Bewirtschaftet von Vroni und Wolf

Kategorie: Es gibt ein Leben nach der Werbung (Seite 2 von 4)

Moritz war ein Mädchen

Nicht erfaßt der bleiche Tod,
Die im Herzen Liebe tragen;
Dem glänzt noch das Abendrot,
Der am Morgen wollt’ verzagen.
Bald kann dir die Stunde schlagen,
Die entreißt dich aller Not;
Zu vollbringen magst du wagen,
Was die ew’ge Macht gebot.

Kater Murr, 1821.

Wir trauern um Moritz (* Juli 1997 in Königstein; † 17. Mai 2015 in Haar bei München).

Wir wissen nicht viel über ihn, er alles über uns. Äußerlich war er eine “kluge, wohlunterrichtete, philosophische, dichterische” (Hoffmann, a.a.O.) Katze, und selbst da haben wir ihn 1997 vom Sterilisieren zurückbekommen, als wir ihn zum Kastrieren gegeben haben. In Wirklichkeit war er am wahrscheinlichsten ein Engel, der jetzt zu einem anderen Einsatz zurückberufen wurde. Auf alle Fälle waren die Jahre mit ihm ein Geschenk.

Natürlich ist ein Leben ohne Katzen “möglich, aber sinnlos” (Loriot über Möpse). Dass alles Leben sinnlos ist, liegt auf der Hand, bis jetzt ist aber nicht raus, ob eins ohne Moritz möglich ist. Er hat uns viel hinterlassen, nur keine eindeutigen Instruktionen dafür. Immerhin müssen wir uns nicht vorwerfen, wir hätten zu wenig für ihn getan, es war nämlich alles — und eben am Ende doch nicht genug. Wenn artgerechte Haltung bedeutet, dass ein Tier freiwillig bleibt und zurückkommt, sind wir Moritz gerecht gerecht geworden. Man kann zuversichtlich annehmen, dass er uns gemocht hat.

Am schlimmsten war es, ihm nicht mehr gerecht zu werden, egal was wir noch tun konnten; drei Krankheiten gleichzeitig hat er noch geschafft, nur nicht mehr die bösartige Sau von lymphatischem Tumor an der Wirbelsäule, die sich feige hinter den dreien versteckt hielt. Moritz hat alles verdient, aber das bestimmt nicht. Niemand auf der Welt, und am wenigsten der. Nicht der, nicht Moritz, der beste Miez von allen.

Er war so gern auf der Welt, das Vorbild für ein selbstverständliches, lebenstüchtiges, freudiges Da-Sein. Er war so stark.

In der Nacht vom [17. bis zum 18. Mai] d.J. entschlief, um zu einem beßern Dasein zu erwachen, [unser] theurer geliebter Zögling [die Katze Moritz] im [siebzehnten] Jahre [ihres] hoffnungsvollen Lebens. Wer den verewigten Jüngling kannte, wer ihn wandeln sah auf der Bahn der Tugend und des Rechts, mißt [unseren] Schmerz und ehrt ihn durch Schweigen. München d. 17. Mai 2015 – Vroni & Wolf

E.T.A. Hoffmann: Lithographierte Traueranzeige an seine Freunde, 1821.

Er spukt noch. Wir passen auf, ihm nirgends auf den Zapfenschwanz zu treten. Wenn man lange genug nicht hingeschaut hat, fehlt in seinen weiterhin frisch gefüllten Futternäpfen sein Tagesquantum, in den Wassernäpfen schnapsglasgenau mehr, als in der gleichen Zeitspanne verdunsten könnte. Über Nacht bleibt das Fenster zur Straße offen, damit seine zarte Seele, die bestimmt durch keine Glasscheibe kann, zu seinen Mauszeiten raus und rein kommt. Wenn man am wenigsten dran denkt, das Geräusch, wie er vom Fensterbrett auf den Boden ploppt; Pfotentapser; wie sein Halsglöckchen mit dem Adressanhänger beim Kontrollgang an die Näpfe klingelt; Krallenkratzen am Bett — und hops. Und dann seine Schnurrstimme wie aus dem Inneren des eigenen Kopfes:

“Na? Kommt ihr zurecht?”

“Moritz? Bist du das?”

“Nein, hier spricht die Telefonseelsorge, du Wunderkind. Klar bin ich’s. Wie geht’s euch ohne mich?”

“Willst du gar nicht wissen.”

“Ich weiß es trotzdem.”

“Du hast es immer gewusst.”

“Ihr seid leicht durchschaubar. Und jetzt müsst ihr tapfer sein, mein Großer.”

“Aufrecht gehen können wir ja.”

“Ja, das beruhigt mich. Und ihr müsst jetzt existieren.”

“Sonst nichts?”

“Das wird euch schwer genug fallen. Aber mehr ist da nicht. Und es ist schon das Wichtigste.”

“Existieren als Tätigkeit?”

“Genau. Oder was hab ich euch die letzten siebzehndreiviertel Jahre beigebracht und vorgelebt?”

“Wie man die Schnurrhaare immer fein sauber und genau in der Mitte zusammenhält.”

“So gefällst du mir. Und hört auf zu flennen, alle zwei. Es ist ja nicht mitanzusehen. So kann ich euch nicht allein lassen.”

“Mörchen, mein Mörchen. Du fehlst.”

“Tu ich doch gar nicht. Ich bin da, solang ihr mich braucht und lasst. Oder hab ich mich tot angefühlt in dem Karton, in dem ihr mich begraben habt?”

“Von wegen. Dein Fell hat geglänzt. Wie immer, wenn du geschlafen hast.”

“Das muss ich jetzt auch. Der Krebs schlaucht, sag ich euch.”

“Du hattest den schönsten Pelz der Welt, hab ich dir das mal gesagt?”

“Jeden Tag seit 1997. So viele Komplimente wie mir machst du mal besser deiner Frau, ihr braucht euch jetzt.”

“Als ob wir’s nicht wüssten …”

“Ihr wisst alles Wichtige. Jetzt lebt.”

“Machen wir. Sonst hätten wir nichts von dir gelernt. Nasenstüber, Moritz.”

“Nasenstüber, Wölfchen. Gute Nacht, ihr zwei.”

“Gute Nacht, Moritz.”

Moritz, 6. Mai 2015

Soundtrack, weil Besitz, Abspielung und Kenntnis von Johnny Cash: I Corinthians 15:55 aus American VI: Ain’t No Grave, 2010 praktisch untersagt sind:
Alela Diane: The Rifle aus: The Pirate’s Gospel, 2008
und weil’s so schön war, noch die beste Live-Version von Flogging Molly:
If I Ever Leave This World Alive, aus: Drunken Lullabies, 2002.

Bilder: Vroni, 6. Mai 2015;
E.T.A. Hoffmann via Kater Paul, 18. Januar 2011.

Carpe Mörchen

Es ist klar, wie in dieser Familie die Hierarchien verteilt sind: Ich hab Geburtstag, und Moritz — zugegeben die allerbeste Katze auf der Welt — kriegt was geschenkt.

“Ein Katzengeschirr”, schnuppert Moritz. “Das Pepitamuster kleidet mich bestimmt vortrefflich zu meinen Streifen.”

“Kein Zweifel, mein Mörchen. Hast du das überhaupt verdient?”

“Verdient? Wölfchen, ich bin Katze.”

“Ich vergaß. Überhaupt vergisst sich das so leicht. Aber du hast es doch sonst nicht so mit weiteren Ausflügen.”

“Wölfchen? Hast du schon mal die Berge gesehen?”

“Schon länger her.”

“Aber du hast. Und hast du sie gesehen, bevor du siebzehndreiviertel Jahre alt warst?”

“Ja, schon …”

“Siehst du. Und ich bin umgerechnet nicht siebzehndreiviertel, sondern Mitte achtzig.”

“Moritz, mein Moritz, rede nicht solche Sachen. Du bist jung und willst Spaß.”

“Ja, das auch. Deswegen hab ich mir das Katzengeschirr von dir gewünscht: damit wir mal rauskommen. Ich auf einem Berghang, neuen Mäusesorten hinterherspürend, frische gesunde Gräser anknabbernd, einen Galopp über die hohe bunte Wiese wagend, gern auch an deiner fachkundigen Leine, auf das Rundherum der Bergesgipfel hinaufstaunend, einen Zipfel Bauernwurscht abstaubend — sag selber, das freut dich doch nicht weniger als mich.”

“Ich sag ja nix anderes. Aber warum fangen wir erst jetzt damit an?”

“Warum? Warum kommt ihr Senkrechtläufer erst als Rentner drauf, dass ihr euren Motorradführerschein machen könntet? Warum träumt ihr von einer Kreuzfahrt, bis eure Grundsicherung nicht mal mehr eine Monatskarte hergibt? Warum verschiebt ihr eure Harzwanderung, bis ihr vor Knie- und Bandscheibenschäden nicht mehr die Treppe raufkommt? Warum sagt ihr euren Liebsten, dass sie eure Liebsten sind, wenn sie auf und davon oder am besten schon gestorben sind? Warum kosten eure Grabsteine mehr als eine ganze Jahresration ordentliches Essen? — Weil ihr die plötzlich bezahlt!”

“Jaja, auf einmal geht’s. Ist gut, ich hab verstanden.”

“Und ich musste achtzig werden, zweieinhalb Arten Krebs, einen Nierenschaden, Hämobartonellen und Diabetes entwickeln und die Bahn muss streiken, bis du endlich Anstalten triffst, mir noch in diesem Leben die Berge zu zeigen. Und sechs von meinen sieben Leben sind schon weg.”

“Die Zeit rast …”

“Nicht wahr? Ich werf dir ja gar nix vor. Ihr seid vielseitig interessierte Leute und ich ein vielseitig interessierter Miez. Es war immer schön bei euch. Ihr habt mir das Futter gebracht, das ich bestellt hab, ihr kommt schmusen oder lasst mich in Ruhe, wenn es Zeit dafür ist. Ich hab lauter gute Filme mit euch angeschaut, ich hab viel dreckiges Wasser aus abgestandenen Pfützen gesoffen, ich konnte euch oft eine Freude bereiten, indem ich Mäuse bringe, ich hab viele Laserpointer und Schnürsenkel gejagt, ich hab meine Straße bei Nacht und bei Regen erforscht und für meine werte Heimkehr anständig Tunfisch inhaliert, ich hab mir überall genug Schlafplätze erobert und Beobachtungsposten eingerichtet. Ich bin die Katze und ihr habt mich so flauschig sein lassen, wie ich will. Das war schon okay.”

“Hör auf, in der Vergangenheit von dir zu reden, Mörchen. Und jetzt noch die Berge.”

“Eben drum. Das müsstest gerade du am besten verstehen.”

“Sicher. Wir können noch viel zusammen machen.”

“Das wollen wir, mein Wölfchen.”

“Und seit wann sagst du überhaupt Wölfchen zu mir?”

“Seit ich Mitte achtzig bin und Spaß will. Komm mal her.”

Damit baut er sich ein Bett aus mir, bohrt mir anteilnehmend mit dem Kopf im Gesicht herum und schläft ein. Wie tief er atmet.

Fachliteratur: F.K. Waechter: Wir können noch viel zusammen machen,
Diogenes 1978/2006;
Soundtrack: Flogging Molly: If I Ever Leave This World Alive,
aus: Drunken Lullabies, 2002.

Die Banalität des Bösen

Mein Vater wird heuer 80 und hat seit ein paar Wochen einen Herzschrittmacher, die Katze des Hauses ist mit einer Form der Leukämie inkommodiert, die man leider nicht so einfach zu genau den hunderttausend Teuxeln zurückwünschen kann, von denen sie herkommt, im Treppenhaus hängt ein Zettel von der Hausverwaltung, dass wir die Lärmbelästigung entschuldigen sollen, wenn sie “demnächst” die Kastanie im Hinterhof fällen, und in einer deutschen Industriestadt, die einst ein Zentrum der Aufklärung war, halten mündige Erwachsene egal ob harmlose oder tödliche Krankheiten für die Prüfung einer abergläubisch definierten Naturkraft, gegen die man nichts unternehmen darf.

Im Lenbachhaus lernt man derzeit (noch bis 3. Mai 2015) in der Ausstellung über die Künstlerfreundschaft von August Macke und Franz Marc, was Kunst mit Krieg, Tod und Verderben zu tun hat: viel zuviel. Rechnen wir mit: Die ausgestellte Künstlerfreundschaft endete am 26. September 1914 mit dem Ableben von August Macke bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne, Franz Marc folgte am 4. März 1916 in Braquis bei Verdun. Ohne mich mit beider Biographie genauer zu beschäftigen, glaube ich nicht, dass sie dort den Masern erlegen sind, sondern, wie es immer so liebenswert verschüchtert heißt: im Felde der Ehre gefallen. Für uns ist das durchschnittlich hundert Jahre her, was man sich bildlich gar nicht anders denn als raffeliges Schwarzweißfoto vorstellen kann — für die zwei betroffenen Künstler von zarten 27 und 36 Lenzen war daheim die Ölfarbe auf den letzten Werken, deren Farbenräusche im Lenbachhaus richtig toll zur Geltung kommen sollen, noch gar nicht richtig trocken. Die hätten einen anderen Job gehabt.

Mir war der Blaue Reiter immer reichlich wurscht: quietschibunte Pferdchen und Kühchen, anatomisch fragwürdige Portraits überkandidelter Weibspersonen und Urlaubslandschaften in einer Art Plaka-Farben — austauschbares, beliebiges Zeug, ganz nett als Verzierung für Bürokaffeetassen, nicht abgrundscheiße, nur eben nichts, woran ich je Geld und Kunstverstand gewendet hätte. Aber wenn keiner mehr einsieht, was der erste mit dem zweiten Absatz zu tun hat, sind Macke & Marc (und die paar anderen Millionen) umsonst gestorben.

Unschlagbare Neue Gespenster eingetroffen … (Eine Art Nachlese vom Oktoberfest in München – ein freundliches Anti-Wiesn-Bashing)

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Die Künstler sind wie Sonntagskinder; nur sie sehen Gespenster. Wenn sie aber ihre Erscheinung erzählt haben, so sieht sie jedermann.

 

Ich möchte fast glauben, Herr Pastor, wir alle sind Gespenster. Nicht bloß das geht in uns um, was wir von Vater und Mutter geerbt haben. Es sind allerhand alte, abgestorbne Ansichten und allerlei alter, abgestorbner Glaube und dergleichen. Es lebt nicht in uns, aber dennoch sitzt es fest in uns, und wir können’s nicht loswerden.

 

Neeiiiin, nicht Halloween. Das Oktoberfest! Sehet die unschlagbaren Gespenster.
Die Gespenster des Oktoberfests
Die unteren Gespenster abgedeckt. (Mer waas nie, wer sich alles erkennt am letzten Oktoberfesttag – und dann hat der Kater des Gschieß mit den Rechten … ^^. (… am Bild…)

Und lesbarer in Groß, mit allerbester Rächtschraipung:

Neue Gespenster eingetroffen! In Groß.
Auch diese auf den Augen schröcklich abgedeckt, mer waas ja nie …

Das war das Lustigste am Oktoberfest. Auf dem der Kater höchstselbst am letzten Tage flanieren tat.

 

Auch sehr lustig:
Der einzig wahre Maiskolben. Huldigt ihm!
Huldigt dem Maiskolben! (Blick vom Augustiner-Biergarten aus, aber hey!)

Er, der Maiskolben, ist zwar nicht sonderlich bairisch, aber des is wurscht, net woar. Er ist internationales Barbequju. Des is wichtig. Im Angesicht des majestätischen Maiskolbens im Biergarten des Augustiner-Wahrzeichens, des Turms, nahm der Kater trotz der Widrigkeiten (voll und kaum ein Plätzchen zu finden) traditionell eine Maß Augustiner und ein Hendl zu sich.

Gruß also von der internationalen Wiesn vom internäschonäl Kater. Habe Gerhart Polt gesehen. Wie er von der Alternativ-Wiesn kumma is. Mitsamt seiner Entourage. Ansonsten nix Wichtiges. Die Leut im Biergarten waren wunderbar, lieb, angenehm und gaaanz normal. Null Schickimicki, keine Besoffenen, keine Randalierer, kein IS. Habe es genossen, so soll Wiesn sein.

 

Gruß
Der Kater, das Sonntagskind
Der geliebte Kater Mor. Wie er die Welt sieht.
In sich ruhend und geliebt von den Seinigen.

Mia san mia – und Kaiser simma eh.
Was das Maldöschen auf Gleis 1 mit der Landesausstellung Regensburg zu tun hat …

An was ich mich erinnere, war die extreme Dunkelheit im Dom und das gleißende Licht draußen. Die gute, aber viel zu kurze Führung und wie laut es in einem Dom sein kann, wenn mehrere Führungen auf einmal stattfinden. Man durfte innen nichts fotografieren und die Madonna mit dem Distelfink in der Kapelle am Kreuzgang wäre eine Sünde (also ein unerlaubtes Foto) wert gewesen.

Dabei sind wir eigentlich nur nach Regensburg, um mein metallenes Maldöschen aus dem Gleis 1 zu fischen, das dort am vorigen Wochenende beim Umsteigen in Regensburg aus seinem Rucksack fallend verloren ging.

Genauer: Das Maldöschen war meins. Und ich greinte, dass er es so lässig in eine äußere Rucksacktasche gestopft hatte, musste ja. Bekam ich einen erneuten Samstag in Regenburg geschenkt. Wir gleich auf Gleis 1 mein Einbein-Stativ (Manfrotto) ausgefahren und mit Klebeband unten an der Spitze präpariert, zwei nichtsnutzige Sonnenbrillen und mein Döschen aus dem Schotterbett gefischt. Gleich warense da, die Bahnbeamten: “Was machen Sie denn da?”

Waren wir aber schon fertig, hehe. Wir: “Nix!”

Und wenn man schon einmal da ist in diesem Regensburg, dann ab zum Ludwig, damit es sich rentiert. Hört sich an wie eine Kneipe, ist aber ein stock-eigensinniger Bayer wie er im Buche steht.
Ludwig der Bayer: Wir sind Kaiser!
Bild: Junggesellinnenabschiede unten, und alter Sack oben.

Wo Ludwig sich einst mit der Obrigkeit, den Päpsten, anlegte, sitzen heute ganze Regierungen samt ihrem Volk die Probleme aus und wenden sich Schabernack und Kostümparties zu.

Aus dem Besucherbuch 25.05.2014: “Lieber Ludwig, wir bitten für Deine Entlassung aus dem Fegefeuer.”

Junggesellinnenabschied im Schatten des Doms
Man sucht an diesem Tag lieber den Schatten.

Figur mit Löwe an der Fassade des Regensburger Doms Figur mit Löwin an der Fassade des Regensburger Doms
Wüstentieren wie Löwe und Löwin ist das schon lange ziemlich wurscht.

Schattiger Innenhof mit Platane des Café Prock Regensburg
Kluge Wölfe retten sich in einen schattigen Hinterhof.

Wolf im Innenhof des Café Prock beim Eiskaffee

 

Es gibt frischen Beerenkuchen (Erdbeere, rote Johannisbeere, scharze Johannisbeere) und jede Menge Sahne
Tortenporn: Kühle, frische Beerentorte (Erdbeere, rote Johannisbeeren, Heidelbeeren) mit saftiger Mohnunterlage und Sahneberg.

Vertreter der Regensburger Hofspatzen
Vertreter der Regensburger Hofspatzen warten auf Krümel.

Sonnendurchglühter Fuchsengang, Regensburg
Der Fuchsengang in Regensburg präsentierte sich sogar noch beim Heimgehen um 18:00 als sonnendurchglühte, menschenleere Gasse. Diese verdammte Hitze! Aber die Dose ist wieder da, das ist das Wichtigste … . Lieber Ludwig magst ruhig sein.

 

Gegen die Macht des Digitalen (2)
Für mehr Achtsamkeit

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Albert Einstein

DEM KATER SÎN BLOG: Hier spricht der Kater.

Ohne Bienen sehen wir alt aus. Zwar gibt es auch bei einigen Pflanzen Windbestäubung, aber eben nicht bei allen. Hier noch ein paar Honigbienen-Exemplare zur nostalgischen Erinnerung. Alle Aufnahmen wurden im Rosengarten München gemacht. Rechts der Isar.

Viele Bienen auf Allium Giganteum, dem Riesen-Zierlauch
Riesenzierlauch, Allium Giganteum

Wer jetzt allmählich Musik aus dem Off hört, hat keine Hallus, sodern das ist der Video-Beitrag einen Beitrag weiter unten über einen wunderbaren Kalligrafen mit seiner bewundernswerten Handfertigkeit. Absolut sehenswert!

Einzelne Biene auf Allium Giganteum beim Pollensammeln,  Nahaufnahme
Riesenzierlauch, Allium Giganteum, close up

Keine einzige Biene auf Allium Christophii, dem Sternkugelllauch, zu finden
Sternkugellauch, Allium Christophii, close up

 

Gruß
Der Kater

 

Agnes’ neue Welt

Vieles erinnert an einen französischen Spielfilm, den es mal im Kino gab.
Aber der hier ist wahr:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-128.html
43 Minuten.

Wie eine Frau das Grobe, Autoritäre und Herzlose ihrer Kindheit hinter sich lässt und sich ein Leben in Fülle aufbaut. Hut ab! Einiges ist mir zu eso, doch das stört mich hier gar nicht. Es passt. Das Wort Achtsamkeit passt hier, absolut.

Einiges am eigenen Leben fällt einem da ein. War auch eine, der der harte Ton und das einander nicht Zuhören zuhause nicht gefiel und die ebenfalls rasch auszog. Was sie dann aber geschafft hat, übersteigt bei weitem das, was ich jemals hingekriegt habe. Ich habe tiefen Respekt: eine Riesen-Lebensleistung. Aber nicht wie man viel Kohle scheffelt und andere ausschmiert, sondern wie man mit der Gemeinschaft ein innerlich reiches Leben führt.

Der Trailer für Schnellgucker zur Einstimmung:


(Der leider zu viel aus BR-Eigenwerbung besteht, knurr)
 

 

Mehr Zeit statt Zoich

Auch dieses Weihnachten wünsche ich mir keine Hetze, sondern mehr Zeit für und mit meinen Lieben, meinem Mann, meiner Tochter, meiner Katze, meiner Familie.

Und dafür lieber keine Geschenke.

Ich wünsche mir und uns einen Kaminabend mit gutem Wein und guten Gesprächen, ich wünsche mir gemeinsames Kochen. Ein gemeinsamer Wander- oder Maltag mit meiner Tochter wäre auch nicht schlecht. Ich wünsche uns einen schönen Konzertabend mit stimmungsvollem eating out & getting drunk …

Diese Aktion hier kann dazu beitragen, dass sich der Gedanke mehr verbreitet, wie wertvoll geruhsame gemeinsame Zeit miteinander ist.

Die Website Zeit statt Zeug - eine gute Aktion nicht nur für Weihnachten.

 

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit!

 

 

Hurra, die neuen Zahnrädchen des Küchenmixers sind da. (Geplante Obsoleszenz ade)

(Was bisher geschah: Artikel Abschied in Wehmut. Voreiliger Nachruf auf einen Handrührer.)

Bin gespannt. Das Päckchen mit den neuen Zahnrädchen von Elektro-Franck ist gekommen. Werden sie passen? Wird das Küchenrührgerät wieder gehen? Schaun mer mal.

Bild: Die neuen Zahnrädchen liegen vor dem geöffneten Gehäuse des Mixers.
Die neuen Zahnrädchen (Beater Gears von Kenwood) für den Privileg-Mixer liegen bereit.

Obsolenz, nein Danke. die neuen Zahnrädchen sind da! Und schon eingebaut.
Und eingebaut. Die alten ausgeaperten Zahnrädchen jetzt vorne. Man sieht deutlich die Spuren der Zeit.

Bild: die abgeschliffene Stelle des alten kaputten Zahnrädchens
Und hier sieht man die abgeschliffene Stelle, die das Rührwerk des Küchenmixers mit einem Klackern sofort zum Stillstand brachte.

Bild: Jede Menge Staub im Inneren des Mixers.
Und so sieht es aus, wenn man alte Geräte aufmacht: jede Menge Dreck.

Bild: Der Innenraum des Küchenrührgeräts ist gesäubert und die reparierten Innereien dürfen wieder rein
Nach erfolgreicher OP darf das Rührwerk wieder zurück in den sauberen Bauchraum.

Bild: die Menga an Staub, die in einem alten Elektrogerät wie diesem Küchenmixer schlummert
Oha! Nichts für Ete-Petete-Prinzessinnen und Sagrotan-Hygieneapostel. Die Menge an altem gelblichem Mehl- und Umluftstaub, der in einem 30 Jahre alten Küchenmixer schlummert. In einer Kehrrichtschaufel sichtbar gemacht. Links das mit einem Pinsel gereinigte Gerät.

Bild: Das Rührwerk ist dank der neuen Zahnrädchen wieder voll funktionsfähig, der Motor läuft tadellos.
Man darf gerührt sein. In neuem Glanz und tadelloser Lauf: das Rührwerk und der Motor.

Bild: Beide Rührquirle drehen wieder.

14 Tage war der Mixer krank, jetzt dreht er wieder, gottseidank. Beweisfoto.

 

Top 5 Party-Facts über München

5.: In München hat seit 1498 keine Syphilis-Epidemie stattgefunden.

4.: In der Bogenhausener Wohnung vom Adolf ist heute die Polizei drin.

3.: Der einzige, der jemals die alte Marketing-Coach-Legende mit den Kosmetikartikeln auf dem öffentlichen Klo für voll genommen hat, ist der Allacher Schuhmair in der Ludwigsfelder Straße.

2.: Das Neuperlacher Einkaufszentrum Pep hat den einzigen Kaufland Münchens, einen Starbucks mit integriertem Theater und die größte freitragende Glaskuppel Deutschlands.

1.: Isar-Athen ist die nördlichste Stadt Italiens.

Florida

Buidl: Das Le Florida am Eck Kurfürsten- und Georgenstraße, selber gemacht. Schenk ich Ihnen vorsichtshalber, bevor mir einer copyrightlich was will. Dann muss es bloß noch jemand geschenkt wollen.

Abschied in Wehmut. Voreiliger Nachruf auf einen Handrührer.

Eine Satire – und dann doch eine echte Lösung.

UPDATE: Oder wie ich nach absolut verrückter Suche und verloren in politischen Netz-Wirrungen dann doch noch das rettende Zahnrad-Paar für mein 36 Jahre altes PRIVILEG-Mixerchen fand. (Lösung am Schluss des Beitrags, weit nach unten scrollen)

Ganz neu: Update II. Wie es weiterging: Geplante Obsoleszenz ade. Hurra, die neuen Zahnrädchen des Küchenmixers sind da. Bin gespannt: Der Einbau. Wird es klappen?

Ersatzteil Zahnrad für 36 Jahre altes Küchenrührgerät Privileg gefunden - Abschied in Wehmut

36 Jahre lang gerührt, nicht geschüttelt. R.I.P.

Der voreilige Nachruf

Damals, als die QUELLE noch nicht pleite war, sondern ein ordentliches biederes Unternehmen zu sein schien  –  und dessen Marke PRIVILEG der schwäbisch sparsamen, züchtigen Hausfrau als eine ziemlich ordentliche Handelsmarke vorkam …, da gründete ich meinen ersten eigenen Haushalt mit Mann und Kind. Dieser PRIVILEG-Küchenmixer mixte Füllungen und Teige, er folgte mir in meine dann wieder kleinere Bude, als ich in Nürnberg Studentin war. Und tat in München genau bis diesen Dienstag 22. Oktober 2013 seinen Dienst. Er verstarb, während er den Teig eines Zitronenkuchens rührte. Starb quasi in den Stiefeln.

Ich werde ihn vermissen, zu viele Erinnerungen hängen dran. Und: Heutige Rührgeräte sind bei weitem nicht so solide.

Ersatzteil Zahnrad für 36 Jahre altes Küchenrührgerät Privileg gefunden - Blick von vorne

Knack – der linke Quirl dreht nicht mehr. Ursache, Ergebnis der Obduktion: abgeriebenes, kaputtes Zahnrad innen, vermutlich auch abgenutztes Ritzel. Motor ist noch voll  o. k. Leider keine offiziellen PRIVILEG-Ersatzteile mehr für Doppelzahnrad und Ritzel. Inoffiziell ginge vielleicht noch was: Man müsste zig Elektro-Bastlerläden durchkrautern …

Hurra Ersatzteil Zahnrad für 36 Jahre altes Küchenrührgerät Privileg gefunden - Blick auf die Quirle, ganz von vorne

… schnief.

36 Jahre alt bist du geworden.

 

:::::::::::::::::::::::::::: UPDATE ::::::::::::::::::::::::::::::::::

Zusammenfassung: Nach dem Genuss unfreiwilliger Politsatire Lösungsansatz aufgetaucht

Hatte das Gerät ja auseinandergenommen – jede Menge Mehlstaub seit Herbst 1977 drin … (77, das Jahr der RAF-Schleyer-Entführung)

Obduktion ergab: Das Gehäuse war solide verschraubt, nicht wie heute das Glump zusammengeklickt oder gar geklebt. Die Kupferwicklung und der gesamte Motor geschützt und noch nach 36 Jahren nahezu sauber. Das ausgeaperte Zahnradpaar ausgebaut und im Netz nach einem gleichen gesucht. Wollte fast aufgeben, hatte null Erwartungen. Fand im Netz zufällig den Artikel Das Quelle Versandhaus und die Wirtschaftshilfe aus der DDR Wie der nach 45 entnazifizierte Quelle Konzern sich seinen Erfolg im Westen dadurch gesichert hat, indem er in der DDR die Privileg-Geräte gut und billig hat bauen lassen.

Ver-nuttete Kommunisten und der dumpfe Kapitalismus in trauter …, man ist fassungslos ….

Etwas sachlicher dieser Link: “Wikipedia über die Traditionsmarke Privileg bei QUELLE”

Der wirklich wichtige und weiterführende Gedanke, den der hoffnungsvolle Schrauber aus dem DDR-Artikel rausliest, ist aber der:
! Es gibt irgendwo noch Ersatzteile. Sie heißen nur anders: “Privileg” pappt(e) doch nur als Fassade auf den Geräten.

Also DDR und den Namen “AKA” gefunden:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/228357.reparatur-statt-muelltonne.htmlReparatur statt Mülltonne. Ein Hobbybastler repariert DDR-Handmixer und ein Betriebswirtschaftler erklärt den Leuten, warum Wegwerfen keine Lösung ist.” (Guter Mann, die Hoffnung aller Nostalgiker.) Seine Website: http://www.murks-nein-danke.de/

Dann weiter etwas hoffnungsvoller mit verbesserten Schlagworten gesucht wie “privileg baugleich mit …”, mit AKA (diese alte DDR-Marke, die heute von diesem Hobbybastler aus Berlin, s. o. betreut wird), mit AEG, auch mal mit Kenwood, weil ich plötzlich in der Bildersuche ein leider nur verdammt ähnliches mit “Kenwood” vertagtes Zahnradpaar sah. Grübel, Kenwood, die Billigheimer mit den Proll-Boxen im Manta …?

Ach, alles Halluzination. Ersatzteile von 36 Jahre alten Elektro-Geräten gibt es nicht mehr.

Gibt es doch!

Das Zauberwort war: baugleich. Wider allen Erwartens bei Elektro Franck unter HM320 und KMIX das optisch genau passende Zahnradpaar gefunden.

Lösung:

http://www.elektro-franck.de/index.php?cl=details&cnid=11596&anid=82961&listtype=list&&sid=slot79tcaucfgr4t4krnpmjcu2

HM320 =KMIX = Kenwood-Mixer. Hat alsoTeile wie der alte PRIVILEG-Mixer. Muss man auch erst mal draufkommen.

Also diese britische Küchengerätefirma Kenwood (nicht die japanische Kenwood mit den Boxen) hat also mit der Quelle, gar mit der DDR … oder die bieder-deutsch erscheinende, aber in Wirklichkeit gerissene Quelle damals schon mit Kenwood? Oder die DDR, die ihr Volk gnadenlos einsperrte und mit Zweitakter-Plaste & Elaste-Autos versah, auf die man über 10 Jahre lang warten musste, auch für Kenwood, das kapitalistische Böse in UK? Gomorrha. Will das gar nicht weiter-ermitteln.

Kostenpunkt des netten Zahnradpaars: 2,49 EUR plus Versandkosten.

Warte jetzt gespannt auf die Lieferung.

Wenn die Dinger passen, der Mixer damit wieder läuft, bestell ich gleich noch mal welche, sind ja heutzutage laut www.murks-nein-danke.de schnell verschleißende Verschleißteile von Handrührgeräten… :

Neuester Handrührer-Murks von ganz neuen Geräten (hier BOSCH): http://www.murks-nein-danke.de/murksmelden/handruehrgeraet-mfq-4020mfq40-bosch/

Der Mixer wird derart bevorratet Tortenfüllungen mixen bin in alle Ewigkeit. Und der Elektromüllberg nur ein paar µ-Millimeter niedriger sein.

 

Rente mit 70

Der Rente mit 67 oder gar mit 70 gewinnt nur eine kleine Minderheit etwas ab. Demografen und Ökonomen mögen solche Zahlen zur Verzweiflung treiben. Spricht aus ihnen nicht eine Wirklichkeitsverweigerung, die an Verstocktheit grenzt? Haben die Deutschen noch nie etwas von der sich umkehrenden Alterspyramide, vom jetzt schon zu spürenden Arbeitskräftemangel, von Generationengerechtigkeit gehört? Liegt ihnen an der Erwerbsarbeit nichts, die doch nach landläufigem Verständnis das entscheidende Portal zu einem gelungenen Leben ist?

Natürlich haben die Deutschen von alldem gehört. Frührente streben die wenigsten an. Und wenn die Not es wirklich gebietet, werden die meisten arbeiten bis zum Umfallen, was denn sonst? […] Ohne großes Murren haben die Deutschen es hingenommen, dass die Rentenreformen der vergangenen Jahre faktisch nichts anderes als Rentenkürzungen waren. Sie wissen um die Funktionsgesetze des Rentensystems. Aber jeder Einzelne versucht doch, der Tributpflicht in diesem System eigene, individuelle Grenzen zu setzen. Das hat durchaus etwas mit Selbstbestimmung zu tun. […] Die Aussicht auf Kinderbetreuung und Altenpflege veranlasst die Deutschen offenbar nicht dazu, sich länger als unbedingt nötig am Arbeitsplatz aufzuhalten. Die Familienarbeit hat gegenüber der Erwerbsarbeit den großen Vorzug, dass sich ihr Sinn ohne Weiteres erschließt.

Eckhard Fuhr: Diese kostbare Zeit in: Die Welt, 6. August 2013.

Englischer Garten München, Eisbach, Sonntagfrüh 7 Uhr

“Mei, Hansei!”

“Wosn, Gretl?”

“So schee is heit!”

Wunderschee is heit, Gretl.”

“So schee!”

“Du, Hansei?”

“Was nachat, Gretl?”

“Du, Hansei! Was mechst jetz du amoi macha, wannst amoi sechzg Johr oit bist?”

“I und sechzge! Omeiomeiomeiomei, Gretl, wann ma des no derlebm kanntn!”

“Sei kannt’s scho.”

“Ja, gell, sei kannt’s scho. Ja, was wollt ma da no macha.”

“Dei Rentn kriagst eh erscht mit siebzge. Da muaßt scho no irgendwos macha.”

“Dann will i jednfalls nimmer nach der Pfeifn von so am fuchzjahrign Rotzleffl tanzn miassn.”

“Ja, gell, Hansei, des waar schee, wann ma des kannt.”

“So schee waar des!”

“Altenpfleger!”

“Wie meinst, Gretl?”

“Altnpfleger kanntst wern! Altnpfleger, de wern gsuacht!”

“Ja, da hast recht, Gretl. Mit sechzge kannt i a Altnpfleger wern.”

“Aber Hansei, kamma denn mit sechzge no was Neis wern?”

“Warum denn net, Gretl. Mei Vater war Eisenbahner. Wie der vierzge war, hat der überlegt, ob er net Rentner wern kannt.”

“Ja, dei Vater! Und der war Eisenbahner! Und der war vierzge!”

“Ja, genau. Und i bin dann halt der Hansei und sechzge.”

“Und Altnpfleger, die wern ja gsuacht.”

“Ja, genau, Gretl, Altnpfleger wern gsuacht. Rentner, die wern net gsuacht.”

“Naa, Hansei, da san’s froh, wann’s koan sehng!”

“Haha, ja. Und da kannt i endlich meim oitn Schulspezl oans neiwürgn, der wos mi oiwei nia in sei Fuaßboimannschaft neigwählt hat, obwohl dass i’n oiwei hob abschreibm lassn in Deitsch. Na wart, wenn der im Altersheim is und zu mir kummt.”

“Ja, Hansei, des machst!”

“Und ob i des mach. Und wenn i siebzge bin, dann geh i in Rentn.”

“Is ja eh nimmer so lang hin, wiest jetz scho g’arbat hast!”

“Naa, Gretl, so lang is nimmer.”

“Is dei Vater dann mit vierzge a Rentner worn, Hansei?”

“Naa, Gretl. A Pensionist is er worn. Und aa erscht mit über fuchzge.”

“Was hast du gmacht, wiest vierzge warst?”

“O mei, Gretl. Woaß i heit nimmer. Wahrscheinlich no studiert.”

“Was, studiert hast aa?”

“Freilich, Gretl. Sonst wird ma ja nix.”

“Naja, vui worn bist aa so net.”

“Da hast recht, Gretl. Aber wie i fuchzehn war und was hätt lerna solln, da war i no zu bläd.”

“Was hättstn da lerna wolln, mit fuchzehn?”

“Hab i aa net gwusst. Wennst denkst: Da war i ja erscht fuchzehn!”

“Hast aa wieder recht, Hansei. Mit fuchzehn warst du bestimmt saubläd.”

“Ham’s mir aa alle gsagt. Da hab i halt des Abitur gmacht und studiert.”

“Und? Hat’s was bracht?”

“Was soll’s bracht ham. A Arbat hab i gfundn.”

“Ja, Hansei, des is gscheit. A Arbat braucht ma ja.”

“I hab koane braucht. A Geld hab i braucht.”

“Da hättst aber mehra kriagt, wennst scho mit fuchzehn was glernt und des Arbatn angfangt hättst!”

“Da miassat i ja fünfundfuchzg Jahr lang arbatn, von fuchzehn bis siebzge!”

“Ja, Hansei, des is lang.”

“Jetz is scho nimmer so lang.”

“Wann hast nachat du zum Arbatn angfangt, Hansei?”

“G’arbat hab i dauernd was, aa mit fuchzehn scho. Bloß zahlt ham’s alle nix.”

“Aber wennst arbatst, da muasst doch a Geld rauskriagn!”

“Beim Ferienjob praktisch nix. Beim Praktikum meistns gar nix. Beim Bund aa net viel. Am meistn springt beim Studiern raus, da zahlst koa Steuer net. Und mit dreißge war’s dann eh scho wurscht.”

“Warum war’s da wurscht, Hansei?”

“Na, mit dreißge machst aa koa Karriere nimmer.”

“Und studiert hast, damitst a Arbat findst. Und weilst so lang studiert hast, kriegst jetzt nix.”

“Genau, Gretl. Des is des mit dem Ding.”

“Aber dann arbatst ja doch fünfundfuchzg Jahr lang, wennst mit fuchzehn angfangt hast?”

“Irgendwie scho, Gretl. Bloß rauskriagn duri nix.”

“Aber mit sechzge wirst ja Altnpfleger.”

“Naja …”

“Ja — net, jetzt?”

“Na, vielleicht muaß i aa einfach mein eignen Vater pflegn.”

“Aber der zahlt dir ja nix, Hansei!”

“Freilich net.”

“Da kannst ja froh sei, dasst koane Kinder hast, sonst miassast die aa no pflegn!”

“Genau, Gretl. Da samma froh.”

“Aber Hansei!”

“Was nachat, Gretl?”

“Wolltst du aba net nachat aara Buach schreibm? Und Tomatn züchtn! Und a lange Wanderung macha! Und über Moos und Flechtn und Farn und Gros und Schwammerl und Kreizblütler forschn! Und des Klavierspuin lerna! Und oamoi a rothaarade Österreicherin vegln! …

“… kennalerna, hab i gsagt …”

“… kennalerna! Aber gä, Hansei, bussln daadsda’s scho aa, ha?”

“A geh weider. Wos wui denn des arme Madl mit so an oidn Saubartl wia mir.”

“Und … und … und amoi Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ganz auslesn!”

“Scho, Gretl. Kann i ja dann ois.”

“Ja, und — wann machst nacha des?”

“Mit siebzge dann.”

“Wennst dann no was siehgst, moanst!”

“Ja, genau, Gretl, wenn i dann no was siehg.”

“Aber wennst Glück hast, bist ja dann scho hii.”

“Ja, genau, Gretl, wenn i Glück hab.”

“Des wird schee, Hansei!”

“So schee.”

Buidl: Englischer Garten z’Minga am Eisbach, Sonntagfrüh um siebene.
Wann denn wohl sonst.

(Der Text ist zum Vortrag freigegeben. Funktioniert bestimmt auch in anderen Dialekten. Bloß erfahren will ich gern davon.)

Bus 502 ins Präkambrium

Als einen seiner dankenswerten Exkursionshinweise gibt Peter Rothe in Die Erde. Alles über Erdgeschichte, Plattentektonik, Vulkane, Erdbeben, Gesteine und Fossilien (Abschnitt Eine kleine Geschichte der Erde):

An der Bushaltestelle “Zirkel” bei Glasbach-Mellenbach, Schwarzatal im südlichen Thüringer Wald: Präkambrische metamorphe Sedimentgesteine, denen man ihre Herkunft von Grauwacken und tonigen Gesteinen noch ansieht; durch die nachfolgende Gebirgsbildung sind sie intensiv gefaltet, geschert und zerbrochen.

Erinnern Sie sich aus Erdkäs noch, wann Präkambrium war? Ganz flau kann einem werden, so blödsinnig irrwitzig schwindelerregend lange ist das her. Und im Schwarzatal, wenn man auf den Bus wartet, blickt man in diesen Abgrund; da darf der Professor Rothe sogar ausnahmsweise Glasbach-Mellenbach mit Mellenbach-Glasbach verwechseln, der Mann ist ja so viel rumgekommen.

Dergleichen zu wissen ist vermutlich nicht der Sinn des Lebens. Was der Sinn des Lebens denn sonst sein soll, weiß ich allerdings auch nicht.

Beiträge zur Infrastruktur des Alpenvorlandes: Malerwinkel

Flaschen, Tüten und Papier
Sind dem Walde keine Zier.
Schleppst Du sie gefüllt hierher,
Trägst Du heimzu auch nicht schwer.

PR-Lyrik seit ca. 1950.

Malerwinkel, das ist nicht das Eck, das die Esomieze vom dritten Stock in ihrem Abstellraum eingerichtet hat, das ist ein Flurname. Den Malerwinkel bei Geretsried mein ich, gelegen in der Gemarkung Schuss, ziemlich genau in der Mitte des zweiten Tages auf dem direkten Wanderweg von München nach Venedig. Alle Malerwinkel, die Google sonst kennt, liegen in anderen Winkeln und kosten meistens Halbpension. Das Material beschränkt sich auf einen Absatz PR-Prosa bei der Via Bavarica Tyrolensis.

Dabei wurde da ein “Weg der Geschichte” in zwei handlichen Teilstücken zu 10 und 18 Kilometern angelegt, auf dem man allerhand lernen kann. Zum Beispiel Vokabeln wie “Gemarkung”, “Würm-Eiszeit” und “Deltaschotter”:

Schild Malerwinkel, Weg der Geschichte in Königsdorf

Die Gegend auf dem Steilufer über dem Zusammenfluss von Rottach und Isar heißt “Malerwinkel”, weil sie ein beliebtes Motiv für Maler ist.

Vor etwa 15.000 Jahren, gegen Ende der Würm-Eiszeit, durchbrach die Isar, die vorher südlich von Bad Tölz Richtung Inn geströmt war, den Moränenrücken zwischen dem Malerwinkel und Rampertshofen und ergoss sich in den Wolfratshauser See, der sich von Hohenschäftlarn bis Bad Heilbrunn erstreckte. Diesen See füllte die Isar zunächst in seiner Mitte durch die Aufschüttung von Deltaschotter im Raum Königsdorf-Wiesen und im Raum Gelting auf. Bei Hohenschäftlarn durchbrach sie daraufhin den hoch aufragenden Endmoränenwall des Isar-Loisachgletschers, so dass der Wolfratshauser See an seinem Nordende auslief. Er wurde das Opfer der reißenden Isar.

1877 wurde in der Nähe des Malerwinkels ein gut erhaltenes Bronzeschwert gefunden. Es befindet sich jetzt in der Prähistorischen Staatssammlung in München.

Der Fischreichtum von Isar und Rottach und gute Jagdmöglichkeiten in den umliegenden Wäldern hatte[n] offensichtlich schon in der Bronzezeit (1.800 bis 700 vor Christus) Menschen in den Malerwinkel gelockt.

Ein Vergeben des Flurnamens “Malerwinkel” veranschlage ich aus sprach- und kulturhistorischer Kenntnis in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als es für den Geretsrieder Sommerfrischler so normal wie heute ein Rutsch zum Gardasee war, mit Staffelei unterm Arm und den Biedermeier im Sinn schöne Landschaften vor Ort in Öl zu pinseln. Da lasse ich mich von zuständigen Experten korrigieren, die z.B. die PR-Prosa für die Via Bavarica Tyrolensis verantworten, aber bis auf begründeten Widerspruch werde ich das glauben.

Malerwinkel hinter Geretsried bei Schuss

So malerisch es da tatsächlich aussieht, wird’s aber wohl nichts werden mit dem Widerspruch: Fischreichtum von Isar und Rottach und gute Jagdmöglichkeiten waren vielleicht in der Bronzezeit ausgeprägt, heute gibt’s zwischen Geretsried und Bad Tölz nur alle paar Kilometer ein Schild vom Weg der Geschichte, aber praktisch kein Wirtshaus, und das kann sich ganz schön hinziehen. Der land- und forstwirtschaftlich orientierten Gemarkung Schuss wird das eher wurscht sein.

Also, geschätzte Kulturwanderer: Brotzeit selber mitbringen, aufs Einwickelpapier unter gestalterischer Einbindung der Butterfettflecken spontane Bleistiftskizzen werfen und schön wieder mit heimnehmen.

Geretsrieder Arsch

Ausführliche Fußmärsche machen übrigens wirklich klug: Diese Woche wurde ich nachts um drei mitten in München von einem Taxifahrer nach dem Weg gefragt. Und hab ihn gewusst.

Das Wetter:

Paul Gerhardt, Praxis Pietatis Melica – Das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen, 1653, TitelblattAnhaltende Schauder.

Die Bächlein rauschen in dem Sand,
und mahlen sich und ihren Rand
mit schattenreichen Myrthen,
Die Wiesen liegen hart dabei,
und klingen ganz von Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten.

Paul Gerhardt: Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in: Praxis Pietatis Melica – Das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen, 1653, 5. Strophe.

Damit weiter im Programm. Schönes Wochenende.

Bild: gemeinfrei.

Tigercontent: Die größte Katze der Welt

“Kleine Jungen müssen immer etwas werden. Ein Tiger ist immer ein Tiger”, sagt Hobbes (nicht verwandt). Kleine Jungen müssen in der Kälte wohnen oder mühsam hinfahren und dem Sikahirschen die Nahrungsgrundlage entziehen, der seinerseits die Nahrungsgrundlage des Amur-Tigers Panthera tigris altaica ist. Das macht keinem der Beteiligten so richtig Spaß, die kleinen Jungen könnten also am liebsten sofort damit aufhören.

Amurtiger, Derek Ramsey, 18. Februar 2007Wenn sie nur auf die Vorträge in der Zoologischen Staatssammlung München hören wollten. Vielleicht braucht es ein gewisses Lebensalter, um sich auf Einladungen zu Vorträgen einzulassen, die nicht mal eine Multimedia-Show, sondern allen Ernstes Dias versprechen; wobei ich zugeben muss: Bei einer Androhung von PowerPoint hätten selbst wir gekniffen. Einer der zuständigen Freunde ist jedoch jung genug von Herzen, einen fleißig und kompetent bestückten Weblog zu führen.

Der Eintritt war frei. Und dann erzählt der Herr Claus M. Schmidt eine Dreiviertelstunde an seinen Urlaubsdias entlang, wie er eine Woche am Rande von Sibirien einmal keinen Tiger gesehen hat. Was auch gut so ist, sonst könnte er nicht länger vor uns stehen. Es trägt durchaus ein paar Tage lang, sich zu merken: Der Amur-Leopard Panthera pardus orientalis ist flauschiger als alle anderen. Wer das nicht interessant findet, kann ja gern PowerPoint-Präsentationen über die Optimierung von irgendwelchem wichtigen Zeug beiwohnen.

Sie haben es nicht nötig, ihr Merchandising hinter Glas zu halten oder auch nur eine sichtbare Kasse aufzustellen: Wer ein Kinder-T-Shirt mit einem Hirschkäfer drauf oder einen Satz Kunstkarten mit altertümlich penibel gezeichneten Eulenarten klaut, nur weil sie da wahrscheinlich keine Videoüberwachung haben, nimmt auch kleinen Mädchen das Eis weg (gut, bei Geliebtes Schwarzhölzl: Schicksal einer Landschaft im Münchner Nordwesten und Durch Streuwiese und Auenwald: Erlebniswandern in oberbayrischen Naturschutzgebieten von Josef Koller aus Karlsfeld könnte ich ein Eigentumsdelikt kurz erwogen, aber sehr schnell wieder verworfen haben).

Sie tun nicht so, als ob sie etwas anderes wären als eine idyllische, einnehmend verschnarchte wissenschaftliche Forschungssammlung in Obermenzing. Allein das ist die 30 Euro Jahresbeitrag wert.

Süßes Katzenbild: Derek Ramsey: A photograph of a cub of an Amur Tiger, taken at the Pittsburgh Zoo, February 18, 2007.

Verhalten im Weihnachtsfall

Weil Weihnachten ist, fangen wir an mit einer guten Nachricht: An Weihnachten sind Sie mit einem sozialprestigebefreiten Beruf im Vorteil. Wenn Sie Designer, Krankenschwester, Bierschwemmenbedienung, Domina, Politiker, Texter oder was mit Medien sind, wird Ihnen ohne weiteres abgenommen, dass Sie über Weihnachten arbeiten müssen und leider nicht zur Feier erscheinen können. Dass der Erlöser zuerst den Unterprivilegierten in der Provinz erschien, trägt für uns Heutige sehr wohl eine exegetische Botschaft.

Und das sag ich Ihnen jetzt. Wenn es Sie also schon erwischt hat und Sie für den Heiligen Abend in eine erklärt feierliche Runde (etwa Heilsarmee, Eltern, angeheiratete Familie) vorgeladen wurden, helfen immer noch einige Verhaltensregeln.

Meiden Sie Getränke, die Tiroler Hutzelpunsch, Markbrandenburger Gurkenwasser, Heißer Erzbegirgischer Nussknacker oder Schlimmeres heißen. Unterlassen Sie zu erörtern, ob das Zeug genau wie die “polnische Hafermastgans” aus einer chinesischen Rattenküche stammt. Auch dann, wenn Sie in der Zutatenliste in 2-Punktschrift mehr als drei Druckfehler finden, ohne zu suchen. Ich weiß, wovon ich rede.

Solange niemand das Wort an Sie richtet, leisten Sie unauffällig Ihren Beitrag zu Herstellung und Beseitigung des Weihnachtsessens. Verzehren Sie maßvoll Gebäck, und zwar von jeder Sorte gleichmäßig zwei Stück. Sobald Ihnen jemand eine Frage stellt, äußern Sie ausschließlich Zustimmung und Lob. Notfalls würdigen Sie den Salzteig, der außen an der Haustür klebt, und die Katze. Ansonsten nutzen Sie jede Gelegenheit, den Mund zu halten.

Wenn Ihnen jemand zu viele Fragen stellt, machen Sie den DJ, das ist eine akzeptierte Tätigkeit auf jeder Art von Feier. Beachten Sie dabei: “Wir warten aufs Christkind” von den Toten Hosen ist keine Weihnachtsplatte, das Vintage-Doppelalbum “Die lustige Witwe” mit René Kollo und Anneliese Rothenberger von Ihrem Vater schon. Wenn der Vinylplattenspieler schon seit 1991 unrepariert auf dem Dachboden herumrostet, ist dieses eine Mal im Jahr Bayern 1 ein zulässiger Radiosender. Faustregel: Wichtige Musik ist, wenn da welche Geige spielen und die Frau so piepst.

Spielen Sie auf keinen Fall den Helden. “Vom Himmel hoch, da komm ich her” hat je nachdem, wo man nachschaut, 62 oder 164 Strophen und wäre demnach Martin Luthers zweitgrößte Leistung als Texter. Es ist Konsens, nur die ersten drei Strophen von allen Liedern abzusingen. Setzen Sie getrost voraus, dass alle anderen auch nur die erste kennen. Die erste Zeile geht: “Vom Himmel hoch, da komm ich her”, alle folgenden: “Da dáram dá, da dáram dá.”

Wenden Sie kein Musikinstrument an. Besonders keines, in das man hineinblasen muss.

Stufen Sie die so genannte gewaltfreie Kommunikation als das ein, was sie ist: eine besonders perfide Kampftechnik mit zulassungsfreien Waffen. Verzichten Sie deshalb auf die “Ich-Aussagen” dieser Lehre, geben Sie lieber jederzeit jedem Recht. Auf eigene Konfliktgegner wirken Sie stets deeskalierend ein, auf fremde sicherheitshalber gar nicht. Nicht jeder Satz, der mit “Ich” anfängt, ist gleich ein Manöver der gewaltfreien Kommunikation. Warten Sie deshalb das Satzende ab, bevor Sie die Sprecherin verprügeln.

Rufen Sie sich schon während der Zurüstungen und vor allem während der Feierlichkeiten immer wieder ins Gedächtnis: Die Zeit arbeitet für Sie. Was erst einmal angefangen hat, ist praktisch auch schon vorbei. So eine Christmette fängt heutzutage schon um 22.00 Uhr an, das war noch vor zwanzig Jahren gerade mal die Zeit für eine Kindermette. Dazu müssen Sie schon um halb neun los, um nicht auf einen Stehplatz hinterm Taufbecken gedrängt zu werden, so lange halten Sie zur Not durch. Bis zum eigentlichen Showteil übt der Organist gerne schon ein paar Händevoll Bach-Fugen, das kann wirklich schön sein. Lauschen Sie ergriffen, das spricht für Ihre Andacht.

Diese Metten mit Hochamt, großem Bahnhof und drei vollständigen Kantaten wurden vor einigen Jahren von kirchlichen Seelsorgern in den späten Nachmittag vorverlegt. Damit folgten sie der Erfahrung, dass sich die Gemeinde, zu lange sich selbst ausgesetzt und von Tiroler Hutzelpunsch befeuert, zu oft gegenseitig mit dem Christbaum erschlägt oder Baumspitzen, brennende Tannenzweige und Krippenfiguren in Körperöffnungen rammt, die es gar nicht gibt.

Durch solche Ursprünglichkeit drücken manche Familienverbände ihre Zuneigung untereinander aus. Respektieren Sie das Brauchtum und zugleich Ihre physischen Grenzen.

Nach der Christmette, in eher humanistisch orientierten Haushalten oder solchen, die Hanukkah begehen, sogar schon nach dem Essen, ist Ihr geordneter Rückzug legitim. Handeln Sie kooperativ, aber zielgerichtet. Geben Sie jedem die Hand und wünschen Sie “Fröhliche Weihnachten” und, ganz wichtig: “einen guten Rutsch”, nicht dass noch einer vor Silvester schon wieder anruft. Antworten Sie auf alle weiteren Ansprachen eisern: “Feiert noch schön.” Wird erwartet, dass Sie sich für etwas bedanken, bedanken Sie sich ohne Zeitverzögerung. Vermeiden Sie Ihren sarkastischen Tonfall. Streunen Sie durch die nächtliche Stadt und schließen Sie für einige Stunden Freundschaft mit einer studentischen Bierschwemmenbedienung.

Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch, feiert noch schön.

Soundtrack: “Stille Nacht”, was denn sonst? Und zwar in der einzig wahren Version von Tom Waits, 1989.

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