Freitag! Logbuch

Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Westaflex is over

Update zu Was Youtube verschweigt:

Vorschule der Ästhetik, Lerninhalt 1: Niemals sind die Dinge "so peinlich, dass sie schon wieder gut sind", sondern sie sind gut oder schlecht oder etwas dazwischen. Die Schöpfer der Welt kennen 0 und 1 in sehr vielen Einzelentscheidungen, aber kein "so 0, dass es schon wieder 1 ist".

Die Ikone der selbstbewussten Unternehmensdarstellung schmiert radikal ab, weil sie offenbar ihre Positionierung optimieren wollte oder irgendwas: Westaflex macht jetzt auch witzige Werbung.

Wie es zu solchen Tragödien kommt? – Ein Familienunternehmen, wie Westaflex eins ist, investiert Zeit, Geld und Mühe in seine Selbstdarstellung (Original mit Quicktime). Dann kommen Leute, die nicht die Zielgruppe sind, und lachen es dafür aus. Dann kommen andere, Zielgruppe oder nicht, und finden es gut – und das Familienunternehmen hält es für Ironie und schämt sich.

Wie oft noch: Irony is over, sagt Jarvis Cocker auf der This is Hardcore von 1998. Weil die Hauswerber von Westaflex solche Platten offenbar nicht hören, fühlen sie sich zu so würdelosen Verrenkungen gedrängt, um einem wie auch immer gearteten Zeitgeist zu genügen.

Sowas passiert nicht etwa beim Fliegenfischen oder einem anderen Hobby, bei dem es aufs Mundhalten ankommt, sondern innerhalb der Kommunikationsbranche.

Allerdings kann alles noch viel schlimmer kommen, wenn man sie hantieren lässt. Immerhin lässt die Reklamefirma, die Westaflex ihre viralen Versuche eingeredet hat, im zweiten Spot an der wichtigsten Stelle eine andächtige Stille:

Unser gut geschultes Mitarbeiterteam ist motiviert,
weil die Zufriedenheit unserer Kunden groß geschrieben wiert.

Danke an Kay von den Buzz-People für die Aufmerksamkeit!

6 Kommentare

  1. Gute Beschreibung,
    einige Gedanken und Überlegungen zum neuen Filmspot sind in der Planung kurz erzählt.
    Westaflex PR Abteilung
    Sabine DeCuir

  2. Liebe Sabine,
    du hast im Moment im PR einen harten Job, das kann ich nachfühlen. Das sei auch an dieser Stelle mal gewürdigt.
    Hab deinen Link jetzt gelesen:
    Ich verstehe nicht ganz, was das dort beschworene Gemeinschaftsgefühl, das die Kneipe um die Ecke durchaus heutzutage noch vermittelt und durchaus einen Bogen zu eurem Corporateblog schlagen kann – theoretisch(!), mit eurem… tatsächlichen Bierfilm zu tun hat.
    Ich befürchte sogar: nichts!! Gar nichts. Um was gehts. Da kommt ein einzelner Mann – die Straße ist menschenleer wie in 12 Uhr Mittags, High Noon des nachts quasi – rein in die Kneipe. Kaum ist er drin, wird alles stumm und er wird: unsichtbar!! Ein große Bildmetapher aber für Einsamkeit und Fremdheit, nicht für Gemeinsamkeit, wenn der Dorfclan verstummt. Falsche Schiene.
    Jetzt jönnt man mal das Ding noch retten, dass er sich smart durch einen Supereinfall Gemeinschaft verschafft, indem der Fremde beispielsweise die Spannung auflöst und einen richtig guten Kerl-Spruch sagt. Ne, macht er nicht. Er hockt sich hin und bestellt zaghaft wie ein Weibchen ein Bier. Als Unsichtbarer! Damit sind wir plötzlich im melancholischen “Dead Man” von Jarmush gelandet. Stilbruch. Das geht gar nicht. Das geht nicht gut.
    Seine zaghafte Bestellung (Mann, ein Kerl ist das nicht…) wird übersehen, bis dahin: aber logisches Pech. Das kennt man, wenn der Bedienung die Nase nicht passt, hat jeder schon erlebt. (Ich kurz nach der Wende auf Rügen…)
    Was macht er jetzt? Was ganz Antisoziales: er klaut das Bier. Mit seinem Westaflex-Schlauch.
    Für sich alleine. Das zeichnet ihn jedoch als a-sozialen Egoisten aus, nicht als netten Kerl, der sich was Lustiges einfallen lässt. Man hätte den Schluss mit einer sehr witzigen und gleichzeitig sehr gemeinschaftsfördernden Idee retten können. Ich sag aber jetzt nicht wie. Dann hättest Du den Plot “Gemeinschaft” gehabt.
    Für einen VERBINDUNGEN AUFBAUEN wollenden Film ist es glasklar: Thema und Plot verfehlt. Verstehst du oder deine Firma/Holding das, was ich versuche, zu erklären?
    Die Hoffnung stirbt zuletzt :-)),
    die Vroni Gräbel
    Schau mer mal, wie man in Bayern so sagt.

  3. Mal zur Dramaturgie: Wo soll die Kneipe eigentlich stehen? In Norddeutschland, wo das Pils rundenweise bestellt wird, hat man von Maßkrügen als exotisches Kuriosum vielleicht schon mal gehört, und in Bayern, der engen Heimat des Maßkrugs, bestellt man den nicht gleich im Fünfer-Familiensparpack.
    Und wenn unter einer “Verbindung, die sich auszahlt” schon eine Pipeline zur kriminellen Drogenbeschaffung verstanden wird, muss die dann aussehen wie aus der Sesamstraße?

  4. @Vroni: Danke, dass Du so schön ausführlich beschrieben hast, was ich empfand, als ich den Spot sah. (Bis auf Jarmush, da dachte ich eher an Shyamalan ) :)

  5. @ Kahuki, das meinst aber jetzt nicht ernst ;-)

  6. Hallo,
    wollte nur noch darauf hinweisen:
    http://www.westaflex-forum.de/2008/02/03/baustellenarbeiten-welt-der-rohre
    Haben uns sehr viel Mühe gegeben bei der Erstellung unser neuen Online-Welt.
    Gruß, Stefan

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