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Was schlechte Kunden ausmacht

Was sie ausmacht: Sie zahlen nicht.

Aber das weiß man oft erst hinterher. Oder? Nein, es gibt zuvor kleine, aber klare Warnsignale. In der Medizin heißt das "signa minima". Man kann sie erkennen, wenn man ein Gespür hat für ihr Gegenteil, die ehrlichen und ernsthaften Leute. Dazu muss man in seinem Leben schon einige Ehrliche erlebt und für gut befunden haben (und selber einer sein), sonst ist das Essig mit dem Gespür.

Wer Ehrliche belächelt und das Zusammensein mit ihnen nicht wünscht (und sie als Schwachies, Weicheier sieht), wird eben von Unehrlichen umgeben werden. Logisch, sind sonst keine anderen da. Entweder Ehrliche oder Unehrliche. Es gibt nix Drittes. Das kann bedeuten: man hat, wenn man es selber nicht so genau mit der Ehrlichkeit nimmt und ein kleiner sozialer Schlamper ist, ebenfalls solche verstärkt in seinem Umfeld: ausschließlich schlechte Freunde oder/und Leute, die es mit fremden Konten nicht so genau nehmen = schlechte Kunden.

Komme mir keiner mit: aber der Wirtschaft geht es doch schlecht (stimmt das wirklich?), man muss nehmen, was man kriegen kann. (Muss man?). Ist es nicht eher so, dass viele erst dann in massive Geldschwierigkeiten kommen, wenn Kunden nicht zahlen?

Vorab: Ich habe keinen einzigen Kunden, der ein schlechter Zahler ist. Ich wurde schon mal regelrecht um Rechnung schreiben angebettelt. Und nicht nur vor dem berühmten Endquartal. Kann sein, dass Glück, kann sein, ich habe als konservatives Landei einen eingebauten Riecher für Unseriöses, Pseudo-Schwurbel und Schlabbriges. Mitlesenden Mitbewerbern möchte ich schon mal gerne den Rat geben,

sich ihren neuen Auftraggeber so

eifersüchtig-kritisch anzuschauen,

wie ein Vater den Neuen der

Tochter anschaut.

Genauso. Da ist der Knackpunkt. Das ist ein besserer Schutz als Schufa-Anfragen.

Merkmale der Unseriösen:

– ist meistens männlich

– wirkt status-orientiert, nicht job-orientiert

– will alles schnell (damit der Designer sofort loslegen muss und keine Zeit hat, zuvor eine kaufmännische Auftragsbestätigung an ihn zu schicken oder sich den Auftrag per Fax bestätigen zu lassen)

– argumentiert provokativ schon am Anfang der Beziehung: Na, zeigen Sie mir doch, was Sie können (Herausforderung), aber zahlen will ich das nicht (Habe ich Ihnen doch gesagt, sehen Sie…)

– ist beim Gespräch nicht bei der Sache und nimmt den Entgegennehmenden nicht ernst

– nimmt Frauen sowieso nicht ernst

– nimmt ruhige Menschen, die keine Schreihälse sind (solche wie meinen Mann beispielsweise) nicht ernst. Das sollten sie aber, gerade weil sie sowas wie wertvolle intellektuelle Stubengelehrte sind, hochintelligent sind und nicht den dicken Macher markieren, sondern zuhören, und keine 3 Autos gleichzeitig fahren. Bei letzteren drei Punkten sollten sie aber aufmerken, die alten Protz-Luftverpester und weil mein Mann Arno Schmidt und Charms zitieren kann und eine Bibliothek auf zwei Beinen ist.

– schaut einem nicht richtig in die Augen

– will sich keine Mühe mit seinem Briefing geben und hat keine reflexive Ahnung von seinem Geschäft (Wieso, ich hab doch alles gesagt! Machen Sie mal! Ein Profi muss das können!)

– führt sein eigenes Geschäft holterdipolter, man ahnt böses Chaos

– wirkt ständig gespielt überlastet

– ist nach der (mündlichen, harhar) Auftragserteilung nicht mehr zu erreichen

– Lieblingsspruch: Schriftlich fixieren, wozu? Sie werden mir doch nicht etwas misstrauen.., oder?
[ Noinnoinnoin!!]

– fährt Schickimicki-Automarken und hat ein echt silbernes Handheld für 800 Tacken

– ist solariumgebräunt, hat ein Toupet und flirtet mit mir alter Schachtel (= neigt in allen 3 Punkten zum Pseudo, zum Fake und hält sich für den Größten)

– mag keine Katzen

– findet die Globalisierung klasse, glaubt bei Verhandlungen und Essen mit Geschäftschinesen müsse man so tun, als ob man das Rotzen, Spucken auch toll finde, und blubbert, alle Arbeitslosen und alle Junkies seien Schmarotzer (hat eben selbst die x-te Subvention eingesackt und sein Sohn ist kokainabhängig)

– gehört als kleines Rädchen (= hat sowieso keine Verantwortung, interessiert ihn nicht) zu einem Großunternehmen, das sich sowieso angewöhnt hat, auch größere Zuliefererfirmen erst nach einem Jahr zu bezahlen (Standard ab Fa. Cermedes & Co.). Diese Kostenlos-Kreditsammler tun sich mit einem kleinem Designer-Wurschtel noch leichter, ihn saldomäßig abzuschütteln

– gehört leider oft auch zu einer mittleren oder größeren Werbeagentur. Die zahlen oft am schlechtesten von allen Firmen. Weshalb ich mit ihnen auch keine Geschäfte mache. Keinen Pinselstrich für euch, ihr Freunde der Blasmusik.

Woher ich die Weisheiten hab, wo doch meine eigenen Kunden so toll seien, ich könnte ja gar nicht wissen, welche schlimm…
Von Designer- und Texterkollegen. Das sind oft Krimis, Freunde.

*  *  *

Ein Kriterium allein ist es nie, es müssen mindestens 3 zusammen kommen, dann ist aber echt Alarm. Ich habe schon Aufträge abgelehnt (meist aber wegen Beratungsresistenz) und potenzielle Kunden woandershin geschickt. Ährlich.

Die neueste Kundschaft: supernett, hochintelligent, gründlich-analytisch, apartes Understatement, weiblich. Gutes Gefühl. Freu mich.

3 Kommentare

  1. Wolf

    … was auch immer einen Menschen dazu treiben sollte, Arno Schmidt zu zitieren…

  2. Sabine

    Die Auflistung ist Klasse! Es fällt mir jetzt direkt schwer, denn erhlichen Kunden zu beschreiben …
    Und man möchte nicht glauben, wie oft man im Leben behumpst wird, ich bin leider schon einige Male reingefallen ;)

  3. KMTO

    – mag keine Katzen
    Ich krieg mich nicht mehr ein *LoL* – das wird meine Einstiegsfrage bei Neukunden und dann schau ich auf den Rest ;-)

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