute Ideen im Gebelfer untergehen.

 

Ängste sind zum Teil berechtigt.

Denn genau das erfährt frau und hat frau längst erfahren in sogenannten Business-Meetings. Früher und heute, immer noch: Unsicheres, ängstliches Frauengepieps wird nicht gehört, interessante Vorschläge werden ignoriert, Ideen werden erst nicht gehört, dann von Männern als die eigenen ausgegeben. Alles altgewohntes patriarchales Dominanzgehabe. (Eigenempirie: Hab mir zwar schon vor Urzeiten privat und geschäftlich das zu leise = unsichere Reden abgewöhnt und rede laut, verständlich und sicher. Hält aber immer noch nicht gewisse Herrschaften davon ab, einen niederzudröhnen. Das dazu. Es NERVT.)

Über Mikrofone red ich nicht. Die unsicheres Frauengepieps deswegen schlecht wiedergeben, weil die Damschaft schuldhaft keine Ahnung hat, wie man so Technik-Dingens umgeht: grad und nah hinstellen, direkt von vorn und nah hineinreden. Seufz.

Warum soll es bei Piraten-Konferenzen anders sein.

 

Was mich aber echt sauer macht

(Was keinen interessieren wird, ich sags aber trotzdem)

Dass die (leider) griffige Wortschöpfung “Gendergetröte” auch nur dazu beiträgt, systemisch aufzuschaukeln, Öl ins Feuer zu gießen. Klicksüchtig? Läufts nicht mehr richtig? Richtig souverän sind die meist männlichen “Gendergetröte!”-Gegen-Reaktionen nämlich nicht. Eher sehr unsouverän, zynisch, beleidigte Lebenswurst.

Hatten wir in den 70ern schon, nichts hat sich geändert. Nur mehr Belfer-Vokabular dazu gekommen, ohne das alte Belfer-und Billigprovokations-Vokabular der alten Heinze (“Feministinnen sind hässlich und schlecht angezogen”) je zu vernachlässigen.

 

Angst und als Zynismus verkappte Gegen-Angst.

Die unmaßgebliche Meinung und Deinung eines kleinen Vroni-Bären von geringem Verstand: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Meine Damen, meine Herren.
Damit macht man sich nur endgültig zum Deppen Idioten.

Das Trennende zu betonen, ist dumm. Männer und Frauen eint mehr, als sie denken.

(Zum Beispiel die Dummheit, die ist bei beiden gleich, vor allem im Netz … *duck*)

 

Matthias Claudius kämpft gegen den Google-Wettergott

Update 31. März 2013:

Zur gefälligen Beachtung: Ostern is!

Osterhasi

Auch wenn es stürmet und schneiet …

 

Matthias Claudius:

Jeden Morgen in meinem Garten
öffnen neue Blüten sich dem Tag.
Überall ein heimliches Erwarten,
das nun länger nicht mehr zögern mag.

 

Google Osterwetter (Der Blick aus dem Fenster tut‘s auch):

München, 2 Tage vor Ostern
Karfreitag 17:00
Vereinzelt Schnee
-1°

 

Und wie es zögert: Das Update mit unserer alljährlichen Trickfigur Osterhasi kommt deswegen auch erst am Ostersonntag.

 

An der Angel – Besser hätte ich es nicht schreiben können.

Diesmal heute kein eigener Blogeintrag, sondern einer vom guten WS, Siebeck himself:

http://wo-isst-siebeck.de/2013/03/an-der-angel/

Ausschnitt:

Da erscheint die neueste Ausgabe der SZ mit der Meldung, dass die Menscheitsbeglücker dabei sind, Fisch in Vegetarier zu verwandeln. Bisher wurden Zuchtfische mit ihresgleichen gefüttert, mit Fischmehl. Man nennt das Kannibalismus: Mit viereinhalb bis sieben Millionen Tonnen pro Jahr. Das waren gestern noch Fische, die wir heute nicht mehr essen dürfen, weil sie aussterben.

Verwirrend das Ganze, nicht wahr?

 

Eine Ähnlichkeit mit Zypern und der Rettung der Banken ist jedenfalls nicht beabsichtigt.

Manchmal fühlt man sich sogar von Siebeck verstanden, soweit ist es schon gekommen.

Artgerechte Haltung

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) ist in einem ehemaligen Kapuzinerkloster mitten in München beheimatet. Quelle Wikipedia Creative Commons, Author Ulla Schmitz

Kapuzinerkloster Isarvorstadt, Innenhof

Irgendwo in den Tiefen der Blogosphäre

hat es mir mal den Vorwurf “Heuchlerin” eingetragen, als ich auf einem fremden Blog fand, dass es eine gute Sache sei, ob man jetzt Veganer sei oder nicht, sich zusätzlich für Animal’s Angels einzusetzen. Weil ich fand: Alleine vor sich hin vegetarisch oder vegan zu leben reicht nicht ganz aus, wenn man wirklich das Leid der Tiere verringern will.

Denn das vegetarische Dasein eines Teils der Bevölkerung kratzt trotzdem nicht die, die mies mit den Tieren per Massentierhaltung und Massentransport umgehen. Das kratzt trotzdem nicht die homines oeconimici, die den wachsenden Fleischhunger außerhalb unserer Landesgrenzen mit möglichst minimalen Kosten = maximalem Erlös brutal und ohne Gefühle ausnützen.

Weltfrust versus Achtsamkeit

Egal, woher der Forist sich das Recht nahm, persönlich zu diffamieren: Empathie, Mitfühlen mit den Wesen auf dem Erdball war es wohl nicht. Persönlich diffamieren ist eher die Lust, sich ein Ventil im Internet zu schaffen, um seinen allgemeinen oder persönlichen Lebensfrust loszuwerden.

Artgerechte Haltung sollte doch eigentlich beim Menschen beginnen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn man sich selbst nicht mag, wer gar voller Selbsthass ist, kann seinen Nächsten auch nicht leiden. Wie man mit sich selbst umgeht, lässt demnach auf ebensolchen entweder respektvollen oder schlimmen Umgang mit Menschen und Tieren schließen.

Es hat sich zwar einiges geändert seit der vorletzten Jahrhundertwende, wenn man an die miesen Produktionsbedingungen für die Arbeiter in der Gründerzeit denkt.

Doch ganz ist es aus den Arbeitsleben nicht verschwunden, dass Menschen unter unzumutbaren Umständen arbeiten müssen. Großraumbüros mit üblem Neonlicht, die allein schon deswegen stressen, sind noch das Wenigste. Ein Luxusproblem – verglichen mit den Zuständen in globalisierten Produktionsstätten.

Es muss um die Zeit der New Economy gewesen sein

Mir hat  – erneut Luxusproblem natürlich – die Art des Umgangs meiner letzten Ex-Cheffin mit ihren Mitarbeitern nicht gefallen. Sie hat ihre eigenen Leute vor ihren Kunden in die Pfanne gehauen. Alle. Sie hat nach erschöpfenden Pitches, wo die Arbeit unter Zeitdruck jedesmal bis in die Nacht ging, an den Tagen danach keine Freistunden erlaubt. Sie hat Zusagen nicht eingehalten. Sie hat nachts um elf den für den Pitch eingekauften Freelancern vorgeworfen, sie würden unnütze Zeiten schinden. Dabei warteten sie auf sie, auf ihre Textlieferungen, mit denen sie sich ganz schön Zeit ließ. Damit sie endlich in die Layouts eingefügt werden können, die am nächsten Tag frühmorgens präsentiert werden sollen.

Das volle Programm. Die Lady war eine Pest. Wenn schon Neonröhren, dachte ich mir, dann doch wenigstens mit Menschen, mit denn man vereint an einem Strang ziehen kann. Und nicht mit Menschen, die einem auch das noch vorwerfen.

Jeden Tag sehen müssen, wie es anders geht

Mit sehnsuchtsvollen Gedanken nach Ruhe, Einkehr und gutem statt stressigem Umgang miteinander fuhr ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an einem Kapuzinerkloster vorbei. Da wäre ich jetzt gerne, dachte ich. So weit war ich schon als aus der Kirche Ausgetretener, mich in ein Kloster zu wünschen, um der Pest zu entgehen.

Ich wünschte mir dringend artgerechtere Haltung.

Umsetzung

Wenig später kündigte ich. Ich versuchte anschließend, mich selbst artgerecht zu halten. Mein eigenes Büro hat einen schönen Kamin und keine Neonröhren. Wenn ich mal nachts bis früh um fünf durcharbeite, gönne ich mir das Ausschlafen. Ich gönne mir freundliche Kunden. Miesepeter, misstrauische 200%-Optimierer und Indien-IT-Outsourcer not welcome. Ja, und Tiere im Büro sind unabdingbar. Moritz ist Betriebsklima pur.

Katze Moritz auf dem Bett

Was Katzen lesen:

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Der abgebildete Herr ist nicht Spitzwegs armer Poet, nicht E. T. A. Hoffmann, auch nicht Kapellmeister Johannes Kreisler.

Aber die Katze ist deutlich Moritz. Und Moritz ist unser Kater Murr. Beide, Katze und Herrchen lesen aber nicht Schirrmachers “Ego”, das die Spieltheorie und den homo oeconomicus durchleuchtet und die Welt vor der Kälte des Egozentrismus warnt, sie lesen als Katz-Zentriker und  homo ludens lieber “Die Lebensansichten des Katers Murr”. Naja, die beiden nennen es lesen.

Moritz-Murr: Nach der OP wieder wohlauf inzwischen, das malade Auge (Bindehautentzündung) fast wieder in Ordnung. Ein Gang in die Sonne und Knabbern am Gras im Garten ist schwer angesagt.

 

Grüß Gott, ich bin das Internet und hätt da mal eine Frage.

Du musst nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze zur Maus und fraß sie. (Franz Kafka)

 

Aber gern.

Internet:
Welche Angebote/Leistungen
möchten Sie denn im Internet gerne besser verkaufen/anbieten?

Ich:
Keine.

Internet:
Wie jetzt.

Internet-Kunden sind untreue Jäger, die Jagd am iPad ruft.

Moritz, der Mausejäger, schaut misstrauisch

Sie wollen eiligst nur eine einzige Sache: Mäuse. Mäuse verdienen, oder Mäuse sparen. Obwohl die hektische Jagd sich oft in Luft auflöst. Weil die Hälfte der Räuber dazu neigt, mitten in der Jagd zu vergessen, was sie eigentlich wollten und es sich am Schluss mit dem Bezahlen richtig gemütlich machen.

Ihre E-Mails, in denen sie vorher ihre Anfragen fehlerhaft reinwischen (an die sich sich nur 1 Tag später kaum erinnern, katzoide General-Amnesie), um sich was zu krallen, sind kryptisch und von einem Analphabeten geschrieben. Unterzeichnet mit dem 80er-Jahre-Schnörkel ‘mfg’. Auf dem iPhone immerhin, gewischt und nicht getippt. Soviel Angeberei muss sein.

Du Internet, bist eine Katze im Morgenmantel vor dem Rechner. And cats are queer articles.

Internet:
das ist super ferruckt LOL hahaha
mfg.
send from my i-phone

Ich:
Typisch.

 

Der Tanz der Tinte, der speckige Glanz des Wischfingers – Gottes Werk und Teufels Beitrag.

The worst thing you write is better than the best thing you didn’t write.
-Unknown

Baumstamm ohne Krone_dunkler

Schreibst du noch oder wischst du schon? Das trifft es fast zu kurz, denn wir gehen um unserer condition humaine willen noch einen weiteren Schritt zurück, ach, eigentlich vorwärts: Wir schreiben mal wieder was frei mit der Hand.

Was es da zu entdecken gibt.

Kimonofrau und Spirale

Dann darf auch gerne statt zur Breitfeder zum Pinsel gegriffen werden und ein Kimono dabei herauskommen oder ein Drachenwind.

Ach, man ist doch versucht, das Smartphone wegzuwerfen, denn es ist kaum so kommunikativ und ausdrucksvoll. Und ästhetisch ist das (Weg-)Wischen auf den rundgelutschten hochglänzenden Fliegenklatschen auch nicht wirklich, eher die Reflexbewegung von Burnout-Sklaven – Ex und Hopp, das Gegenteil von Zen. Was meint der Leser.

Buchempfehlung: Tintentanz – Die Ausdruckskraft der eigenen Handschrift entdecken.

Antiktusche von Rohrer und Nachtblau von Manufaktum

Haben Deutsche Geschmack?

WELT am SONNTAG:

Herr Siebeck, glauben Sie immer noch, dass man in Deutschland eher einen Schäferhund vor laufenden Kameras totschlagen kann als zuzugeben, dass man gerne Austern isst?

Wolfram Siebeck: Das war doch ein gut formulierter Satz von mir …

“Ich habe Selbstmörder sehr gern, also nur lustig ans Werk.”
(Schwejk zu einem Mitgefangenen, der sich erhängen möchte.)

 

Also, um neben den Antworten von Geschmacks-Päpsten wie Siebeck  …

… also um auf die ebenfalls gleichlautende uralte Grafikdesigner-Frage zurückzukommen (ich bin Grafikdesigner), ob Deutsche Geschmack haben:
Melde gehorsamst, dass nein. Sie haben nicht nur keinen, sondern versuchen auch noch Deutungshoheit darüber zu bekommen, wie wenig er kosten darf. (Im Idealfall nichts).

Am schönsten sieht man das immer wieder an den von der jeweiligen lokalen Presse – im Volksmund “Bratwurstjournalisten” – induzierten Shitstorms zu Stadtmarketing-Logos und ihren Erscheinungsbildern. Der Tenor: Kosten dürfen sie nichts, aber was zu sagen dazu hat jeder, der meint, Bürger der jeweiligen Häuseransammlung zu sein.

Um die kuschelige Situation abzurunden, werfe ich 3 weitere Brüllerthesen in den Raum:

These 1: Es ist nicht so, dass das Stadtmarketing-Logo für den dort wohnenden Bürger zur Festigung seiner Stadtliebe geschaffen wird.

Das Ding mit der besseren Selbst-Identifikation des demokratischen Souveräns Bürger machen Bürgermeister und die hiesigen Stadtmarketingabteilungen dem Bürger nur weis. Um ihm das Geld dafür abzuknöpfen. Legitimation.

In Wirklichkeit ist es immer nur ein Marketing- und Lockzeichen fürs Image von jot-we-de aus gesehen, für Leute, die NOCH NICHT in der Stadt sind: Touristen. Und Gewerbe und Industrie, welche da hin sollen. Zur Verbesserung des Stadtsäckels. Diesen Umstand verkennt der ansässige Bürger.

 

These 2: Es ist nicht nur so, dass nur der deutsche Bürger keinen Geschmack hat, der Lokal-Journalist hat ebenfalls keinen.

Man sieht es an seinen schlechten Anzügen, an dem heraushängendem Hemd, dem schlechten Bürokaffee.

 

These 3: Auch die an Stadtmarketing-Logos – und Erscheinungsbildern arbeitenden Gestalter haben keinen Geschmack.

Und keine Ahnung von Semiotik. Sonst hätten sie längst erkannt, dass es ein Unding ist, mit ein- und derselben Gestaltung gleichzeitig Touristen und Industrie anlocken zu wollen. Und hätten längst ihre städtischen Auftraggeber – diplomatisch versteht sich – behutsam über die Nichtlösbarkeit der Quadratur des Kreises oder über das eierlegende Wollmilchschweinschaf im einzelnen aufgeklärt.

Aber nein, sie tun es nicht. Tun so, als ob das alles gleichzeitig möglich sei.

Immerhin haben Kassel und seine Designer nicht die Gebrüder Grimm und die Dokumenta gleichzeitig im Stadtzeichen zusammengeschweißt. Uff! Etwas besseres als den Tod findet man überall … möchte man dankbar rufen. Wenn nur nicht jetzt der depperte Bindestrich gewesen wäre, der manchem Bürger fehlt, weil der Duden ist ja wichtig – wären fast alle zufrieden.
 

Dankbar zurück zu den “normal widersprüchlichen” anderen Stadtzeichen:

So ein Zeichen mit diametral entgegengesetzten Doppel-Anforderungen wirkt immer seltsam unausgegoren, egal wie kunstfertig umgesetzt. Zweitens wird es dann immer Argumente gegen das eine oder andere Element darin geben – je nachdem, welchen Aspekt der Betrachter eher betont sehen möchte. Und er wird, wie ein Wackeldackel. Shitstorm fast vorausprogrammiert.

Und jetzt sind wir wieder beim Bürger, der wütet.

Vielleicht ahnt er den Beschiss. Obwohl er ganz und gar keinen Geschmack hat.

Dummerweise versucht er sich bei seinen Kontra-Argumentationen in der Sprache der Grafiker. Worin sogar ich ab und an scheitere. Statt in der Sprache der Inhalte zu bleiben und sich zu fragen: “Wen soll das Zeichen überhaupt ansprechen? Wo soll es vorkommen? Warum hat es nichts mit mir zu tun, obwohl es das Stadtmarketing behauptet …?”

Ach ja, ich halte Designbüros und Grafiker, die bei diesem Spiel mit falschen Tönen mitmachen, in dem keiner gewinnen kann, für Selbstmörder. Auf lange Sicht.

Nur lustig ans Werk!

Links:
http://www.designtagebuch.de/kommunikationsdesign-in-der-lokalen-berichterstattung/#comments

 

Tölpel, Nichtsnutze, ihr seid gefeuert!

Und noch:

“Geld ausgeben? Ihr spinnt wohl. Dann habe ich es ja nicht mehr.” (Dagobert Duck, 65)

Angebrannter Glühwein

Glühwein, am Topfboden angebrannt

Ein denkwürdiges Jahr geht zu Ende. Wer glaubte, dass einige Dinge nicht möglich sind, musste sich, schwer schnaufend, seit der Finanzkrise korrigieren lassen.

Im Alltag gelten jedoch andere Erfahrungen, die uns stärker berühren. Zum Beispiel, dass in der Mehrowingerstraße geblitzt wird. Und neue Erkenntnis im Jahr 2012: Man kann Glühwein anbrennen lassen.

Damit diese etwas beunruhigende Aussicht nicht von weiterführenden melancholischen Betrachtungen getrübt wird, von mir der letzte rattenscharfe Cat Content des Jahres 2012 als Gruß an den geschätzten Leser:

Moritz krallt sich fest

Fertig machen zum Entern

Moritzens Katzenpfote krallt sich auf der Jeanshose fest.

Geentert

Unsere Miez Moritz wird das neue Jahr 2013 vermutlich ebenso im Griff haben.

 

 

Der Miezkatz im Januar

100_2402

100_2409

Der Schnee ist einfach zu kalt und das Federbett einfach zu nestwarm. Lädt ein zum kreativen Tagträumen. So sind die Dinge nun mal. Für die Betriebskatze der Werbeagentur. Alle anderen, Sklaven, Personal, dürfen arbeiten und beim Schippen die nach Schnee duftende Luft schmecken.

Zum Beispiel meine kleine Arbeitsstätte am Rande der Stand. Naja, nicht ganz am Rand, die Designagentur und Werbeagentur MISSING LINK in München. Paradoxon: Viele wünschen sich, sie wären ein kreativer Designer, der kreativ schippende Designer wünscht sich innig, er wäre Katze. So sind die Dinge nun mal.

Vorsicht Auftrag! Das QUALITÄTS-Internet.

Die enorme Steigerung der Qualität der Anfragen
seit es dieses ähm Internetz gibt.

 

Anfragen, die ich im Stundentakt so bekommen habe:

Kreativer Design-Auftraggeber:

„… habe ich schon ein Bild im Kopf, wie das Logo aussehen könnte! Und zwar ein nach unten geöffneter Magnet wie das A von Axxxxx und Attraktivität und ein B wie Bxxxxx wie ein um 90° gedrehtes Herz.“

Im Grafikerhirn ein gordischer Knoten am Entstehen ist.

 

Smart II

„… bewundere ich Ihr Lebenswerk, d.h. die Agentur und ihr ganz nebenbei liebevoll gepflegtes, originelles Logbuch!“

Ich will Ihnen gleich eine nutzlose Sache aufschwatzen!

 

„… biete Ihnen emotionale, inspirierende Texte an. Dafür machen Sie uns das Logo zu dem Portal kostenlos.“

Liefere Ihnen hohles Geschwalle.

Wenn dafür dieses irrwitzige Hunde-gegen-Torten-Portal, das keinerlei Monetarisierungsansatz aufweist, nicht fliegt, welches ich als Projektarbeit von meinem Professor aufgebrummt bekommen hab, sind Sie mit Ihrem Logo schuld.

 

Smart III

„Auch wenn es nur eine technische Umsetzung ist, will ich auf gar keinen Fall dafür Design-Nutzungsrechte zahlen. Löschen Sie speziell für diesen Auftrag die Nutzungsrechtsbestimmungen in Ihren AGB!“

Übers.: Ich habe die Anwartschaft auf Kunde aus der Hölle und du kannst gar nix dagegen machen!

[Anm. d. S.: Für rein technische Umsetzungen sind eh keine Nutzungsrechte zu vergüten. Wozu dann umständlich in den AGB die Nutzungsrechtsabsätze entfernen, wenn sie ersichtlich eh nicht greifen.]

 

Klever aber nicht klever genug IV

„Lassen Sie uns kooperieren/Synergien nutzen.“

Sie Print-Grafikerwurm, von dem wir Supertekkies annehmen, dass Sie sowieso kein gescheites Webdesign können, leiten an unsere IT-/Internet-Solutions-Com-Sys-Firma Ihre nichtsahnenden Auftraggeber weiter. Wir gedenken aber unsererseits nicht, Ihnen eine Gegenleistung anzubieten.

Reloaded: Du sollst etwas für uns tun. Aber wir tun sicher nichts für dich.

Ohne dieses ähm Internetz wüsste man gar nicht mehr, wie man noch leben und arbeiten sollte. Gebe Kalleblomquist insgeheim recht:

„Wissen Sie was sie produziert haben? Dicke Goldadern von Kundschaft die – von putzigen Katzenbildern über von Homosexuellen gefickte Kinderärsche bis Betroffenheit über spanische Mieter und böse Banken – alles “liken” und sich gleichzeitig einen Scheiss um irgendwas kümmern. Glückwunsch und viel Spass beim Malochen in den Scheisseminen der Aufmerksamkeitshölle!“

Übesetzung diesmal nicht notwendig.

Quelle: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/2158955/#2159068

 

Wie der Pinguin zur Banane kommt

Diese erfrischende Firmengemälde in meinem Viertel steht schon länger. Habe immer wieder vorgehabt, es zu fotografieren.

 

Komme mir zur Zeit auch wie ein Pinguin vor, der nicht-artgerecht Bananen herumträgt:

Ich weiß diese Woche einfach nicht, welche kosmischen Verwirrungen zugange sind und warum manche Leute einem komische Jobs, komische Sprüche unter den Flügel drücken.

[1]
Bei der Suche nach dem äthiopischen Restaurant bei einem georgischen Restaurant gelandet. War aber auch nicht schlecht. Wir hatten ihr was abgezweigt und heimgebracht, die mäkelige Katze allerdings missbilligte georgischen Spieß. Weil sie Afrikaner ist.

[2]
Endlich ein Proof des Herstellers zu veranlassen dauerte fast eine Woche. Grummel. Und dann wurde einem höflich aber stringent mitgeteilt, dass es nur zu Ansichtszwecken sei, und dass man nicht vorhabe, was zu ändern.

Dann ran mit dem mutigen Fortdruck, das ist dann wirklich mutig vom Hersteller. Notiz an mich: Werde bei neuen Sachen selbst Proofs bei eigenen Satzstudios veranlassen, das kanns ja nicht sein.

[3]
Anruf, ich soll einen Relaunch machen. Aber das Logodesign soll, laut Geschäftsleitung verm., unangetastet bleiben, Bedingung. Man habe es seit 50 Jahren. Ist ja eigentlich schön, dass so bodenständig Kontinuität bewahrt wird, das sieht man selten. Sah mir anschließend das Logo an und sagte spontan ab. Es kommt definitiv in die typografische Halloween-Gruselkammer. Wie soll mit diesem Stilbruch zwischen Bildmarke und Wortzeichen ein Design-Relaunch und ein Design-Manual gelingen.

Der gleiche Anruf sagte mir tatsächlich auch, dass auf meiner Website zu viel Text stehe. Schaute sofort in meinen Stats nach, wieviel Seiten dieser Anruf angeschaut hat: 28 Seiten. Werde diese Aussage zusammen mit dem sakrosankten Un-Logo als KMU-Google-Realsatire abbuchen.

Katzastrophe: Das kühle Verhältnis von Katzen zu Kiwis.

Goldener Oktober. Es ist soweit, wir brauchen keine Neuseeland-Flugware mehr. Sie wachsen direkt in mein Bürofenster hinein: Kiwis für meine Torten.

Katze Moritz mit dem gelangweiltem Blick des Hofregenten. Zurückhaltung in der Begeisterung über Kiwis ist geboten – bis auf die über Tortensahne und anschließend über die Droge Gras im Hofsandkasten.

Katze Moritz beim Gras Fressen

Droge Gras: für den Magen nach schwerer Sahnetorte

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